Na schön… noch ein Versuch
Brennbar ist ein guter Punkt. Kannst du noch mehr solche
Adjektive nennen? Es ist nicht ganz der gleiche Fall wie bei
„entrinnen“, da „brennen“ ja normalerweise nichtmal ein
indirektes Objekt hat. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass
man davon ausgehen kann… aber ich bräuchte ein paar mehr
Wörter von dem Typ.
Wie wäre es mit „unsinkbar“? Na?
Auch wenn du draußen bist und nicht mehr mitliest, verstanden
hast du’s offenbar nicht. Verwenden kann jeder alles, wie er
will, in der deutschen Sprache. Du kannst sagen „eingekäuft“,
ich sage „frug“, andere Leute sagen „(un)fliehbar“. Das ist
teilweise ungrammatisch, teilweise veraltet, teilweise Dialekt
— aber hält natürlich die Leute nicht ab, solche Sachen zu
sagen.
Ob’s im ZEIT-Artikel hier eine kleine Sprachspielerei oder
einfach mangelnde Deutschkenntnisse waren, kann ich nicht
beurteilen.
Grüße,
Nur mal zur Information, Herr Linguist. Was meinst du denn, was ich studiert habe? Sei ein wenig vorsichtig mit Äußerungen in der Art „verstanden hast du’s nicht“, bitte. Das kannst du nämlich gar nicht beurteilen.
Und jetzt liefere ich dir einfach mal ein paar Belege für die Verwendung dieses Wortes. Vielleicht magst du ja dann von deinem hohen Ross herabsteigen bzw. deinen Elfenbeinturm verlassen.
Zitate:
Gehört die Täuschung aber zum Wesen des Sinnes, empfinden wir Schwingungen als Töne, Wärmeempfindungen, Farben, so sprechen wir diesen Täuschungen, weil sie unentrinnbar sind, objektive Wirklichkeit zu,…
Mauthner, Fritz, Wörterbuch der Philosophie, München: G. Müller 1910,
Da faßte die unentrinnbare Faust des sechs Fuß hohen Gendarmen Krautvetter ihn hinten am Kragen fest und riß ihn, unter Gejohl und Gelächter der Zuhörer, von seinem erhabenen Standorte herab.
Hauptmann, Gerhart, Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Fischer 1910
Aber die „Gegenbewegungen“ und „Rückschläge“, von denen wir hier sprechen, sind häufig, so häufig, daß sie schon deshalb allein als unentrinnbar und unvermeidlich betrachtet werden könnten.
Schumpeter, Joseph, Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Leipzig: Duncker u. Humblot 1912
…stand er und lenkte sie an dem unentrinnbaren Bande seines Geistes.
Huch, Ricarda, Der große Krieg in Deutschland, Leipzig: Insel-Verl. 1912/1914
Diese letzte Assoziation des sonst unentrinnbaren Feldlebens hatte man sich ersparen wollen.
Kraus, Karl, Weltwende, in: Die Fackel 21 (1916)
Gegenüber der nivellierenden unentrinnbaren Herrschaft der Bürokratie, welche den modernen Begriff des » Staatsbürgers « erst hat entstehen lassen, ist das Machtmittel des Wahlzettels nun einmal das einzige, was den ihr Unterworfenen ein Minimum von Mitbestimmungsrecht über die Angelegenheiten jener Gemeinschaft, für die sie in den Tod gehen sollen, überhaupt in die Hand geben kann.
Weber, Max, Wahlrecht und Demokratie in Deutschland, in: Marianne Weber (Hg.), Gesammelte Politische Schriften, München
Freilich, eine Gefahr bestand, und sie war in dem Brief genug betont, mit einer gewissen Freude war sie dargestellt, als sei sie unentrinnbar.
Franz Kafka, Das Schloß, München 1922
Der Tod war ihm ebenso nahe, aber nicht im Rücken, sondern überall. Er war unentrinnbar , er spürte ihn körperlich - als sei der Tod selbst etwas Lebendes,…
Seghers, Anna, Das siebte Kreuz, Mexico
Denn wenn die bürokratische Verwaltung überall die - ceteris paribus - - formal technisch rationalste ist, so ist sie für die Bedürfnisse der Massenverwaltung (personalen oder sachlichen) heute schlechthin unentrinnbar.
Theodor Eschenburg, Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1956
(Anmerkung: dieses Werk ist z.B. Pflichtlektüre im Politikwissenschaftsstudium… daher mir wohl vertraut)
Es gibt nicht nur einen bejahenden -, sondern auch einen verneinenden - Globalismus, der, überzeugt von der unentrinnbaren Dominanz des Weltmarktes, sich in verschiedene Formen des Protektionismus flüchtet
Beck, Ulrich, Was ist Globalisierung?, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1997
Ich denke, das sollte genügen.
Willst du ernsthaft all diesen Autoren unterstellen, sie könnten kein richtiges (weil deiner Meinung nach „ungrammatisches“) Deutsch?
Grüße
Uschi