Der grosse Käse (Brandbrief)

Wie qualifiziert, Oliver :wink: owT
:wink:

Hallo Oliver,

es wird seit Jahrzehnten sowohl nach den Ursachen geforscht
als auch ein Syndrom (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) benannt.

Okay, aber ohne heilendes Ergebnis?! Wenn man ein heilverfahren
hätte, dann gäbe es kein ADS mehr.

Es gibt keine heilende Therapie für die meisten psychischen
Störungen.

Okay, aber warum nennen sich die meinsten Behandlungen „Therapie“?
Therapie bedeutet „Heil“-Behandlung oder „Heilung“.
Okay, war ne rethorische Frage (–:

Grüße,

O.

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Antwort:
Eine Fehldiagnose.

Klar - für denjenigen, bei dem es immer nur zum Mittelmaß reicht, schon. Ist einfach ärgerlich, wenn man so an seinem intellektuellen Tellerrand kleben muss.

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Hallo Ray,

Auch in unserer Verwandtschaft gibt es ein deutlich
verhaltensgestörtes Kind.

Dann hast Du ja so richtig große Erfahrung mit all den unerträglichen Pseudo-ADS-Kindern…

Ich nehme jetzt mal an, dass Dein Interesse echt ist - man darf nie den Glauben an das Gute im Menschen verlieren - und fasse zusammen:

Auch ein ADS-Kind benötigt Erziehung. Mehr noch als ein gesundes Kind. Der Alltag muss relativ streng strukturiert sein. Die Erziehung eines ADS-Kindes ist nur viel, viel schwerer als die eines gesunden Kindes. Daher ist es für leidgeprüfte Eltern durchaus auch mal eine Erleichterung zu erkennen, dass sie nicht erziehungsunfähig sind, wenn einfach Routinen nicht auf 2 x, sondern erst auf 20 x erlernt werden.

Das ist ein großer Bestandteil jeder Verhaltenstherapie und eines jeden Elterntrainings.

Ich kann also keinen Käse sehen, allerdings viel Provokation…

Gruß, Inselchen

es wird seit Jahrzehnten sowohl nach den Ursachen geforscht
als auch ein Syndrom (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) benannt.

Hallo, Oliver,
bei diesem Satz kommt mir eine Frage in den Sinn, die zwar provokant klingen mag, die ich mir aber ernsthaft stelle und für die ich mir eine Antwort erhoffe:

Wird dieses Syndrom so benannt, weil der Patient selbst seiner Umwelt zu wenig Aufmerksamkeit widmen kann, oder aufgrund der Hypothese, dass seine Störung sich entwickelte, weil ihm zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde?

Gruß
Eckard

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Hallo Oliver-Michael,

Okay, aber ohne heilendes Ergebnis?! Wenn man ein
heilverfahren
hätte, dann gäbe es kein ADS mehr.

Okay, aber warum nennen sich die meinsten Behandlungen
„Therapie“?
Therapie bedeutet „Heil“-Behandlung oder „Heilung“.
Okay, war ne rethorische Frage (–:

Okay, eine ernstgemeinte Frage:
Wie nennt man es, wenn ein Diabetiker mit Insulin
behandelt wird?
Therapie oder?

Gruesse
Elke

Grüße,

O.

HAllo Manuela,

Oh man, wenn ich das so lese kriege ich echt Angst selber mal
so ein Kind zubekommen, das einen auf dem Kopf rumtanzt…
So erst neulich wieder im Wartezimmer beim Arzt gesehen.
Gewitzter Schlitzaugen-Blick…„Mama“ -keine Reaktion-
„MamAA!“ […] „MAAAMMAAA!!“ (Wiederholung folgt)

Ich steh auf dem Schlauch. Ausser dem SChlitzaugenblick
(der schon bei Ludwig Thoma durchaus amuesante Seiten hatte)
versteh ich nicht, was dieses Kind so falsch gemacht hat.
Es ruft. Es kriegt keine Reaktion. Es ruft lauter.
Logische Reaktion. Mir fehlt da Information, um dich
zu verstehen.

Ob man „so ein“ Kind dann nicht richtig lieb hat?

Wenn es deins ist, sind die Chancen richtig grosse,
dass du es lieb hast, dass du es immer lieb hast, auch
wenn es sich gerade nicht liebens-wuerdig benimmt.
(NB: ‚deins‘ ist nicht biologisch definiert)

Ich wünschte, ich wäre schon so alt wir ihr, dann hätte ich
das hinter mir :smile:

Wer sagt denn, dass deins/deine so werden?
Und weisst du was? Auch schwierige Kinder machen Freude.

Gruesse
Elke

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Hallo,

Die Gabe von Insulin wird zwar Therapie („Heilung“,„Heilbehandlung“)
genannt, aber geheilt („therapiert“) wird da nix … (–;
Das war es was ich sagen wollte.

Gruß

O.

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Hallo, Eckard,

bei diesem Satz kommt mir eine Frage in den Sinn, die zwar
provokant klingen mag,

ich finde die Frage überhaupt nicht provokant. Das Syndrom wird nach dem einen der beiden Symptombereiche (der andere ist Hyperaktivität) benannt:

"Unaufmerksamkeit: Mindestens sechs Monate lang mindestens sechs der folgenden Symptome von Unaufmerksamkeit in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmaß. Die Kinder:

  1. sind häufig unaufmerksam gegenüber Details oder machen Sorgfaltsfehler bei den Schularbeiten und sonstigen Arbeiten und Aktivitäten;
  2. sind häufig nicht in der Lage, die Aufmerksamkeit bei Aufgaben und beim Spielen aufrechtzuerhalten;
  3. hören häufig scheinbar nicht, was ihnen gesagt wird;
  4. können oft Erklärungen nicht folgen oder ihre Schularbeiten, Aufgaben oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht erfüllen (nicht wegen oppositionellem Verhalten oder weil die Erklärungen nicht verstanden werden);
  5. sind häufig beeinträchtigt, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren;
  6. vermeiden ungeliebte Arbeiten, wie Hausaufgaben, die häufig geistiges Durchhaltevermögen erfordern;
  7. verlieren häufig Gegenstände, die für bestimmte Aufgaben wichtig sind, z.B. für Schularbeiten, Bleistifte, Bücher, Spielsachen und Werkzeuge;
  8. werden häufig von externen Stimuli abgelenkt;
  9. sind im Verlauf der alltäglichen Aktivitäten oft vergeßlich."
    (ICD-10, F90)

Es folgen noch weitere Kriterien, die das Ausmaß der Symptome, die Zeit ihres Auftretens, die Art und Häufigkeit der Situationen, in denen sie auftreten, sowie Leidensdruck und Einschränkungen im sozialen, schulischen und beruflichen Bereich umfassen.

Grüße,

Oliver Walter

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Hallo Oliver,

es wird seit Jahrzehnten sowohl nach den Ursachen geforscht
als auch ein Syndrom (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) benannt.

Okay, aber ohne heilendes Ergebnis?!

bitte?

Wenn man ein heilverfahren
hätte, dann gäbe es kein ADS mehr.

Auftreten würde es trotzdem noch, selbst wenn es eine Störung mit heilbaren rein organischen Ursachen wäre. Viele Krankheiten treten ja auch weiterhin auf, obwohl wir sie heilen können.

Es gibt keine heilende Therapie für die meisten psychischen
Störungen.

Okay, aber warum nennen sich die meinsten Behandlungen
„Therapie“?

Warum heißt die „Diagnose“ Diagnose, obwohl sie eine Klassifikation ist?

Okay, war ne rethorische Frage (–:

Dito. :wink:

Grüße,

Oliver

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Danke Oliver.
Meine Frau ist Lehrerin (Grundschule) und aus dieser Quelle und aus eigener Beobachtung sind mir diese Symptome natürlich allzu bekannt.

Wo sie über das normale Maß hinausgehen (wobei man sicher das Stichwort „Reizüberflutung“ bei der Beurteilung der „Normalität“ mit heranziehen muß) sind sie sicherlich behandlungsbedürftig.

Nur frage ich mich, was ist bei diesen Kindern im Vorfeld schief - oder wenigstens anders - gelaufen als bei ihren ruhigeren Altersgenossen? Treten diese Symptome bei bestimmten Familienkonstellationen, bei bestimmten Elternpersönlichkeiten, bei bestimmten Lebensläufen signifikant häufiger auf? das kommt doch sicherlich nicht aus blauem Himmel. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass darüber nicht eingehende Untersuchungen angestellt werden.

Doch noch einmal zurück zu Raymonds eingehendem Statement. Wird nicht auch oft vorschnell einfach das Label „AD(H)S“ vergeben, weil man ja Eltern schlecht sagen kann, was sie in ihrer Erziehung und in ihrem Beispiel unterlassen und versäumen? Zumal dies ja auch sicher eine eingehendere Untersuchung der gegenwärtigen und vergangenen Familiensituation verlangen würde, etwas, was der Hausarzt mit Sicherheit nicht leisten kann und auch viele Eltern mangels eigener Einsicht nicht zulassen würden. Da kriegt dann eben lieber das Kind das Ritalin und die Mutter das Valium.

(Das kommt mir dann so vor wie die Behandlung einer Diarrhoe mit Beruhigungsmitteln. Man macht sich zwar immer noch in die Hose, aber es stört einen nicht mehr)

Grüße
Eckard

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Hallo Oliver-Michael,

Die Gabe von Insulin wird zwar Therapie
(„Heilung“,„Heilbehandlung“)
genannt, aber geheilt („therapiert“) wird da nix … (–;

Richtig. Aber wuerdest du deshalb eine Insulin-Therapie
einem Diabetiker verweigern? Weil, geheilt werden
kann er ja (zur Zeit) sowieso nicht.

Das war meinerseits eine rhetorische Frage.

Gruesse
Elke

Argh, darum ging es gar nicht; sondern es ging nur darum,das
der Begriff „Therapie“ fehl am Platze ist.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Eckard,

Doch noch einmal zurück zu Raymonds eingehendem Statement.
Wird nicht auch oft vorschnell einfach das Label „AD(H)S“
vergeben, weil man ja Eltern schlecht sagen kann, was sie in
ihrer Erziehung und in ihrem Beispiel unterlassen und
versäumen? Zumal dies ja auch sicher eine eingehendere
Untersuchung der gegenwärtigen und vergangenen
Familiensituation verlangen würde, etwas, was der Hausarzt mit
Sicherheit nicht leisten kann und auch viele Eltern mangels
eigener Einsicht nicht zulassen würden. Da kriegt dann eben
lieber das Kind das Ritalin und die Mutter das Valium.

Hast du mal ein Kind vor und nach Ritalin erlebt (voraus-
gesetzt natuerlich die Diagnose stimmt und Ritalin ist das
beste Medikament fuer dieses Kind - ich weiss wohl, das ‚beste‘
ist nicht unbedingt gut und ich will nicht auf Nebenwirkungen
eingehen)? Mir geht es nur darum, ob du wirklich weisst,
welche Wirkung Ritalin (oder aehnliches) auf
ein Kind hat? (wie gesagt, ich meine jetzt nur die erwuenschten
Wirkungen, nicht die Nebenwirkungen)

Gruesse
Elke

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Hallo, Eckard,

Nur frage ich mich, was ist bei diesen Kindern im Vorfeld
schief - oder wenigstens anders - gelaufen als bei ihren
ruhigeren Altersgenossen?

Du stellst damit die Frage nach der Ursache der Störung. Ich bin schonungslos offen: Wir kennen diese Ursache nicht sicher.

Allerdings gibt es in der Tat seit langem Forschungen dazu. Es wurden eine Reihe von möglichen Ursachen angenommen und darauf überprüft, ob sie sich durch empirische Daten stützen lassen. Im Moment spricht vieles dafür, daß die Primärsymptomatik eine erhebliche genetische Ursache hat. Diese Primärsymptomatik führt im Verlauf oft zu Schwierigkeiten mit der sozialen Umwelt (Familie, Lehrer, Gleichaltrige) und zieht sekundäre Symptome nach sich, die erheblich sein können (Schulversagen, Störungen des Sozialverhaltens, Drogenmißbrauch). Dieses Modell der Störung besagt also, daß es einen „Kern“ der Störung gibt, der die Wahrscheinlichkeit, daß Probleme mit der Umwelt auftreten, stark erhöht. Dieser „Kern“ ist innerhalb der von ADS betroffenen Person angesiedelt und nicht von der Umwelt in diese Person hineingelegt worden.

Treten diese Symptome bei bestimmten
Familienkonstellationen, bei bestimmten
Elternpersönlichkeiten, bei bestimmten Lebensläufen
signifikant häufiger auf?

Dazu gibt es Untersuchungen. Der entscheidende Satz lautet:

„Insgesamt weist die Forschung darauf hin, daß die psychosozialen Faktoren bei der Genese eine begrenzte Rolle spielen“ (Döpfner, 2000).

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß die problematischen Interaktionen zwischen ADS-Kind und sozialer Umwelt unter Ritalinmedikation abnehmen. Wenn die Eltern bespielsweise die Ursache der Störung wären, dann müßten weiterhin problematische Verhaltensweisen zu beobachten sein - Verhaltensweisen der Eltern nämlich, die ja nicht medikamentös behandelt werden.

Ich möchte Dich auf noch etwas hinweisen: Zu einer Verhaltenstherapie von ADS gehört eigentlich ein Programm für die Eltern. Das dient zum einen dazu, den Eltern genügend Kenntnisse über die Störung zu vermitteln, aber auch dazu, ihnen Hinweise zu geben, welche Verhaltensweisen sie dazu beisteuern können, mit der Andersartigkeit ihres Kindes umzugehen. Konsequenz ist beispielsweise ein Stichwort in diesem Zusammenhang. Elke hat in einem ihrer Posting schon darauf hingewiesen, daß eine VT von ADS viele Bestandteile enthält, die sowieso Inhalt einer guten Erziehung sind. Nur macht man das in der VT halt explizit und systematisch.

Wird nicht auch oft vorschnell einfach das Label „AD(H)S“
vergeben,

Das wird es mit Sicherheit geben. Diagnosehäufungen beobachtet man immer mal wieder bei einigen Störungen (z.B. bei Borderline).

weil man ja Eltern schlecht sagen kann, was sie in
ihrer Erziehung und in ihrem Beispiel unterlassen und
versäumen?

Das kann man Eltern durchaus sagen.

Zumal dies ja auch sicher eine eingehendere
Untersuchung der gegenwärtigen und vergangenen
Familiensituation verlangen würde, etwas, was der Hausarzt mit
Sicherheit nicht leisten kann und auch viele Eltern mangels
eigener Einsicht nicht zulassen würden. Da kriegt dann eben
lieber das Kind das Ritalin und die Mutter das Valium.

Ich würde gar nicht bestreiten, daß so etwas vorkommt. Ich bestreite aber, daß das generell so ist. Das Ursprungsposting dieses Threads hatte leider den Tenor, ADS als „Käse“ abzutun und Eltern Schuld zuzuweisen. Das ist eine Sache, die vor dem Hintergrund früherer psychopathologischer Fehlschüsse (kaltherzige Mütter als angebliche Ursachen für Schizophrenie, Autismus etc.) absolut unangebracht sind.

(Das kommt mir dann so vor wie die Behandlung einer Diarrhoe
mit Beruhigungsmitteln. Man macht sich zwar immer noch in die
Hose, aber es stört einen nicht mehr)

Dieser Vergleich ist unangemessen und die Frage von Elke an Deine Adresse berechtigt.

Grüße,

Oliver Walter

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Liebe Elke,

Mir geht es nur darum, ob du wirklich weisst,
welche Wirkung Ritalin (oder aehnliches) auf
ein Kind hat?

das ist mir schon klar. War auch gar nicht mein Punkt. Ich gebe Dir ja recht, dass dies wohl ein hilfreiches Mittel ist - aber eben ein Mittel um Symptome zu lindern.

Ich möchte nicht gern in der Ecke derer stehen, die undifferenziert auf wirklichen AD(H)S-Patienten und deren Umfeld einprügeln - beileibe nicht. Was ich anprangere ist lediglich die von mir vermutete vorschnelle und freigebige Deklarierung von schlichtweg unerzogenen Kindern und die damit einhergehenden Absolution erziehungsunwilliger oder -unfähiger Eltern.

Ich stehe auch nicht an zuzugeben, dass die Unterscheidung dem Laien nicht immer möglich ist, aber wenn ich mir das Verhalten mancher Eltern betrachte, dann kommt mir nur zu oft der Gedanke, dass, wäre ich Kind bei denen, ich auch ausflippen würde.

Lieben Gruß
Eckard

Dass man einem Kranken sein Leiden so weit wie möglich erleichtern muss ist unbestritten.

Noch einmal mein Dank, Oliver.
Du hast (zusammen mit Elke) mein Wissen um diese Problematik doch erheblich erweitert.
Gruß
Eckard

Und weisst du was? Auch schwierige Kinder machen Freude.

Hallo, Elke,
ich denke für mich ist dies das Fazit aus dieser (für mich sehr lehrreichen) Diskussion:

In Anlehnung an Cicero „Amicus certus in re incerta cernitur“:

Ein Kind wirklich zu lieben heißt, es gerade dann zu lieben wenn es nicht liebenswürdig erscheint.

Grüße
Eckard

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Hallo Eckard,

Ich möchte nicht gern in der Ecke derer stehen, die
undifferenziert auf wirklichen AD(H)S-Patienten und
deren Umfeld einprügeln - beileibe nicht. Was ich anprangere
ist lediglich die von mir vermutete vorschnelle und freigebige
Deklarierung von schlichtweg unerzogenen Kindern und die damit
einhergehenden Absolution erziehungsunwilliger oder -unfähiger
Eltern.

Aber das laeuft halt doch so schnell auf Eltern-Verurteilen
oder mindestens Be-urteilen hinaus. Raymond sagt, ihm geht
es darum, den Eltern (in seinem Einzelfall) zu helfen.
Meinst du man hilft den Eltern, wenn man ihnen permanent
den schwarzen Peter zu schiebt. Weisst du, wie unendlich
erleichternd es ist, als Eltern von einem respektierten
Fachmann mal zu hoeren: Sie haben nichts falsch gemacht!
(NB: wir waren und sind nicht unfehlbar als Eltern, aber mit
zwei Problemkindern [total unterschiedlich gelagert] gesegnet,
stellt man sich doch selbst ab und zu in Frage) Klar, bin
ich ueber Anregungen dankbar, wie ich mein Verhalten und
damit unsere Familie verbessern kann, aber das geht selten,
wenn vorher eine Schuldzuweisung stattgefunden hat.
Selbst Eltern, die objektiv versagt haben, machen das
doch eigentlich nie mit Absicht (wenige kranke Naturen
mal ausgenommen), sondern sie machen das Beste mit dem
Handwerkzeug, das sie haben. Oft ist das Handwerkzeug
unzulaenglich, weil vielleicht Information fehlt, weil
vielleicht gelebtes Vorbild (der eigenen Eltern) fehlt
(soviel dazu, dass die ‚heutige Elterngeneration‘ es nicht
richtig macht - von wem hat sie denn gelernt?), es mag
viele Gruende geben. Aber nur, wenn man die Eltern staerkt,
kann man ihnen helfen, bessere Eltern zu sein. Und das
macht man sicher nicht damit, ihnen zu sagen, dass sie
versagt haben. Ich wiederhole es noch einmal, weil es
IMHO so wichtig ist: Eltern machen ihre Kinder nicht
mit Absicht kaputt!

Ich stehe auch nicht an zuzugeben, dass die Unterscheidung
dem Laien nicht immer möglich ist, aber wenn ich mir das
Verhalten mancher Eltern betrachte, dann kommt mir nur zu
oft der Gedanke, dass, wäre ich Kind bei denen, ich auch
ausflippen würde.

Hast du dir mal ueberlegt, dass du die Eltern eines Problem-
kindes meist erst siehst, wenn sie schon etwa 10 Jahre Problem-
kind hinter sich haben? Dass die Verhaltensweisen der
Eltern auch erst im Umgang mit dem Kind geformt wurden?
Dass man vielleicht inkonsequent wird und unausgeglichen
reagiert, wenn man schon alles probiert hat und wenig oder
keinen Erfolg sieht? Dass man schon so viele gefragte und
ungefragte Ratschlaege gekriegt hat, dass man sich nicht
mehr auf seinen Instinkt verlassen kann, weil der verschuett
gegangen ist?

Das ganze ist doch auch eine Situation,
die sich hochschaukeln kann: das Kind reagiert nicht so,
wie man es erwartet. Man probiert „Erziehungstechniken“ aus.
Das Kind reagiert wieder anders, als erwartet. Man probiert
was Neues (ich rede ueber Jahre, ich meine nicht, jeden
Tag was Neues ausprobieren). Das Kind reagiert besser (aber
nicht gut). Man bleibt dabei. Dann passiert etwas Externes,
was einen aus dem Konzept bringt (was leicht passieren kann,
wenn man noch nicht so von der neuen ‚Methode‘ ueberzeugt ist).
Das Kind wird nun verunsichert und reagiert viel heftiger
als erwartet. usw.usf.

Gruesse + gut N8
elke

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Hallo Oliver,

Erstmal danke fuer deine objektive Schilderung. Tut gut.

Ich würde gar nicht bestreiten, daß so etwas vorkommt. Ich
bestreite aber, daß das generell so ist. Das Ursprungsposting
dieses Threads hatte leider den Tenor, ADS als „Käse“ abzutun
und Eltern Schuld zuzuweisen.

Es beruhigt mich, dass ich nicht die einzige war, die
Rays Posting so gelesen hatte.

Und noch ein Danke fuer die Logik in deinem Posting
(ich hab die Stelle jetzt schon geloescht, aber ich
meine da, wo du darauf hinweist, dass Ritalin bei
den Kindern wirkt, auch wenn die Eltern ihr Verhalten
nicht aendern [obwohl das besser waere, logo]).
Es sagt doch auch etwas aus, wenn man - trotz aller
Hinweise, dass ADS auch genetisch bedingt ist,
bzw. die Anlage dafuer - immer wieder sieht, dass
es Familien gibt, die ADS-Kinder neben Nicht-ADS-Geschwistern
haben. Natuerlich wird nicht jedes Kind gleich behandelt,
aber dass man so gravierende Stoerungen bei einem Kind
anerziehen kann und bei einem anderen daneben nicht,
ist doch nicht wirklich vorstellbar.

Gruesse
Elke

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