Hallo ihr Helfer und Lebenserfahrenen,
Situation:
Langzeitarbeitslose Person. 49 J. bald 50.
Geistig und mental überdurchschnittlich befähigt mit vielen Talenten/Fähigkeiten/Kenntnissen, dass man ihr wahrlich ein Multitalent bescheinigen kann.
Gute, schnelle Auffassungsgabe, ausgeprägte Empathie und sog. Softskills, umfangreiches Wissen in vielen Gebieten, autodidaktische Fähigkeiten, soziales Engagement, ausgeprägtes Sozialdenken…
Kurzum, gemessen am Durchschnitt durchaus eine Person, wo es nicht schwierig sein dürfte, sie in ein gutes Arbeitsverhältnis zu bringen.
Problem:
Aktivierung dieser Person?
Einschätzung:
Sie reflektiert ihren Zustand sehr gut. Ist sich bewusst, dass sie extreme Antriebsarmut hat, eine „mir doch alles egal“ Einstellung. Sagt selbst, dass sie „vom Kopf her“ weiß, dass das gesellschaftlich nicht akzeptabel ist, sieht aber nicht ein, ihre Fähigkeiten „unter Wert zu verkaufen“, übt sehr fundierte „Systemkritik“. Sie wäre zwar erwerbslos, aber nicht arbeitslos und trage ihren Anteil zur Gemeinschaft auf andere, gesellschaftlich nicht so anerkannter Weise, bei (Nachbarschaftshilfe, Hilfe für Obdachlose, rechtliche Hilfestellung für AlG2 Empfänger, politische Aktivitäten).
Ihr vermeintliches Problem wird paradoxerweise zu meinem eigenen „Problem“. Insofern, dass die Einstellung, Argumentationen und Ansichten dieser Person mich selbst ins Wanken und zum Nachdenken bringen.
Es kann ja nicht sein, dass eine Person mit diesen Fähigkeiten keine Chance hat auf dem Arbeitsmarkt (Bewerbungsbemühungen und erstklassige Zeugnisse und Fortbildungkurse liegen vor)
Einerseits kann es ja nicht sein, dass ein Mensch mit dieser Energie und Fähigkeiten einfach jahrelang zu Hause rumsitzt und „nichts tut“. Solche Menschen gehören in den produktiven Kreislauf integriert.
Andererseits kann ich sie verstehen. Die Person hat ihre eigene Aufgabe für sich, fühlt sich nützlich und auch integriert in ihrem „selbst geschaffenen kleinen, privaten Kreis“ abseits der gesellschaftlichen Normen und Anforderungen.
Sie leidet nicht wirklich seelisch/psychisch, sondern nur auf intellektueller/rationaler Basis.
Diese ist - und jetzt geht es vom psychologischen ins philosophische - aber kein wirkliches Leiden ihrer Seele, es wirkt auf mich eher wie ein Druck der gesellschaftlichen Anforderungen, die der Person zwar bwusst sind, sie aber ablehnt.
Ich habe das Gefühl, dass dieser Druck für die Person viel wesentlicher ist als das, was ich/wir uns so vorstellen, bzw. nicht vorstellen können.
Dass nämlich ein Mensch einerseits isoliert lebt, kaum Freunde und Sozialkontakte hat (die, denen sie hilft, sind keine Freunde, sondern selbst hilflose Wesen) und sich dennoch nicht unnütz, einsam und abgeschoben fühlt.
Ich habe das Gefühl, dass diese Person in sich abgeklärter und glücklicher ist, als ich es mir rein nach den Umständen und Fakten vorstellen kann.
Das Erlebnis mit dieser Person stellt alle „normalen“ Gegebenheiten und „Sollzustände“ in Frage.
Ich bin gespannt auf die Kommentare derer, die es bis hier hin durchgehalten haben 
Diphda, sich entschuldigend, dass sie es nicht kürzer schaffte
