Hi!
Was ist im mittelalterlichen Deutschland? Es war doch mehr
oder minder dasselbe Volk mitdenselben Göttern usw… Trotzdem
haben sie sich ständig bekriegt.
Korrekt.
Weil es im Mittelalter keinen saturierten Nationalstaat gab. Der ethnische Begriff „Volk“ war im Mittelalter alles andere als gut ausgeprägt (jemand aus dem Herzogtum Bayern war im Mittelalter nicht in der Lage, sich mit jemandem aus dem Herzogtum Sachsen zu unterhalten, weil die völlig unterschiedliche Dialekte sprachen - ausgenommen war vielleicht die klerikal gebildete Schicht, die ein vereinheitlichtes Vulgata sprach).
Den Begriff „Volk“ als Kultur- oder Nationalvolk hat es im Mittelalter in Deutschland nicht gegeben. Dieser „Nationalgedanke“ ist erst in der Folge der Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich aufgekommen.
Was ist mit dem antiken Griechenland?
Das antike Griechenland bestand aus einer Anhäufung von Stadtstaaten, die sich in Bündnissen gegen äußere Feinde schützten, und nicht als Nationalstaat oder Nationalvolk. Erst durch Bedrohung von außen wurden die Gemeinsamkeiten deutlich (alles Fremde war „barbaros“). Das genaue Gegenteil dazu waren das antike Persische und Römische Reich, die stetig vereinnahmten und so fortwährend Widerstand gegen die Zentralherrschaft provozierten.
Waren die amerikanischen Indianer untereinander ständig befreundet?
Wo bitte hast du hrt, daß die nordamerikanisches Indianer ein einheitliches Volk waren, sich als solches verstanden, oder eine ethnische Gemeinschaft bildeten? Es gab Wald-, Prärie- und Wüstenindianer, dazu gehörten sie noch unterschiedlichen Sprachfamilien. Eine zutiefst heterogene Bevölkerung.
Was ist mit den Revolutionen in
Frankreich, Deutschland, Polen und nicht zuletzt Russland?
Richtig, schauen wir uns diese Staaten genauer an. Die Revolutionen wurden ausgelöst durch politische oder wirtschaftliche Mißstände. Das Volk meutert gegen die jeweiligen Herrschaftssysteme. Das sagt aber nichts darüber aus, wie es mit ethnischen Minderheiten umging.
Bekanntermaßen gab es in Rußland eine Vielzahl von Pogromen. Minderheiten aller Art wurden unterdrückt, verjagt, getötet. Da ging es gegen die Juden, gegen die Tataren, gegen asiatische und sibirische Volksstämme.
In Österreich-Ungarn, ebenfalls einem typischen Vielvölkerstaat, gab es haufenweise Konflikte aufgrund der ethnischen Zusammensetzung dieses Staatsgebildes. Deutsche, Tschechen, Ungarn, Kroaten - sie hatten alle eine ethnische Eigenständigkeit, die künstlich gedeckelt wurde. So ein Staat muß früher oder später auseinanderbrechen (siehe Beispiel Jugoslawien: die Klammer, die alles zusammenhielt, hieß Tito. Als er starb, brach das Land in blutigsten Konflikten auseinander).
Auf der anderen Seite gibt es sehr viele „Vielvölkerstaaten“,
in denen es keine Bürgerkriege gibt.
Was für eine Pauschalaussage.
Nenn mir doch mal ein paar „Vielvölkerstaaten“, wo kulturelle und ethnische Unterschiede bestehen und wo es nicht zu Konflikten kommt. China vielleicht? Oder Indien? Die Meldungen aus diesen Ländern sagen was anderen.
Vielleicht der Kongo? Dort schlachten sich ethnische Gruppen selbst im tiefsten Urwald ab.
Etwa Brasilien? Wie geht man denn da mit den Indios im Urwald um, die ums Verrecken nicht ihr Land freigeben und ihren Lebensstil ändern wollen?
Die USA etwa? Wie sind denn dort die Verhältnisse? Auf der einen Seite die WASPs, auf der anderen die Afro-Amerikaner, und dann noch die Latinos. Vor ein paar Jahren erst hat es bürgerkriegsähnliche Zustände in Los Angeles gegeben, und die Bandenkriege in den Großstädten sind doch nichts anderes als Krieg im kleinen Umfang.
Übrigens die Vorstellung,
dass Deutscher=Deutscher ist, ist auf keinen Fall richtig. Die
Wertevorstellung variiert doch auch, auf der religiösen Seite
hat man den orthodoxen Katholiken, den Evangelen, den
Atheisten usw.; siehst du in diesem Mix die Bereitschaft zum
ernsthaften Konflikt?
Nein, hier sehe ich kein Konfliktpotential, zumindest nicht ein gewalttätiges, eben weil zwischen den Bevölkerungsgruppen ein Konsens herrscht, der durch mehrere hundert Jahre gemeinsame Geschichte erreicht wurde.
Nun kommt noch der Muslim dazu
(eigentlich ist er schon länger hier, aber nun wird er
markiert).
Genau. Und jetzt wird Konfliktpotential hineingetragen, weil der gesellschaftliche Konsens über Regeln der Gemeinschaft gebrochen wird.
Erstaunlich ist doch, daß in diesem Lande zig Tausend Asiaten leben, die ebenfalls eine eigene Religion haben. Nur höre ich von denen so gut wie keine Forderung, daß hierzulande die Lehrinhalte an Schulen und die moralischen Vorstellungen in der Gesellschaft verändert werden müssen, weil die hiesigen Ansichten nicht konform gehen mit den eigenen. Woran liegt das? Vielleicht daran, daß die asiatischen Religionen „Angebotsreligionen“ sind, während der Islam sich immer die Weltherrschaft ans Revers pappt und Andersmeinende nicht akzeptieren kann?
Grüße
Heinrich


