Das lustige Fach Sport

Hallo,
wie seht ihr das als Beteiligte, ehemals Beteiligte bzw. Schüler, die von Beteiligten Beurteilt werden…?!
Ich habe (musste) zwei männlichen Schülern der 10. Klasse RS NRW auf dem Zeugnis eine „4“ geben. Eine schr. Hausaufgabe wurde jeweils nicht angefertigt, bei (entschuldigten) Fehlstunden bei Anwesenheit keine Protokolle abgegeben. Einer von beiden war z.B. ständig der Meinung, dass Turnen kein Sport sei und er Schülerin XY locker davon laufe. Trotz Aufzählung der Missetaten war er der Meinung, dass er ein guter Sportler sei. Und auch der Hinweis, dass er in diesem Halbjahr niemandem davonlaufen musste, trug keine Früchte. Letztlich kam das Argument, dass ich Schuld sei, wenn er nicht am Kolleg XZ genommen würde, weil doch dieses Zeugnis so wichtig sei. Die Muter des anderen Schülers, der ein absolutes Bewegungstalent (ernsthaft!!!) rannte nach Zeugnisausgabe auf mich zu und forderte einen Gesprächstermin. Mal sehen, dachte ich: aber nach Durchsicht meiner Unterlagen: „ausreichend“.

Warum wird das Fach Sport als Caritas-Veranstaltung gesehen, wo es (bei vielen Kollegen) nur die Noten 1-3 geben darf? M.E. kann es eher selten eine Klasse geben, wo es keine 4 gibt…

Mein Problem: Die Schüler halten sich für tolle Sportler. Und der eine kann nach 7 Doppelstunden nicht mal „Handstand-Abrollen“. Weil er auch mehr anderweitig beschäftigt war…

Also: Sport: „4“ oder „5“!? Darf das sein oder nicht?

Gruß Aragorn.
P.S.: Auch wenn ihr meint, dass es nicht sien darf, gebe ich trotzdem eine „5“, wenn es berechtigt ist. Mich interessiert eure Meinung!

Hallo Aragorn! Deine beiden Spitzensportler bekommen ein „ausreichend“, was ich persönlich überhaupt nicht als schlimm ansehe. Wenn sie nicht teilnehmen (aus welchen Gründen auch immer) ist das eine Sache, aber wenn sie absichtlich weder die Protokolle (wenn das bei Euch so üblich ist, okay)und schriftlichen Hausaufgaben nicht anfertigen, selbst Schuld.
Generell denke ich aber, dass eine 5 in Sport nur dann gerechtfertigt ist, wenn sozusagen Arbeitsverweigerung vorliegt. Du schreibst, dass es Schüler gibt, die „noch nicht mal…können“. Obwohl ich selbst durchaus sportlich und beweglich bin, habe ich einen Mann der das beim besten Willen nicht hinbekommt. Unser Sohn ebenso, genau wie der Großvater und Urgroßvater. Allesamt waren/sind sie das, was man als „steife Böcke“ bezeichnet. Unsere Sportlehrer bewerten dann das BEMÜHEN des Schülers, also wenn er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten versucht, die Aufgabe zu bewältigen. Auch, wenn das ERgebnis nicht DAS ist, was der Lehrer sich vorstellt. Und solange es dann im 3er oder 4er Bereich bleibt, ist das für mich kein Grund für ein Lehrergespräch. Wobei ich allerdings finde, dass ein Elternsprechtag auch dazu genutzt werden sollte, wenigstens mal den Sportlehrer kennen zu lernen! Diese Möglichkeit nehmen aber - so sagen mir unsere SPortlehrer immer wieder - leider kaum Eltern wahr. Angelika

Lieber Aragorn,

Du würdest also einem Jan Ullrich oder Olli Kahn locker eine 5 in Sport verpassen, weil sie Bodenturnen nicht auf die Reihe kriegen? Lustige Vorstellung.

Mich stört vor allem, dass Sportlehrer offenbar sehr stark darunter leiden, das ihr „Fach“ (ähnlich wie der Kunstunterricht) von niemandem ernst genommen wird. Von den Schülern nicht, den Eltern nicht und auch nicht von vielen Kollegen. Immerhin ist es aber schonmal genauso gut bezahlt.

Jetzt meinen diese Lehrer, durch schriftliche Hausaufgaben und komplizierte Turnprüfungen das Fach „aufwerten“ zu können. Im Einzelfall mag das vielleicht sogar gelingen. Meiner Meinung nach geht aber so der gesamte Sinn des Schulsports verloren.

Dort werden wohl kaum künftige Olympia-Kader ausgebildet und durch „Trainingseinheiten“ wie alle 14 Tage eine Stunde Weitsprung wird auch kein Talent gefördert. Das findet in den Sportvereinen außerhalb der Schule statt und ist auch gut so.

Ich sehe den Sinn des Schulsports vor allem darin, dass die Kinder und Jugendlichen sich zur Abwechslung auch mal richtig austoben dürfen. Solche Maßnahmen wie Geräte- und Bodenturnen, Diskusswerfen, überhaupt alle Einzelübgungen für die man erstmal in einer Schlange anstehen muss, um sich dann einmal mehr oder weniger elegant um ein Gerät zu winden, verhindern diese Abwechslung komplett.

Ich bin der Meinung, es sollte im Schulsport weniger strikt nach Jahrgängen, sondern nach Interesse getrennt werden. Wenn also ein paar Schüler unbedingt „Turnen“ wollen, dann sollen sie den Turnkurs wählen. Der Rest sollte die Freiheit haben, sich in Mannschaftssportarten zu verausgaben und die ohnehin knappe Sportunterricht Zeit möglichst aktiv und mit Spaß verbringen. Das freut Schüler und Eltern.

Danach geht der ernsthafte Unterricht viel besser von der Hand und sogar die Kollegen werden den Sportlehrern dafür dankbar sein. Es wäre also eine win-win Situation. Konfrontation (wie sie von Lehrern sehr gerne über alle Bereiche hinweg geradezu gesucht wird) ist stets die schlechteste Lösung.

Gruß

Fritze

Lieber Aragorn,

Du würdest also einem Jan Ullrich oder Olli Kahn locker eine 5
in Sport verpassen, weil sie Bodenturnen nicht auf die Reihe
kriegen? Lustige Vorstellung.

Wenn sie sich bemühen und Lernerfolge zeigen muss das nicht sein.

Mich stört vor allem, dass Sportlehrer offenbar sehr stark
darunter leiden, das ihr „Fach“ (ähnlich wie der
Kunstunterricht) von niemandem ernst genommen wird. Von den
Schülern nicht, den Eltern nicht und auch nicht von vielen
Kollegen. Immerhin ist es aber schonmal genauso gut bezahlt.

Ach, leiden ist übertrieben.
Ich bin auch nicht der nette Onkel, der morgens im Trainingsanzug zur Schule fährt, in der Halle einen Ball in die Mitte wirft und dann Zeitung liest. „Nebenbei“ unterrichte ich noch Mathe, Deutsch und Physik. Da habe ich genug zu tun, sodass die Bezahlung schon OK ist.

Jetzt meinen diese Lehrer, durch schriftliche Hausaufgaben und
komplizierte Turnprüfungen das Fach „aufwerten“ zu können. Im
Einzelfall mag das vielleicht sogar gelingen. Meiner Meinung
nach geht aber so der gesamte Sinn des Schulsports verloren.

Auch im Sport gibt es wichtige Inhalte, die über die reine Bewegung hinausgehen. Z.B. Sportmedizinische Aspekte, Trainingslehre etc., die, um einen Lernerfolg sicherzustellen, am besten schriftlich angefertigt.

Dort werden wohl kaum künftige Olympia-Kader ausgebildet und
durch „Trainingseinheiten“ wie alle 14 Tage eine Stunde
Weitsprung wird auch kein Talent gefördert. Das findet in den
Sportvereinen außerhalb der Schule statt und ist auch gut so.

Darum geht es auch nicht.

Ich sehe den Sinn des Schulsports vor allem darin, dass die
Kinder und Jugendlichen sich zur Abwechslung auch mal richtig
austoben dürfen. Solche Maßnahmen wie Geräte- und Bodenturnen,
Diskusswerfen, überhaupt alle Einzelübgungen für die man
erstmal in einer Schlange anstehen muss, um sich dann einmal
mehr oder weniger elegant um ein Gerät zu winden, verhindern
diese Abwechslung komplett.

Und zu verlangen, sich mal auf neue Bewegungsformen einzulassen, seine koordinativen Fähigkeiten zu erweitern, vielleicht Interessen zu wecken… Also doch nur: Ball in die Mitte?

Ich bin der Meinung, es sollte im Schulsport weniger strikt
nach Jahrgängen, sondern nach Interesse getrennt werden. Wenn
also ein paar Schüler unbedingt „Turnen“ wollen, dann sollen
sie den Turnkurs wählen. Der Rest sollte die Freiheit haben,
sich in Mannschaftssportarten zu verausgaben und die ohnehin
knappe Sportunterricht Zeit möglichst aktiv und mit Spaß
verbringen. Das freut Schüler und Eltern.

Es geht in der Schule nicht nur nach dem Wollen. Manchen Schülern ist auch die Rechtschreibung egal oder der Satz des Pythagoras. Schule ist eben kein Freizeitverein, es gibt Lehrpläne (auch im Sport) und das ist gut so.

Danach geht der ernsthafte Unterricht viel besser von der Hand
und sogar die Kollegen werden den Sportlehrern dafür dankbar
sein. Es wäre also eine win-win Situation. Konfrontation (wie
sie von Lehrern sehr gerne über alle Bereiche hinweg geradezu
gesucht wird) ist stets die schlechteste Lösung.

Und im unernsthaften Sport freuen sich dann ALLE Schüler auf die gleiche Bewegungsform und lernen hinter viel besser? Das erklär mir doch mal etwas genauer.

Gruß

Aragorn

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…Generell denke ich aber, dass eine 5 in Sport nur dann
gerechtfertigt ist, wenn sozusagen Arbeitsverweigerung
vorliegt. Du schreibst, dass es Schüler gibt, die „noch nicht
mal…können“. Obwohl ich selbst durchaus sportlich und
beweglich bin, habe ich einen Mann der das beim besten Willen
nicht hinbekommt. Unser Sohn ebenso, genau wie der Großvater
und Urgroßvater. Allesamt waren/sind sie das, was man als
„steife Böcke“ bezeichnet. Unsere Sportlehrer bewerten dann
das BEMÜHEN des Schülers, also wenn er mit allen ihm zur
Verfügung stehenden Möglichkeiten versucht, die Aufgabe zu
bewältigen. Auch, wenn das ERgebnis nicht DAS ist, was der
Lehrer sich vorstellt. Und solange es dann im 3er oder 4er
Bereich bleibt, ist das für mich kein Grund für ein
Lehrergespräch. …

Hallo!

Warum soll es (v.a. bei älteren Schülern, die wissen sollten, für was sie lernen) für das BEMÜHEN gute Noten geben?! Wenn sich einer beim Diktat oder Mathe anstrengt bis zum Umfallen, aber ständig Fehler macht oder keine Transferleistung bringt, gibt’s ja auch schlechte Noten, weil er eben eine geringe Intelligenz hat. Wenn einer unsportlich ist, kriegt er halt auch schlechte Noten, genauso wie ich mich früher in künstlerischen Fächern mit „befriedigenden“ Noten zufrieden geben mußte. Ergebnisse zählen!

Gruß

Cali

hallo aragorn,

ich finde deine entscheidung richtig: in jedem schulfach werden noten gemäß dem grad vergeben, in dem leistungskriterien erfüllt wurden.

ein leistungsverweigerer, dem gute noten nachgeschmissen werden, lernt nicht die unangenehmen konsequenzen seines verhaltens kennen. unsere gesellschaft hat nun mal leistungskriterien: irgendwann gibt es ein böses erwachen, wenn man sich an dieses system nicht anpasst und lernt, wie es funktioniert z.b. daß man nichts kriegt, wenn man nicht auch bereit ist, dafür etwas zu leisten.

Hi,

Generell denke ich aber, dass eine 5 in Sport nur dann
gerechtfertigt ist, wenn sozusagen Arbeitsverweigerung
vorliegt.

Ich dachte, für solche Fälle ist die 6 vorgesehen?

Unsere Sportlehrer bewerten dann
das BEMÜHEN des Schülers, also wenn er mit allen ihm zur
Verfügung stehenden Möglichkeiten versucht, die Aufgabe zu
bewältigen.

Ich bin ja durchaus dafür, auch Teilergebnisse zu bewerten, aber lediglich Bemühungen?
Nö. Leistung wird bewertet. Das kann meinthalben auch sowas sein wie Teamfähigkeit bei Mannschaftssportarten und einiges mehr, was über blanke Zahlenwerte hinausgeht, aber „Bemühen“ bringt’s ja nun nicht wirklich.

Achja, und ich würde auch Jan Ullrich ne 5 geben, wenn er beim Turnen versagen würde.

Gruß,

Malte.

Hallo Malte!

Ich bin ja durchaus dafür, auch Teilergebnisse zu bewerten,
aber lediglich Bemühungen?
Nö. Leistung wird bewertet.

Da muss ich Dir energisch widersprechen. Wenn jemand aufgrund der Motorik z.B. bestimmte Dinge einfach nicht leisten kann, sich aber nach Kräften bemüht, die Leistung zu erbringen - und wir reden hier vom Sportunterricht - dann denke ich durchaus, dass das ein ausreichend als Bewertung haben sollte. Oder wenn jemand mit gestörtem räumlichen Sehen z.B. permanent bei Ballspielen danebensemmelt, weil er es einfach nicht besser kann, würdest Du diesen Schülern dann tatsächlich eine 5 geben? Das führt in meinen Augen dann dazu, dass sie auch noch das letzte bisschen Motivation verlieren, und das kann doch nicht im Interesse der Lehrer sein! in Bezug auf die Teamfähigkeit stimme ich Dir ohne Einschränkung zu. Aber ist das nicht ebenfalls Bemühen? Angelika

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Hallo Aragorn,

da habe ich gleich mal eine Nachfrage:

Wo kann ein korpulentes Mädchen, daß gerne Basketball spielen würde trainieren, ohne Vorurteile fürchten zu müssen?

Alternativ könnten wir mal andere Sportarten durchgehen…wo können körperlich minderbemittelte Spaß am Sport finden und ensprechende ‚Nachhilfe‘ bekommen?

Mal davon abgesehen, daß sich abrollender Handstand oder wie das heißt zu Hause sehr schlecht trainieren läßt…

Gruß Maid :smile:

Hallo,

da habe ich gleich mal eine Nachfrage:

Wo kann ein korpulentes Mädchen, daß gerne Basketball spielen
würde trainieren, ohne Vorurteile fürchten zu müssen?

Zur Not im Sportverein…

Alternativ könnten wir mal andere Sportarten durchgehen…wo
können körperlich minderbemittelte Spaß am Sport finden und
ensprechende ‚Nachhilfe‘ bekommen?

Zur Not im Sportverein… Und fast kostenlos!!! Im Gegensatz zur Nachhilfe in anderen Fächern.

Mal davon abgesehen, daß sich abrollender Handstand oder wie
das heißt zu Hause sehr schlecht trainieren läßt…

Engagierte Schüler erzählten mir, dass sie das sehr wohl zu Hause gübt haben.

Und dann noch dieses Oliver Kahn bzw. Jan Ulrich Beispiel. Klar sind das tolle Sportler in deren „Fachgebiet“. Aber seit wann bekommt denn der Messdiener automatisch seine „1“ in Religion? Blödsinn, die Note richtet sich nach gezeigten Leistungen (sicherlich auch Bemühen und Sozialverhalten). Und wenn gerade nicht die Paradesportart dran ist und der Turner trotzdem eine gute Note möchte, muss er eben dafür arbeiten. Das macht er in Mathe und Deutsch auch. Und wenn er es in Sport nicht macht, bekommt er eben die „3“ oder „4“ oder bei Verweigerung eben die „5“ oder „6“.
Und wenn mir der Fußballer sagt, turnen sei kein Sport und eine „4“ sei im Vergleich zu anderen unbegründet, „weil ich denen davonlaufe“, da hat er nun mal nix verstanden und die Note ist berechtigt!

Liebe Grüße,
Aragorn

Hallo Malte!

Ich bin ja durchaus dafür, auch Teilergebnisse zu bewerten,
aber lediglich Bemühungen?
Nö. Leistung wird bewertet.

Da muss ich Dir energisch widersprechen. Wenn jemand aufgrund
der Motorik z.B. bestimmte Dinge einfach nicht leisten kann,
sich aber nach Kräften bemüht, die Leistung zu erbringen - und
wir reden hier vom Sportunterricht - dann denke ich durchaus,
dass das ein ausreichend als Bewertung haben sollte.

Darauf könnte ich mich insofern gerade eben noch einlassen, als daß eine 5 mitunter die Versetzung gefährden kann, IIRC, und das fände ich dann auch etwas arg krass. Alles andere - also jede bessere Note - wäre jedoch Verarschung derer, die tatsächlich etwas im Sportunterricht leisten und würde genau die demotivieren. Das würde ich als ungerecht empfinden.

Oder wenn
jemand mit gestörtem räumlichen Sehen z.B. permanent bei
Ballspielen danebensemmelt, weil er es einfach nicht besser
kann, würdest Du diesen Schülern dann tatsächlich eine 5
geben?

Wie gesagt, vielleicht keine 5, aber schon eine 4-. Die gefährdet nichts, spiegelt aber die Nicht-Leistung ausreichend wieder. Davon ab werden ja im Laufe der Schulzeit verschiedenste Sporarten durchgeführt, nicht immer nur Ballsportarten. Jeder ist halt in dem einen Bereich besser und in einem anderen schlechter. Für’s Schwimmen braucht mal kein räumliches Sehen. Das ist dann eben der Grobmotoriker benachteiligt, der beim Werfen meinthalben besser war, oder beim Fußball oder wo auch immer. Zumal man ja in der Oberstufe die wesentlichen Sportarten sogar selbst wählen kann.

in Bezug auf die
Teamfähigkeit stimme ich Dir ohne Einschränkung zu. Aber ist
das nicht ebenfalls Bemühen?

Nein, gelebte Teamfähigkeit ist imho keine Bemühung, sondern eine Leistung.
Ebenso wie Fairness, z.B.

Alternativ hätte ich keine Schmerzen damit, im Sport überhaupt keine Noten zu vergeben, weil ich denke, dass es zwar gut und wichtig ist, daß es Schulsport gibt, das aber nicht für eine Kernaufgabe der Schule halte, dies leistungsorientiert zu vermitteln.

Gruß,

Malte.

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Wenn sie [Jan Ulrich & Co.] sich bemühen und Lernerfolge zeigen muss
das nicht sein.

Genau, dann kriegen sie ne vier :smile:

Ach, leiden ist übertrieben.
Ich bin auch nicht der nette Onkel, der morgens im
Trainingsanzug zur Schule fährt, in der Halle einen Ball in
die Mitte wirft und dann Zeitung liest.

Was würde denn dagegen sprechen, mal abgesehen davon, dass Du natürlich nicht Zeitung lesen sondern Aufsicht führen solltest?

„Nebenbei“ unterrichte
ich noch Mathe, Deutsch und Physik. Da habe ich genug zu tun,
sodass die Bezahlung schon OK ist.

Na, Du bist ja ein ganz toller Hecht!

Auch im Sport gibt es wichtige Inhalte, die über die reine
Bewegung hinausgehen. Z.B. Sportmedizinische Aspekte,
Trainingslehre etc., die, um einen Lernerfolg sicherzustellen,
am besten schriftlich angefertigt.

Jaja, diese Streitereien um angeblich wichtige Inhalte gibt es so lange, wie es Schule gibt. Sportmedizinische Aspekte, Trainingslehre, etc. gehören meiner Meinung nach nicht in den regulären Schulsport. Das kann man in den anderen Fächern abhandeln oder allenfalls in einem Sport-Leistungskurs.

[…]

Ich sehe den Sinn des Schulsports vor allem darin, dass die
Kinder und Jugendlichen sich zur Abwechslung auch mal richtig
austoben dürfen. Solche Maßnahmen wie Geräte- und Bodenturnen,
Diskusswerfen, überhaupt alle Einzelübgungen für die man
erstmal in einer Schlange anstehen muss, um sich dann einmal
mehr oder weniger elegant um ein Gerät zu winden, verhindern
diese Abwechslung komplett.

Und zu verlangen, sich mal auf neue Bewegungsformen
einzulassen, seine koordinativen Fähigkeiten zu erweitern,
vielleicht Interessen zu wecken… Also doch nur: Ball in die
Mitte?

Hä? Dafür, dass Du Deutschlehrer bist, zeigen sich bei Dir PISA-Symptome im Textverständnis. Lies doch mal den nächsten Absatz:

Ich bin der Meinung, es sollte im Schulsport weniger strikt
nach Jahrgängen, sondern nach Interesse getrennt werden. Wenn
also ein paar Schüler unbedingt „Turnen“ wollen, dann sollen
sie den Turnkurs wählen. Der Rest sollte die Freiheit haben,
sich in Mannschaftssportarten zu verausgaben und die ohnehin
knappe Sportunterricht Zeit möglichst aktiv und mit Spaß
verbringen. Das freut Schüler und Eltern.

Es geht in der Schule nicht nur nach dem Wollen. Manchen
Schülern ist auch die Rechtschreibung egal oder der Satz des
Pythagoras. Schule ist eben kein Freizeitverein, es gibt
Lehrpläne (auch im Sport) und das ist gut so.

Ob Lehrpläne wirklich „gut so“ sind, oder nicht, dass wäre einen neuen Thread wert. Deine Einstellung ist genau der Grund, warum Lehrer so überaus unbeliebt bei Schülern und Eltern sind und vor allem, warum Schüler immer weniger motiviert sind, überhaupt in die Schule zu gehen. Nur wenn es ordentlich schwer fällt und alle am stöhnen sind, ist es ein guter Unterricht? Wann hast Du denn Deine Ausbildung zum Lehrer gemacht? Noch zu Kaisers Zeiten?

Danach geht der ernsthafte Unterricht viel besser von der Hand
und sogar die Kollegen werden den Sportlehrern dafür dankbar
sein. Es wäre also eine win-win Situation. Konfrontation (wie
sie von Lehrern sehr gerne über alle Bereiche hinweg geradezu
gesucht wird) ist stets die schlechteste Lösung.

Und im unernsthaften Sport freuen sich dann ALLE Schüler auf
die gleiche Bewegungsform und lernen hinter viel besser? Das
erklär mir doch mal etwas genauer.

Nein. Hier greift wieder Dein Problem, dass Du nicht über den aktuellen Absatz hinaus blicken kannst. Wie ich etwas weiter oben sagte, sollen eben nicht alle Schüler das selbe machen, sondern es sich nach ihren Neigungen aussuchen dürfen.

Der Beweis, dass das funktioniert, wird (mal wieder) in anderen Ländern erbracht. Mich würde jetzt aber noch interessieren, für welche Zielgruppe Dein ursprüngliches Posting gedacht war. Sollten darauf nur Lehrerkollegen mit einem „ja, Du hast ganz recht, würg ihnen ordentlich miese Zensuren ins Zeugnis, diesen kleinen Querulanten“ antworten? Was hast Du erwartet?

Gruß

Fritze

Hallo,

ich finde deine entscheidung richtig: in jedem schulfach
werden noten gemäß dem grad vergeben, in dem
leistungskriterien erfüllt wurden.

Was mal wieder die Notengebung an sich in Frage stellt. Diese Noten haben meiner bescheidenen Meinung nach weder im Sport- noch im Kunst- und Musikunterricht was zu suchen.

Ich erinnere mich sehr gerne an eine Szene im Film „Club der toten Dichter“, in der Lehrer John Keating seine Schüler die Seiten aus dem Lehrbuch reissen lässt, in denen ein furchtbares Schema für die Bewertung von Literatur angegeben war.

Leider gibt es solche Lehrer nicht außerhalb von Filmen. Wenn doch, dann ganz sicher nicht in Deutschland.

Gruß

Fritze

Hallo Malte!

Für’s Schwimmen braucht mal kein

räumliches Sehen.

Stimmt, nur wo wird an den weiterführenden Schulen Schwimmen oberhalb der Klassen 5+6 noch unterrichtet?

Alternativ hätte ich keine Schmerzen damit, im Sport überhaupt
keine Noten zu vergeben, weil ich denke, dass es zwar gut und
wichtig ist, daß es Schulsport gibt, das aber nicht für eine
Kernaufgabe der Schule halte, dies leistungsorientiert zu
vermitteln.

Ja, ja, ja, ich glaube diesem Vorschlag würden Tausende von Schülern begeistert zustimmen.
Während man in den anderen Fächern mit Lernen etwas erreichen kann, ist das nach meinen Erfahrungen in Sport und Kunst schwierig bis aussichtslos.
Und ich schrieb bereits oben, dass ich mit einer 4 in Sport überhaupt keine Probleme habe, nur halt mit dem Unverständnis, dass es TATSÄCHLICH Menschen gibt, die einfach keine Sportler sind.
Beispiel aus dem Unterricht in Kl. 2 „…der XXX kann ja noch nicht mal einen Purzelbaum…“ Stimmt, weil der XXX nämlich eine gestörte Motorik hat und sich bereits Krankengymnasten, Ergotherapeuten etc. die Zähne daran ausgebissen haben ihn beweglicher zu bekommen. Ohne Erfolg.
Mein Wunsch wäre es, ein wenig mehr Sensibilität an den Tag zu legen und die Schüler nicht „vorzuführen“.
Angelika

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Danke, das sehe ich ja erst jetzt!
Hallo,

Alternativ hätte ich keine Schmerzen damit, im Sport überhaupt
keine Noten zu vergeben, weil ich denke, dass es zwar gut und
wichtig ist, daß es Schulsport gibt, das aber nicht für eine
Kernaufgabe der Schule halte, dies leistungsorientiert zu
vermitteln.

Genau meine Rede! Bin ich froh, dass ich nicht als einziger meiner Meinung bin :smile: Wo der Sinn von diesen Zensuren in Sport, künstlerischen oder musischen Fächern sein soll, ist mir stets ein Rätsel geblieben.

Gruß

Fritze

„Nebenbei“ unterrichte
ich noch Mathe, Deutsch und Physik. Da habe ich genug zu tun,
sodass die Bezahlung schon OK ist.

Na, Du bist ja ein ganz toller Hecht!

Das fällt mir jetzt erst auf, wo gibt es denn so eine Kombination? Deutsch und Mathe? Ich meine das sind doch beides nicht so genannte Hauptfächer. Und ist es in D nicht überahupt üblich Zweierkombinationen zu bilden? Eine Freundin von mir gibt auch Sport und Deutsch, ich kenne auch Mathe-Physik…von Deutsch - Mathe habe ich außer in der Grundschule noch nix gehört.

Gruß Maid

Hi,

Was mal wieder die Notengebung an sich in Frage stellt. Diese
Noten haben meiner bescheidenen Meinung nach weder im Sport-
noch im Kunst- und Musikunterricht was zu suchen.

Kunst und Sport stimme ich dir ja zu, aber warum in Musik nicht? Also in meinem Musik Unterricht in den letzten 8 Jahren, kann ich mich an kaum eine Situation erinnern, die irgendwas mit Begabung zu tun gehabt hätte.

Wenn man die Noten allerdings danach macht, wer besser Klavier spielen kann, dann sollte man sie wirklich abschaffen

Gruß
Cornel

Muss das immer sein?
Hallo Fritze,

Leider gibt es solche Lehrer nicht außerhalb von Filmen. Wenn
doch, dann ganz sicher nicht in Deutschland.

deine pauschal abwertenden Äußerungen gegenüber Lehrern, die in jedem Posting herauszulesen sind, empfinde ich mittlerweile als zunehmend nervend. Erfahrungsberichte sind natürlich erwünscht, aber diese allgemeinen Verurteilungen müssen doch nicht sein, oder?

Leider ist die Realität nicht so schön einfach wie in Hollywood-Filmen. „Der Club der toten Dichter“ ist zwar sehr herzerwärmend, aber was meinst du denn würde passieren, wenn ein Lehrer so oder ähnlich handeln würde? Er könnte sich vor Beschwerden von aufgebrachten Eltern, warum denn nicht nach Lehrplan unterrichtet würde und teure Bücher verschandelt werden, nicht mehr retten. Von der Schulleitung ganz zu schweigen. Ein Glück, wer einen Dr. Specht an der Schule hat…

Ob das, was in den Lehrplänen so steht, wirklich alles sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt. Sicherlich müssen da einige Kompromisse gemacht werden, da das Erziehen zu selbstständigem Denken nun mal nicht in starren Zeitstrukturen vonstatten geht.
Aber da müssen andere Wege gegangen werden…

Schönen Sonntag noch.

Alex

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Was mal wieder die Notengebung an sich in Frage stellt. Diese
Noten haben meiner bescheidenen Meinung nach weder im Sport-
noch im Kunst- und Musikunterricht was zu suchen.

offen gesagt hat mir der sportunterricht (auch) den spaß am sport verdorben.

das hatte aber weniger damit zu tun, daß es noten gab.

noten finde ich auch im sportunterricht in ordnung. schließlich will man in jedem sportlichen wettkampf wissen, wer der bessere ist. ob der eine nun im sportunterricht ne 1 kriegt und der andere 3, oder ob der eine im sportverein merkt, daß er öfter verliert, als zu gewinnen, kommt doch auf das gleiche raus: ich merke, ob ich bessere/ schlechtere leistung bringe als andere.

mit einer 3 im fach sport hätte ich gut leben können. schlimmer fand ich es, daß ich unsportliche immer im abseits stand: keiner will dich in der mannschaft; bei gruppenaktivitäten kommst du nicht zum zug, weil du es nicht kannst und dein versagen die gruppe punkte kostet; usw.

mir hat eine kindergärtnerin erzählt, daß sie beim sport darauf achtet, daß gerade die unsportlichen oder auch unbeliebten kinder die mannschaften bilden dürfen. es ist nämlich mehr als frustrierend, wenn man ständig derjenige ist, der übrig bleibt. und man verfestigt die meinung, das sport ganz allgemein etwas ist, zu dem man kein talent hat.

vor ein paar jahren bin ich dann von der erkenntnis überrascht worden, daß ich gut tennis spielen kann. das hätte ich nie gedacht. aber wie gesagt: meine einstellung lag nicht an der note, sondern daran, wie ich im unterricht behandelt wurde.

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Hallo,

Kunst und Sport stimme ich dir ja zu, aber warum in Musik
nicht? Also in meinem Musik Unterricht in den letzten 8
Jahren, kann ich mich an kaum eine Situation erinnern, die
irgendwas mit Begabung zu tun gehabt hätte.

Ja, der Musikunterricht an deutschen Schulen ist ein Skandal. Abgesehen davon, dass in den unteren Klassen ab und zu Liedchen gesungen werden, wird dort überhaupt nicht oder kaum musiziert. Stattdessen dröge Theorie, Noten- und Harmonielehre, „Transponiere das Stück soundso nach A-Dur“, … bloß keinen Spaß am musizieren zulassen. Das wäre unseriös und ohne Zensuren gäbe es ja auch keine Objektivität, wo kämen wir da hin??

Zum Glück hatte ich anständige Eltern, die es mir ermöglicht haben, diesen Unterricht privat nachzuholen. Auch hier zeigt uns das Ausland, wie man es besser macht. Dort können die Schüler doch tatsächlich in der Schule lernen, Instrumente zu spielen. Gäbe bei uns vermutlich bösen Ärger mit der Klavierlehrer-Innung :smile:

Gruß

Fritze