Deutsch ist ein Exportschlager

Hallo,

In Japan gehen die Studenten „arbeitu“ und tragen „ruckusacku“, und auch in Osteuropa wird noch sehr viel Deutsch gesprochen, wofür es eine historische Begründung gibt: Bis zum Zweiten Weltkrieg war Deutsch dort die erste Fremdsprache und auch heute lernen beispielsweise in Tschechien noch 40% der Schüler Deutsch.In mindestens zehn verschiedenen Sprachen kommen Fremdwörter wie Gneis, Nickel, Quarz, Marschall, Zickzack vor. Und im Englischen tauchen auch in der Alltagssprache deutsche Begriffe wie Kindergarten, Bratwurst, Gemütlichkeit, Kaffeeklatsch, Kitsch, Leberwurst, Ostpolitik, Weltschmerz und Zeitgeist auf.
Es gibt aber auch Mischbildungen und Eigenschöpfungen wie apple strudel, beer stube, sitz bath und kitschy. In Ungarischen wurde aus dem süddeutschen Busserl ein puszi.
Trotz der Verbreitung deutscher Wörter fürchen die Linguisten um die deutsche Sprache. Nicht die Anglizismen gefährden sie, vielmehr wird in vielen Firmen und Wissenschaften ausschließlich Englisch gesprochen. Die Gefahr liegt darin, dass keine neuen Begriffe geschaffen werden. Eines Tages fehlt der deutschen Sprache ganz einfach die Terminologie in bestimmten Bereichen.

Ich habe hier in etwa einen Artikel von einem Vorsitzenden der Gesellschaft für deutsche Sprache (Prof. Rudolf Hoberg) wiedergegeben.
Mir geht es so, dass ich manche Angliszismen sogar ganz witzig finde, solange sie unsere Sprache bereichern nicht verdrängen.
Welche Erfahrungen habt Ihr in Eurem Beruf oder im Alltag gemacht? Ist zu befürchten, dass Deutsch in unserem Land erstarrt und im Ausland zu einer Veralberung wird?

über viele Meinungen
freut sich
claren

Hallo,

ob die Japaner nun besonders viele deutsche Wörter benutzen wage ich zu bezweifeln. Was ich so mitbekommen habe, übernehmen sie schnell, was ihnen nützlich erscheint (z.B. beeile dich - „speedo up“).

Wie auch immer, die meisten deutschen Begriffe scheinen in früherer Zeit z.B. ins englische gewandert zu sein. Zum Beispiel las ich in einem englischen Text „after a night of sturm & drang“. Ich habe das Gefühl, das war zu einer Zeit, als aus Deutschland noch wirkliche Innovationen kamen. Wer erfindet darf schliesslich auch den Begriff prägen. Ich glaube also, dass wir weniger über die Anglizismen lamentieren sollten, als vielmehr wieder etwas bewegen und Innovationen schaffen. Dann werden sich deutsche Wörter schon von selbst wieder wie selbstverständlich verbreiten.

Ciao
Kaj

Hallo, Kaj und claren

solltet ihr an mehr Details zu „Deutsche Wörter in der Welt“ interssiert sein, so wäre ein Blick in:

Andrea Stiberc, Sauerkraut, Weltschmerz, Kindergarten und Co. Deutsche Wörter in der Welt, Herder Spektrum; ISBN 3-451-04701-2 Buch anschauen

sicher hilfreich. Schaut doch auch mal in unsere Büchertipps!

Fritz

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Hallo Kaj!

Wie auch immer, die meisten deutschen Begriffe scheinen in
früherer Zeit z.B. ins englische gewandert zu sein. Zum
Beispiel las ich in einem englischen Text „after a night of
sturm & drang“. Ich habe das Gefühl, das war zu einer Zeit,
als aus Deutschland noch wirkliche Innovationen kamen. Wer
erfindet darf schliesslich auch den Begriff prägen. Ich glaube
also, dass wir weniger über die Anglizismen lamentieren
sollten, als vielmehr wieder etwas bewegen und Innovationen
schaffen. Dann werden sich deutsche Wörter schon von selbst
wieder wie selbstverständlich verbreiten.

Das Problem ist aber, dass Erfindungen in Deutschland oft auch englische Namen haben. Siehe den Airbag von Mercedes, der, bevor er auf den Markt kam, noch Prallsack hieß. Solange Anglizismen als moderner und besser klingend gelten und deswegen auch in Deutschland bei Erfindungen verwendet werden, wird sich daran nichts ändern. Abgesehen davon zeigt beides, dass mehr erfunden werden muss. Also Innovationen und auch eigene Begriffe für Innovationen anderer.

MfG,
Car

Hi,

Mir geht es so, dass ich manche Angliszismen sogar ganz witzig
finde, solange sie unsere Sprache bereichern nicht verdrängen.

ja, dieser Aussage kann ich mich anschließen :smile:
In Deutschland wird ga gerne gemeckert. Über alles. Besonders gerne über Anglizismen.

RICHTIG peinlich finde ich die, wenn sie sozusagen künstlich erzeugt werden wie z.B. das berühmte „City-Call“ vom Dr.Sommer. Dafür bekam er ja auch einen Preis :wink:
Oder auch in Stellenausschreibungen: Key Account Manager (=Hausmeister?? :wink:

Andererseits treffen viele englische Ausdrücke den Punkt viel besser als die jeweiligen deutschen:
links - inside out (Klamotten waschen)
satt - free refil (Getränke inklusive soviel man will)
flat rate - ??? unbegrenzter Internetzugang??

Ist zu befürchten, dass Deutsch in unserem Land
erstarrt und im Ausland zu einer Veralberung wird?

Das ist natürlich totaler Quatsch der gerne von irgendwelchen „Sprachaposteln“ verbreitet wird die keinen Bezug zur modernen Gesellschafft mehr haben.

Ich werde auch weiterhin die Wörter benutzen, zu denen ich Lust habe. Weder künstlich eingedeutschte („Heimseite“!) noch künstlich auf englisch gemacht („global mail“)
Davon wird die Welt nicht untergehen. Egal was Grass und Co so von sich geben.

J~

ausschließlich Englisch gesprochen. Die Gefahr liegt darin,
dass keine neuen Begriffe geschaffen werden. Eines Tages fehlt
der deutschen Sprache ganz einfach die Terminologie in
bestimmten Bereichen.

Das beobachte ich immer wieder. Hier ein Beispiel, mit dem ich gerade befaßt bin:

Beim Auswalzen von Stahlbändern ist es sehr schwer, ein genau ebenes Stahlband zu gewinnen, denn es neigt dazu an den äußersten paar Zentimetern rechts und links ein paar Prozent flacher zu werden. Das heißt zumeist „Edge-Drop“ und wird im Zeitalter der Präzisionsfertigung zum Problem. Es gibt den deutschen Ausdruck „Kanten(an)schärfung“ dafür, der ist weniger in Gebrauch und außerdem zu lang.
Man hätte den geographischen Begriff der „Abdachung“ übernehmen können, hat es aber nicht getan. Techniken, die dem Edge-Drop entgegenwirken, nennt man natürlich nicht mehr „Kantenanschärfungsausgleich“ sondern „Edge-Drop-Compensation“, auf Deutsch „EDC“. Man google mal mit „EDC“, dann sieht man, wie viele andere Bedeutung diese Abkürzung noch haben kann.
Um den naheliegenden, anschaulichen und kurzen Fachausdruck „Dachausgleich“ (man google „Dachausgleich“) zu bilden, fehlte der deutschen Stahlhüttenkunde bereits die Sprachkraft.

Mit herzlichem Gruß,
Wolfgang Berger