ich möchte mal eine Frage stellen, die vom Thema her etwas heikel ist.
Wir haben ein sehr schönes neues Gästezimmer mit Dusche, das wir über eine professionelle Agentur vermieten.
Kürzlich war ein Gast (Messeaussteller, gut situierter Geschäftsmann ca. 60 Jahre alt) für 5 Tage bei uns und hat doch tatsächlich am letzten Tag vor der Abreise in die Dusche „geschissen“ (entschuldigt die harte Ausdrucksweise, aber es war genauso!)
Der Stuhlgang war hart, mit dem Fuß in den Ablauf reingetreten, Deckel wieder drauf und verstopfte so den Ablauf, also keine Ausrede „Dünnpfiff, und es hat nicht mehr zur 2 Meter entfernten Toilette gereicht“.
Den Vorfall habe ich mit Bekannten besprochen und dabei ähnliche Geschichten gehört. Ein schlecht behandelter Arbeiter hätte auf der Baustelle in einem Kellerraum in eine Schublade reingesch…
Ein anderer in eine Zimmerecke.
So, genug der Schilderungen, meine Frage nun:
Gibt es Leute die sowas absichtlich machen und dabei mehr Spaß als Scham empfinden?
Was ist der Grund für solche Handlungen? Ist es eine Lust, eine Abartigkeit oder was sonst, das diese Leute dazu bringt?
Gibt es dazu Internetseiten, oder weiß da jemand was fundiert von euch?
neben den nicht gerade sinnvollen Antworten, die du bis jetzt bekommen hast, versuche ich mal dir eine ernstgemeinte Antwort zu geben.
Es gibt tatsächlich Menschen, die an so etwas Freude haben. Teilweise aus sexueller Sicht (Fetischismus), teilweise einfach nur weil sie aus irgendwelchen Gründen meinen sie könnten sich damit für etwas revanchieren, was ihnen nicht so recht gefallen hat.
Verstehen muss man sowas sicherlich nicht. Aber wenn du nähere Informationen zu diesem Thema suchst, empfehle ich dir über Google oder eine andere Suchmaschine im Internet zu suchen. Du wirst bestimmt fündig.
Hallo Finus
Die anale Aggression ist DIE klassische Art, seine Aggression herauszulassen. Dies zeigt sich u.a. ja schon an den Schimpfwörtern, die -zumindest in Deutschland, dem klassisch analen Land- im Wesentlichen analen Ursprungs sind („Scheiße!“, „Arschloch!“ usw. usf.)
Gruß,
Branden
hallo Branden,
findest Du Deutschland wirklich so klassisch betr. anale Aggression? Kann ja sein, daß diese „anale“ Ordentlichkeit z.B. im Holocaust zu diesem Gedanken führt - aber wenn ich mir amerikanische Filme ansehe, geht so gut wie keiner ohne irgendwann eingestreute anale Details ab. „Hebt gefälligst Eure Ärsche raus aus diesem Raum…“ " wenn du bitte jetzt mal deinen Kopf aius dem Arsch ziehst und … " „nimm den Finger aus dem Arsch…“ endlose Kette, geläufig und selbstverständlich geäußert. Sehr viel häufiger als je in deutschen Fernsehsendungen. Die analen Schimpfwörter gibt es in England/ Amerika genauso wie in Deutschland, ich vermute, es gibt sie überall in etwa gleicher Zahl. Oder was meinst Du? Ihr? Gruß, I.
was den Sechzigjährigen zu sowas verleitet hat, kann ich dir wirklich nicht sagen. Vielleicht wollte er irgendwelche Aggressionen ablassen. Es gibt viele Menschen, die unter imensem Druck stehen oder die einfach unzufrieden mit sich selbst sind und dann einfach irgendwo Dampf ablassen wollen. Wenn es dann Servicekräfte im weitesten Sinne sind, dann sind, sind die ein gefundenes Fressen, weil sie ja freundlich bleiben müssen.
Habe mal bei Ikea gejobbt. Ist nicht zu fassen, wie sich die Kunden aufführen. So hab’ ich mich noch nie in irgendeinem Laden bekommen. Aber die Leuten haben eben Druck und nichts weiter als Geld als Entgelt für ein Martyrium von Tagesablauf.
Es ist mir nicht neu, dass Bauarbeiter, die vom Bauherrn schlecht behandelt werden mal an die Wände pinkeln, damit sich der Uringeruch im Mauerwerk festsetzt. Dadurch, dass Bauherren gerne billig-billig-billig bauen wollen, bekommen irgendwelche Polen, die sonst nichts finden eben 5€ die Stunde und werden rumgescheucht bis dort hinaus. Dass die sich irgendwie rächen wollen, kann ich nachvollziehen.
Du sprichst ein Problem an, dass schon fast in die Soziologie gehört. :o)
Hallo Irmtraut
Ja, ich finde schon, dass das ANALE in mehrfacher Hinsicht in Deutschland besonders deutlich auftritt.
Bei den Schimpfworten z.B. haben wir da einen eindeutigen Schwerpunkt, während dies in den anglo-amerikanischen Ländern doch einigermaßen verteilt ist zwischen anal und sexuell. Ich denke sogar, dass im anglo-amerikanischen Raum das Sexuelle bei den Kraftausdrücken überwiegt; denken wir nur an das heutzutage sehr verschwenderisch gebrauchte „FUCK“ in all den Varianten von FUCK YOU bis MOTHERFUCKER etc.
Die Deutschen haben bis vor kurzem eigentlich fast nur anal geflucht, erst bei den jungen Leuten ist im Zuge der Anglisierung der Sprache das Sexuelle mit übernommen worden.
Gruß,
Branden
Bei den Schimpfworten z.B. haben wir da einen eindeutigen
Schwerpunkt, während dies in den anglo-amerikanischen Ländern
doch einigermaßen verteilt ist zwischen anal und sexuell.
Branden meint natürlich „anal“ vs. „genital“
Und dabei gibt es tatsächlich manche nationalen Unterschiede im Schimpfwortgebrauch - auch wenn diese Unterschiede sich nach und nach nivellieren …
zu meiner Überraschung habe ich festgestellt, das diese Unterschiede zwischen Ländern tatsächlich bestehen.
In Holland z.b. sind Schimpfworte absolut genital orientiert. Ein Pendant für „Scheisse“ hört man nie. Dafür ständig Wörter für die weiblichen oder männlichen Genitalien.
Ja, wenn wir streng psychoanalytisch unterteilen, müssten wir so unterscheden.
Bei allem psychoanalytischen Background, den ihr von mir hier gewohnt seid, ist das natürlich naheliegend.
Ich denke aber nicht nur in diesen klassisch-psychoanalytischen Karegorien. (Auch wenn sich jetzt manche wundern mögen.)
Das ANALE als eigenständige Kategorie (jetzt eben mal nicht nur psychoanalytisch-entwicklungsmäßig gedacht) würde ich vom SEXUELLEN als eigenständige Karegorie unterscheiden. Die anale Funktion ist nicht nur zur Lust, sondern evolutionär zunächst einmal zur Endverdauung gedacht und betrifft primär nicht die liebesdynamische Beziehung zwischen Menschen .
Gruß,
Branden
Ja, wenn wir streng psychoanalytisch unterteilen, müssten wir
so unterscheden.
Branden, gerade wenn wir klassisch psychoanalytisch unterscheiden wollen würden, dann müßten wir „anal“ und „sexuell“ unterscheiden, weil beiden eine andere psychodynamische bzw entwicklungspsychologische Funktion zugeschrieben würde.
Hier aber geht es allein um die Unterscheidung von Schimpfwörtern, bei denen genitale (wie „cojon nudo!“, „fotze!“ usw.) und anale (wie „merde!“, „arschloch!“ usw.) im Gebrauch sind.
Bei allem psychoanalytischen Background, den ihr von mir hier
gewohnt seid
sind wir gar nicht …
… ist das natürlich naheliegend.
siehe oben.
Die anale Funktion ist nicht nur zur Lust, sondern evolutionär zunächst
einmal zur Endverdauung gedacht und betrifft primär nicht die
liebesdynamische Beziehung zwischen Menschen.
ah ja, du meinst, so wie die genitale Funktion - wie man immer wieder behauptet - evolutionär zunächst einmal zur Fortpflanzung gedacht ist.
*grübel* also war Anjas verwunderte Rückfrage an dich doch nicht so abwegig …
Branden, gerade wenn wir klassisch psychoanalytisch
unterscheiden wollen würden, dann müßten wir „anal“ und
„sexuell“ unterscheiden, weil beiden eine andere
psychodynamische bzw entwicklungspsychologische Funktion
zugeschrieben würde.
Eben nicht, sondern -wie Du vrher richtig, aber auch etwas spitzfindig unterschiedest- genital von anal trennen.
ah ja, du meinst, so wie die genitale Funktion - wie man immer
wieder behauptet - evolutionär zunächst einmal zur
Fortpflanzung gedacht ist.
Sicher, zu was denn sonst? Die LUST wurde ja im Zuge der Evolution „drangehängt“.
Branden, gerade wenn wir klassisch psychoanalytisch
unterscheiden wollen würden, dann müßten wir „anal“ und
„sexuell“ unterscheiden, weil beiden eine andere
psychodynamische bzw entwicklungspsychologische Funktion
zugeschrieben würde.
Eben nicht, sondern -wie Du vrher richtig, aber auch etwas
spitzfindig unterschiedest- genital von anal trennen.
Das hätte ich auch gesagt, Branden. Denn ich wüßte im Moment nicht, wie M. auf seine Behauptung kommt, daß eine Unterscheidung von „anal“ und „sexuell“ klassisch-psychoanalytisch sei. Freud schreibt:
Und ganz ähnlich [zu der Erweiterung des Begriffes „psychisch“ um unbewußte Vorgänge] ist es, wenn die anderen „sexuell“ und „zur Fortpflanzung gehörig“ - oder wenn Sie es kürzen sagen wollen: „genital“ - für identisch erklären, während wir nicht umhin können, ein „sexuell“ gelten zu lassen, das nicht „genital“ ist, nichts mit der Fortpflanzung zu tun hat.
aus: Freud, S. (1917/1969). Libidoentwicklung und Sexualorganisation. 21. der Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse. Studienausgabe, S. 316/17.
Hallo,
also das erste Wort, das ich im Schüleraustausch in Frankreich (!) gelernt hatte, war „merde“ )
Aber es stimmt: Deine beiden genannten Begriffe sind manchmal so was von befreiend!!!
gruss rico
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
leider hat dein Beitrag eine Nebendiskussion eröffnet, die zur Erklärung meiner Frage nicht viel beitragen konnte.
Deshalb greife ich nochmals deine These auf:
Die anale Aggression ist DIE klassische Art, seine Aggression herauszulassen.
Wenn das so ist, dann hätte ich diese Spielart „seine Aggression herauszulassen“ aber doch schon öfters so erleben müssen, denn Agressionen (gegen mich) gab es schon desöfteren.
Aber noch nie in solcher Art, daher auch meine verwunderte Frage.
Du verstehst? „Arschloch“, „leck mich am Arsch“ hört man allenthalben, aber in Dusche sch… habe ich noch nie gehört.
vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag und deinen Rat (Sternchen dafür).
was den Sechzigjährigen zu sowas verleitet hat, kann ich dir
wirklich nicht sagen. Vielleicht wollte er irgendwelche
Aggressionen ablassen.
…das kann gut sein, er hat jeden Abend über Misserfolge beim Verkauf seines Gesundheitsprodukts auf der Messe geklagt und gemeint, dass die Schwaben (wir sind welche!) dumm seien und sein Produkt nicht kaufen wollten.
Du sprichst ein Problem an, dass schon fast in die Soziologie
gehört.
das habe ich mir auch überlegt, nur anhand der bisherigen Beiträge in Psychologie (leider) so entschieden.