Der Negerkönig in Pipi Langstrumpf

Hallo ,

ich habe gestern Hart aber Fair geschaut. Dort ging es unter anderem darum , ob man den Negerkönig , in Pipi Langstrumpf ersetzen soll, durch Südseekönig.
Ich persönllich finde, es sollte auf jeden fall ersetzt werden. Unter anderem , da ich es höchst fragllich finde , wie man Kindern das erkären soll , was es mit diesem Begriff auf sich hat.
Ich weiß nicht genau in welchem alter man Pipi langstrumpf schaut. Aber ich glaube das , es kein gutes alter die Kinder damit zu konfrontieren.
Es soll ja schließlich ein Kinderbuch sein und kein Gedenken an eine Dunkle Zeit in der Geschichte .
Wie seht ihr das ?

VG

Ich sehe es ähnlich. Pippi Langstrumpf ist Kinderunterhaltung und daher ist für mich diese Änderung nachvollziehbar. Es ist weder für die Geschichte noch für das Werk an sich von Bedeutung, dass dieser Begriff erhalten bleibt.

Anders sehe ich es zB bei Huckleberry Finn, aber das ist eben ein anderes Thema.

Warum denn Südseekönig? Das ist auch irgendwie … auf die herkunft reduzierend. Ich hab schon an der Nord- und an der Ostsee Neger*Innen gesehen!

Kindern kann erklärt werden, dass man früher Bezeichnungen für Gruppen von Leuten hatte, die diese aber nicht mögen, weil die Nenner damit gleich eine schlechte Eigenschaft verbanden, also Vorurteile schufen. Deshalb möchten die Leute nicht so genannt werden und das kann man ruhig akzeptieren.

Deshalb muss man aber kein Kinderbuch von früher entsorgen. Man kann das Thema ruhig aufgreifen, auch wenn es um Zigeuner , so genannte Irre, oder was weiß ich wen geht.

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Jmd auf die herkunft „reduzieren“, find ich nochmal was anderes . Als einen Begriff zu nehmen , der in Zusammenhang mit einer Rassentheorie steht. Wie will man das Kindern erklären. Glaubst du kinder können mit so einer Erklärung verantwortungsbewußt umgehen ??

Viele Grüße

Hallo,
sehe ich auch so - „Negerkönig“ soll er nicht mehr genannt werden, aber es bleibt weiterhin die Frage, warum seine „Untertanen“ allesamt schwarz sind und warum ein alter, weißer Mann dort König wurde und wie diese schwarzen Menschen in die Südsee kamen.- womit wir wieder beim eigentlichen Thema "Rassismus in der Geschichte"wären
und da ist Pipi Langstrumpf nun wirklich das harmloseste Beispiel.
Gruss
Czauderna

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Die Bezeichnung Neger ist bei uns ja GsD bei weitem noch nicht so negativ behaftet wie in USAkistan Nigger.
Wenn man da aber auch andere Wortentwicklungen über die Zeit hin verfolgt, stellt man auch fest, dass so manches, was man sich vorher so schön ersonnen hat, dann doch wieder an Wert verliert und man schlussendlich wieder genauso weit ist.

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Und dazu verdeutlichen, dass die Leute früher auch keine bösen Menschen waren, weil sie diese Begriffe benützten, sondern sich nicht soviele Gedanken gemacht haben und die Verwendung der genannten Bezeichungen noch öffentlich toleriert, also bei weitem nicht so (mit Berechtigung) anrüchig waren, wie es heute der Fall ist.

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Servus,

wer Literatur nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte Literatur sich verschafft oder in Umlauf bringt, wird mit Harry Potter nicht unter sieben Bänden bestraft.

Und wer Astrid Lindgren am Zeug flicken will, sollte ihr erstmal wenigstens an die Knie reichen. Leseempfehlung, um einen Zugang zu dieser großartigen Person und Persönlichkeit zu finden: „Die Menschheit hat den Verstand verloren - Kriegstagebücher von Astrid Lindgren“.

Moral: Quäle nie ein Buch zum Scherz,
denn es fühlt wie Du den Schmerz.

Schöne Grüße

MM

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Hallo,

angesichts des klimabedingten Absaufens etlicher Südseeinseln sollte man auch gleich die Insel weg korrigieren.
Zum Thema Klima werden die Kinder mit Sicherheit mal nachfragen, was wir getan haben. Dann können wir zumindest auf die Änderungen bei Pippi hinweisen.

Gruß,
Paran

ich nciht, andere Zeiten und Kulturen andere Wortbedeutungengen, so tolerant sollte man als aufgeklärter Mensch sein, wäre ja allerhand wenn man mir den Mohr verbieten würde.

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„Simple Geister, simple Lösungen!“ Statt sich mit Hintergründen differenziert auseinanderzusetzen, Kindern die Chance zu geben, hieraus etwas zu lernen, sich dabei selbst und die eigenen Vorfahren dann ggf. auch berechtigter Kritik auszusetzen, betreibt man lieber orwellsche Geschichtsglättung.

Ich halte das für eine extrem gefährliche und ungute Tendenz. Sprache und Begrifflichkeiten entwickeln und ändern sich. Das gilt auch für das Verhältnis und Verständnis anderer Kulturen. Und wir sind da heute noch lange nicht am Ende jeglicher Entwicklung, und auch über uns heute werden kommende Generationen richten. Da sollten auch wir darauf hoffen, dass unsere Nachkommen dann in der Lage sind, uns in unserem dann damaligen Kontext zu sehen, und nicht platt ihre aktuellen Maßstäbe anlegen.

Es gab schon immer Dinge, die auch im Verständnis ihrer Zeit zu verurteilen waren, und wenn wir diese heute weiterhin verurteilen, dann gibt es da auch keinen Konflikt. Aber es gibt eben auch Dinge, bei denen man aus dem Verständnis ihrer eigenen Zeit heraus, sich besser mit Verurteilung und nachträglicher Geschichtsglättung zurückhalten, und sich auf genau diese Erklärung des historischen Kontextes beschränken sollte, weil sie im Verständnis ihrer Zeit nicht absichtlich herabwürdigend und vorsätzlich diskriminierend gemeint waren, sondern einfach nur Spiegelbild des Verständnisses ihrer Zeit sind.

Zudem darf man nicht vergessen, dass gerade Kinderbücher natürlich auch je nach Alter der Leser mehr oder weniger vereinfachend sind, und daher zwangsläufig eher plakative Darstellungen verwenden müssen. D.h. gerade von einem Kinderbuch für eher kleinere Kinder sollte man einfach nicht erwarten, dass sie große kulturhistorische Differenzierungen bieten.

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Ich glaube Kinder lernen eher durch Erfahrung nicht durch abstrakte Erklärungen.

Viele Grüße

Ich halte überhaupt nichts von solchen „Bereinigungen“ der Sprache.

Es kommt immer auf die Verwendung von Begriffen an und was der Nutzer Aussagen möchte. „Neger“ war in meiner Kindheit ein ganz normales Wort und überhaupt nicht überproportional negativ behaftet. Ein guter Schulkumpel war selbst ein solcher, sein Vater hatte eine Professur und war an der hiesigen Universität beschäftigt. Auch er nutze diesen Begriff ganz normal und beim Biss in einen heute so genannten „Schaumkuss“ betonte er sogar „lecker Negerkuss“.

Aus meiner Sicht wird Sprachbereinigung von jenen betrieben, die nicht bereit sind, das eigentliche Problem des Rassismus anzugehen. Das hat für mich eher was von „was ich nicht sehe, gibt es auch nicht“. Die zweite relevante Gruppe, die solche Wörter entfernt sehen wollen, sind Rassisten. Angehörige der ersten Gruppe sollten sich gut überlegen, ob sie die zweite Gruppe implizit unterstützen wollen.

Zudem kann bei den Kleinen über diese Geschichten sehr gut frühzeitig ein Bewusstsein für die Problematik schaffen. Man muss als Elternteil die Aufklärung bloss altersgerecht verpacken.

Zu guter Letzt finden diejenigen, die den Begriff destruktiv nutzen wollen, schnell einen anderen Begriff, den sie verdreht verwenden können.

Fazit: Aus meiner Sicht ist eine solche „Bereinigung“ nur Augenwischerei und somit kontraproduktiv.

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Wie stellst Du Dir denn vor, Kindern Kolonialgeschichte, Sklaverei, … heute durch „Erfahrungen“ beizubringen? Ja, man kann mal in ein didaktisch gut aufgebautes Museum gehen, die ein oder andere gut gemachte Doku zeigen, tolle interaktive Computerspiele basteln, … Aber auch die verpacken doch nur die Erklärung und ersetzen sie nicht wirklich durch aktuelle Erfahrung. Du kannst schlecht ein Kind hungern lassen, es gefesselt zu mörderisch harter Arbeit abstellen, seine Eltern ermorden, … damit es „Erfahrung“ sammelt.

Aber man hat die Alternative seinen Kindern Erfahrung dahingehend zu vermitteln, wie die Elterngeneration mit Konfliktthemen umgeht. Entweder, indem man sie bis zur Unkenntlichkeit zukleistert, aus dem eigenen Leben bestmöglich ausklammert, … oder dass man ihnen gegenüber offen und ehrlich damit umgeht, Dinge erklärt und in den richtigen Kontext stellt, …

Da das „zukleistern“ ohnehin nur bis zu einem gewissen Grade und Alter funktioniert, sollte man sich mal überlegen (Orwells 1984 sei zur Lektüre empfohlen), was in diesen beiden Alternativszenarien passiert, wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist. Wie werden sie dann das Verhalten von Eltern bewerten, die so ein Thema immer schon verdrängt haben, und wie das Verhalten von Eltern, die ihnen gegenüber immer offen und ehrlich waren?

Wir haben in Deutschland doch nun mehr als genug Erfahrungen mit geglätteten Familiengeschichten, die dann irgendwann mal aufgeflogen sind. Fanden die Nachkommen es toll, so „geschützt“ worden zu sein? Oder waren sie regelmäßig eher bitter darüber enttäuscht, dass man ihnen keinen reinen Wein eingeschenkt hat?

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möglichst gar nicht und das Thema weitesgehend umgehen . Bis sie in einem Alter sind wo sie es besser verstehen können.

Das mit dem „Umgehen“ dürfte in einer recht bunt gemischten Kindergartengruppe oder Grundschule doch etwas schwierig sein. Ich wollte jedenfalls nicht, dass meine Kinder sich gegenüber Kindern mit dunklerer Hautfarbe als „Negerkönige“ aufspielen, und habe ihnen daher frühestmöglich erklärt, was es mit der Darstellung von Schwarzen in älterer Literatur, Filmen, … auf sich hat, dass wir das heute anders sehen. und sie ihre Gruppenmitglieder und Klassenkameraden bitte auf Augenhöhe behandeln, auch wenn wir gerne mal über in einem älteren Film darüber lachen, wenn dort Schwarze nicht immer als die hellsten Kerzen auf der Torte dargestellt werden.

Hat gut geklappt. Dass die zwischenzeitlichen engeren Freundschaften zu Kindern mit dunklerer Hautfarbe nicht mehr bestehen, ist der normale Gang der Dinge gewesen, und hat nichts mit Hautfarben zu tun gehabt.

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Wie Du auf „abstrakt“? Du bist der Erste in diesem Threads, der in die Kinderbücher überhaupt eine Erklärung reindefiniert.

Es geht hier lediglich um die Verwendung eines Begriffs und nicht die Erklärung dazu. Bestenfalls fragt das Kind, was mit einem Begriff gemeint ist. Andernfalls kann der Erwachsene zu einer passenden Gelegenheit fragen, ob das Kind was mit dem Begriff anfangen kann.

Du unterschätzt Kinder ganz schön.

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Ich finde auch, Pippi Langstrumpf ist so ein schwieriges Thema… Neben dem N-Wort reproduziert die Geschichte ja auch koloniale Machtstrukturen (die Kinder dort halten Pippis weiße Haut für „reiner“,…). Das N-Wort sollte meiner Meinung nach auf alle Fälle ersetzt werden, aber die Frage ist, wie sehr man da in ein Werk eingreifen sollte und darf…
In der Uni hatten wir eine lange Diskussion, wie man damit umgehen sollte. Eine Möglichkeit wäre auch, Pippi Langstrumpf erst später zu lesen, sodass man mit den Kindern dann darüber sprechen kann und erst mal modernere, intersektionale Kinderbücher zu lesen. Da wir alle mit Pippi Langstrumpf aufgewachsen sind, ist das natürlich nicht wirklich die Idealvorstellung.

Ich finde das Thema super schwierig und sehe da auf jeden Fall keine eindeutige Lösung…

Ab welchem Alter meinst Du denn, dass es verstanden werden kann?

Nein Pippi ist kein schwieriges Thema!

„Wer Astrid Lindgren am Zeug flicken will, sollte ihr erstmal wenigstens an die Knie reichen“ schrieb Aprilfisch.
Den Satz kann ich nur dick unterstreichen. Im Einzelnen:

  1. Pippi ist ein Buch, kein Film! Die meisten Erwachsenen, die über Pippi sprechen, haben die Filmbilder im Kopf. Dies verbaut ihnen die Erinnerungen zu ein Buch, welches zu den besten Kinderbüchern gehört, die je geschrieben wurden und eigentlich nicht verfilmbar ist (wie jedes gute Buch).

  2. Bei vielen Menschen, die über Pippi diskutieren, frage ich mich wie gut sie kennen, worüber sie sprechen. Das Buch hat drei Bände. Erst im dritten Buch reist Pippi ins Taka-Tuka-Land. Der Vater als Negerkönig ist im ersten Buch nur eine (vielleicht in zwei oder drei Sätzen erwähnte) Vorstellung Pippis, im zweiten Band kommt er erst ganz zum Schluss in den Ort, in dem Pippi lebt. Also: Wer Skrupel hat, lese sich mit seinen Kindern erst einmal durch Band 1 und Band 2 (zur Not ohne Schluss). In diesen Bänden (und sogar noch im ersten Drittel von Band 3) geht es um tausend witzige, ironische, gesellschaftskritische, emanzipatorische, absurde kindgemäße Themen, aber nicht ein einziges Mal um Diskriminierung von Schwarzen!

  3. Der Satz mit der weißen Haut geht so, ich zitiere (S. 103 meiner Ausgabe):

Aus irgend einem unbegreiflichen Grund bildeten sie sich ein, dass weiße Haut viel feiner sei als schwarze…“

Und kurze Zeit später springt Pippi, als die schwarzen Kinder vor ihr niederkieen, von ihrem Thron zu ihnen auf den Boden, weil sie denkt, sie würden „Sachensucher“ spielen.

Wer die gesellschaftskritische Ironie Lindgrens hier nicht erkennt („Aus irgend einem unbegreiflichen Grund“ - heftiger konnte Lindgren mit dem Zaunpfahl nicht winken!), wer nicht erkennt, dass Lindgren hier gerade gegen die damals zeittypischen Klischees schreibt und sich über sie lustig macht… der kann in Talksshows mit seinem Unwissen brillieren, aber nicht in literarischen Diskussionen ernst genommen werden.

  1. In Pippibüchern können Kindern u. a. lernen,
  • selbstbewusst für sich selber zu sorgen und der Welt gegenüberzutreten
  • dass Mädchen nicht brav, leise und gehorsam sein müssen (Annika ist so, damit Pippi sich umso deutlicher von ihr abheben kann)
  • dass Kinder das Recht haben, von Erwachsenen gehört und ernst genommen zu werden
  • dass es nicht auf das Aussehen ankommt (Pippis rote Haare, ihre viel zu großen Schuhe, der dicke Vater…)
  • dass es wichtig ist und gut tut, anderen Menschen zu helfen
  • dass man keinesfalls alles machen kann, was man will (das dämliche Pippi-Lied verführt hier zu einer falschen Interpretation)
  • dass es keinesfalls sinnvoll ist, ängstlich sich den Vorschriften der Gesellschaft zu beugen und nicht aufzufallen

Karl

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