Hallo,
Wie Levay schon sagt: Von einer Anzeige haben die Polizisten
nichts. Der Klopapierdieb hat wenigstens seine beiden Rollen.
Ihr macht in meinen Augen einen entscheidenden Denkfehler,
wenn ihr unterstellt nur ein rational nachvollziehbares Motiv
könne Antrieb für kriminelles Handeln sein (daß das
geschilderte/unterstellte Verhalten hochgradig kriminell
ist/wäre, darin sind wir uns wohl einig) bzw. nahezu jeder
Mensch würde eine „Kosten/Nutzen-Analyse“ (Kosten im Sinne von
Risiko für den eigenen Arbeitsplatz / die eigene Existenz)
anstellen.
nein, das unterstelle ich nicht. Allerdings kenne ich einige Polizisten (so um die 15) und die sind in der Tat wie alle anderen Menschen auch: Einige machen ihre Arbeit, weil sie sie für richtig und wichtig halten und einige, weil sie damit ihren Lebensunterhalt verdienen (manche haben natürlich auch beide Motive).
Bei Beamten im allgemeinen ist es allerdings so, daß etliche diese Laufbahn ergriffen haben, weil für sie praktisch uneingeschränkte Arbeitsplatzsicherheit eine hohe Priorität besitzt. Dafür nehmen sie dann so einiges in Kauf (z.B. beschissene Arbeitszeiten, ständige Leistungseinschränkungen in den letzten Jahren, d.h. beim Gehalt, bei der Abgeltung von Überstunden usw.) und riskieren dafür mitunter ihre Gesundheit, indem sie in der Probezeit bei Krankheiten nicht den Arzt aufsuchen, um die Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit nicht zu riskieren.
Bei der ersten Gruppe ist es offensichtlich, daß diese keine Straftaten begehen, um jemanden für kurze Zeit in Untersuchungshaft zu bringen (länger sitzt der Ersttäter sowieso nicht im Bau). Bei der zweiten Gruppe ist es fast genauso unwahrscheinlich, wenn man die Motivlage in Betracht zieht.
Nicht zuletzt gibt es viel witzigere Möglichkeiten, um dem Führer eines Kraftfahrzeugs Ärger zu bereiten. Außerdem sollte man berücksichtigen, daß Drogen in einer handelsüblichen Wache nicht einfach so herumliegen, d.h. es stellt sich allein schon die Frage der Beschaffung der angeblich untergeschobenen Drogen.
Da hier aber um 16.30 Uhr ein Polizist der ersten Gruppe eintrudeln wird, werde ich die Gelegenheit nutzen und ihn zu der Wahrscheinlichkeit befragen, mit der sich der geschilderte Vorgang abgespielt haben könnte.
Der Nutzen (also die Stärke des Motivs) von zwei
Kloopapierrollen ist mit Sicherheit nicht stärker als z.B. das
erhebende Gefühl einem Widerling (der mich vorher saublöd
angemacht hat) einen ordentlichen Denkzettel zu verpassen.
Das geht auch anders. Praktisch jeder, der mit einem Kfz durch die Gegend gurkt, gibt Anlaß zu Beanstandungen. Die Möglichkeit für intensive Kontrollen am Fahrzeug besteht sowieso, und zwar ganz legal, d.h. ohne den Arbeitsplatz und die damit verbundenen Ruhestandsbezüge aufs Spiel zu setzen.
Und wenn man sich ansieht, welche Gruppendynamik sich in
Organisationen wie der Polizei (aber auch Feuerwehr, Militär
u.a.) entwickeln kann, wird das Entdeckungsrisiko für den
Einzelnen sehr überschaubar und damit die Bereitschaft zum
Handeln größer.
Da liegst Du falsch. Gerade die Gruppendynamik und der damit verbundene Wunsch nach einer anständigen Außendarstellung führt dazu, daß unangemessenes Verhalten bzw. ein diesbezüglicher Verdacht den zuständigen stellen gemeldet wird, auch wenn das die unkundige Öffentlichkeit anders einschätzt. Das Krähenprinzip ist bei der Polizei deutlich geringer ausgeprägt, als es allgemein vermutet wird, u.a. weil die Beschwerden durch außenstehende Dritte meist scheinbar im Sande verlaufen. Welche Konsequenzen ein Fehlverhalten nach sich zieht, bekommt der Beschwerdeführer normalerweise gar nicht mit.
Gruß,
Christian