Daumen drücken?

Hallo,
ich bin nicht hier geboren und kenne mich deswegen noch nicht mit einigen Mundarten aus. Kann mir jemand sagen, woher der Begriff "ich drücke dir die Daumen" kommt? Dabei wird verschieden "Daumen gedrückt". Einige drücken den Daumen auf den Zeigefinger, die anderen klemmen den in die Faust, ist das ortsabhängig? Habe gehört, man darf auch nicht mit "Danke" antworten. Nun bin ich zwar nicht abergläubisch, weiß aber nicht, was ich darauf antworten sollte.

Gruß
ajlav

PS. Und was bedeutet bitteschön "holladiwaldfee"?
Re: Daumen drücken?
Hallo,


ohne Gewähr, dass alles, was ich hier schreibe bis ins Detail richtig ist.

Daumendrücken ist eine uralte Schutzgeste in moderner, abgeschwächter Form.
Original findest Du diese Geste als "Feige".
Sie wird ausgeführt, indem man die Hand zur Faust schließt und den Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger "durchblitzen" lässt. Mit etwas Fantasie kann man darin das weibliche Geschlechtsteil erkennen (sorry - ich hoffe, das ist political correct genug ausgedrückt)

Darum gibt diese Geste auch heute als obszön und wird nur noch angedeutet, bzw. mit "ich drück dir die Daumen" umschrieben. Ich kenne es zum Beispiel nur verbal, ohne begleitende Geste.

Darauf antworten kannst und brauchst Du nicht. Es sei denn, möglicherweise, aber darin bin ich mir nicht sicher, mit einer zweiten Schutzgeste. Womit ich nicht Kreuzschlagen meine.

HolladieWaldfee wiederum ist eine Verballhornung, d.h. Verdrehung des ursprünglichen Schutz-Anrufs der Frau Holle = Frau Holde = Freya, altgermanische Göttin für Frühling, Wachstum, Gedeihen, auch Göttin der (schwangeren) Frauen.

Daran denkt aber sicher heute niemand mehr. Heute ist es ein mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommener Modeausdruck so ähnlich wie: ich glaub, mich trtt ein Pferd. Oder: ich glaub, ich steh im Wald.

Alles drückt Unverständnis, Verwunderung aus und wird von jeder Generation wieder umgedeutet, neu gefasst.

viele Grüße
Geli
Re^2: Daumen drücken?

Hi, Geli,

Röhrich bestätigt deine Ausführungen; siehe selbst:

Jemandem den Daumen halten:
ihm in Gedanken in kritischen Stunden mit guten, Unheil abwehrenden Wünschen beistehen; jemandem zu einer wichtigen Entscheidung guten Erfolg wünschen.
Die Redensart ist identisch mit der Wendung Den Daumen drücken und war ursprünglich eng mit einer Geste verbunden, die gelegentlich noch heute die Aufforderung: 'Halte mir den Daumen!' und die beruhigende Zusicherung: 'Ich werde dir den Daumen halten (drücken)' begleitet.
Der Daumen wird dabei zwischen die übrigen vier Finger der Hand eingeschlagen und von ihnen festgehalten oder kräftig gedrückt.

Die Gebärde ist zugleich obszön und auch in dieser Beziehung von apotropäischer Wirkung. Bereits Plinius erwähnt dazu ein Sprichwort und schreibt in seiner 'Historia naturalis' (28,25): »pollices, cum faveamus, premere etiam proverbio iubemur«. (Schon das Sprichwort fordert uns auf, den Daumen zu pressen, wenn wir jemand geneigt sind.)
Bei den römischen Gladiatorenspielen war es Brauch, daß das Publikum in der Arena den Daumen einschlug ('premere pollicem'), um für einen gestürzten Kämpfer Gnade zu erbitten; der nach unten ausgestreckte Daumen aber bedeutete das Gegenteil ('convertere pollicem').

Auch im Volksglauben der germanischen Völker werden dem Daumen übernatürliche Kräfte zugeschrieben, die man im Zauber und in der Volksmedizin zu nutzen sucht. Der Daumen galt als 'Glücksfinger'.

Besondere Wirksamkeit maß man dem Daumen eines gehenkten Diebes zu ( Diebsdaumen)). Vor allem aber wurde das Einschlagen des Daumens als eine Art Bannzauber gegen Dämonen und Hexen angesehen, nach schlesischem und tirolerischem Volksglauben soll man während der Nacht den Daumen festhalten, damit einen der Alp nicht drücke.

In den Deutschen Sagen der Brüder Grimm (Nr. 81) heißt es: »Wenn er (der Alp) drücket, und man kann den Daumen in die Hand bringen, so muß er weichen«.
In seiner 'Deutschen Mythologie' gibt Jacob Grimm mehrere Beispiele für den Volksglauben in Verbindung mit dem Daumenhalten. So kann man sich z.B. vor dem Beschreien wahren, wenn man den linken Daumen einbiegt, ebenso vor den Folgen des Meineids oder vor dem Biß eines wütenden Hundes (Deutsche Mythologie 3, 457, Nr. 666); die Gebärende muß zu ihrem Schutz nach der Geburt den Daumen einziehen (Deutsche Mythologie 3, 460, Nr. 732); beim Sprechen des Wurmsegens bestand die direkte Anweisung: »nim den gerechten dûmen in die gerechte hant« (Deutsche Mythologie 3, 500, Nr. XXVIII).
einbüßen, ohne daß die Hand zur Arbeit unbrauchbar wird; eine Hand ohne Daumen aber kann Werkzeuge, konnte namentlich das Schwert nicht mehr halten.

[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Daumen, S. 3. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 1187 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 1, S. 306) (c) Verlag Herder]




Es könnte sein, dass die Frau Holle einfach nur ein Hoppla ist, aber da will ich mich nicht festlegen.

Gruß Fritz
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Re^3: Daumen kreuzen? - off topic
Hallo Diskutanten,

hierzu ein Krümelchen am Rande und weiterführend vom Deutschen weg:

Vom deutschen Daumendrücken der Blick zu den Nachbarn, die die Geste nicht kennen (sollten Germanen doch kein römischer Irrtum sein, sondern tatsächlich den Galliern ganz fremd gewesen sein?):

Dort ist die Geste "croiser les doigts" = Überkreuzen von Zeige- und Mittelfinger rechts. Die Geste, die im Deutschen für die "Neutralisierung" eines Meineides steht.

Ist das jetzt ein oberflächlich getauftes Daumendrücken mit Kreuzsymbolik oder was ganz anderes?


Schöne Grüße



MM