Der grosse Käse (Brandbrief)

nicht so - anders ´rum
Hallo Inselchen,

nein, das war „andersrum“ gemeint:
Nicht, dass die Gesellschaft ADS selbst akzeptiert, sondern dass die Gesellschaft akzeptiert, dass ein verhaltensgestörtes/verhaltensauffälliges Kind schnell (meiner Auffassung nach, viel zu schnell) in die „kranke Ecke“ geschoben wird (in diesem Fall in die „ADS-Ecke“).
Das ist Käse!
Es ist Käse, dass es Eltern gibt (und ich ging ja nunmal von dem mir einen bekannten Elternpaar aus) welche sich schnell mal selbst eine Diagnose zusammenschustern und sich dann anschliessend auf die Suche nach einem Arzt begeben welcher wiederum (aus welchen Gründen auch immer) bereit ist ADS zu diagnostizieren. Das stinkt und das ist ein grosser Käse!

Freundliche Grüsse
Anonym

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fast
Hallo,

der Summe Deiner Aussagen entnehme ich, dass Du wirkliches
Interesse hast

Auf jeden Fall - bin ja kein Troll.

und auch grundsätzlich die Existenz von ADS
nicht bestreitest.

Wie könnte ich. Nur weil ich etwas nicht kenne, bedeutet dies doch nicht, dass es dies dann nicht gibt:wink:

Du kritisierst Missstände in der Erziehung, die mit ADS
entschuldigt werden.

Jawohl. Genau das ist es!

Ich stelle mir das so vor: Du redest mit angeblich betroffenen
Eltern, hörst „ADS“ - und legst los.

Nicht ganz so allgemein. Es geht hier schon um einen spezifischen Fall - aber wenn dieser dann angesprochen wird, dann ist es wohl schon so…

Nun gibt es für Dein Gespräch mit Eltern zwei Varianten:
1.) Dein Gegenüber hat ADS sozusagen anhand von
Zeitungsberichten selbst „diagnostiziert“.

Ich weiss nicht woher die das anfänglich hatten…

Oder der Kinderarzt
hat einen Verdacht geäußert, was gerne als „Diagnose“ verdreht
wird.

Nein, es war eindeutig so, dass die „Diagnose“ von den Eltern „vorgestellt“ wurde und dann und anschliessend der „passende“ Arzt gesucht und schlussendlich auch gefunden wurde (es war der dritte Mediziner welcher dann „mitspielte“).

Das Kind bekam ein Medikament (ich weiss nicht welches, aber die Mutter versicherte mir, dass es nur dieses Eine gäbe) und das Kind setze dieses Medikament nach wenigen Tagen ab und die Eltern verteidigen dies. Das Kind ist 12 Jahre alt und die Eltern erklären, dass das Kind schon weiss was es tut (OT Eltern: „…die Natur wird`s schon richten…“ und „…das Kind würde nie etwas nehmen was ihm schaden würde…“ und „…der Arzt würde doch auch nichts verschreiben was schaden könnte…“).

Dann kannst Du das angebliche ADS in deiner Meinungsäußerung
schlicht vergessen, sondern auf fehlende Erziehung, TV-und
Playstationmißbrauch, Wohlstandsverwahrlosung usw. abzielen.

Genau in diese Richtung zielen meine Überlegungen, zumal auch sonst in dieser Familie eine deutliche „Verwahrlosung“ zu erkennen ist - immer wieder und heftigster Diskussionsstoff in der weiteren Familie.

Ob Du allerdings eine Änderung erreichst, wage ich zu
bezweifeln.

Diese Befürchtung beschlich mich schon nach Branden`s entsprechendem Posting.

2.) Dein Gegenüber ist tatsächlich Elternteil eines
ADS-Kindes.

Meine Gegenüber sind beide die Elternteile des betreffenden Kindes. Es sind die tatsächlichen Eltern! Nur bezweifel ich sehr stark, dass das Kind tatsächlich ADS hat.

Wäre ICH als alter Hase in der Thematik im Real
Life Dein Gesprächspartner, könnten wir wahrscheinlich ein
gutes Gespräch führen, sofern mein jüngster Hypie beschäftigt
wäre :wink:. Wäre allerdings das Inselchen vor einigen Jahren
Dein Gesprächspartner, damals, als Familie Inselchen
mißtrauisch anfing, sich über diese Modediagnose zu
informieren und sich schwor, niemals Psychopillen zu
verabreichen, dann hättest Du mich mit solchen Aussagen
richtig verletzt.

Ja, das verstehe ich und kann das auch nachvollziehen.

Denn die Frage „WAS HABEN WIR NUR FALSCH
GEMACHT ?“ stellen sich Eltern von ADS’lern andauernd.

Das ist hier, in diesem speziellen Fall, ein weiterer Knackpunkt. Die Eltern stellen sich diese Frage NIE. Sie machen, nach eigener Überzeugung, nichts falsch, denn (ich fass es einfach nicht): OT: "...die Natur wirds schon richten. Ich (so OT des Vaters) hatte keine Erziehung und die Nautr hat`s auch gerichtet…"

Vor
allem dann, wenn sie noch die Ursache für die Schwierigkeiten
mit dem Kind suchen, sämtliche Erziehungsratgeber gelesen
haben,

Klar suchen die nach den Ursachen - indes, nicht bei sich selbst.
Klar haben die alle möglichen und unmöglichen Ratgeber gelesen (liegen zuhauf bei denen rum) aber ich habe so meine Zweifel ob sie die Inhalte dieser Erziehungsberater auch verarbeiten.

selbst Wert auf eine gute Erziehung legen,

Negativ

ein
geregeltes Spießerleben vorleben - aber das Kind rastet
trotzdem aus…

Nun ja, das ist Deine persönliche Formulierung. Ich weiss nicht und will das auch nicht einschätzen oder beurteilen (das mit dem „Spiesserleben“)… aber klar leben sie dem Kind auch was vor: Gleichgültigkeit, Chaos, Bequemlichkeit, Konfliktscheue, usw.

Was meinst Du, wie man sich da fühlt, wenn einem jemand die
richtige Erziehung nahelegen will ???

Ich weiss nicht wie sich andere dann fühlen. Mir wäre es ein, womöglich auch trotziger, Ansporn, es „denen zu zeigen“ (im positiven Sinne).

Ich fühle mich oft als
Dinosaurier, vor allem vor Weihnachten - auch dieses Jahr
kommt mir keine Playstation ins Haus (obwohl ICH gerne eine
hätte *sichoutet*), auch in diesem Jahr werden meine Kinder
meckern, dass sie soooo früh ins Bett müssen, usw. :wink:. Zeit
für meinen Mann und mich gibt es wenig, aber wir wollten die
Kinder ja :wink:

Übereinstimmung

Ich bin übrigens auch stolz auf meine Kinder. Stolz darauf,
dass sie trotz ihres Handicaps den Alltag wunderbar meistern,
dass sie superinteressante Ideen haben, lustig, sonnig und
lebensklug sind - leider, leider passen sie oft nicht in die
Normen, die Schule und Gesellschaft vorgeben.

Da kannst Du dann auch stolz sein!

Übrigens hat selbst mein Vater - ein schwieriger Mensch ohne
besonderes Verständnis für Kinder - inzwischen festgestellt,
dass er, wäre er HEUTE Kind, die allergrößten Probleme hätte.
DAMALS aber war er einfach nur ein Lausejunge und ist heute
ein beruflich sehr erfolgreicher Mensch - der sich mit ADS im
Seniorenalter beschäftigt :wink:.

Respekt.

Nun, ich lese sehr aufmerksam die Beiträge.
Es sind interessante Denkanstösse dabei und es sind leider auch Sachen dabei mit denen ich unglücklicherweise nicht so viel anfangen kann.
Als Fazit scheint sich abzuzeichnen, dass ich wohl keine Möglichkeit habe regulierend, nein besser helfend einzugreifen.

Das ist unbeschreiblich traurig.

Freundliche Grüsse
Anonym

Irgendwann sollten wir mal zusammen einen Trinken gehen :smile:)

Du weisst ja Ray, wo. Ich schlage immer vor: Ein Stück südlich von Dir. Mit anderen Worten: Im Tessin.
Gruß, Branden

Das…

…tröstet mich, Raymondo!
Gruß, TSB

Branden

tauscht sich lieber darüber aus, was eine Modediagnose ist.
Als ob es hier um den neuen Starschnitt aus der Bravo geht,
oder vielleicht doch lieber das Wetter in Ascona?

Kollege Winkler, ich vermisse Sachlichkeit.

Aber wer Sachfragen hat oder

wirkliche Hilfe benötigt, kann sich gerne an mich wenden.

Na, ob das wirklich weiterhilft, ist nach Deinem Posting doch sehr fraglich. Wer so in seinen Projektionen gefangen erscheint und so emotional um sich haut wie du, scheint mir da nicht der geeignete Ansprechpartner zu sein.

schade
Hallo Martin Winkler (ich erlaube mir eine Anrede, wenn`s nicht stört),

Branden
tauscht sich lieber darüber aus, was eine Modediagnose ist.
Als ob es hier um den neuen Starschnitt aus der Bravo geht,
oder vielleicht doch lieber das Wetter in Ascona?

*räusper* Da musst du aufpassen - ich bin wegen solch Kommentare über andere Nutzer schon das eine oder andere Mal hier rausgeflogen, d.h. Postings von mir wurden gelöscht - und das wäre doch wirklich schade, oder

Pfui Teufel, was für eine Art mit Problemen von Menschen
umzugehen.

*räusper, räusper*

Meinungen und Brandbriefe sind die eine Sache.

Ja. Aber man könnte diese auch lesen und dann vielleicht etwas, nun sagen wir mal „hilfreiches“ zur Sache abliefern (ist ja nur so ein Vorschlag).

Therapeutische
Hilfe und Arbeit ein ganz anderes Ding.

Ja, aber das ist doch nicht der Punkt.

Natürlich beschränkt
sich Therapie dabei nicht auf die Methylphenidatgabe. Aber
gerade in der Interaktionsarbeit mit den Müttern und Kindern
bzw. der psychotherapeutischen Arbeit zeigt sich doch
tagtäglich, was für eine Bedeutung ein Verständnis von ADHS in
der Praxis für die weitere Prognose der Kinder und Erwachsene
mit ADHS haben kann.

Ja, sicherlich.

Leider (?) habe ich derzeit nicht die Zeit und Lust auf eine
solche Diskussion einzusteigen.

Ja, das ist bedauerlich.
Aber wie wäre es mit einem hilfreichen kleinen Beitrag?
Zumindest ich wäre dankbar.

Aber wer Sachfragen hat oder
wirkliche Hilfe benötigt, kann sich gerne an mich wenden.

Na ja, so kann man es auch machen. Ich bin, beispielsweise und ganz bescheiden, auch Spezialist auf dem einen oder anderen Fachgebiet, habe dies auch brav in meinen „Interessen“ unter „mein www“ eingetragen und stehe, welch` Überraschung, mit mehr oder weniger bescheidenen Kenntnissen den im offenen Forum Fragenden/Postenden gerne zur Verfügung.

Ich kann mir indes kaum vorstellen, dass ich im offenen Forum ein Posting entdecke, etwas dazu weiss oder sinnvolles beitragen könnte, mich mit dem Vorhandensein von Fachkenntnissen rühme (ich möchte Dir jetzt natürlich nicht zu nahe treten, nicht missverstanden werden und sämtliche Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig), die eventuell erkannte Frage aber dann nicht beantworte aber statt dessen auf meine, nun vielleicht homepage verweise oder besser noch, darum bitte mir eine eMail zu senden (könnte ich dann prima abrechnen und zudem entzieht sich die Qualität meiner Antwort dann der Öffentlichkeit). Bizzarer Gedanke. Erheiternd.

Befremdete aber natürlich freundliche Grüsse
Anonym

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Hallo Ray!

Nutze die Archivfunktion und Du wirst sehen, dass ich mehr als einen Beitrag zu ADHS verfasst habe und auch sonst recht aktiv hier im Forum auf Fragen poste.

Zudem könntest Du dich unter www.adhs.ch ein wenig über ADHS informieren.

Was ich persönlich sinnlos finde, ist eine „Diskussion“ auf dem Niveau „wir sehen mal ADHS als Mode“ an. Weil dann letztlich über eine der häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Störung aus einer völlig verzerrten Sicht diskutiert wird. Plötzlich fühlen sich vom Gymnasiasten bis zum Facharzt alle berufen, ihre „Meinung“ zu äußern. Also sind alle die grossen Erziehungsberater (nach dem Motto : Ich kann mitreden, ich war ja selber mal Kind) oder urteilen ohne je ein Kind oder eine Familie mit ADHS erlebt zu haben. Ich werde doch auch einem Automechaniker nicht den Ratschlag geben, die Überprüfung der Bremsleitungen vielleicht besser mal der Erzieherin aus dem Montessouri-Kindergarten zu überlassen, nur weil sie auch Auto fährt.

Natürlich kann es sein, dass im Einzelfall zu vage oder falsch ADHS diagnostiziert wird. Natürlich kann es sein, dass vorschnell Ritalin oder andere Medikamente verordnet werden. Ich erlebe in der Klinik etwas anderes. Wir verfolgen sowohl eine interaktionsbezogene Arbeit zwischen Mutter und Kind(ern) wie auch die medikamentöse Therapie. Das Vorurteil, dass die Mütter den Kindern zu wenig Aufmerksamkeit schenken ist falsch. Aber es besteht häufig ein Interaktionsproblem, da die Mütter und die Kinder ADHS-Anteile haben. Dies beeinflusst die Erziehung und Lebensbedingungen der Familien (häufigere Scheidungen, starke finanzielle Sorgen, Suchtprobleme) bzw. es fehlen auch positive Erziehungsmodelle, da eben die Mütter in ihrer Kindheit ebenfalls in „auffälligen“ Familien lebten.

Berücksichtigt man neben dem klassischen Hyperkinetischen Typus (sog. Hyperkinetisches Syndrom HKS) auch die ebenso häufigen Patienten mit einem unaufmerksamen Typus (d.h. im Vordergrund stehende Aufmerksamkeits-steuerungsprobleme und Impulsivität ohne motorische Unruhe) ist von einer ausgesprochen hohen Verbreitung des Störungsbildes auszugehen, die auf ca 3- 5 % der Bevölkerung geschätzt wird und damit neben Depressionen zu den häufigsten psychiatrischen Störungen zählt. Im Gegensatz zu früheren Vorstellungen, dass sich die Problematik mit der Pubertät „auswachsen" würde, geht man heute davon aus, dass bei ca 60-70% der Betroffenen auch im Erwachsenenalter erhebliche krankheitsrelevante Einschränkungen der Lebensqualität und insbesondere der Alltagsorganisation fortbestehen. Dagegen wissen wir heute, dass eher ein Symptomwandel mit Abnahme der auffällig (weil störenden) Hyperaktivität und Impulsivität in der Pubertät erfolgen kann, dagegen Probleme der Selbstorganisation und begleitende affektive Probleme zumeist erst bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen symptomatisch werden können. Somit ist wahrscheinlich allenfalls 10-15% der Betroffenen die Diagnose oder mögliche Zusammenhänge dieser kinder- und jugendpsychiatrischen Problematik bewusst. Selbst in den Fällen, bei denen in der Kindheit wegen Hyperaktivität oder komplexen Entwicklungs- und Wahrnehmungsstörungen bereits eine Behandlung eingeleitet wurde, ist nur selten eine gezielte Behandlung bis nach der Pubertät fortgesetzt worden. Dies gilt besonders für Mädchen bzw. Frauen, deren Symptomatik noch viel seltener in der Kinderheit oder Jugendlichenalter in Hinblick auf eine mögliche ADHS-Veranlagung untersucht wurde.Somit denken auch heute noch zu wenig Ärzte und Psychotherapeuten an die Möglichkeit, dass die aktuelle Problematik der Patienten durch eine fortbestehende ADHS mitbestimmt sein könnte.

Schliessen nun „biologische Ursachen“ (Fehlregulation im Bereich der Dopamin-Transporter) psychische Erklärungen aus ? Nein, natürlich nicht! Aber sie können eben auch psychotherapeutische Sichtweisen ergänzen, ja aus meiner Sicht besser erklären.

Ein Individuum reguliert seine Anpassung an sein soziales Lebensumfeld dadurch, dass es den Erfolg von seinem Verhalten und dem Fortschritt seiner Fähigkeiten ständig anhand der eigenen Wahrnehmung überprüft, also ein fortlaufend rückgekoppelter Lernprozess stattfindet. ADHS-Kinder erleben in hohem Grad eine Instabilität in ihrem eigenen Erleben, leiden unter sozialen und emotionalen Entwicklungsstörungen, gestörten Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsfunktionen und wachsen häufig in einem entsprechend instabilen Umfeld mit selber betroffenen ADHS-Elternteilen auf. Es muss ihnen so ungleich schwerer fallen eine verlässliche Bindung zu Bezugspersonen aufzubauen oder höhere Lernprozesse (wie Zuwendungslernen und Verstärkungsprozesse, Modelllernen oder auch sprachlich vermittelte Regeln und Rollenerwartungen) zu erwerben. Vielmehr ist eine chronische Fehlanpassung bei deutlich erschwerten Anpassungsbedingungen die Regel, so dass eher ein Lernen über Versuch und Irrtum oder aber eine dysfunktionale Anpassung an äußere Rollenmodelle (soziale Randgruppen) erfolgt oder aber es zu Fehlverhalten mit aggressivem oder oppositionellem Verhalten kommt. Es gelingt den Kindern so nicht in einem sicheren Bezugssystem stabile Ressourcen zur Alltagsbewältigung und selbstbestimmten Handlungssteuerung zu erwerben.

Fehlen oder verändern sich wichtige günstige (protektive) Faktoren wie strukturiertes und stabiles familiäres Umfeld (z.B. Tod einer wichtigen Bezugsperson wie der Grossmutter), stabiler Freundesreis, Förderung individueller Interessen und Herausforderungen, günstige Lehrer-Kind-Interaktion so kann die Persönlichkeitsentwicklung des ADHS-Kindes damit zusätzlich nachhaltig gestört sein. Für viele Menschen mit ADHS sind inbesondere negative Lernerfahrungen (bei häufig gleichzeitig bestehenden Lern- und Teilleistungssstörungen) und negative Rückmeldungen der Familie und des sozialen Umfeldes mit ständiger Ermahnung alles andere als identitätsstiftend : Nicht Anerkennung und Erfolge, sondern wiederholte Misserfolge in der Bewältigung scheinbar trivialer Alltagsanforderungen kennzeichnen häufig ihre Entwicklung und tragen zu einer negativen Selbststeuererung und fehlenden Selbstwirksamkeitserwartung bei. Hohe Reizoffenheit und emotionale Empfindsamkeit führen gerade in Gruppensituationen zu einem Überforderungs-gefühl und sozialem Rückzugsverhalten.
Die lebenslange Erfahrung von ADHS bedingten Verhaltensstörungen und damit verbundenen Problemen können zu ernsthaften Selbstwertproblemen und Spannungen in den familiären und sozialen Beziehungen führen. In der klinischen Praxis fallen besonders jüngere Patienten (18 bis 40 Jahre) auf, die u.a. wegen affektiver Störungen oder Überforderungssymptomen (z.B. „Burn-out" oder Schlafstörungen) oder unklarer Beschwerdesymptomatik mit wechselnden depressiven Verstimmungen auf übliche medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlungsangebote nicht ansprechen. Im klinischen Setting ist bei ADHS-Patienten eine komorbide Depression bei ca 30%, im ambulanten Bereich bei 16 % festgestellt worden. Andererseits wurden bei bis zu 16-50% ambulant auf Depressionen behandelter Patienten (in den USA) Hinweise auf ein ADHS gefunden! Es ist also davon auszugehen, dass gerade bei stationären psychosomatischen Patienten eine ausgesprochen hohe Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines klinisch relevanten ADHS-Syndroms als komorbide Diagnose besteht. Ich sehe daneben viele Kinder (vom unaufmerksamen Subtyp der ADHS), die eine psychogene Essstörung und z.B. eine Adipositas aufweisen. Daneben sind halt viele Patientinnen mit „Persönlichkeitsstörungen“ komorbid ADHS-Betroffen.

Bei uns ist zumindest die medikamentöse Therapie in vielen Fällen der Schlüssel zur erfolgreicheren Psychotherapie. Schlicht und ergreifend, weil die ADHSler jetzt besser folgen können, die innere Unruhe („Flipper im Kopf“) weniger wird und auch endlose Grübelleien wegfallen.

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Na Branden, hinsichtlich Abwehrmechanismen würde ich mal vor der eigenen Haustür kehren …

Lies Dir nochmal deine Postings in Hinblick auf „Sachlichkeit“ durch und dann diskutieren wir weiter…

Martin

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Ja +
Hallo Martin,

erstmal danke für Deine Antwort.

Nutze die Archivfunktion und Du wirst sehen, dass ich mehr als
einen Beitrag zu ADHS verfasst habe und auch sonst recht aktiv
hier im Forum auf Fragen poste.

Aber, martin, das habe ich doch schon längst getan - sonst wäre mir ja ausgerechnet Dein Beitrag nicht wichtig gewesen.

Zudem könntest Du dich unter www.adhs.ch ein wenig über ADHS
informieren.

Habe ich natürlich auch getan aber in diesem speziellen Fall konnte ich dort insgeamt keine Hilfe herauslesen. Aber das liegt wohl am Aufbau und am Fall selbst.

Was ich persönlich sinnlos finde, ist eine „Diskussion“ auf
dem Niveau „wir sehen mal ADHS als Mode“ an.

Schon klar.

Wir verfolgen sowohl
eine interaktionsbezogene Arbeit zwischen Mutter und Kind(ern)
wie auch die medikamentöse Therapie. Das Vorurteil, dass die
Mütter den Kindern zu wenig Aufmerksamkeit schenken ist
falsch. Aber es besteht häufig ein Interaktionsproblem, da die
Mütter und die Kinder ADHS-Anteile haben. Dies beeinflusst die
Erziehung und Lebensbedingungen der Familien (häufigere
Scheidungen, starke finanzielle Sorgen, Suchtprobleme) bzw. es
fehlen auch positive Erziehungsmodelle, da eben die Mütter in
ihrer Kindheit ebenfalls in „auffälligen“ Familien lebten.

Dies und auch der folgende ausführlich erläuternde Text bringt mir in der Tat neue und hochinteressante Sichtweisen. In der Tat war es wohl so, dass bereits die Mutter in wirklich schwierigen Verhältnissen aufwuchs. Ich werde die Sache, vor diesem Hintergrund, weiter beobachten.
Aber nach wie vor, und in Übereinstimmung mit Brandens Aussage, bleibt mir selbst, als Aussenstehender (selbst wenn es in der Verwandtschaft ist) wohl kaum eine Möglichkeit. Ich kann wohl tatsächlich nur zusehen - vielleicht nochmal versuchen das Gespräch mit der Mutter zu führen und vorsichtig mal „anklopfen“ ob sie sich vorstellen könnte, dass es Zusammenhänge mit ihrer eigenen Geschichte gäbe. Sollte ich dies wirklich wagen? Oder stosse ich sie dann dermassen vor den Kopf (unter der vorsichtigen Annahme, dass sie vielleicht selbst bestroffen sein könnte - nicht als Mutter, da ist sie mit Sicherheit „betroffen“, sondern als „möglicher Patient“), dass auch sie sofort wieder „zumacht“???

Vielleicht könnt ihr, d.h. Du und auch Branden, mir dazu noch was sagen.

Ich danke Dir für Deinen Beitrag

Freundliche Grüsse
Anonym

Lies Dir nochmal deine Postings in Hinblick auf „Sachlichkeit“
durch und dann diskutieren wir weiter…

Brauch ich nicht, Martin, hab ich in etwa im Kopf.
Meine Postings waren durchweg sachlich gehalten. mEIN ERSTES ZU DIESEM THEMA BEZOG SICH AUF EINE GERADE GEFÜHRTE dISKUSSION MIT EINER Kollegin. Diesen Inhalt hatte ich kurz dargestellt. Danach traf die Lawine der „Beleidigten und Entrechteten“ ein, für die ich mich schlichtweg nicht ganz verantwortlich fühle.
Gruß, Branden

@ Gunter
Hallo Gunter,

Ich kenne weder ADS, noch AHDS und weiss auch nicht, was
er/sie/es ist.

Wusste ich auch nicht. Also versuchte ich mich kundig zu machen:smile:

Was Du ansonsten in bester Satire beschreibst, ist m. E. eines
unserer großen gesellschaftliche Probleme: die allgemeine
Volksverdummung.

Nein, ich glaube ganz so einfach ist das nicht.

Was PISA und andere Untersuchungen belegen, ist m. E. nicht
nur das Versagen des deutschen Schulsystems, sondern ein
Armutszeugnis für Eltern und die ganze Gesellschaft darum
herum.

Deine Einschätzung scheint mir nicht so ganz verkehrt.

Trotz (oder wegen?) umfangreichster Informationen aus
„Dschungelcamp“, aktuellen Neuigkeiten aus dem „BB-Container“
und aktiver Beteiligung an „DsdS“ verblöden die Leute immer
mehr. Dass Kindererziehung und allgemein Bereitschaft zu
Verantwortung dabei zu kurz kommen, ist fast zwangsläufig.

Was ist „Dschungelcamp“?
Was ist „BB-Container“?
Was ist „DsdS“?
Deiner Formulierung entnehme ich, dass es sich um irgendwelche Therapieeinrichtungen handelt, oder? Seltsamerweise bringt Goggle bei „Dschungelcamp“ nur lauter dummes Zeugs (sind wohl mal wieder einem Hackerteeny zum Ofer gefallen. Na ja, das haben die schnell wieder in Ordnung gebracht. Ich versuchs dann eben später nochmal über Google).

Danke für Deinen Beitrag
Anonym

aber meine Herren,
ich darf doch bitten.

Freundliche Grüsse
Anonym

aber meine Herren,
ich darf doch bitten.

Freundliche Grüsse
Anonym

Hallo Ray!

Ob und in welcher Form die Mutter oder das Familiensystem „Ratschläge“ annimmt, ist natürlich die eine (entscheidende) Frage. Aber in aller Regel ist es doch so, dass schon die Nachbarn, Familienmitglieder, Lehrer, Hausarzt und weiss-der-Teufel-wer es mit guten Tips versucht haben. Genau deshalb stört mich dieser Thread ja auch, weil schlicht lauter Hobby-Pädagogen sich berufen fühlen.

In der klinischen Praxis (Mutter-Kind Schwerpunkt) sehen wir häufiger Mütter, die aus entsprechenden Familien (oder Z.n. Traumatisierungen) stammen. Und dann zusätzlich eben „Schreibabys“ oder „herausfordernde“ Kinder haben. Mir fällt auf, dass ihnen halt viele stabilsierende Faktoren (auch in ihrem sozialen Umfeld) fehlen. Alle guten Ratschläge sind dann aber in etwa so hilfreich wie die Aufgabe, ein Zelt mitten im Orkan aufzustellen. Wir versuchen es trotzdem, d.h. mit den Müttern wir in der Müttergruppe Erziehungsverhalten besprochen und trainiert, wir machen Video-Interaktionsanalysen und spezielle Trainings. Die Kinder werden durch Kinderpsychologen gesehen und behandelt, zusätzlich gibt es ein sport- und kunsttherapeutisches Angebot oder therapeutisches Reiten.
Gerade eben habe ich den Rückruf eines Jugendamtes für eine solche Mutter erhalten. Dem Sohn hatte ich hier bei ADHS und Störung des Sozialverhaltens u.a. eine Methylphenidattherapie empfohlen. Der Vater war erst einverstanden, dann hat er das Kind aus der Klinik geholt. In der Schule war es erst mit Methylphenidat deutlich besser. Jetzt habe angeblich der Hausarzt die Medikation ganz gestoppt. Das Chaos geht wieder los, die Rückmeldungen in der Schule seien katastrophal (nachdem erst die Lehrer meinten, der Junge sei doch so „normal“, der brauche keine Medikation) und zu Haus herrscht das Chaos (nicht nur wegen der Frage ADHS). Ist also das Chaos zu Haus die Ursache für die Verhaltensprobleme des Kindes ? Sicher ein / der wesentliche Faktor. Aber mit der Medikation könnte bzw. konnte man zumindest das Chaos in solche Bahnen lenken, dass das Kind über mehrere Stunden in der Schule und am Nachmittag gute Sozialkontakte mit Freunden und Erfolgserlebnisse hatte. Trotz der Familienstruktur.
Was ich bei dieser Familie nicht gemacht hatte (sonst aber häufiger berücksichtige) : Die Mutter bliebt mehr oder weniger medikamentös unbehandelt, obwohl sie auch deutliche ADHS-Anteile hat. Wir dachten, dass Familienhelferin und weitere psycho-soziale Massnahmen ausreichend seien. Waren sie nicht. Psychotherapie? Gute Idee, macht die Mutter auch schon längere Zeit. Erziehungsberatungsstellen : Die habe resigniert.

Familienhilfe bzw. Betreuungen vor Ort sind die eine Möglichkeit, gerade auch die Kinder (z.B. durch Tagespflegegruppen oder Kinderhorte) zu schützen. Leider sind aber längst nicht alle Familien dazu bereit (und längst nicht alle Jugendämter wirklich eine Hilfe). Gerade in den letzten Wochen haben wir 3 solcher Familien dann betreute Wohneinrichtungen empfohlen. Da haben die Mütter eingesehen, dass es so nicht weiter gehen kann. Leider werden dann aber vom Jugend- bzw. Sozialhilfeträger die „horrenden“ Kosten für eine solche Massnahme nicht getragen bzw. es verschleppt. Bei einer dieser Familien ist es jetzt zum Politikum geworden. Dabei hätte diese Mutter (Z.n. fortgesetztem schweren sexuellem Missbrauch) es wirklich nötig gehabt.

Schönes WE (fahre nach Göttingen zur Fortbildung über ADHS)
Martin

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