H wie Hola.
Also ich schwinge mich an dieser Stelle nicht auf, Dir konkrete Tips ins Gewissen zu reden - die vermutlich gar nicht funktionieren, weil Du nicht der Typ Mutter dafür bist.
Nur so als Vergleich:
ich beiß mir ins Knie. Wahnsinn, was hier abgeht! Und dann
frage ich mich: Himmel - WIE SCHLIMM WIRD DAS NOCH???
*ausatmen - pfffff - einatmen - haaaaa - ausatmen - pfffff*
So schlimm wie Du es zuläßt.
Ich würde es eher mit der explosionsartigen Freisetzung eines
Monsters im Körper meiner Tochter beschreiben.
Vor einem halben Jahr war sie ein liebes, hübsches,
intelligentes Mädchen, jetzt ist es ein mit weit aufgerissenem
Mund, schmatzendes Kaugummi kauendes Etwas, das blöde
Körperverrenkungen an den Tag legt, um damit zu sagen, dass
sie etwas cool findet. Besonders beliebt das beidhändige
Victory-Zeichen, begleitet von seitlichem Wippen mit dem
Oberkörper und leicht gebeugten Beinen. Gut, also so weit kann
ich ihre Veränderungen ja noch akzeptieren - obgleich ich
dennoch das Gespräch unterbreche, solange ich den Kaugummi im
Mund hüpfen sehen kann. Diskussionen um solche Fragen wie „ab
wann darf ich Stöckelschuhe tragen?“ oder „alle aus meiner
Klasse benutzen Bräunungscreme, warum darf ich das nicht?“
gehe ich erstaunlich ruhig und ausdauernd gelassen an.
Aber diese Ausraster! Ich muss ja so eine fürchterliche Mutter
sein, dass ich sie bitte, nicht im Pfannkuchenteig
rumzurühren, den ich gerade verarbeite, denn immerhin blökt
sie mir gleich entgegen, dass sie ja gar nichts darf.
Darüber kann man wunderbar intellektuell den Kopf schütteln; zwar hatte ich nie solche Anwandlungen, doch irgendwie gehört dieses affige Verhalten bei anderen wohl zur Normalität dazu. Das muß man als Eltern hinnehmen.
Ganz beliebt auch: „Halt die Klappe!“, „Lasst mich
doch einfach alle in Ruhe!“, „mach doch selber!“
Als ich diese Passage überflogen hatte, klappte mir spontan das Messer in der Tasche auf! Kann ja wohl nicht wahr sein, wie Dein pubertierendes Kind mit Dir redet? Daß es sich überhaupt getraut, so einen Ton aufzusetzen.
Ist Dir das, ehrlich gesagt, selbst nicht zuviel (oder zu dumm)?
Schon beim ersten Vorkommnis hättest Du dermaßen dagegen vorgehen müssen, daß solche Ausartungen gar nicht erst aufkommen. Wo soll das noch hinführen, bei ca. fünf weiteren Jahren Pubertät, die vor Dir liegen? Läßt Du Dich dann als „elende Schlampe“ titulieren?
Die alte Schule fehlt hier ganz eindeutig. Bedenke Dein Selbstverständnis: *Du* bist der Erwachsene, das Elternteil. Dein Kind ist nichts und rein gar nichts anderes, als ein *Kind*. Es hat also gesellschaftlich weder vollen Status, noch irgendwelche vollen Rechte und nur kleine Pflichten. Es steht überhaupt nicht im Leben, ist weitestgehend unselbständig gemessen an den Anforderungen der Welt und, und, und. Wieso läßt Du Dir so auf der Nase herumtanzen? Wo ist Dein Anspruch auf absolute elterliche Autorität gegenüber dem Kind?
Ganz ehrlich - nur ein Spruch entfernt in dieser Kategorie und bei *meiner* Mutter hätte es ein Donnerwetter gegeben… biblisches Herabregnen von Schwefel wäre nichts dagegen gewesen.
Willst Du die Sache wieder unter Kontrolle bringen, praktiziere „liebevolle Strenge“. Klare, unumstößliche Grenzen. Striktheit. Stringenz. Laß Diskussionen über irgendwelche Entscheidungen Deinerseits gar nicht erst zu, denn Dein Kind bewegt sich noch nicht annähernd in Relationen, daß es ein Recht auf ein Debattieren gegen Dich hätte. Sei fodernd, lasse auf jeden Verstoß eine entsprechende Konsequenz folgen. Nur so lernt sie einerseits, daß sie verantwortlich für ihre Handlungen sein wird/ ist. Nur so lernt sie andererseits, daß auch alles immer Effekte nachsichzieht. Und schlußendlich behälst Du die Kontrolle über den Rahmen ihres Verhaltens. Diese Tür schwingt übrigens in beide Richtungen! Sprich, gilt also sowohl für Bestrafung, *als auch* für Belohnung. Du kannst also mit ausgewogenem Verhalten Deinerseits, zeitgleich disziplinieren/fordern und formen/ermutigen/fördern. Je nach Verhalten ihrerseits.
Dagegen: Sei selbstkritisch - jedoch für Dich. Nicht vor Deiner Tochter, sonst erweckst Du den Eindruck, sie könnte in diverse Einschätzungen und Entscheidungen Deinerseits doch wieder Einfluß nehmen.
Passe die Regeln dem Alter Deiner Tochter an.
Das ist der Hauptpunkt, wo einseitig übertrieben strenge Eltern scheitern - und wo die richtig klassisch autoritären Originale triumphieren. Eine 17jährige mußt Du latent anders behandeln, als eine 14jährige und wieder anders als eine 11jährige.
Nur wieder siehe oben: nicht an die große Glocke hängen, sondern vor vollendete Tatsachen stellen und an der Linie festhalten. Der gesunde Menschenverstand ist hier der Schlüssel, um das richtie Maß zu treffen.
Sicherlich (für Dich) nicht unbedingt leicht umzusetzen, wenn es jetzt schon solche Formen angenommen hat und Du noch nicht rigoros dagegen vorgegangen bist. Wie gesagt: liebevolle Strenge. Das Phänomen ist doch gerade, daß bspw. den *strengen* Erzieherinnen im Kindergarten die Kinder wie vernarrt am Rockzipfel hängen. Nur sind diese (oft sehr viel älteren) Erzieherinnen auf der anderen Seite immer ausgewogen, fair, gehen auf Bedürfnisse ein, helfen den Kindern - jedoch ohne dieses heutige Gewäsch vom „das Kind in den Grundfesten respektieren, als großartiges Individuum der Gesellschaft wahrnehmen, stets den Dialog suchen und rein kommunikativ auf das Kind eingehen,…“. Empirisch zeigt sich, daß hier überhaupt nicht das passiert, was viele Schwafler („freiheitliche“ Erziehungskonzepte, „moderne“ Mutter-Kind-Beziehung, „demokratische“ Familienorganisation) immer unterstellen.
Du mußt, um mit Goethe zu sprechen, Tatmensch sein. Machtkämpfe zwischen Mutter und Kind entstehen doch nur, weil die Mutter so dumm ist, sich kommunikativ darauf einzulassen. Definierst Du Dich dagegen über Deine Taten, hälst Du an Deinem Kurs fest, wird Deine Tochter schnell lernen, daß sie dagegen nicht ankommt.
Es ist völlig unverständlich, wie manche tatsächlich behaupten können, Machtkämpfe würden die Eltern stets verlieren. Das ist verkehrte Welt - das ist eine Folge von unendlichem Gerede, von fehlenden Grenzen und dem Klarstellen, daß das Kind ein Kind ist.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Trichtere das Deiner Tochter ein.
Laß ihre jedwede Unterstützung zuteilwerden, jedoch zu Deinen Konditionen. Du bestimmst, Du entscheidest. Bewegt sie sich in diesem Rahmen, fördere, sei für sie da, hilf ihr, berate sie, leite sie an, krisiere sie konstruktiv, zeige ihr Wege auf, erziehe ihr Selbständigkeit an.
Verletzt sie dagegen den Rahmen, redigiere sie harsch. Ruf ihr wieder in Erinnerung, wie der Hase läuft. Nur einseitig zurechtbiegen darfst Du wie gesagt nicht; zum Meckern gehört das Helfen. Ist in gewissem Sinne schon ziemlich schizoid, doch einfach genial.
„Räum Du doch mal mein Zimmer auf, dann siehst Du wie viel das
ist!“ - wobei zu Letzterem anzumerken sei, dass sie der
felsenfesten Überzeugung ist, woanders räumten die Mütter die
Zimmer auf und die Kinder bräuchten nicht mehr zu tun, als
alles auf den Boden zu werfen (O-Ton).
Mögliche Antwort Deinerseits: „Wir sind hier nicht bei anderen Leuten.“ oder „Was interessieren mich dabei andere Leute, ich sage [das und das] und >.“
Du mußt vermeiden, Dir solche brotlosen Künste an Diskussionen aufzwingen zu lassen, indem sie immer und immer wieder versucht, das letzte Wort zu haben.
Außerdem ist ihre Woche scheiße, weil sie jeden Morgen um halb
sieben aufstehen muss und noch beschissener ist es, dass
niemand Verständnis dafür haben will, dass man deswegen auf
die Kacke haut. Wenn die Tiere Kohldampf schieben und man sie
bittet, beim Füttern zu helfen, erinnert sie stets daran, was
sie ja sonst schon alles tut (zur Anmerkung: im Haushalt bis
auf ihr eigenes Zimmer… nichts)- aber sich dann wieder
beschweren, dass sie ja gar nichts darf, wenn man ablehnt mal
eben so ein weiteres Tier aufzunehmen.
Auch hier wäre das beste, kurz und bündig klarzustellen, daß bald „die Heide wackelt“, wenn sie sich mit ihrem unverhätlnismäßigen Gerede nicht bald einmal zusammenreißt…
Die Krönung dann heute unter Heulen und Gezeter nach einigen
Querelen: „Mama! Warum müssen Eltern so nervig sein?“ -
gebrüllt wohlgemerkt, nicht gefragt.
Lassen. Schlichtweg lassen. Wirklich ernste Auftritte dieser Kategorie sind leicht von solchen Anwandlungen zu unterscheiden.
Peng. Pubertät. PRÄ-pubertät. Also denke ich doch mal mit
gerade mal 10 Jahren und 9 Monaten. Mit 10 Jahren und 3
Monaten war sie noch weitestgehend normal. Es wird wohl Zeit,
mir im Klaren zu werden, wie ich damit und den vielen sich
ähnelnden Situationen umgehen soll.
Merk Dir folgende weltberühmte Sätze:
„Im Anfang war die Tat!“ (Goethe, Faust I)
„Es gibt Augenblicke, in denen es nicht auf die Worte ankommt, sondern darauf, daß man einfach hingeht und etwas tut.“ (Juri Tritenow)
MfG