Der barmherzige Gott

ist mir, ehrlich gesagt, ein Rätsel. Daher frage ich jetzt hier, werte w-w-w-Gemeinde, vor allem die, die den Gott der Bibel als barmherzig und gütig empfinden/erfahren haben, wie dieser Schluß zustande kommt, vor allem unter dem Eindruck bestimmter Geschichten der Bibel. Anders ausgedrückt: eigentlich hätte ich gerne von jemanden erklärt, wie das mit dem Propheten, der seinen Sohn opfern sollte (Abraham?) gemeint ist und als zweites Rätsel für mich, wie die dem Menschen gegebene Freiheit sich mit der Zerstörung von Sodom und Gomorrah verträgt.
Vorsichtshalber: ich will hier keinen Glaubenskrieg anzetteln (Ist Gott barmherzig oder nicht, existiert er überhaupt oder nicht) sondern nur verstehen…

allerfreundlichsten und zutiefst toleranten Gruß
Sibylle

Hallo Sibylle,

hier zwei kurze Antworten.

eigentlich hätte ich gerne von jemanden erklärt, wie das mit
dem Propheten, der seinen Sohn opfern sollte (Abraham?)
gemeint ist

Zunächst einmal hatte Gott Abraham versprochen, dass er der Vater eines Volkes werden sollte, obwohl das Paar schon alt war und Sarah keine Kinder bekommen konnte. Die Geburt von Isaak war schon ein Wunder. Dadurch das Abraham die Bereitschaft zeigte seinen Sohn zu opfern beweiste er absolute Glauben.
Er wußte nicht, was danach geschehen würde, z.B. ob sein Sohn wieder auferstehen liesse. Im Letzten Moment hinterte in Gott daran.
Das Opfern von Kinder war übrigens im Kulturkreis (Kanaan) in dem sich Abraham aufhielt bekannt. Später liess Gott durch Moses niederschreiben, dass er Menschenopfer hasst.

Abraham ist ein prophetisches Beispiel für Gott, der später seinen eigenen Sohn opferte.

und als zweites Rätsel für mich, wie die dem
Menschen gegebene Freiheit sich mit der Zerstörung von Sodom
und Gomorrah verträgt.

Die Freiheit des Menschen bedeutet nicht, dass er für seine Handlung keine Rechenschaft ablegen muss. In unserem Staat hast du große Freiheiten. Dennoch wirst du von staatlichen Institutionen zu Rechenschaft gezogen, wenn du beispielsweise einen Mord begehst.

Gott hat den Menschen klar erklärt, was er von ihnen erwartet.
Und er hat sie immer wieder warnen lassen.

Barmherzigkeit bedeutet nicht, alles in alle Ewigkeit durchgehen zu lassen, sondern geduldig zu sein und die Chance zur Reue zu geben.

Gruß
Carlos

allerfreundlichsten und zutiefst toleranten Gruß
Sibylle

Hallo Sybille

ist mir, ehrlich gesagt, ein Rätsel. Daher frage ich jetzt
hier, werte w-w-w-Gemeinde, vor allem die, die den Gott der
Bibel als barmherzig und gütig empfinden/erfahren haben, wie
dieser Schluß zustande kommt, vor allem unter dem Eindruck
bestimmter Geschichten der Bibel. Anders ausgedrückt:
eigentlich hätte ich gerne von jemanden erklärt, wie das mit
dem Propheten, der seinen Sohn opfern sollte (Abraham?)
gemeint ist

Also diese Geschichte hat mit dem Thema barmerzig/unbarmherzig nichts zu tun. Isoliert betrachtet geht es um einen Glaubens/Gehorsamstest: Gott gibt einen Befehl und schaut ob Abraham dies tut. Kurz bevor Abraham zur Tötung seines Sohnes schreitet, wird der Test abgebrochen (Note: sehr gut).
Wenn man es in einem weiteren Kontext sieht (Auszugs Abrahams aus Kanaan, Verheissung des gelobten Landes/ eines Erben/ Bund mit Gott), kommt noch der Aspekt des nie zur Ruhe kommens dazu besser gesagt, der Bereitschaft immer wieder loszugehen, was zu beginnen, wenn Gott es sagt.

und als zweites Rätsel für mich, wie die dem
Menschen gegebene Freiheit sich mit der Zerstörung von Sodom
und Gomorrha verträgt.

Hier ist eindeutig ein eifernder (=zürnender Gott) dargestellt. Allerdings ist er dem Bitten Abrahams zugänglich, als dieser bittet die Stadt Sodom zu verschonen, wenn sich dort 10 Gerechte (=Gottesfürchtige) in der Stadt fänden. Da dies allerdings nicht der Fall ist, zerstört Gott als Strafe für die Missachtung seiner Gebote die Städte.
Gott ist also nicht nur barmherzig, sondern auch strafend. Ich kann dies fgenauso aktzeptieren, wie man aktzeptiert, dass Erziehung von Kindern nicht nur auf die liebe Tour geht.
Ich denke, dass beide Seite dieses Gottes existieren.

Tschuess Marco.

Hallo Sibylle,

ich denke mir, es ist wie im Leben: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit lassen sich nicht ausgleichen. Gerechtigkeit als abstraktes Prinzip ist tödlich (für die Schwachen); aber Barmherzigkeit, die nicht auch auf eine neue Gerechtigkeit (für die Schwachen) zielt, richtet nur Chaos an.

Im Alten Testament wird das nicht begrifflich analysiert, sondern es werden Geschichten erzählt. Gott tritt ein für das Gastrecht (Sodom); er verhindert, dass ein Vater seinen Sohn für die eigene Lebenserfüllung instrumentalisiert (so interpretiere ich die „Opferungs“-Forderung).

Wer „stark“ und wer „schwach“ ist, lässt sich dabei nie lupenrein auseinanderhalten. Israel ist schwach in Ägypten - aber stark zur Zeit Davids und Salomos. In dieser Zeit fangen die Propheten an, Gottes Gerechtigkeitsforderung gegen das „Volk des Bundes“ selbst zu wenden, für die Fremden, die „Witwen und Waisen“, die um ihr Erbe Betrogenen.

Jede Geschichte ist vieldeutig. Da sind die vielen „unschuldigen Opfer“. Jede gute Geschichte ist eine Anfrage an den Hörer/Leser: Wie steht es mit deiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit?

Gruß und schönen Sonntag,
Pietro

Hai, Carlos

Zunächst einmal hatte Gott Abraham versprochen, dass er der
Vater eines Volkes werden sollte, obwohl das Paar schon alt
war und Sarah keine Kinder bekommen konnte. Die Geburt von
Isaak war schon ein Wunder. Dadurch das Abraham die
Bereitschaft zeigte seinen Sohn zu opfern beweiste er absolute
Glauben.
Er wußte nicht, was danach geschehen würde, z.B. ob sein Sohn
wieder auferstehen liesse. Im Letzten Moment hinterte in Gott
daran.
Das Opfern von Kinder war übrigens im Kulturkreis (Kanaan) in
dem sich Abraham aufhielt bekannt. Später liess Gott durch
Moses niederschreiben, dass er Menschenopfer hasst.

Das heisst also, daß zu dem Zeitpunkt, als Abraham seinen Sohn opfern sollte, die 10 Gebote noch nicht „veröffentlicht“ waren?!?
Damit wäre der Widerspruch für mich aufgelöst…

Die Freiheit des Menschen bedeutet nicht, dass er für seine
Handlung keine Rechenschaft ablegen muss. In unserem Staat
hast du große Freiheiten. Dennoch wirst du von staatlichen
Institutionen zu Rechenschaft gezogen, wenn du beispielsweise
einen Mord begehst.
Gott hat den Menschen klar erklärt, was er von ihnen erwartet.
Und er hat sie immer wieder warnen lassen.

Das bedeutet doch aber, daß der Mensch von Gott nicht das Recht bekommen hat, sich von Gott abzuwenden???

Dank Dir

Sibylle

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Hai, Marco

Also diese Geschichte hat mit dem Thema barmerzig/unbarmherzig
nichts zu tun. Isoliert betrachtet geht es um einen
Glaubens/Gehorsamstest: Gott gibt einen Befehl und schaut ob
Abraham dies tut. Kurz bevor Abraham zur Tötung seines Sohnes
schreitet, wird der Test abgebrochen (Note: sehr gut).
Wenn man es in einem weiteren Kontext sieht (Auszugs Abrahams
aus Kanaan, Verheissung des gelobten Landes/ eines Erben/ Bund
mit Gott), kommt noch der Aspekt des nie zur Ruhe kommens dazu
besser gesagt, der Bereitschaft immer wieder loszugehen, was
zu beginnen, wenn Gott es sagt.

Ich hab bis vor ein paar Minuten gedacht, daß die 10 Gebote zu dem Zeitpunkt schon „veröffentlicht“ gewesen wären, was diesem Gehorsamstest in ein sehr zweifelhaftes Licht gerückt hat, Carlos hat aber schon gepetzt…

Hier ist eindeutig ein eifernder (=zürnender Gott)
dargestellt. Allerdings ist er dem Bitten Abrahams zugänglich,
als dieser bittet die Stadt Sodom zu verschonen, wenn sich
dort 10 Gerechte (=Gottesfürchtige) in der Stadt fänden. Da
dies allerdings nicht der Fall ist, zerstört Gott als Strafe
für die Missachtung seiner Gebote die Städte.
Gott ist also nicht nur barmherzig, sondern auch strafend. Ich
kann dies fgenauso aktzeptieren, wie man aktzeptiert, dass
Erziehung von Kindern nicht nur auf die liebe Tour geht.
Ich denke, dass beide Seite dieses Gottes existieren.

Wie ich schon Carlos schrieb: der Mensch hat nicht das Recht, sich von Gott abzuwenden?

Dank auch Dir

Sibylle

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Hai, Pietro

er verhindert, dass ein Vater seinen Sohn
für die eigene Lebenserfüllung instrumentalisiert (so
interpretiere ich die „Opferungs“-Forderung).

Hmmm…töten statt zu instrumentalisieren? So als „Wach-rüttel-Effekt“?

Jede gute Geschichte ist eine Anfrage an
den Hörer/Leser: Wie steht es mit deiner Gerechtigkeit
und Barmherzigkeit?

Das ist ein Blickwinkel, den ich nachvollziehen kann

Danke schön
Sibylle

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er verhindert, dass ein Vater seinen Sohn
für die eigene Lebenserfüllung instrumentalisiert (so
interpretiere ich die „Opferungs“-Forderung).

Hmmm…töten statt zu instrumentalisieren? So als
„Wach-rüttel-Effekt“?

Hallo Sibylle - ich dachte mir, dass ich aus der Geschichte zwischen Abraham und Isaak (und Gott) nicht so leicht rauskomme… Ganze Bibliotheken sind darüber geschrieben worden, unter theologischen, philosophischen, religionsgeschichtlichen, textkritischen, psychologischen Aspekten. Letztlich muss jeder seine eigene Deutung versuchen - und natürlich „darf“ man die alte Geschichte auch einfach ablehnen.
Gott begegnet darin jedenfalls als einer, der Abraham das Liebste und Wichtigste abfordert (oder abzufordern scheint), das ist eben der Sohn, der Träger der Verheißung = „mein Erbe, meine Altersversorgung“. Was ich daran wertvoll finde, ist die Begrenzung des eigenen Besitzanspruchs. Es gibt kein „Haben“, am wenigsten, wenn es um Menschen geht. Dafür steht (mir) Gott in dieser Geschichte. Und gerade weil Abraham sich so begrenzen lässt, d.h. loslässt, behält er den Sohn. Das ist schon sehr tiefsinnig und hat viel mit meinen Erfahrungen zu tun.
Gruß,
Pietro

Hallo Sibylle

Das bedeutet doch aber, daß der Mensch von Gott nicht das
Recht bekommen hat, sich von Gott abzuwenden???

Du hast es erkannt. In der ganzen Bibel geht es vorne bis hinten, darum, dass der Mensch ohne Gott nicht bestehen kann und für sein Handeln Rechenschaft ablegen muss.

Passend zu deiner Fragestellung folgender Bibeltext aus Micha 6:6-8

6 Womit soll ich vor Jehova treten? [Womit] soll ich mich beugen vor Gott in der Höhe? Soll ich mit Ganzbrandopfern vor ihn treten, mit einjährigen Kälbern? 7 Wird Jehova an Tausenden von Widdern Gefallen haben, an Zehntausenden von Ölbächen? Soll ich meinen erstgeborenen Sohn für meine Auflehnung geben, die Frucht meines Leibes für die Sünde meiner Seele? 8 Er hat dir mitgeteilt, o Erdenmensch, was gut ist. Und was fordert Jehova von dir zurück, als Recht zu üben und Güte zu lieben und bescheiden zu wandeln mit deinem Gott?

Gruß
Carlos

Hallo Sibylle,

Das bedeutet doch aber, daß der Mensch von Gott nicht das
Recht bekommen hat, sich von Gott abzuwenden???

Der Mensch hat immerhin die freie Wahl.
Jeder Mensch ist „berechtigt“, sich von Gott abzuwenden.
Aber damit verzichtet er auf alle Ansprüche Gott gegenüber.

Solange ich Gottes Willen tue (so gut ich kann), kann ich Gottes Versprechen in Anspruch nehmen. Und da gibt es in der Bibel eine ganze Menge!

Entscheide ich mich aber gegen Gott (sei es, dass mir seine Gebote nicht passen, oder, dass ich seine Existenz leugne), warum sollte ich dann von ihm etwas erwarten dürfen?

Die letzte Konsequenz lautet, wer ein Leben lang Gott nicht „gebraucht“ hat, muss auch nach dem Tod ohne ihn auskommen.

Gruss Harald

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Morjen, Pietro

Gott begegnet darin jedenfalls als einer, der Abraham das
Liebste und Wichtigste abfordert (oder abzufordern scheint),
das ist eben der Sohn, der Träger der Verheißung = „mein Erbe,
meine Altersversorgung“. Was ich daran wertvoll finde, ist die
Begrenzung des eigenen Besitzanspruchs. Es gibt kein „Haben“,
am wenigsten, wenn es um Menschen geht.

Das sehe ich auch so

Dafür steht (mir) Gott
in dieser Geschichte. Und gerade weil Abraham sich so
begrenzen lässt, d.h. loslässt, behält er den Sohn. Das
ist schon sehr tiefsinnig und hat viel mit meinen Erfahrungen
zu tun.

Ist doch wenigistens 'ne halbwegs freundliche Interpretation der Geschichte - für mich bleibt aber immernoch, daß Abraham was geben sollte, was ihm garnicht gehörte: das Leben eines anderen (daß es sich um seinen Sohn handelte, ist dabei nebensächlich)

Gruß
Sibylle

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Morjen, Carlos

Du hast es erkannt. In der ganzen Bibel geht es vorne bis
hinten, darum, dass der Mensch ohne Gott nicht bestehen kann
und für sein Handeln Rechenschaft ablegen muss.

Und nicht an ihn zu glauben, ist unter Strafe gestellt. Genau da liegt für mich der Widerspruch: das ist für mich nicht barmherzig, sondern herrschsüchtig.

Passend zu deiner Fragestellung folgender Bibeltext aus Micha
6:6-8

Ist eigentlich nicht passend, da hier die Frage gestellt/beantwortet wird, wie man sich bei Gott lieb Kind machen kann, meine Frage bezog sich aber auf den offensichtlichen Widerspruch zwischen angeblicher Handlungsfreiheit des Menschen und Strafandrohung bei Glaubensverweigerung.

Wenn ich das jetzt also grob verkürze, siehst Du es so, daß der Mensch eben nicht das Recht hat, nicht an Gott zu glauben und daß die Konsequenz dieses nicht-Glaubens eine explizite Strafe sein wird und nicht nur Ignoranz seitens Gottes, ja?

Sollte ich Dich jetzt mißinterpretiert haben, bitte ich um Richtigstellung, ansonsten danke ich Dir für Deine Sicht der Dinge.

freundlicher Knicks und ‚n schön‘ Tach noch
Sibylle

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Morjen, Harald

Der Mensch hat immerhin die freie Wahl.
Jeder Mensch ist „berechtigt“, sich von Gott abzuwenden.
Aber damit verzichtet er auf alle Ansprüche Gott gegenüber.

Das sehe ich ein…

Die letzte Konsequenz lautet, wer ein Leben lang Gott nicht
„gebraucht“ hat, muss auch nach dem Tod ohne ihn auskommen.

OK - mit gegenseitiger Ignoranz kann ich leben (und sterben) - aber Sodom und Gomorrah gegenüber hat er diese Ignoranz nicht walten lassen, oder?

freundlichst
Sibylle

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ist mir, ehrlich gesagt, ein Rätsel. Daher frage ich jetzt
hier, werte w-w-w-Gemeinde, vor allem die, die den Gott der
Bibel als barmherzig und gütig empfinden/erfahren haben, wie
dieser Schluß zustande kommt, vor allem unter dem Eindruck
bestimmter Geschichten der Bibel. Anders ausgedrückt:
eigentlich hätte ich gerne von jemanden erklärt, wie das mit
dem Propheten, der seinen Sohn opfern sollte (Abraham?)
gemeint ist und als zweites Rätsel für mich, wie die dem
Menschen gegebene Freiheit sich mit der Zerstörung von Sodom
und Gomorrah verträgt.
Vorsichtshalber: ich will hier keinen Glaubenskrieg anzetteln
(Ist Gott barmherzig oder nicht, existiert er überhaupt oder
nicht) sondern nur verstehen…

Hallo Sybille

Zunächst möchte ich betonen, daß Deine Frage sehr schwierig ist und daß alle Antworten, die Du bekommst, ihre Probleme haben werden. Der Grund dafür ist, daß wir Gott in diesem Leben nicht vollständig verstehen können. Man muß sich also mit Ahnungen zufrieden geben, wie auch Paulus im 1. Kor. 13 geschrieben hat.

Aber man kann es versuchen und in diesem Fall setzt meine Vorstellung schon bei der Schöpfung an:

Gott wollte im Menschen ein „Gegenüber“ haben, also jemand der Gott-gleich mit ihm umgeht, mit ihm interagiert. Dazu ist es notwendig, daß der Mensch Gott begegnen kann, ohne von seiner Heiligkeit, Größe oder Vollständigkeit überwältigt zu werden (die Bibel nennt diesen Vorgang „vergehen“)

Wendet sich der Mensch von Gott ab, dann erlangt er diese Fähigkeit nicht und er muß entweder in Gottesferne existieren (die Hölle) oder einfach im Nichts vergehen (modernere Interpretation). Die Fähigkeit muß der Mensch in seinem Leben aus freiem Willen erlernen. Ich stelle mir das so vor wie das Lernen, unter Wasser zu atmen, da man ansonsten dort nicht existieren kann.

Gottes Barmherzigkeit liegt darin, daß er mit allen Mitteln versucht, jeden einzelnen Mensch dazu zu bringen, in seiner Gegenwart zu existieren. Im alten Testament lag der Fokus dafür auf dem Gesetz, im neuen Testament in dem Opfer, das Gott selbst dargebracht hat - in Jesus. Die Gesetzesorientierte Haltung im alten Testament brachte es automatisch mit sich, daß Sanktionen „angedroht“ wurden, bei Nicht-Erfüllung. Es ist wie bei der Kindererziehung. Man muß Grenzen setzen und allein deren Vorhandensein bringt die Kinder dazu, dagegen anzurennen. Um der Kinder willen ist es absolut notwendig, die Einhaltung der Grenzen zu sanktionieren. Natürlich kann man fragen, warum der allmächtige Gott die Menschen nicht einfach rumdreht, aber hier sehe ich, daß Gott eben nicht allmächtig ist. Seine Macht hört da auf, wo der Wille des Menschen dagegen ist (in Bezug auf den Menschen).

Gleichzeitig mit dieser allgemeinen Überlegung muß man aber auch berücksichtigen, daß die Texte der Bibel zwar göttliche Wirklichkeit widerspiegeln, daß sie aber nichtsdestotrotz von Menschen aufgeschrieben wurden. Sie spiegeln also auch deren Weltsicht wieder. Würden wir dieselben Erlebnisse haben wie Abraham und Co und würden sie genauso aufschreiben, dann würden sie sich vermutlich ganz anders anhören. Dies muß man beim Lesen gerade der alttestamentlichen Texte berücksichtigen. Die Weltsicht und die politische Sicht der Schreiber geht in die Texte ein und verschleiert manches Mal die darunter liegende allgemeine Wahrheit.

Gruß
Thomas

Und nicht an ihn zu glauben, ist unter Strafe gestellt. Genau
da liegt für mich der Widerspruch: das ist für mich nicht
barmherzig, sondern herrschsüchtig.

also unter strafe gestellt … so kann man das nicht sagen. gehst du nach der bibel (und das tun wir ja hier in diesem fall) ist die frage nicht: glaube ich an gott, dann komm ich in den himmel. glaube ich nicht, komme ich in die hölle.

du musst dir das so vorstellen: du hängst an einem klippenrand, kommt einer vorbei und fragt, ob er dir helfen soll. du kannst auch wählen, da weiter zu hängen bis du dich eh nicht mehr halten kannst. du siehst also: der glaube allein, dass gott existiert ist nicht alles. die bibel sagt: „Jak 2,19 Du glaubst, daß nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel (Dämonen) glauben’s auch und zittern.“

hm, am einfachsten du fragst gott einfach selber. denn wer mit offenem herzen fragt, bekommt auch eine antwort (war bisschen schwammig jetzt, aber ich wollte nur kurz was schreiben)
cordula

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Hallo Sibylle,

Und nicht an ihn zu glauben, ist unter Strafe gestellt. Genau
da liegt für mich der Widerspruch: das ist für mich nicht
barmherzig, sondern herrschsüchtig.

Er ist nicht herrschsüchtig,… er hat die Herrschaft.

Gott ingoriert die Vergehen der Menschen nicht, sondern duldet es bis zu einem Zeitpunkt, den nur er kennt.

Wenn ich das jetzt also grob verkürze, siehst Du es so, daß
der Mensch eben nicht das Recht hat, nicht an Gott zu glauben
und daß die Konsequenz dieses nicht-Glaubens eine explizite
Strafe sein wird und nicht nur Ignoranz seitens Gottes, ja?

Fast richtig. Die Strafe für die Sünde ist der Tod. Und mit dem Tod müssen wir uns gegenwärtig alle abfinden. Wenn du kein ewiges Leben erwartest, kannst du Gott ignorieren. Das ist doch fair?
In Sonderfällen greift Gott halt vorher ein. Dann war das Leben halt kürzer.

Gruß
Carlos

Hai, Thomas

Zunächst möchte ich betonen, daß Deine Frage sehr schwierig
ist und daß alle Antworten, die Du bekommst, ihre Probleme
haben werden.

Ich hab nie versprochen, nur einfache Fragen zu stellen… :wink:

Wendet sich der Mensch von Gott ab, dann erlangt er diese
Fähigkeit nicht und er muß entweder in Gottesferne existieren
(die Hölle) oder einfach im Nichts vergehen (modernere
Interpretation).

Also, die „automatischen“ Konsequenzen aus dem eigenen Handeln tragen. Glaub ich nicht an ihn, glaubt er eben auch nicht an mich.

Gottes Barmherzigkeit liegt darin, daß er mit allen Mitteln
versucht, jeden einzelnen Mensch dazu zu bringen, in seiner
Gegenwart zu existieren.

*hmpf* Erinnert mich unschön an den prügelnden Vater, der die ganze Zeit was von „Es tut mir mehr weh, als Dir“ faselt…

Im alten Testament lag der Fokus
dafür auf dem Gesetz, im neuen Testament in dem Opfer, das
Gott selbst dargebracht hat - in Jesus. Die
Gesetzesorientierte Haltung im alten Testament brachte es
automatisch mit sich, daß Sanktionen „angedroht“ wurden, bei
Nicht-Erfüllung. Es ist wie bei der Kindererziehung. Man muß
Grenzen setzen und allein deren Vorhandensein bringt die
Kinder dazu, dagegen anzurennen. Um der Kinder willen ist es
absolut notwendig, die Einhaltung der Grenzen zu
sanktionieren.

Kindererziehung kann aber nur solange stattfinden, wie die Lütten nicht aus dem Haus sind („Solange Du die Füsse unter meinen Tisch…“), sind wir aber (Vertreibung aus dem Paradies) und auch hier wurde der erste Fehler radikal geahndet und nu heult Gott rum, weil wir unser eigenes Ding machen, dabei hat er uns rausgeschmissen (sorry, wenn ich daß hier etwas flapsig ausdrücke)

Natürlich kann man fragen, warum der
allmächtige Gott die Menschen nicht einfach rumdreht, aber
hier sehe ich, daß Gott eben nicht allmächtig ist. Seine Macht
hört da auf, wo der Wille des Menschen dagegen ist (in Bezug
auf den Menschen).

Ahhh, erwischt! :wink: Du glaubst gar nicht an den allmächtigen Gott der Bibel, sondern hast Dir auf dieser Basis eigentlich einen eigenen geschaffen, der Dir ganz offensichtlich näher ist, als der biblische…

Gleichzeitig mit dieser allgemeinen Überlegung muß man aber
auch berücksichtigen, daß die Texte der Bibel zwar göttliche
Wirklichkeit widerspiegeln, daß sie aber nichtsdestotrotz von
Menschen aufgeschrieben wurden. Sie spiegeln also auch deren
Weltsicht wieder. Würden wir dieselben Erlebnisse haben wie
Abraham und Co und würden sie genauso aufschreiben, dann
würden sie sich vermutlich ganz anders anhören. Dies muß man
beim Lesen gerade der alttestamentlichen Texte
berücksichtigen. Die Weltsicht und die politische Sicht der
Schreiber geht in die Texte ein und verschleiert manches Mal
die darunter liegende allgemeine Wahrheit.

…und die Bibel wird folgerichtig auch so interpretiert, daß es wieder passt. Ich hab den Eindruck, daß das eigentlich fast alle Jehova-Gläubigen machen…

Vielen Dank für Deine Sicht der Dinge
Sibylle

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Hallo, Corrie

du musst dir das so vorstellen: du hängst an einem
klippenrand, kommt einer vorbei und fragt, ob er dir helfen
soll. du kannst auch wählen, da weiter zu hängen bis du dich
eh nicht mehr halten kannst. du siehst also: der glaube
allein, dass gott existiert ist nicht alles. die bibel sagt:
„Jak 2,19 Du glaubst, daß nur einer Gott ist? Du tust recht
daran; die Teufel (Dämonen) glauben’s auch und zittern.“

Es ging mir in dem Zusammenhang besonders um Sodom und Gomorrah - und wenn man Deine Klippenrand-Allegorie auf die Situation bezieht, hat Gott nicht gesagt „Gut, wenn ihr Euch nicht helfen lassen wollt…“, sondern hat den Leuten sozusagen auf die Finger getreten…

hm, am einfachsten du fragst gott einfach selber. denn wer mit
offenem herzen fragt, bekommt auch eine antwort (war bisschen
schwammig jetzt, aber ich wollte nur kurz was schreiben)

Der scheint nicht w-w-w-Mitglied zu sein… *sorry, konnt ich mir einfach nicht verkneifen…*

freundlichen Gruß
Sibylle

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Hai, Carlos

Er ist nicht herrschsüchtig,… er hat die Herrschaft.

Das ist abhängig von dem Glauben, dem man anhängt - für Dich ist es offenbar eine unleugbare Wahrheit, für mich nicht.

Gott ingoriert die Vergehen der Menschen nicht, sondern duldet
es bis zu einem Zeitpunkt, den nur er kennt.

Fast richtig. Die Strafe für die Sünde ist der Tod. Und mit
dem Tod müssen wir uns gegenwärtig alle abfinden. Wenn du kein
ewiges Leben erwartest, kannst du Gott ignorieren. Das ist
doch fair?
In Sonderfällen greift Gott halt vorher ein. Dann war das
Leben halt kürzer.

Damit hast Du zielsicher den Lieblings-Aufregpunkt, den diese Religion/dieser Gott/dieser Glaube für mich bietet, auf’s Tablett gebracht: was haben Neugeborene in der dritten Welt wohl für furchtbare Sünden auf sich geladen, daß sie als erstes Erlebnis ihres Daseins einen erbärlichen Hungertod erleiden? Und komm’ bitte nicht damit, daß damit ihre Eltern für irgendwas gestraft werden… (Zeugen Jehovas argumentierten mir gegenüber so, sollte ich Dir da was unterstellen, bitte ich vorab um Verzeihung - wenn nicht, fühl Dich bitte angegrumpft)

Grüße
Sibylle

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Hallo Sybille,

interessiert bin ich der Diskussion gefolgt und zolle Dir Respekt aufgrund Deines Eifers.

Du brachtest Beispiele aus dem Alten Testament, die teilweise neutestamentarisch beantwortet wurden.

Ich möchte einen weiteren Blickwinkel hineinbringen … und mich auf Deine Seite stellen.
Anfänglich überwiegt in den Schriften die positive Gotterscheinung Baal. Erst später taucht Jahwe auf und verdammt Baal. Damit einher geht die menschliche Unterordnung unter Gott und vermittelt allmählich das Leiden als Sühne für Sünden. Der frühen Religion ist dieses Denken (dieser Glauben) fremd. Der heutige Gott widerspricht z.B. gänzlich den Gnostikern. Und für die hatte der „barmherzige Gott“ fürwahr nichts übrig (siehe Albigenser-Kreuzzug).
Die Barmherzigkeit entsprang den Fruchtbarkeitskulten (zu denen auch Baal zählt) und die wurden Stück für Stück mit Flammen und Schwert von DEM EINEN „barmherzigen Gott“ ausgemerzt.

Gruß RaRo