Hallo Harald,
das kommt jetzt darauf an, ob Du die Betonung auf ich
oder auf will legst.
Glauben ist zuerst einmal Willenssache. Ich muss mich
entscheiden, ob ich glauben will oder nicht.
Also sagen wir mal so: Ich will nicht einfach irgendetwas glauben. Ich leite meine Überzeugungen von Beobachtungen und Erfahrungen ab und versuche festzustellen inwieweit sie mit der Realität kompatibel sind (z.B. weil Verhaltensweisen die aus den Überzeugungen resultieren erfolgreich sind). Ich bin damit immer gut gefahren. Die meisten der christlichen Glaubensinhalte lassen sich entweder nicht mit meinen Erfahrungswerten belegen oder widerpsrechen ihnen sogar. Und daher glaube ich sie nicht und will auch nicht, weil es nach meiner Auffassung ziemlich dämlich wäre, an etwas zu glauben, das den eigenen Erafhrungen widerspricht. Das heißt aber nicht, dass andere Menschen nicht andere Erfahrungen haben können und das ist dann deren Sache.
Aber es bleibt die Möglichkeit, dass beides zusammentrifft.
Ich möchte z.B., dass die Sonne scheint. Warum sollte das
nicht eintreffen?
Weil je nach Breitengrad die Chance auf Sonne durchaus realistisch ist. Für ein Leben nach dem Tod gibt es dagegen keinerlei Beleg und deshalb halte ich die Chance, dass es so etwas gibt, eben für sehr gering.
Die Chancen stehen 50:50.
Entweder das Leben geht nach dem Tod weiter oder nicht.
Die Varianten wie das Leben nach dem Tod aussehen
könnte, sind vielfältig. Aber darum geht es hier ja nicht.
Es gibt zumindest deutliche Hinweise darauf, dass es kein Leben nach dem Tod gibt. Diese Diskussion würde aber zu weit führen. Allerdings würden viele natürlich Vorgänge gar keinen Sinn mehr machen (z.B. Evolution, Fortpflanzung, Weitergabe von Genen…), wenn es so etwas gäbe. Warum sollten Individuuen auf diese Weise etwas von sich weitergeben, wenn sie doch sowieso weiterleben? Macht irgendwie keinen Sinn.
Es ist eben nicht reines Wunschdenken. Es besteht die
Möglichkeit (50%), dass die Aussagen der Bibel über ein Leben
nach dem Tod wahr sind.
Wie gesagt, ich schätze die Wahrscheinlichkeit sehr viel geringer ein als 50%. Sogar sehr viel geringer als die Chance auf einen Lottogewinn. Aber das ist eben meine persönliche Überzeugung.
Ich hänge nicht mehr an diesem Leben, seit ich weiss, dass es
danach viel besser sein wird.
Der Gedanke, dass ich mich irren könnte, ist mir jedoch nicht
unangenehm.
Na, dann viel Spaß auf Wolke 7.
Wenn das Bewusstsein weg ist, ist es wie ein Schlaf.
Nein, das hat mit Schlaf nichts mehr zu tun. Die Teile des Gehirns, die unser Bewusstsein beinhalten, sind vorübergehend ausser Betrieb gesetzt. Und wenn diese Teile nicht mehr arbeiten, dann ist da nichts mehr. Man existiert in dieser Zeit nicht! Ist vielleicht ein bisschen schwer das zu verstehen, wenn man es nicht erlebt hat. Jedenfalls ist es etwas völlig anderes als Schlaf. Und im Tod ist das Gehirn dauerhaft, komplett weg.
Aber wenn die Seele den Körper verläßt und Du Dich selber am
Krankenbett liegen siehst und dann auf eine Reise ins Licht
gehst, von der Du plötzlich zurückgeholt wirst, weil es
gelungen ist, Dich wiederzubeleben, dann ist das ganz etwas
anders.
Ich glaube nicht an eine Seele, die unabhängig vom Körper existiert. Ich denke, dass solche Wahrnehmungen dadurch verursacht werden, dass man eben doch am Rande des Bewusstseins noch ein bisschen etwas mitbekommt. Klinisch Tod bedeutet ja „nur“ einen Herzstillstand. Das Gehirn kann da schon noch ein paar Eindrücke auffangen oder irgendwelche wilden Traumbilder produzieren.
Das sehe ich anders.
Das Leben jetzt dauert ca. 80 Jahre, das Leben danach dauert
eine Ewigkeit.
Ich sehe das Leben nach dem Tod genauso wie das Leben vor der Geburt. Da gab es auch nichts, was sehr lange gedauert hätte.
Ich nütze meine Zeit sinnvoll, glaube ich.
Ist es sinnvoll, 40 Stunden / Woche mit Arbeit zu vertrödeln?
Kommt drauf an, was man arbeitet. Ich halte meine Arbeit durchaus für sinnvoll, weil ich im Sozialbereich tätig bin und damit andere unterstützen kann.
Aber wenn Du nicht weisst, ob es da Fische gibt?
Ich meine, es gibt ja auch keine Garantie, dass es kein Leben
nach dem Tod gibt.
Aber man kann die Hinweise ernst nehmen, die in die Richtung deuten, dass es dort keine Fische gibt. Z.B. wenn man zwar schon viele Angler gesehen hat, aber noch nie einen, der tatsächlich einen Fisch in diesem Gewässer gefangen hat.
OK, aber wenn Gott nicht existiert, wer antwortet mir dann?
Es ist ja nicht so, dass das Gebet eine Einbahnstrasse ist. Es
ist ein Dialog.
O.k, hm. Vielleicht sollte ich doch mal wieder mit dem dicken lila Kanninchen sprechen, dass mir dauernd hinterherläuft
). Nichts für ungut, ich will dich nicht beleidigen, nur zeigen, dass das menschliche Gehirn viele Eindrücke erzeugen kann, wenn man nur überzeugt genug ist. Da antworten dann alle möglichen Leute, existieren die auch alle wirklich?
Man kann es Überzeugung nennen oder Sturheit, kommt nur auf
den Blickwinkel an.
Würdest Du Dich vom Gegenteil überzeugen lassen?
Da musst du schon sehr gute Argumente haben, z.B. Konkrete Anhaltspunkte und wissenschaftlich haltbare Belege. Alles andere kommt gegen meine gesammelten Lebenserfahrungen nicht an. Auch kein noch so dickes, altes Buch.
Viele Grüsse,
Lisa