ist mir, ehrlich gesagt, ein Rätsel. Daher frage ich jetzt
hier, werte w-w-w-Gemeinde, vor allem die, die den Gott der
Bibel als barmherzig und gütig empfinden/erfahren haben, wie
dieser Schluß zustande kommt, vor allem unter dem Eindruck
bestimmter Geschichten der Bibel. Anders ausgedrückt:
eigentlich hätte ich gerne von jemanden erklärt, wie das mit
dem Propheten, der seinen Sohn opfern sollte (Abraham?)
gemeint ist und als zweites Rätsel für mich, wie die dem
Menschen gegebene Freiheit sich mit der Zerstörung von Sodom
und Gomorrah verträgt.
Vorsichtshalber: ich will hier keinen Glaubenskrieg anzetteln
(Ist Gott barmherzig oder nicht, existiert er überhaupt oder
nicht) sondern nur verstehen…
Hallo Sybille
Zunächst möchte ich betonen, daß Deine Frage sehr schwierig ist und daß alle Antworten, die Du bekommst, ihre Probleme haben werden. Der Grund dafür ist, daß wir Gott in diesem Leben nicht vollständig verstehen können. Man muß sich also mit Ahnungen zufrieden geben, wie auch Paulus im 1. Kor. 13 geschrieben hat.
Aber man kann es versuchen und in diesem Fall setzt meine Vorstellung schon bei der Schöpfung an:
Gott wollte im Menschen ein „Gegenüber“ haben, also jemand der Gott-gleich mit ihm umgeht, mit ihm interagiert. Dazu ist es notwendig, daß der Mensch Gott begegnen kann, ohne von seiner Heiligkeit, Größe oder Vollständigkeit überwältigt zu werden (die Bibel nennt diesen Vorgang „vergehen“)
Wendet sich der Mensch von Gott ab, dann erlangt er diese Fähigkeit nicht und er muß entweder in Gottesferne existieren (die Hölle) oder einfach im Nichts vergehen (modernere Interpretation). Die Fähigkeit muß der Mensch in seinem Leben aus freiem Willen erlernen. Ich stelle mir das so vor wie das Lernen, unter Wasser zu atmen, da man ansonsten dort nicht existieren kann.
Gottes Barmherzigkeit liegt darin, daß er mit allen Mitteln versucht, jeden einzelnen Mensch dazu zu bringen, in seiner Gegenwart zu existieren. Im alten Testament lag der Fokus dafür auf dem Gesetz, im neuen Testament in dem Opfer, das Gott selbst dargebracht hat - in Jesus. Die Gesetzesorientierte Haltung im alten Testament brachte es automatisch mit sich, daß Sanktionen „angedroht“ wurden, bei Nicht-Erfüllung. Es ist wie bei der Kindererziehung. Man muß Grenzen setzen und allein deren Vorhandensein bringt die Kinder dazu, dagegen anzurennen. Um der Kinder willen ist es absolut notwendig, die Einhaltung der Grenzen zu sanktionieren. Natürlich kann man fragen, warum der allmächtige Gott die Menschen nicht einfach rumdreht, aber hier sehe ich, daß Gott eben nicht allmächtig ist. Seine Macht hört da auf, wo der Wille des Menschen dagegen ist (in Bezug auf den Menschen).
Gleichzeitig mit dieser allgemeinen Überlegung muß man aber auch berücksichtigen, daß die Texte der Bibel zwar göttliche Wirklichkeit widerspiegeln, daß sie aber nichtsdestotrotz von Menschen aufgeschrieben wurden. Sie spiegeln also auch deren Weltsicht wieder. Würden wir dieselben Erlebnisse haben wie Abraham und Co und würden sie genauso aufschreiben, dann würden sie sich vermutlich ganz anders anhören. Dies muß man beim Lesen gerade der alttestamentlichen Texte berücksichtigen. Die Weltsicht und die politische Sicht der Schreiber geht in die Texte ein und verschleiert manches Mal die darunter liegende allgemeine Wahrheit.
Gruß
Thomas