sehr fundiert damit auseinandersetzen, wenn man was davon
versteht.
Man braucht kein Linguist zu sein um zu begreifen, daß die RR der allergrößte Scheiß ist.
sehr fundiert damit auseinandersetzen, wenn man was davon
versteht.
Man braucht kein Linguist zu sein um zu begreifen, daß die RR der allergrößte Scheiß ist.
der allergrößte Scheiß ist.
Wenn an Spaß hat an so einem holzschnittartigen primitiven Denken …
M.
der allergrößte Scheiß ist.
Wenn an Spaß hat an so einem holzschnittartigen primitiven
Denken …
„Holzschnittartig primitiv“ könnte man treffender das nennen, was der deutschen Sprache durch die Exekution der RR angetan wurde.
Aber sie trifft eben nur auf Wörter zu, die (aus
sprachhistorischen Gründen dieses „ß/ss“-Paar enthalten). Das
war aber auch früher schon so, es ist also kein Nachteil
entstanden.Doch, da die Neuregelung (völlig überflüssige) Verwirrung
getiftet hat!
Ja, wie gesagt, die die sich in der „Übergangszone“ befinden (also alle längere Zeit vor 1996 eingeschulten), sind manchmal verwirrt. Das gibt sich aber mit denjenigen, die von klein auf die neue Schreibung lernen. Diese machen zwar Fehler, aber das war auch vor 1996 schon so. Du müsstest jetzt nachweisen, dass die Fehler signifikant mehr geworden sind und das nicht mit einer etwaigen Änderung im Schulsystem oder bei den Unterrichtsmethoden zu tun hat um deine Behauptung aufrechtzuerhalten. Da muss man viele Faktoren noch mit rausrechnen…
Natürlich hätte die RR auch viel drastischer und
tiefgreifender sein können (wie in vielen anderen Sprachen):
die Schreibung könnte vollkommen phonetisch werden,
Entschuldigung, ich meinte „phonologisch“, nicht „phonetisch“ (das wäre in der Tat ein Problem bei den Dialekten). In den Sprachen, an die ich dabei dachte (Spanisch und Finnisch z.B.), kommt das dort fast aufs Gleiche heraus, da die Diskrepanz zwischen phonetischer und phonologischer Schreibung sehr gering ist. Phoneme ändern dort positionsbedingt nur ganz selten ihre Aussprache. Daher dachte ich an den falschen Begriff.
Ach ja? Dann würde z. B. „Süden“ im Süden „ßüden“
geschrieben… Weil sie dort stimmhafte und stimmlose Vokale
häufig verwechseln - so sagen sie dort zum Beispiel
„Diskusion“ - mit stimmhaftem zweiten „S“! Mich graust’s!
Resultat wäre jedenfalls ein totales Durcheinander.
Verwechselt wird das nur, wenn die Leute hochdeutsch sprechen, was nachvollziehbar ist, da das effektiv ja auch nur ein anderer Dialekt ist. Er ist auch total unproblematisch, da „ß“ und „s“ (besser: [s] und [z]) am Wortanfang keinen phonemischen Unterschied bilden, außer in ein paar wenigen Lehnwörtern wie Sex vs. sechs.
Wenn/Falls du manchmal Englisch sprichst, wirst du sicherlich auch einen mehr oder weniger starken deutschen Akzent haben; so haben eben auch Bayern und Schwaben und Franken einen süddeutschen Akzent, wenn sie Standarddeutsch reden. Wenn man aus Regionen mit starkem und stark unterschiedlichem Dialekt kommt, ist es oft schwer, dessen Akzent vollkommen wegzutrainieren. Gott sei Dank ist das aber auch kaum nötig, außer man ist Nachrichtensprecher.
Jedenfalls kann ich daran nichts grausames entdecken. Ich find’s schön, wenn man bei Leuten leicht die Herkunft raushört, und solche Kleinigkeiten behindern kaum das Verständnis.
Es ging mir ja auch nicht darum, dass jeder seinen Dialekt schreibt, aber die deutsche Orthographie kann durchaus phonemischer geschrieben werden als jetzt.
konsequente Kleinschreibung (außer am Satzanfang und bei
Eigennamen wie in fast allen anderen Sprachen mit
Lateinalphabet auch) wäre eine Vereinfachung.Ist doch recht einfach, alle Nomen großzuschreiben. Es
verbessert enorm die Lesbarkeit.
Ich finde das auch leicht und finde es toll, dass nur 2 Sprachen auf der Welt das tun: Deutsch und Luxemburgisch. Aber wie du oft sehen kannst, gibt es da einige Schwierigkeiten bei substantivierten Adjektiven und Verben. Da ist die Regel logisch, aber nicht unbedingt zweifelsfrei, dass es „etwas Großes“, „alles Gute“ und „ich kaufe noch Süßes“ heißen muss. Fragen hier im Brett zu diesen Fällen finde ich absolut nachvollziehbar. Bei prototypischen Nomen wie Katze, Stein und Frage ist sich ja niemand unsicher.
Dass das enorm die Lesbarkeit verbessert, halte ich aber für ein Gerücht. Der Effekt dürfte verschwindend gering und auch nur messbar sein, weil die Probanden die Nomengroßschreibung ja gewohnt sind. Ein Spanier oder Engländer würde aus Gewohnheit bei einem Text mit großgeschriebenen Nomen diesen wohl eher langsamer lesen als einen „normalen“ Text.
Aber die Behauptung habe ich schon häufiger gehört. Ich frage mich, ob das wirklich mal getestet wurde…
Grüße,
Über die Repressivität des Dialektalen
Wenn/Falls du manchmal Englisch sprichst, wirst du sicherlich
auch einen mehr oder weniger starken deutschen Akzent haben;
so haben eben auch Bayern und Schwaben und Franken einen
süddeutschen Akzent, wenn sie Standarddeutsch reden. Wenn man
aus Regionen mit starkem und stark unterschiedlichem Dialekt
kommt, ist es oft schwer, dessen Akzent vollkommen
wegzutrainieren. Gott sei Dank ist das aber auch kaum nötig,
außer man ist Nachrichtensprecher.
Man muß sich doch fragen, woher die dialektal gefärbten Ausspracheschwierigkeiten überhaupt kommen, also was deren Ursache ist.
Ich habe massiv den Eindruck, daß die zu beobachtenden großen Schwierigkeiten der Anpassung der eigenen (individuellen) Aussprache ans Hochdeutsche oder auch an andere Sprachen direkt aus (im Kern fremdenfeindlichen) latenten (aber nichtsdestoweniger starken) Repressalien gegenüber als „fremd“ empfundener Aussprache den Menschen im Laufe ihrer Sozialisation antrainiert werden in Form eines meist unausgesprochenen „Wer nicht so spricht wie wir, wird ausgegrenzt“. Daraus formt das Unterbewußtsein: „Anders zu sprechen wird ungern gesehen oder gar bestraft“, woraus direkt die Schwierigkeiten resultieren, als fremd empfundene Phoneme zu artikulieren und in den eigenen Sprachhaushalt einzubauen.
Diese „Repressivität des Dialektalen“ ist per se direkt antiaufklärerisch, intellektuellenfeindlich und obskurantistisch. Sie ist gelebte und implizit propagierte Bildungsferne.
Eine Erlösung von diesem Dilemma läge m. E. in einer als solchen bildungspolitisch thematisierten sprachlichen Sozialisation und Individuation, mit anderen Worten: der Aufnahme dieser soziologischen Themen in Curricula und Sprachunterricht.
Gruß
Uwe
Wenn/Falls du manchmal Englisch sprichst, wirst du sicherlich
auch einen mehr oder weniger starken deutschen Akzent haben;
so haben eben auch Bayern und Schwaben und Franken einen
süddeutschen Akzent, wenn sie Standarddeutsch reden. Wenn man
aus Regionen mit starkem und stark unterschiedlichem Dialekt
kommt, ist es oft schwer, dessen Akzent vollkommen
wegzutrainieren. Gott sei Dank ist das aber auch kaum nötig,
außer man ist Nachrichtensprecher.Man muß sich doch fragen, woher die dialektal gefärbten
Ausspracheschwierigkeiten überhaupt kommen, also was deren
Ursache ist.Ich habe massiv den Eindruck, daß die zu beobachtenden großen
Schwierigkeiten der Anpassung der eigenen (individuellen)
Aussprache ans Hochdeutsche oder auch an andere Sprachen
direkt aus (im Kern fremdenfeindlichen) latenten (aber
nichtsdestoweniger starken) Repressalien gegenüber als „fremd“
empfundener Aussprache den Menschen im Laufe ihrer
Sozialisation antrainiert werden in Form eines meist
unausgesprochenen „Wer nicht so spricht wie wir, wird
ausgegrenzt“. Daraus formt das Unterbewußtsein: „Anders zu
sprechen wird ungern gesehen oder gar bestraft“, woraus direkt
die Schwierigkeiten resultieren, als fremd empfundene Phoneme
zu artikulieren und in den eigenen Sprachhaushalt einzubauen.
Hmm, ich denke nicht, dass das tatsächlich der Fall ist, denn sonst träte das Problem in Familien oder Gemeinschaften, wo die „korrekte Aussprache“ nicht so stark betont wird, weniger stark auf.
Für mich ist das andere Phänomen plausibler, dass du an dieser Stelle oft und gerne ansprichst: das „Spielen“ mit Lauten. Wer damit früh anfängt und als Kind gerne lustige Laute von sich gab, hat da möglicherweise Vorteile gegenüber Kindern, die das nicht tun bzw. nicht tun sollten (von ihren Eltern aus).
Ich mochte das früher gerne, und habe kaum Probleme selbst mit exotischen Lauten und der Aussprache von Tönen (ich lerne Chinesisch und Thai), ich kann auch gut Leute nachmachen. Ich habe im Englischen einen hörbaren deutschen Akzent, aber er ist nicht sehr stark (keine Verständigungsprobleme).
Es kommt aber auch sehr stark auf die Ähnlichkeiten der beiden Sprachen an. Hier in China, wo ich viele Mitstudenten mit verschiedensten Muttersprachen kenne, habe ich festgestellt: die größten Ausspracheprobleme haben diejenigen, deren muttersprachliches Phonemsystem stark abweicht. Die Laoten zum Beispiel, die an „Zischlauten“ nur „s“ und „ts“ haben, tun sich sehr schwer… Chinesisch hat s, z, c, j, zh, ch, sh. Polen haben damit keine Probleme (die Zischlaute existieren dort auch alle), dafür haben diese Probleme mit den Tönen, die Laoten aber nicht. Diejenigen Laoten, die Chinesisch sehr gut (aus)sprechen, sind diejenigen, die als 1. Muttersprache eigentlich Hmong sprechen (großes Phoneminventar!). Burmesen sind auch gut, da die Laute dort sehr ähnlich sind…
Und Dialekte sind ja auch nichts anderes als Fremdsprachen, nur weniger weit entfernt. So haben wir oft Probleme mit Lauten, die in unserer Muttersprache bzw. unserem Mutterdialekt nicht vorkommen. Ich bin quasi zweisprachig aufgewachsen mit Sächsisch und Standarddeutsch. Das ist in Süddeutschland (ich denke da v.A. an Bayern und das Schwabenländle) schwieriger, da dort der Dialekt stärker verbreitet ist: die Leute wachsen dort vornehmlich mit ihrem Dialekt als Muttersprache auf und lernen die Standardsprache erst später. In Sachsen ist die Abweichung zwischen Dialekt und Standard nich so groß, daher ist der „Druck“ der Zweisprachigkeit auch nicht so groß — man wird auch auf Sächsisch verstanden. Damit – und mit den (vermutlich) größeren Ausspracheunterschieden – erkläre ich mir, dass Süddeutsche häufiger Probleme mit der standarddeutschen Aussprache haben als Norddeutsche.
Im Sächsischen gibt es meiner Ansicht nach kein stimmloses „s“ zwischen Vokalen („reisen“ und „reißen“ sind hier homophon), das könnte im Bairischen ähnlich sein. Das erklärt, warum wir und auch die Bayern oft „interesant“ (bzw. „intresant“) sagen und auch schreiben (siehe oben in einem neueren Thread: evtl. ist der Schreiber ein Süddeutscher?).
Diese „Repressivität des Dialektalen“ ist per se direkt
antiaufklärerisch, intellektuellenfeindlich und
obskurantistisch. Sie ist gelebte und implizit propagierte
Bildungsferne.
Ich bin wie gesagt skeptisch, ob es das gibt. Wenn es so eine Repressivität gibt, läuft sie sicherlich nicht zugunsten des Dialekts, sondern eher zugunsten der Hochsprache. Man wird eher dazu ermahnt, standarddeutsch zu sprechen, als seinen Dialekt ordentlich zu beherrschen.
Eine Erlösung von diesem Dilemma läge m. E. in einer als
solchen bildungspolitisch thematisierten sprachlichen
Sozialisation und Individuation, mit anderen Worten: der
Aufnahme dieser soziologischen Themen in Curricula und
Sprachunterricht.
Ich bin auch dafür, mehr über Dialekte im Deutschunterricht zu sprechen und das Bewusstsein für verschiedenen Varietäten des Deutschen zu stärken. Dann verschwindet auch dieses ewige Vorurteil vieler, grammatikalische und aussprachliche Besonderheiten einer Region wären falsch (Behauptungen wie: „‚Größer wie‘ ist falsch!“, obwohl es Dialekt ist). Wenn das aus den Köpfen verschwindet, dürfte eigentlich automatisch Diskriminierung dahingehend geringer werden.
Und zu Dialekten gehört eben nicht nur die sprachinterne und historische Komponente, sondern eben auch die soziologische/soziolinguistische — das ist wohl auch das, was du meinst.
Grüße,