Hallo Ralf,
jetzt lass uns doch mal aufhören, Nebelkerzen zu werfen und
vom Stöckchen aufs Steinchen und damit immer weiter weg vom
Diskussionsgegenstand zu kommen. Worum geht es denn? Es geht
um dieses Deschner-Zitat:
„So vernichteten Trierer Christen bereits um 336 den großen
Tempelbezirk im Altbachtal, vermutlich auf Initiative des
Ortsbischofs… und des damals in Trier lebenden Hl.
Athanasius. 50 Kapellen mit nordischen Göttern, ein Theater
für Kultspiele und ein Mithrasheiligtum wurden dem Erdboden
gleichgemacht. In Bonn zerschlug man Weihealtäre der
aufinianischen Matronen… usw. usf.“ (Kriminalgeschichte des
Christentums, IV, 40)“
… und um Deinen Kommentar dazu:
Hummm … da wird es etwas nebulös, findest Du nicht? Der Hl.
Athanasius oder auch Athanasius der Große residierte in Alexandria.
Der hat Trier nie betreten und wußte wohl nicht einmal von dessen
Existenz.
Halten wir fest: „Der Hl. Athanasius oder auch Athanasius der
Große“ war zweifelsfrei 336 in Trier. Trier war bereits
259-274 Hauptstadt des von Postumus begründeten gallischen
Sonderreiches, ab 293 Sitz des Cäsars Constantius Chlorus
(eines der vier Tetrachen) und damit Verwaltungszentrum für
Spanien, Gallien und Britannien; eines der vier von einem
Tetrarchen regierten Reichsteile. Mit etwa 60.000 Einwohnern
war Trier die größte Stadt nördlich der Alpen. Rom, Alexandia,
Antiochia, Karthago usw. usf. mögen bevölkerungsreicher
gewesen sein, sind aber in diesem Zusammenhang
(Verwaltungszentren der Tetrarchie) völlig irrelevant. Wieder
so eine Nebelkerze von Dir, Ablenkung auf völlig unerhebliche
Details. Jedenfalls ist Deine Behauptung
Der hat Trier nie betreten und wußte wohl nicht einmal von dessen
Existenz.
nicht nur falsch, was den ersten Halbsatz angeht sondern auch
ein krasser Anachronismus, was den zweiten angeht. Sie zeigt,
wie viel Du über die Geschichte des 4. Jahrhunderts weisst und
mit welcher Sorgfalt Du Deine Kritik an Deschner - die auf den
Vorwurf platter Geschichtsfälschung hinausläuft - formuliert
hast.
Liebes Kind, hör auf zu weinen! Also schön, er war in Trier. Und? Du hast es wohlweislich unterlassen, den Rest der Punkte, die mir zweifelhaft erschienen, hier nochmal anzuführen. Kein Wunder, bei einem Lehrmeister wie Deschner. Hast Du nicht selbst von dem sehr hübschen Mithrasstein geschrieben? Ich warte immer noch auf eine Antwort auf die Frage, wie der die Zerstörung des Heiligtums überlebt hat. Also, wir haben die Zerstörung von 50 Tempeln (ohne Frage nach der Berechtigung das zu tun), aber keine Brandspuren, einen hohen Erhaltungsgrad des Mithrasheiligtums und weiter Tempelteile. Aber Du starrst wie ein hypnotisiertes Karnickel auf Athanasius, reitest im anderen Posting Dein hohes Ross von wegen „merkbefreit“, nur die offensichtlichen Diskrepanzen übersiehst Du. Und wenn ich Zweifel an dem Vorgang, der in dem Deschnerziotat geschildert wird, äußere, bin ich Dein Feind und muss mit allen Mitteln bekämpft werden, statt das Du Dich Punkt für Punkt mit den Einwänden auseinandersetzt.
Also der war offensichtlich nicht der hier erwähnte Athanasius.
Offensichtlich war er’s wohl doch.
Dann gab es einen weiteren, der nicht als Heiliger anerkannt wurde,
aber ursprünglich in Bayern lebte, bevor er ins Rheinland zog. Das
war aber erst im 9.Jahrhundert. Wäre also schon interessant, auf
welchen mir unbekannten „Hl. Athanasius“ hier Bezug genommen wird.
Das dürfte jetzt ja wohl endlich klar sein, wer der
„unbekannte“ Athanasius ist, um den es hier geht.
Richtig, und mir fehlten hier ein paar Details. Wie Dir wohl auch. Was aber immer noch nicht die Richtigkeit des oben angeführten Vorganges beweist. Bisher wissen wir also nur, dass die Zerstörung nicht sehr vollständig gewesen sein kann. Und damit ergeben sich Zweifel. Bis Du also einen Fundbericht vorlegst, der z.B. Brandspuren in den richtigen Schichtungen aufweist, bleibt es dabei, dass Du z.B. den Stein mit eigenen Augen gesehen hast und er nicht zerschlagen wurde. Tatsächlich sieht, Deiner Beschreibung zufolge, das Mithräum nicht anders aus, als andere Mithräen die nicht zerstört wurden (durch wen auch immer). Man sollte doch meinen, dass eine gewaltsame Zerstörung Spuren hinterläßt, beispielsweise in Form von Zerstörung, nicht wahr?
Außerdem macht mich das Mithrasheiligtum ziemlich stutzig. Der
Mithraskult war nicht derartig verbreitet, vor allem nicht nördlich
der Alpen.
Dass es nördlich der Alpen eine ganze Menge Mithrasheiligtümer
gab und auf jeden Fall eines im von Deschner erwähnten Trierer
Tempelbezirk im Altbachtal dürfte ja jetzt wohl auch klar
sein.
Richtig, und? Siehe Einwad oben. Du bist mein Augenzeuge, Ralf. Du hast gesehen, dass viel merh da ist, als sein dürfte, wenn es diese Zerstörung in dieser Form wirklich gegeben hätte.
Dort war er vor allem ein in den Legionen gepflegter Kult. Die
Wahrscheinlichkeit jedoch, dass es einem Mob aus Christen gelungen
sein, sozusagen den Hausaltar einer römischen Legion zu zerstören
ohne dafür niedergemetzelt zu werden, halte ich jetzt für eher gering.
Trier war im Unterschied zu den Städten am Rhein keine
Garnisonsstadt, 336 gab es dort keine Legion. Und davon
abgesehen hatten die römischen Legionen des 4. Jahrhunderts
keine „Hausaltäre“ - die Religionszugehörigkeit der Legionäre
war so uneinheitlich wie die der römischen Bürger insgesamt.
Was dann für einen relativ hohen Prozentsatz Sol Invictus, Christen und Mithianer gesprochen hätte. Aber hier findet sich natürlich jetzt schon wieder ein Widerspruch. Der Mithraskult wurde ja hauptsächlich durch Legionen verbreitet. Wenn es also 336 keine Legion mehr in Trier gab, wer benutzte das Heiligtum überhaupt? Aber wenn es doch nicht mehr benutzt war, dann würde wiederum Dein Argument, dass eine christliche Kirche in einem benutzten heidnischen Tempel (besser "auf) undenkbar wäre, hinfällig. Jetzt wird Dein nächster Schritt also sein, die Helena-Legende als unwissenschaftlich zu erklären, aber das haut auch nicht hin, denn dann musst Du noch erklären, woher die dann stammt, denn die ist in der Urform auf Eusebius von C. zurückzuführen und der starb bereits 339. Diskrepanzen über Diskrepanzen. Wie viel Energie musst Du eigentlich aufwenden um die alle nicht zu sehen?
In Trier findet sich aber tatsächlich die Heiligkreuzkapelle, die der
Legende nach von der Mutter Konstantins d. Großen im 4.Jhdt. erbaut
worden sein soll.
Dass die Heiligkreuzkapelle, die sich „in Trier findet“ im 11.
Jahrhundert erbaut wurde, während Helena 330 starb, ist ja nun
wohl auch klar. Dass die Kapelle einen in der Karolingerzeit
nachgewiesenen Vorgängerbau (ebenfalls eine kreuzförmige
Kapelle) hatte, ebenfalls. Dass es darunter eine ältere
Bauschicht gibt, ist angesichts ihrer Lage durchaus
wahrscheinlich. Dass diese einem christlichen Sakralbau des
frühen 4. Jahrhunderts zuzuordnen ist, pure Fantasie.
Mal langsam, Du bist ja immer gerne bereit, alles, was Dir nicht passt als „albern“ und „pure Fantasie“ abzutun. Was jemanden, der in anderem Posting so dermaßen vom hohen Ross runter argumentierte einen etwas schiefen Heiligenschein aufsetzt.
a.) Wie Du selber sagst, es gibt Bauschichten unterhalb der karolingischen Schicht.
b.) Es kann natürlich nicht das ganze Gebiet systematisch untersucht werden, denn es steht ja immer noch die Arnulf-Kapelle drauf.
c.) Die erwähnung, dass sich darunter ein älterer Sakralbau aus dem 4.Jahrhundert befinden soll, stammt aus einem Stadtführer. Urheber dieser Geschichte muss also wohl das Stadtarchiv sein. Das wiederum hat seine Quellen wo? Letzten Endes wohl von den Leuten die gegraben haben.
Also, Fazit? Es gibt da etwas, das nach Größe und Zeit stimmt. Es kann prinzipiell auch wenig anderes gewesen sein, auch wenn ich offen für andere Vorschläge bin. Aber da ja alle dumm sind, außer Dir, wirst Du das jetzt wieder als Fantasie abtun. Das ist wie mit dem Herrn Deschner, man muss nur die Augen fest genug schließen und jeden prügeln, der anderer Meinung ist.
In der Helena-Vita des Almannus von Hautvillers im 9.
Jahrhundert (die alles andere als zuverlässige historische
Fakten über Helena berichtet) wird erstmals außer der
Domstiftung als weitere Stiftung ein ‚cubile‘ der Helena
erwähnt, das traditionell mit der Porta Alba identifiziert
wurde, die wiederum am Rande des antiken Tempelbezirks und in
der Nähe der Heiligkreuzkapelle lag. Die
(volkstümlich-legendäre) Identifikation eines Stadttores mit
Helenas ‚cubile‘ ist natürlich historisch völlig abwegig. Eine
von Helena gestiftete ‚Kreuzkapelle‘ wiederum wird erstmals in
der (völlig unhistorischen) Gesta Treverorum aus dem 11.
Jahrhundert erwähnt, ohne diese Kapelle jedoch zu
lokalisieren.
Richtig, alle älteren Texte sprechen lediglich von einer Anzahl von Gebäuden. Ebenfalls richtig, dass ein Cubile, also ein Schlafgemach oder im weiteren Sinne Wohnhaus, nicht mit einem Stadttor in Einklang zu bringen ist. Abgesehen davon, dass es sich bei dem Stadttor natürlich nicht um ein reines Tor handelte sondern um eine Befestigungsanlage mit Quartieren … Also erklärt der Herr Boeck alles, was eventuell nicht in sein Bild passt für „unhistorisch“.
Geh mal her und Zäum das Pferd von hinten auf. Stelle eine ganz einfache Frage. Wo könnte eine Frau wie Helena in Trier überhaupt gelebt haben? Wir wissen, sie war die Mutter des Kaisers. Die Legende behauptet, sie hätte aus Trier gestammt und die halbe Stadt würde angeblich sowieso ihr gehören. Aaaaberr … ist das glaubwüridg? Ambrosius schreibt, sie hätte aus einer Gastwirtsfamilie gestammt. D.h. nicht mittellos, aber die Behauptung, halb Trier hätte ihr gehört, ist sicher übertrieben.
Dann heiratete sie einen römischen Offizier, bekam Konstnatin und der Offizier ließ sich wieder scheiden um die Tochter des Kaisers zu heiraten. Er wurde adoptiert, Mitkaiser usw. Der Weg nach oben war gebahnt. Konstantin übernahm nach dem Tode seines Waters die Truppen desselben und wurde in York zum Kaiser ausgerufen. Aber er rief seine Mutter nach seinem Regierungsantritt nach Trier. Man beachte, Trier. Nicht Rom, nicht York.
Das bedeutet, dass es eine Beziehung zu Trier gegeben haben muss. Der Reichtum ihrer Familie ist Legende, aber der Teil, nach dem sie aus Trier stammt gewinnt dadurch ja irgendwie an Glaubwürdigkeit. Es würde auch bedeuten, dass es mindestens ein Gasthaus gegeben haben muss, nämlich das ihrer Familie.
Außerdem haben wir da den viel erwähnten Palast. Helenas Palast. Der, der angeblich später zum Dom umgebaut wurde. Was ist davon zu halten? Die Frage ist doch, wann soll dieser Palast der Helena gebaut worden sein? Bevor ihr Sohn Kaiser wurde? Wohl kaum, es sei denn er diente zuvor anderen Zwecken. Aber wer sollte einen leer stehenden Palast in Trier gehabt haben, in den dann einfach Hellena einziehen konnte? Die ganze Sache ging ja damals etwas eilig von statten und Paläste entstehen nicht einfach von heute auf morgen. Das dauerte ja seine Zeit bis so ein Ding gebaut war. Also wieder, bis Du mich eines Besseren überzeugst, bezweifele ich nicht nur, dass dieser Palast zum Dom umgebaut wurde sondern sogar dessen Existenz.
Was aber schnell beschaffbar war, denn Konstantin wurde 306 Mitkaiser. und noch im gleichen Jahr zog Helena nach Trier, war sicherlich ein entsprechend großes Haus. Innerhalb der Befestigung natürlich, denn außerhalb wollte nördlicher der Alpen ja keiner wohnen.
Und schon wird die Sache interessant. Denn es muss ja das Gasthaus der Familie gegeben haben. Das wiederum wird logischerweise, weil die Gasthäuser gerne so lagen, an einer der großen Straßen, wenn möglich gleich hinter einem der Tore gelegen haben. Das also das Cubile mit dem Stadttor identifiziert wird ist vielleicht gar nicht so falsch. Vielleicht war es nur nicht das Stadttor selbst sondern das ehemalige Gasthaus der Familie HINTER dem Stadttor.
Ich will das gar nicht zu Ende führen. Worum es mir heir geht ist, dass es in Details eine verblüffende konsistente Logik gibt, die man nicht einfach ignorieren kann. Natürlich hat sich dann im Laufe der Zeit die Legende immer wieter aufgeblasen, zum Teil den Notwendigkeiten der Propaganda einzelner Gruppen folgend. Und natürlich müssen wir jedes einzelne Detail auf den Prüfstein stellen. Aber was wir nicht einfach tun können ist, die Sache in Bausch und Bogen einfach abzuleugnen.
Wir wissen, dass sie Christin war und auch, dass K sie nach Trier
holen ließ wo er ja eine Zeit lang residierte. Insofern deckt sich
die Geschichte mit der Legende.
Insofern, ja. Aber das ist auch schon so ziemlich alles, was
sich da deckt. Eine recht schmale Basis, um damit zu
argumentieren.
Siehe weiter oben. Die Basis ist viel breiter als Du wahr haben willst. Das Problem ist, dass mir da selbst auch noch viele Details fehlen, Details, an die Du leichter kommen würdest als ich, einfach weil Du näher dran bist. Nur habe ich Dich etwas im Verdacht weniger an Wahrheit als mehr an intellektuellem Sieg interessiert zu sein, was eine fruchtbare gemeinsame Arbeit hinter die Kulissen zu schauen schwierig machen würde.
Nur, die Kapelle steht beinahe im ehemaligen Tempelbezirk. Das würde
bedeuten, dass die Christianisierung dieses Bezirks bereits
irgendwann vor 312 (als Helena Trier wieder verließ) begonnen haben
muss.
Würde es nicht. Ich habe mir die Lage noch einmal genau
angeschaut. Nur mal spasseshalber angenommen, die
Heiligkreuzkapelle hätte wirklich einen christlichen
Vorgängerbau aus dem frühen 4. Jahrhundert gehabt, dann wäre
dieser ziemlich genau 120 Meter südwestlich der Porta Alba
gestanden - also außerhalb der römischen
Stadtmauer, während sich der gesamte Tempelbezirk Altbachtal
innerhalb der (im 2. Jahrhundert
errichteten) Stadtmauer befand. Das hier so oft erwähnte
Mithräum z.B. läge immerhin 700 Meter Luftlinie nördlich der
Kapelle.
Na ja, aber immerhin ist der Tempelbezirk nicht so ganz klein. Ich habe ihn ja selbst nicht gesehen sondern bin auf Bilder und Karten angeiwesen, aber in einem der Texte die Du verlinkt hattest, stand was von 5 Hektar? Da erscheint mir das Argument mit der Stadtmauer jetzt signifikanter. Wenn ich Dich richtig verstehe, konnte man mehr oder weniger vom Tempelbezirk durch die Porta Alba direkt zur Kirche gehen? Also nahe, aber sozusagen baulich getrennt? Weißt Du zufällig, welche der Heerstraßen durch die Porta Alba führte? Soweit ich jetzt nur mal schnell nachsehen konnte, gehörte die PA nicht zu den ursprünglichen vier Toren sondern wurde nachträglich zur Entlastung eingefügt. Das bringt mich zu zwei Fragen: a.) wann und b.) warum war ausgerechnet auf dieser Seite eine Entlastung notwendig? War das Verkehrsaufkommen so hoch? Und wenn, warum baute man ein schmaleres Tor und nicht gleich zwei Bögen wie bei den älteren Toren?
Also, selbst angenommen, die Heiligkreuzkapelle ginge auf eine
Stiftung Helenas zurück - wieso bitteschön soll das denn
bedeuten, der auf der anderen Seite der Stadtmauer liegende
ganze Tempelbezirk von etwa 5 Hektar Größe mit über 70
verschiedenen Baukomplexen sei dadurch christianisiert
worden? Oder auch nur, damit sei eine 336 abgeschlossene
Christianisierung begonnen worden - Dein Argument läuft ja
wohl darauf hinaus, der Tempelbezirk sei 336 bereits
christianisiert gewesen und daher auch nicht von Christen
zerstört worden.
Zunächst einmal läuft dieses Argument auf gar nichts hinaus. Du unterstellst mir Siegeswillen, aber besser weil richtiger wäre es, mir Neugier zu unterstellen. Hacken wir das mal in einzelne Gedankengänge:
a.) Die Christianisierung war 336 mit Sicherheit nicht abgeschlossen. In einem der Texte die Du verlinkt hast, ist ja auch die Rede davon, dass der Tempelbezirk zumindest in Teilen bis knapp vor 400 benutzt wurde. Also bis heidnischen Tempel grundsätzlich verboten waren.
Das wiederum würde aber bedeuten, dass wir eine totale Zerstörung im Jahre 336 ausschließen können. Es deckt sich mit dem, was Du selbst gesehen hast: Ein unzerstörter Mithrasstein, ein relativ intakte Anlage, keine großen Spuren gewaltsamer Zerstörung.
b.) Ich bin davon ausgegangen, dass die Kapelle noch innerhalb der Mauer lag. Da habe ich scheinbar unzuverlässiges Kartenmaterial. Außerhalb der Mauer kann sie natürlich wenig direkt christianisiert haben, wenn man von der räumlichen Nähe mal absieht, die ja irgendwie doch eine Provokation dargestellt haben mag.
c.) Der unklare Punkt für mich ist die Porta Alba. Sie wurde später errichtet und, wie die anderen Tore auch, Befestigung im Sinne einer Torburg. D.h. man konnte dort auch wohnen. Oder, wie ich weiter oben vermutet habe, dort könnte es ja auch ein Gebäude gegeben haben, dass sich ohnehin bereits im Besitz der Helena befand. Interessant, um die eine oder andere Version auszuschließen, wäre zu wissen, wann genau die Porta Alba erbaut wurde und ob es neben den großen Toren bereits vorher kleiner Pforten (möglicherweise Ausfallpforten) in der Mauer gegeben hat.
d.) Ich habe zu wenig Anhaltspunkte über Helena selbst. Sie war Christin und offensichtlich nicht nur auf dem Papier. Aber es gelang ihr nicht, ihren Sohn frühzeitig zu missionieren, was ja eigentlich spätestens nach 312 kein Problem hätte gewesen sein sollen. Ihre Einstellung zu Religion erscheint mir also wesentlich „inbrünstiger“ als die ihres Sohnes.
Wenn es die PA bereits zu Helenas Zeiten gab, oder auch nur eine Teilbefestigung mit Tor, dann bildeten Tempelbezirk, Tor und sicher auch der Bereich vor der Mauer eine Art Stadtwiertel. Später sowieso, denn nun ist ja seit dem Mittelalter der ganze Bereich sowieso mal Wisport. Das ist jetzt natürlich Spekulation, aber sie verrät uns, nach was man mal schauen sollte um diese Möglichkeit zu bestätigen oder auszuschließen.
Der Tempelbezirk erfuhr drei große Zerstörungen - 275 durch
marodierende Alemannen, 336 oder 337 (Deschner schreibt „um
336“, zufällig das Jahr, in dem Athanasius in Trier weilte)
durch einen einen christlichen Mob und dann 399, in Folge des
Verbots nichtchristlicher Kulte durch Theodosius von 392. Bei
der zweiten und dritten Zerstörung kann man dann in der Tat
von „Christianisierung“ sprechen - zunächst einer versuchten,
vorübergehenden und schließlich einer endgültigen.
275 war in erster Linie eine Plünderung mit zufälliger Zerstörung.
336 ist eine Brücke über die ich immer noch nicht gehen möchte. Aus zwei Gründen: Natürlich, wenn es da auch nur eine Winzigkeit gab, wurde das im Laufe der Zeit aufgebauscht. Es stört mich immer noch dieses winzige Detail des Mithrssteines. Wenn ich ein vor Wut schäumender Christ wäre, ich hätte das Ding zerdeppert und dann entweder Feuer gelegt oder das ganze Ding irgendwie zum Einsturz gebracht. Das würde heute noch völlig anders aussehen, als das, was Du selbst gesehen hast. Da klafft eine Logiklücke. Der zweite Faktor, der mir immer noch Bauchschmerzen macht ist Athansius und der Zeitfaktor. Er kam nach Trier und musste zunächst einmal Einfluss gewinnen, dann einen „spontanen“ Christenaufstand organisieren und dann damit noch bei der Obrigkeit durchkommen, die zum Teil ja aus Mithrasanhängern bestand. Und das, obwohl er beim Kaiser ja sowieso schon auf der Abschußliste stand. Da fehlt mir also deutlich noch etwas an Idizien um da zuzustimmen.
399, also beim Verbot nichtchristlicher Kulte, habe ich weniger Bauchschmerzen. Zwar wurde genau dieses Edikt nicht gerade energisch durchgesetzt, aber gerade für Trier war es ziemlich Banane. Denn in Trier begann um 400 sowieso der Exodus wegen der Germaneneinfälle. Aber das ist eine andere Geschichte. Auffällig ist jedoch, dass auch 399 die Zerstörungen nicht so gründlich gewesen sein können. Sonst wäre heute nicht soviel da und es gäbe Brandspuren oder Spuren einer gewaltsamen Schleifung.
Deine ganze Kritik an dem Deschner-Zitat
löst sich schlicht in heiße Luft auf. Was man kritisieren
kann, das ist die Datierung mit 336 (in der Literatur wird
auch 337 genannt). Immerhin schreibt Deschner vorsichtig „um
336“. Außerdem führt Deschner zu Unrecht „ein Theater für
Kultspiele“ an - das gab es zwar im Tempelbezirk, es wurde
aber bereits im 3. Jahrhundert aufgegeben und an seiner Stelle
wurde ein Gebäudekomplex errichtet, der möglicherweise als
Wohngebäude für Priester und Tempelbeamte diente - und auch
das Mithräum enthielt.
Die Kritik löst sich nicht in Luft auf, wie oben beschrieben. Auch wenn mich meine Neugier da eher von Deschner ablenkt und jetzt gerade um die Porta Alba kreist. Aber die Sache mit dem Theater ist ein weiteres Beispiel für das, was ich an Leuten wie Deschner nicht mag. Ein Punkt, der des Nachdenkens wert ist, wäre die Sache gleich mal nach 337 zu verlegen, das würde wenigstens genügend Zeitrahmen für Athanasius geben, den benötigten Einfluss zu gewinnen. Aber Konstnatin starb Mai 337, danach kam die Amnestie. D.h. es muss vor Mai 337 gewesen sein und die Frage, ob Konstantin II eine solches Ding einfach so hingenommen hätte, ist natürlich auch offen.
Wo also sind überhaupt die Spuren der von Deschner so vehement
angeklagten Zerstörung?
Ich weiss nicht, welche Quellen Deschner anführt, Ich
empfehle:
E. Gose
Der gallo-römische Tempelbezirk im Altbachtal zu Trier.
Trierer Grabungen und Forschungen 7
Rheinisches Landesmuseum Trier (Mainz, 1972)
ISBN: 3923319959 Buch anschauen
Das bestelle ich mir mal, dann sehen wir weiter. Kann aber etwas dauern, da Lieferungen in die USA immer etwas schwierig sind.
Gruß
Peter B.