Das Wesen des ersten Weltkriegs

Hallo alle zusammen,

in diesem Thema möchte ich eine Frage aufwerfen, die mich schon lange beschäftigt: wie sieht es mit dem Wesen des ersten Weltkriegs aus? Gemeint sind damit die alten Taktiken, die neuen Waffen, der Stellungskrieg und das Trommelfeuer. Die komplett neuen Ideen und vor allem die starken Differenzen zwischen der Zivilbevölkerung und den kämpfenden.
Ich will nicht verheimlichen, dass ich wegen eines Referats nachfrage. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass ich wer-weiss-was nicht als Hausaufgabenerledigung benutzen will, sondern als Quellenerweiterung. Ich kopiere ebenfalls den schon geschriebenen Text mit in diese Thema hinein. Das Problem, vor dem ich stehe ist folgendes: Ich habe zwar eine Menge an Informationen, diese aber ungeordnet und vor allem sehr oberflächlich und nicht differenziert. Auf keiner der mir zugänglichen Quellen (Internet, umfangreiches Buchmaterial) finde ich differenzierte Darstellungen zu diesem Thema. Ich hoffe mein Problem und auch meine Fragestellung werden im Folgenden noch deutlicher. Auf schnelle und auch gerne sehr fachmännische Hilfe würde ich mich sehr freuen.

Mit den besten Grüßen
David

Das Wesen des ersten Weltkriegs und seine welthistorische Bedeutung

Der erste Weltkrieg
Nachdem der erste Weltkrieg als solcher schon sehr genau analysiert wurde, soll nun der Krieg auf sein Wesen und auf seine weltgeschichtliche Bedeutung hin untersucht werden. Unter dem Wesen des Krieges versteht man die Neuartigkeit des Krieges und vor allem die Bedeutung des Krieges unter der Zivilbevölkerung. Beide Punkte werden jetzt genau analysiert.

Die Neuartigkeit des ersten Weltkrieges
Der erste Weltkrieg zeichnet sich gerade aus der militärischen Sicht als komplett neuartig aus. Während

Was dachte die Bevölkerung?
Die Bevölkerung war verwirrt. Während man im Land selbst von dem Krieg nicht viel mitbekam (ganz im Gegensatz zum zweiten Weltkrieg), wurde an der Kampffront der härteste Kampf der Geschichte ausgefochten, bei dem um jeden Millimeter gekämpft wurde. Die Zivilbevölkerung unterlag in der Zeit des Kriegs dem Irrtum, dass der Krieg an sich noch genau so verläuft wie früher: entweder man kehrt als strahlender Sieger heim oder aber als Verlierer, der dennoch alles für sein Land getan hat. Die Eroberung durch fremde Nationen bedeutete nicht so viel. Man hatte zwar einen anderen Herrscher, aber damit hatte sich die Sache im Regelfall auch schon. In diesem Krieg verhielt es sich anders. In diesem Krieg gab es sehr viele Tote und Verwundete. Auch das ständige Trommelfeuer ließ keine glücklichen Verlierer nach Hause zurück kehren.
Es gab zu allen Kampffronten auch noch zwei Fronten im eigenen Land: zum einen existierte die Kampffront, die versuchte, die Landesgrenzen abzusichern und den Krieg zu gewinnen, um es mal einfach zu formulieren. Zum anderen gab es aber auch die Heimatfront, mit allen daheim gebliebenen und Zivilisten, die immer noch der Vorstellung eines klassischen Krieges unterlagen, dass sich zwei Parteien auf einem Platz treffen, es viel Kampf gibt und am Ende einen eindeutigen Sieger oder einen eindeutigen Verlierer.
Die Heimatfront lag ja auch im Prinzip noch richtig. Es gab noch die alte Taktik, wie bereits erwähnt und auch die Idee, dass es zwei Parteien gibt, die sich gegenseitig auf einem Platz angreifen ist nicht falsch. Sie glaubten noch an die alten, bewährten Taktiken, die ja während des Krieges auch benutzt wurden. Was sie aber nicht mitbekamen, war die Einführung und die Wirkung der neuen Waffen.
An der Kampffront dagegen war es ganz anders. Im Gegensatz zu früheren Kämpfen erlebten sie einen modernen Krieg mit, der noch an alte Denkweisen gebunden war. So kam es bei einem Aufeinandertreffen dieser beiden Fronten oft zu Irritationen, denn niemand konnte das nachvollziehen, was diese Kämpfer wirklich fühlten und dachten. Sie konnten über die schrecklichen Erlebnisse, die sie während des Kriegs gemacht hatten nur mit anderen Veteranen reden.

Die welthistorische Bedeutung

Ein Schlussstrich

Hallo David,

„das Wesen“ eines Krieges - also das ist eine schwierige Frage, die ich dir so nicht beantworten kann. Vor allem, weil es ja der 1. WK ist, über den ich nicht so viel weiß wie über den 2. WK. Ich kann dir aber einige Details nennen, die du vielleicht in dein Referat einbauen kannst. Finde ich übrigens prima, dass du hier ehrlich bist. :wink:

Im 1. WK wurden zum ersten Mal chemische Kampfstoffe eingesetzt. Es gab auch damals schon verschiedene Abkommen zur Ächtung chemischer Kampfstoffe. Diese hat man dadurch umgangen, dass man die Kampfstoffe nicht in Granaten einbaute, sondern einfach in Fässern beließ. Man hat da (ich glaube, bei Verdun) eine ganze Reihe von Fässern in den Boden eingegraben. Die Deckel der Fässer waren an so einem Draht befestigt. Man konnte sie also alle auf einmal abziehen. In den Fässern war eine Lösung, die Chlorgas freisetzte.

Das harmlose Schwimmbad-Desinfektionsmittel wirkte in diesen hohen Konzentrationen tödlich. Die Gegenseite war zunächst auch gar nicht auf so etwas vorbereitet, hat sich aber schnell darauf eingestellt und ihrerseits mit chemischen Kampfstoffen zurückgeschlagen. (Quelle: ZDF History: „Giftgas - der lautlose Tod“, kam 2006)
Übrigens, ein kleines Detail am Rande: Hitler wurde im 1. WK selbst duch chemische Kampfstoffe verletzt und hat sie im 2. WK nie eingesetzt. Man kann nun spekulieren, warum nicht.

Vielleicht kannst du auch mal einen Blick in einige Zeitungen aus dieser Zeit werfen. Wenn man Hitler Glauben schenken kann, wurde da teilweise recht deutlich gegen den Krieg Stellung genommen. Er hat es in „Mein Kampf“ so hingedreht, als seien diese Pazifisten alles jüdische Weltverschwörer, die ein Interesse daran hatten, dass Deutschland den Krieg verliert. Ich habe selber noch keine Zeitungen aus dem 1. WK gelesen.

Was ich auch noch interessant fand: Offenbar wollte Kaiser Wilhelm den 1. WK noch verhindern, musste jedoch feststellen, dass er über die einmal in Gang gekommene Militärmaschinerie keine Macht besaß. Die Generäle etc. haben nicht mehr auf ihn gehört. (Q: Phoenix: „Seine Majestät Wilhelm II“)

Vielleicht könntest du auch noch einige Verträge nach dem 1. WK erwähnen (Verträge von Versailles, Locarno, Rapallo - alle in Wiki). Nach dem 1. WK wandelte sich das Deutsche Reich außerdem von einer Monarchie zu einer Republik.

Viel Spaß noch bei der Arbeit!

Schöne Grüße

Petra

Ein weites Feld! Was könnte man da alles schreiben. Erst mal das: In
Deinem Text steht: „Die Eroberung durch andere Nationen bedeutete nicht
so viel.“ Ich denke, der damals maßlose Nationalstolz hätte eine
Fremdherrschaft als unerträglich angesehen. Dann schreibst Du noch, daß
die alten Taktiken im Prinzip noch angewendet werden konnten. Das
glaube ich nicht. Vor allem die Offensivwirkung der Feuerwaffen und der
wirksame Schutz mittels Graben brachte schon nach wenigen Wochen die
Einführung völlig neuer Taktiken. Bemerkenswert finde ich außerdem noch
die weite Verbreitung der Unkenntnis in der deutschen Zivilbevölkerung
über die schlechte Lage. Sehr viele glaubten noch lange an den Sieg.
Die Hungerblockade empfanden viele als etwas ganz Neues. Ich hoffe, das
hilft ein wenig weiter.

HAllo,

dazu könnte man viel schreiben.

Zum Beispiel darüber, daß es ein reiner von allen Seiten lange Raubkrieg um MAcht uns Territorium war - der Anlaß war ja eigentlich viel zu unbedeutend, um so was auszulösen. Das ging nur, weil alle in Wahrheit schon längst auf so etwas gewartet hatten.

Bezeichnend für den Weltkrieg war, daß die moderne Industrie völlig neue Waffen aufbieten konnte, die die klassische Kriegsführung unmöglich machten. Die Angriffe z.B. der Kavallerie blieben blutig im Feuer der MG liegen - so was gab es in dieser Form vorher nicht. Daraus entwickelte sich dann der Stellungskrieg - es war kaum noch möglich die vielfach gestaffellten Fronten zu durchbrechen. deshalb wurde versucht, die Offensieve durch gewaltige Materialschlachten mit gigantischem Kanononenbeschuß wieder in Gang zu bekommen. Aber das gelang oft nicht, und auch neue Waffen wie Giftgas und die völlig neue Panzerwaffe brachten meist kein Ergebnis - letztere war bis 1917 einfach noch zu störanfällig.
Erstmalig wurden auch Flugzeuge eingesetzt - und in ersten Ansätzen begann damit auch die Bomabardierung von Städten im Hinterland. In wie weit das für die Zukunft die Unterschiede zwischen front und sicherem Hinterlang verwischen würde, war allerdings noch nicht zu erahnen.
Durch die deutschen U-Boote bekam die Seekriegsführung eine völlig neue Komponente. Der bisherige Kaperkrieg mit Vorwarnung gegen fremde Frachtschiffe, der meist nur unbedeutend blieb) wurde durch den warnungslosen Abschuß auch unbewaffneter Frachtschiffe ersetzt.

In zunehmender Weise arbeitete die ganze Wirtschaft für den Krieg. Das führte dazu, daß es erstmals in einem Krieg Lebensmittelrationierungen und Rationierungen anderer Güter im großen Stil gab. Diese Variante hatte 1914 gar keine der kämpfenden Mächte in seine Kriegsplanungen einbezogen - es erwischte die Militärs völlig kalt von hinten, quasi auch noch eine komplette Steuerung kriegswichtiger Waren und Rohstoffe installieren zu müssen und das Volk über Rationierungen zu versorgen.

Der erste Weltkrieg war die totale Trennung mit der Vergangenheit. Es entwickelte sich weiter, was 1870/71 ansatzweise auftrat und damals nicht beachtet wurde.
Früher führte die Armee Krieg. Das zivilie Leben war (außer in den durch direkte Kriegshandlungen betroffenen Gebieten) wenig betroffen. Nun mußten alle Kräfte der Nation aufgeboten werden. Zudem waren auch die Verwüstungen mit alten zeiten nicht vergleichbar - da gab es zwar auch beschädigte und zerstörte Häuser - aber nach einer wochenlangen konzentrierten Artillerievorbereitung steht überhaupt nichts mehr.

Ich denke alle diese Dinge müßte man schon mit nennen.

Gernot Geyer

Hallo Gernot

Zum Beispiel darüber, daß es ein reiner von allen Seiten lange
Raubkrieg um MAcht uns Territorium war - der Anlaß war ja
eigentlich viel zu unbedeutend, um so was auszulösen.

Die gab es schon seit Alexander dem Großen und Julius Caesar…

Gruß

Hallo

in diesem Thema möchte ich eine Frage aufwerfen, die mich
schon lange beschäftigt: wie sieht es mit dem Wesen des ersten
Weltkriegs aus? Gemeint sind damit die alten Taktiken, die
neuen Waffen, der Stellungskrieg und das Trommelfeuer. Die
komplett neuen Ideen und vor allem die starken Differenzen
zwischen der Zivilbevölkerung und den kämpfenden.

Die ‚psychologische Neuheit‘ der Situation auf
dem Gefechtsfeld umfasst vor allem die Dauer der
konkreten Schlacht und die vollkommene Wandlung
des Soldaten zum mehr oder weniger hilflosen
Bediener eines Gerätes.

IMHO sehr schön entwickelt in
Keegans „Das Antlitz des Krieges“
(ISBN: 3593345137 Buch anschauen)

Siehe dazu auch Keegans:
„Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie“
(ISBN: 3499611945 Buch anschauen)

Grüße

CMБ

Hallo Petra

… nur einige Anmerkungen zu Deiner
ansonsten sehr umfassenden Antwort.

Im 1. WK wurden zum ersten Mal chemische
Kampfstoffe eingesetzt.

Das kann man so nicht sagen. Die Bekämpfung
von verschanzten Truppen mit Rauchgasen
(ausräuchern) ist alt, die Kriegführung
mit biologischen Waffen auch (Hineinkata-
pultieren eines Tierkadavers in eine
Befestigungsanlage).
http://en.wikipedia.org/wiki/Chemical_warfare

Es gab auch damals schon verschiedene Abkommen zur
Ächtung chemischer Kampfstoffe. Diese hat man dadurch
umgangen, dass man die Kampfstoffe nicht in Granaten einbaute,
sondern einfach in Fässern beließ. Man hat da (ich glaube, bei
Verdun) eine ganze Reihe von Fässern in den Boden eingegraben.
Die Deckel der Fässer waren an so einem Draht befestigt. Man
konnte sie also alle auf einmal abziehen. In den Fässern war
eine Lösung, die Chlorgas freisetzte.

IMHO hast Du hier etwas leicht durcheinandergebracht. Ein
„Abkommen“ gab es vorher sicher nicht, weil die technische
Möglichkeit der massiven und sofortigen Opferverursachung
in der kämpfenden Truppe nicht möglich war.

Das „mit den Fässern und Ventilen“ waren einfach Schritte
auf dem Weg zur technischen Vervollkommnung des Einsatzes.

Die ganze Chlor/Phosgen-Gasgeschichte war relativ schnell
unspektakulär, weil ziemlich schnell wirksame Gasmasken
entwickelt wurden. Damit konnte man bald nicht mehr viel -
und vor allem nicht mehr sicher - etwas ausrichten.

Als der wirkliche Super-GAU auf dem Gefechtsfed er-
wies sich das in den letzten Jahren des I.WK eingesetzte
Lost aka Senfgas aka Yperit (http://de.wikipedia.org/wiki/Lost_%28Kampfstoff%29)
Nach einem solchen Einsatz besteht Dein einstmals stolzes
Regiment aus verklumpten Haufen furchtbar aussehender
Schwerverwundeter, um die Du Dich kümmern musst.

Diesen Stoff setzte Saddam in großen Feldschlachten gegen
zahlenmäßig überlegene Iraner ein, in dem er deren Bereit-
stellungsräume damit bombardierte, wozu er Satelliten-
informationen aus der verbündeten USA erhielt.

(Hier irrt der obige Wiki-Artikel, Halabja war mit hoher
Wahrscheinlichkeit kein Yperit, das hätte man an den
Opfern zweifellos sofort erkannt.
http://en.wikipedia.org/wiki/Halabja_poison_gas_attack)

Das harmlose Schwimmbad-Desinfektionsmittel wirkte in diesen
hohen Konzentrationen tödlich. Die Gegenseite war zunächst
auch gar nicht auf so etwas vorbereitet, hat sich aber schnell
darauf eingestellt und ihrerseits mit chemischen Kampfstoffen
zurückgeschlagen. (Quelle: ZDF History: „Giftgas - der
lautlose Tod“, kam 2006)

Chlor war wirklich bald kaum ein Thema mehr.

Übrigens, ein kleines Detail am Rande: Hitler wurde im 1. WK
selbst duch chemische Kampfstoffe verletzt

Ja, und zwar durch Yperit (s.o. und Wiki).

und hat sie im 2. WK nie eingesetzt.

Falsch, die polnische Armee hat Yperit
einmal eingesetzt, dies wurde aber
(laut Wiki) von der deutschen Seite
als „Unfall“ interpretiert und nicht
analog beantwortet.

Man kann nun spekulieren, warum nicht.

Weil nach dem ersten Weltkrieg entsprechende
Vertragswerke entstanden und alle Parteien
sowohl über Yperit als auch noch über (über-)
lebende Opfer dieser Waffe verfügten. Darum.

Grüße

CMБ

Wilhelm II
Hallo Petra,

Was ich auch noch interessant fand: Offenbar wollte Kaiser
Wilhelm den 1. WK noch verhindern, musste jedoch feststellen,
dass er über die einmal in Gang gekommene Militärmaschinerie
keine Macht besaß. Die Generäle etc. haben nicht mehr auf ihn
gehört. (Q: Phoenix: „Seine Majestät Wilhelm II“)

Ja, habe ich in einem anderem Bericht über Wilhelm II vor kurzem auch gehört: Danach hat er wohl noch mehrfach an seine Verwandten in England und St. Petersburg geschrieben, die haben aber nicht reagiert. Denke man sich was dabei.
Auch, wie du sagst, haben die Militärs gesagt, die Maschine ist nicht mehr zu stoppen. So sagen ja auch viele Historiker, Deutschland wurde während des Krieges zu einer Militärdiktatur unter Ludendorff und Hindenburg.

Gruss
Laika

Hallo David,

vieles war garnicht so neu (nur für die Europäer) sondern hatte sich bereits im amerikanischen Bürgerkrieg und dem russisch-japanischen Krieg als richtungsweisend erwiesen.

Gruß

_______________
MOD: überflüssiges Zitat des beantworteten Artikels entfernt

Hallo,

viele meiner Vorposter schreiben, dass der 1. WK der erste Krieg im modernen Sinne war. Das ist sicher richtig, da dort die geballte Industrialisierung des 19. Jhdts. dahinter stand. Oft habe ich das aber auch über den amerikanischen Bürgerkrieg gehört. Auch hier wurden moderne Feuerwaffen eingesetzt, aus Gräben heraus gekämpft, mit Kartäschen auf anstürmende Gegner geschossen, eiserne Kriegsschiffe, ja Uboot-ähnliche Schiffe eingesetzt.
Das nur mal so als Ergänzung.

Laika

und hat sie im 2. WK nie eingesetzt.

Falsch, die polnische Armee hat Yperit
einmal eingesetzt

Aha, wenn ich schreibe, Hitler hat nie chemische Kampfstoffe eingesetzt, dann ist das falsch, weil die polnische Armeee diese einmal eingesetzt hat? Nanu? Seit wann hat Hitler die polnische Armee befehligt?

Man kann nun spekulieren, warum nicht.

Weil nach dem ersten Weltkrieg entsprechende
Vertragswerke entstanden und alle Parteien
sowohl über Yperit als auch noch über (über-)
lebende Opfer dieser Waffe verfügten. Darum.

Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder? Das mit den Vertragswerken meine ich. Denn um Gesetze und Verträge hat sich ja Hitler nicht groß gekümmert - ich denke da beispielsweise an den Hitler-Stalin-Pakt.

Außerdem finde ich es bemerkenswert, dass er zwar den Befehl gegeben hat, die Infrastruktur Deutschlands komplett zu zerstören, weil „sein Volk“ ihn enttäuscht hat (Q: Der Untergang), aber nicht noch kurz vor Schluss die chemischen Kampfstoffe eingesetzt hat.

Übrigens, in dieser oben erwähnten Fernsehsendung hieß es auch, dass man nur glaubte, auch die andere Seite hätte chemische Kampfstoffe. In Wirklichkeit hätten sie dem 3. Reich einen taktischen Vorteil verschafft. Aber wie gesagt, es kam kein Befehl zu deren Einsatz. War wohl noch nicht so lustig, so etwas damals am eigenen Leib zu erfahren.

Oder forschte man möglicherweise an neueren und „besseren“ chemischen Kampfstoffen? Wundern würde es mich nicht, wenn da noch neue Erkenntnisse ans Tageslicht kämen.

Schöne Grüße

Petra

Hallo

[Hitler]
und hat sie im 2. WK nie eingesetzt.

Falsch, die polnische Armee hat Yperit
einmal eingesetzt

Aha, wenn ich schreibe, Hitler hat nie chemische Kampfstoffe
eingesetzt, dann ist das falsch, weil die polnische Armeee
diese einmal eingesetzt hat? Nanu? Seit wann hat Hitler die
polnische Armee befehligt?

Uuups, das sollte heissen:

Richtig, obwohl die polnische

(so früh am morgen)

Weil nach dem ersten Weltkrieg entsprechende
Vertragswerke entstanden und alle Parteien
sowohl über Yperit als auch noch über (über-)
lebende Opfer dieser Waffe verfügten. Darum.

Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder? Das mit den
Vertragswerken meine ich. Denn um Gesetze und Verträge hat
sich ja Hitler nicht groß gekümmert - ich denke da
beispielsweise an den Hitler-Stalin-Pakt.

Da war Hitler ganz Weltkriegssoldat. Für diese
hiess es vielleicht „nie wieder Chemie“. Auf
jeden Fall versprach man sich nichts wesent-
liches von einem Einsatz.

Außerdem finde ich es bemerkenswert, dass er zwar den Befehl
gegeben hat, die Infrastruktur Deutschlands komplett zu
zerstören, weil „sein Volk“ ihn enttäuscht hat (Q: Der
Untergang), aber nicht noch kurz vor Schluss die chemischen
Kampfstoffe eingesetzt hat.

Das verstehe ich „rational betrachtet“ auch nicht, im
Gespräch mit Dornberger zum A4 (V2) tobte er und forderte
„Ich will vernichtende, vernichtende Wirkung!“.

Es muss wohl so sein, dass Chemiewaffen bei den
Weltkriegsveteranen als Stigma galten - unschön.

Wenn schon untergehen, dann heldenhaft …

Oder forschte man möglicherweise an neueren und „besseren“
chemischen Kampfstoffen? Wundern würde es mich nicht, wenn da
noch neue Erkenntnisse ans Tageslicht kämen.

Das ist bekannt. Tabun (Trilon) und Sarin wurden für
den „Fall der Fälle“ von den Deutschen als Vergeltung
bereitgehalten.
http://en.wikipedia.org/wiki/Nerve_agent#The_Nazi_ma…
(Schrader entwickelte ausserdem noch Sarin)

Grüße

CMБ

Hallo Laika!

Auch, wie du sagst, haben die Militärs gesagt, die Maschine
ist nicht mehr zu stoppen.

Eine von Menschen in Gang gehaltene Maschinerie kann auch von Menschen gestoppt werden. Irgendwelche Zwangsläufigkeiten, Hineinschliddern o. ä. gibt es dabei nicht. Es gibt aber viele nachträgliche Schutzbehauptungen. Gesichtsbewahrung, Hoffnung auf irgendwelche Erfolge oder ganz einfach Untätigkeit, Fehleinschätzungen und Unfähigkeit führten in den Krieg. Die Verantwortlichen hätten in jeder Sekunde anders entscheiden und in jeder Sekunde getroffene Entscheidungen über den Haufen werfen können. Krieg findet nie zufällig oder zwangsläufig statt. Er ist immer gewollt.

So sagen ja auch viele Historiker…

Sowas bringen nur „Historiker“ zustande, die tatsächliche Ereignisse mit persönlichen Wertungen vermengen oder in Richtung gewünschter Bewertung verfälschen.

In den 50er Jahren, als in vielen Städten noch Trümmer lagen, die Diktatur noch nicht lange her war und sich die Erfahrungen mit Demokratie auf wenige Jahre mit Chaos und drückender Armut zwischen 1918 und 1933 beschränkten, wurde vielerorts gesungen „Wir wolln unsern Kaiser Wilhelm widerhaben…“. Das wurde nicht nur gesungen, das entsprach auch dem Wunsch etlicher Leute. Damals wurde die Kaiserzeit glorifiziert und der 1. Weltkrieg als zwangsläufiges Ereignis dargestellt, in das man hineingeschliddert sei.

Gruß
Wolfgang

Das ist bekannt. Tabun (Trilon) und Sarin wurden für
den „Fall der Fälle“ von den Deutschen als Vergeltung
bereitgehalten.
http://en.wikipedia.org/wiki/Nerve_agent#The_Nazi_ma…
(Schrader entwickelte ausserdem noch Sarin)

Interessanter Link, aber das meinte ich nicht. … Ich habe mal gehört, dass es in der Nähe von Auschwitz so ein geheimes Forschungzentrum gab. Mengele soll sich mit einem der Ärzte dort angefreundet haben. Den Namen dieses Forschungszentrums habe ich nun gerade nicht parat - ich muss wohl meine Notizen per Hand durchsuchen; eine Suche mit Suchwort war leider nicht erfolgreich. :frowning: … Aber es würde mich gar nicht wundern, wenn Mengele da heimlich mitgeforscht hätte. Er ist immer mal wieder aus Auschwitz verschwunden, und niemand wusste, wohin.

Schöne Grüße

Petra

HalloWolfgang,

Das wurde
nicht nur gesungen, das entsprach auch dem Wunsch etlicher
Leute. Damals wurde die Kaiserzeit glorifiziert und der 1.
Weltkrieg als zwangsläufiges Ereignis dargestellt, in das man
hineingeschliddert sei.

Abgesehen davon, dass das Kaiserreich zweifellos die beste Zeit bis dahin für die Deutschen war, hast Du beim Zitat des Liedes (auf die Melodie eines bekannten Reitermarsches) die zweite Zeile vergessen:

„Aber nur den mit Bart!“

Gemeint war also der Großvater, Wilhelm I. Womit bewiesen wäre, dass auch der Volksmund fein und ironisch zu differenzieren weiß.

Gruß,
Andreas

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Literaturergänzung
Hallo Semjon,

ebenfalls gut zum Thema:
‚Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch . . .‘ von Gerhard Hirschfeld.

http://www.amazon.de/gp/product/3596130964/

Und zur allgemeinen Geschichte, aber etwas gegen den Strich gebürstet:
‚Der falsche Krieg. Der erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert‘ von Niall Ferguson.

http://www.amazon.de/gp/product/3423308087/

Gruß,
Andreas

_______________
MOD: überflüssiges Zitat des beantworteten Artikels entfernt

Hallo Wolfgang

Auch, wie du sagst, haben die Militärs gesagt, die Maschine
ist nicht mehr zu stoppen.

Eine von Menschen in Gang gehaltene Maschinerie kann auch von
Menschen gestoppt werden. Irgendwelche Zwangsläufigkeiten,
Hineinschliddern o. ä. gibt es dabei nicht. Es gibt aber viele
nachträgliche Schutzbehauptungen. Gesichtsbewahrung, Hoffnung
auf irgendwelche Erfolge oder ganz einfach Untätigkeit,
Fehleinschätzungen und Unfähigkeit führten in den Krieg. Die
Verantwortlichen hätten in jeder Sekunde anders entscheiden
und in jeder Sekunde getroffene Entscheidungen über den Haufen
werfen können. Krieg findet nie zufällig oder zwangsläufig
statt. Er ist immer gewollt.

Manchmal kann ein Präventivschlag einen Krieg entscheident verkürzen und manchmal eben die komplette Weltordnung umschmeißen.

Gruß

Hallo

Ich habe mal gehört, dass es in der Nähe von Auschwitz so ein
geheimes Forschungzentrum gab.

Na ja, „in der Nähe“ ist so ein Begriff …

Was Du meinst ist wahrscheinlich der
Chemiekomplex IG-Farben/Dyhernfurth
(bei Breslau), gebaut 1939:
http://de.wikipedia.org/wiki/Brzeg_Dolny

Mengele soll sich mit einem der Ärzte
dort angefreundet haben. Den Namen dieses Forschungszentrums
habe ich nun gerade nicht parat - ich muss wohl meine Notizen
per Hand durchsuchen;

„Hochwerk“ ?

Aber es würde mich gar nicht wundern,
wenn Mengele da heimlich mitgeforscht hätte.

Kaum. Die Ärzte waren dazu da, die häufig
auftretenden schweren und bislang unbekannten
Verletzungen (Herstellungsprozess) zu be-
handeln bzw. zu untersuchen. Der Rest ist
Sache von (sehr sehr erfahrenen) Chemikern.

Er ist immer mal wieder aus Auschwitz verschwunden,
und niemand wusste, wohin.

Für wie lange verschwunden?

Grüße

CMБ

Was Du meinst ist wahrscheinlich der
Chemiekomplex IG-Farben/Dyhernfurth
(bei Breslau), gebaut 1939:
http://de.wikipedia.org/wiki/Brzeg_Dolny

Ich bin mir nicht sicher ob es das war. Ich hatte eine Entfernung von ca. 40-50 km in Erinnerung. Dort hat man geforscht, und Mengele hat eben den befreundeten Arzt ab und zu besucht und vielleicht (so mein Gedanke) auch einmal mitgeforscht. … Aber da ich die Quelle momentan nicht finden kann, weiß ich natürlich nicht, ob diese glaubwürdig ist. Dichtung und Wahrheit liegen ja manchmal recht eng beieinander, wenn es um JM geht. Er soll sich ja nach 1945 auch mit einer Wilma in die Schweiz abgesetzt haben. Sind wir hier bei Familie Feuerstein oder wie? *frust*
Ich habe die Geschichte mit Wilma, seiner jüdischen Freundin, ja von Anfang an nicht recht geglaubt, auch wenn man sie in vielen Quellen findet, und habe nun die Bestätigubg bekommen, dass „Wilmaaaaa!“ wahrscheinlich von einem überzeugten Nazi als Ablenkungsmanöver erfunden wurde.

Aber es würde mich gar nicht wundern,
wenn Mengele da heimlich mitgeforscht hätte.

Kaum. Die Ärzte waren dazu da, die häufig
auftretenden schweren und bislang unbekannten
Verletzungen (Herstellungsprozess) zu be-
handeln bzw. zu untersuchen. Der Rest ist
Sache von (sehr sehr erfahrenen) Chemikern.

Warum nicht? Ich meine damit ja nicht, dass er selber neue chemische Formeln erfunden hat. Aber ich denke, wenn man wirklich einen chemischen Kampfstoff an Menschen erprobt - und diese Möglichkeit hatte man zu der Zeit - dann hat man vielleicht auch gerne einen Arzt dabei, der die auftretenden Symptome dokumentiert.

Er ist immer mal wieder aus Auschwitz verschwunden,
und niemand wusste, wohin.

Für wie lange verschwunden?

Aaaah! Ich krieg die Krise!!! Ich wusste zwar noch genau, in welchem Buch ich das mit seinem Verschwinden zuletzt gelesen habe, und hatte auch noch im Hinterkopf, dass er für ca. 2 Wochen weg war. … Nun habe ich die Stelle wieder gesucht und dabei festgestellt, dass er nur seine Frau nach Freiburg begleitet hat. :frowning: Die ist nämlich krank geworden, als sie ihn an seinem „Arbeitsplatz“ besucht hat - da wollte er sie vielleicht nicht die weite Strecke alleine zurückfahren lassen.

Ich glaube, er war auch zu einem anderen Zeitpunkt noch von seinem „Arbeitsplatz“ abwesend, aber das finde ich so schnell nicht mehr.
Außerdem hat er sich auch irgendwann im Laufe seines Lebens die Hüfte gebrochen. Man weiß nicht genau wann, aber da kommen auch noch einmal ca. 6 Wochen „Verschwinden“ zusammen.

Es wird wirklich Zeit, nicht nur Bücher zu lesen, sondern auch meine Notizen noch einmal durchzulesen, denn diese sind inzwischen auch schon auf den Umfang eines Buches angewachsen. … Vorstellen könnte ich es mir schon, dass er heimlich an irgend etwas mitgeforscht hat, das Top Secret war. Aber ich habe nun mal eine lebhafte Phantasie, vielleicht liegt es ja auch daran. :wink:

Schöne Grüße

Petra

Stimmt.
Aber es gab zu allen zeiten z.B. auch Befreiungskriege gegen Fremdherrschaft. Und das war der 1. Weltkrieg eindeutig nicht.

Gernot Geyer