Hallo Jonas,
*tschuldigung* beim letzten Posting habe ich doch glatt die Anrede vergessen *peinlich*
mir kam der interessante gedanke, dass
über den werten der einzelnen
gemeinschaften offenbar die gemeinschaft
selbst steht. ist sie das höchste gut?
naive fragerei…
Ich denke, dass kann man so stehen lassen. Der Mensch ist an sich ein Herdentier und sucht nach Gemeinschaften, da diese Sicherheit bieten. Interessant ist, dass die Gemeinschaften durch Verwendung von Symbolen, Kleidung, Sprache etc. Konformität nach Innen schaffen, sich aber nach Aussen klar und bewusst abgrenzen.
mit einer zunehmenden globalisierung auch
auf kultureller ebene könnten sich ja die
wertesysteme der partikulargruppen
angleichen? hoffnung auf kompromiss und
konsens? der clash of cultures bietet
natürlich erstmal mehr reibungsfläche als
runde kompromisstische…
Ich fürchte, dass ein Konsens zwischen den Gemeinschaften illusorisch ist. Für die meisten Menschen sind Globalisierung, „Multi-Kulti“ etc. eher Reizworte, die zur Abschottung führen.
indem sie im namen der menschenrechte
selbige verletzt? na gut…
Ja, traurig, nicht wahr? Andererseits scheint es bei Konflikten von eher globaler Dimension kaum andere Möglichkeiten zu geben. Hitler und stalin, Hussein und Milosevic sind/waren halt durch Blümchen und gute Worte nicht zu beeindrucken…
stimmt, kompromissbereit bin ich immer
nur gegenüber den kompromissbereiten
[=härte erzeugt gegenhärte]. dass
problem, dass der tolerante alles
toleriert, nur nicht intoleranz…
aber wieso liegt es überhaupt im
interesse meines „rudels“, unser
wertesystem anderen rudeln überstülpen zu
wollen? naja, die frage bedarf keiner
antwort… auch wenn ich es nicht
verstehe, diese natur des menschen.
Per se besteht in den meisten „Rudeln“ wohl weder die Notwendigkeit noch Interesse, das eigene Wertesystem auf Andere zu übertragen. Sog. (Jugend-)„Subkulturen“, Familienverbände oder Stämme leben eigentlich am liebsten für sich selbst. Ich habe die Idee einer Art „kritischen Masse“ für Gemeinschaften. Wenn eine Gemeinschaft eine bestimmte Grösse überschreitet, bildet sich einmal der „Allein-seelig-machend“-Anspruch heraus und zweitens ein missionarischer Eifer, auch andere Menschen „seelig“ zu machen. Das trifft sicher auf diverse Religionen zu, aber auch auf politische Ideologien. Ich gebe zu, dass die Idee recht vage ist, da ich mich auf keinerlei Zahlenmaterial stützen kann, trotzdem scheint es mir recht logisch zu sein.
steckt ja ein bisschen mit drin: egoismus
=ich achte mich selbst mehr als andere.
und der hang zur gewalt ist auch oft
genug deutlich. angst, egoismen und
selbstschutz sind ja mehr mechanismen, um
das eigene gut zu erhalten. das gleiche
gilt aber für gewalt. nein, leider ist
gewalt manchmal auch selbstzweck.
Ja, allerdings glaube ich nicht, dass sich „normale“ Gemeinschaften auf Gewalt als Wert beziehen (wahrscheinlich gibt es auch hier unrühmliche Ausnahmen). Ich denke, dass sich die meisten Gemeinschaften aus individuellen Ängsten bilden (vor dem Alleinsein, vor „bösen Mächten“, vor Feinden etc.). Dass daraus leider häufig Gewalt entsteht, ist bedauerlich, liegt aber wohl in der Natur der Sache.
schon das mit dem harmoniebedürfnis wirft
ja wieder fragen auf. ist „harmonie“ ein
allgemeines gut, nach dem jeder strebt?
sind unsere definitionen von harmonie so
verschieden? wie kommts, dass manche
menschen so wenig für die harmonie tun
und sich so sehr um disharmonie bemühen?
Ich glaube schon, dass eigentlich jeder Mensch das Bedürfniss hat, in relativem Frieden zu leben. Blödsinnigerweise sind manche Menschen wiederum so von Sich und ihrer persönlichen Meinung überzeugt, dass da wieder der Missions-Chauvinismus durchbricht. Die böse Schwiegermutter möchte sicher auch Harmonie - nur muss die halt nach ihrem persönlichen Weltbild geformt sein (und wehe, du entsprichst nicht ihrem Weltbild… ;o) ).
diese einigung auf werte (=>bingo)
passiert einfach so? also, natürlich
fängt man vor der beziehung keine
grundsatzdiskussion über gut und schlecht
an. die gemeinschaft gründet einfach so
darauf…
das war mit die interessanteste stelle in
deiner antwort, weil du einen völlig
anderen weg vorschlägst. „argumente, hä?“
aber natürlich kommen die werte ja
irgendwo her, und bei den angesprochenen
problemen (‚störfaktoren‘ in der
gemeinschaft) muss zur kompromissfindung
das wertesystem ja diskutiert werden und
gemeinsamkeiten gefunden werden. aber
wenn manche werte völlig ohne
klärungsbedarf immer da wären…
Ich bin mal völlig blauäugig:
Ich gehe erstens davon aus, dass Werte als Produkt von Erziehung und Erfahrung bei jedem Menschen mit einem gewissen Reifegrad ausgebildet sein müssten. Ich gehe weiter davon aus, dass sich Lebenspartnerschaften eben deswegen zusammenfinden, weil Wertesysteme, Interessen und noch ein paar Kleinigkeiten kompatibel sind. Ich denke nicht, dass ich eine Lebenspartnerschaft mit jemandem eingegangen wäre, wenn eine gemeinsame Basis erst herbeidiskutiert hätte werden müssen (uff…). Natürlich gibt es immer mal Ecken und Kanten, das macht die Partnerschaft aber erst interessant. Alle anderen Gemeinschaften sind ja mehr oder weniger temporär ausgelegt; man kann sie relativ problemfrei jederzeit verlassen (gut, das geht bei einer Ehe auch, war aber nicht Sinn der Übung). Wie heisst so schön der alte Spruch: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet…“
*seufz* ich muss wohl mal ne ganze weile
nachdenken (wie eigentlich immer ;^)
am ehesten über die frage, ob das globale
gute notwendig ist.
Ich glaube, das einzigste, was tatsächlich global notwendig wäre, ist die Einsicht, dass man jedes Ding von mindestens zwei Seiten betrachten kann. Was dem Einen heilig ist, ist halt für den anderen ein Sakrileg. Den schlimmsten Unfrieden hat es noch immer gebracht, mit missionarischem Eifer die eigene Vorstellung des Guten verbreiten zu wollen.
aber dann kommt man
doch wieder auf „kompromissbereitschaft“
oder sonst etwas, und dann auf die fälle,
wo kein kompromiss mehr möglich ist, und
das eigene leben höher gewertet wird oder
auch das leben anderer, die unterdrückt
werden, und dann ist es die freiheit, und
dann kommen wieder gedanken, dass ich
vielleicht lieber am leben und versklavt
wäre? [Liliencron: „Pidder Lüng“] wofür?
für freunde, familie, für die ich auch
ncoh in der unfreiheit dasein könnte?
dann ist es wieder die gemeinschaft als
wert…
Du befindest Dich in einem philosophischem Dilemma. Ich glaube, der schlimmste Fehler, den man machen kann, ist, zu versuchen, es Allen recht zu machen. Das kann einfach nicht funktionieren. Ich denke, man muss einfach herausfinden, was für einen persönlich *wirklich* wichtig ist. Das kann einem keine Religion und kein Politiker sagen (obwohl man sicher auch da Erfüllung finden kann, wenn es halt der richtige Weg ist). Da kann ich nur wieder die goldene Regel von Thelema anführen: „Tu was Du willst, soll sein das ganze Gesetz“.
du hast dich verständlich gemacht, und es
war lesenswert für mich, danke.
ich hoffe, mein posting ist nicht zu
durhceinander…
Danke. Und: nein, nein, das war schon i.O. so…
viele Grüsse zurück (so Du hast auch an Dein „Rudel“)
Peter