Deutsch-Polnischer Krieg 1939

Liebe Experten,

wenn man den den Deutsch-Polnischen Krieg vom Ende her betrachtet, scheint das Ergebnis von vornherein klar zu sein. Allerdings war Polen schon vom Umfang der Streitkräfte her nicht so ohnmächtig, wie es scheint.

Dazu zwei Fragen:

  1. Gibt es eine Studie, die sich mit möglichen (erfolgreicheren) polnischen Defensivstrategien beschäftigt?

  2. Wurden auf alliierter Seite konkrete militärische Schritte zur Unterstützug Polens erwogen, wie z.B. Verlegung von Luftwaffeneinheiten, Seeblockade Deutschlands, ernsthafte Offensivanstrengungen im Westen?

Besten Dank,
Andreas

Hallo

Dazu zwei Fragen:

  1. Wurden auf alliierter Seite konkrete militärische Schritte
    zur Unterstützug Polens erwogen, wie z.B. Verlegung von
    Luftwaffeneinheiten, Seeblockade Deutschlands, ernsthafte
    Offensivanstrengungen im Westen?

Da die Deutschen zu schnell waren, hat sich das innerhalb weniger Tage von selber erledigt. Die Alliierten gingen davon aus, dass sich die Polen wohl 3 Monate halten könnten, dann hätten irgendwelche Massnahmen vielleicht noch Sinn gemacht.

Besten Dank,
Andreas

LG
Mikesch

Hallo Andreas!

Ich antworte Dir aus dem Gedächtnis (Ich war damals Offizier in einer jüdischen Brigade), ohne konkrete Überprüfungen.

Es ist für Heutige sehr schwer, das unglaubliche Ausmaß an Inkompetenz, Desorganisiertheit, Entmutigung, Schlamperei und Défaitismus auf der Seite der Nazi-Gegner zu Anfang des Krieges sich vorzustellen!!!

Einiges dazu:

Das polnische Militär befand sich in seinen höheren Dienstgraden (Einschließlich des Generalstabes) in einer ständigen Abwehr gegen beinah jede Form von Modernisierungsdruck.

So zum Beispiel wurde die Aufstellung einer Panzertank-Waffe (bis auf lächerliche Rudimente) hintertrieben.

Die Stellung und Aufgabe der Unteroffiziere waren überholt und ineffizient.

Das Réglement zum Teil demotivierend.

Die Reserve-Offiziere ermangelten jeder Praxis-Auffrischung.

Der Luftwaffen-Einsatz folgte veralteten Vorstellungen; fast alle Flugzeuge ermangelten funktionstüchtiger Funkverbindungen; eine funktionierende Verbindung mit Bodenoperationen war nicht existent; die Gruppendisziplin bei den Piloten unterentwickelt. Nacht- & Schlechtwetterflüge wurden nicht geübt; eine funktionierende Alarmmeldungweitergabe bei Luftraumverletzung Wunschdenken.

Ausgebaute realistische defensive Vorstellungen und Vorbereitungen existierten nicht!!!

Es existierten lediglich völlig schwachsinnige und unrealistische Gegenangriffspläne, welche an der Westfront angeblich innerhalb von zwei Monaten einige strategische Vorteile hätten erreichen lassen sollen (zum Zwecke einer anschließenden effektiven langjährigen Verteidigung), und an der Ost-Preußen-Front eine Total-Eroberung in sechs bis sieben Wochen (!!!), zum Zwecke der Überwindung eines Mehrfrontenkrieges. Gegen die Sowietunion existierten nicht eimal solche Fieberfantasien; die Präsenz von sowietischen Truppen in Litauen wurde ignoriert, desgleichen die reale Problematik von Danzig.

Eines der Hauptprobleme war die Vernachlässigung von logistischen Fragen.

Transportfragen wurden weitestgehend ignoriert. Nichts wurde unternommen, um die Radialzentrierung der Eisenbahnen auf Warschau zu abzumildern. Lastwagen fehlten. Eine Ausbildung der Territorialeinheiten zum Offenhalten der Verkehrswege existierte nicht, sonstige Truppenteile mit der Vorbereitung auf eine solche Aufgabe waren nicht vorhanden. Dabei war schon die offizielle Angabe für die Vollendung einer Mobilmachung einfach unglaublich: vierzig Tage!!! In Wirklichkeit jedoch fünf- bis sechsundvierzig Tage!!! Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann die Mobilmachung angeordnet wurde. Es dürfte um den 28. Juli herum gewesen sein (vorher wollte man Hitler „nicht provozieren“…!!!). Das heißt, der Ausbruch des Krieges fiel mittenmang in das totale Chaos der hilflosen Mobilmachungsantrengungen, welche jede sinnvolle Ausnützung der kümmerlichen Verkehrsinfrastruktur für Truppenbewegungen verhinderten, ohne daß wiederum die Mobilisierten tatsächlich irgendwo verfügbar gewesen wären. (Dazu kamen dann die kopflosen ungehinderten riesigen Fluchtbewegungen seitens der Bevölkerung und die sofortige Implosion des kümmerlichen internen militärischen Nachrichtennetzes.)

Ab den ersten Schüssen gab es kaum koordinierte Verteidigung.

Auch hat es keinen ad-hoc-Plan unter dem Druck der Ereignisse gegeben, sondern lediglich konkurrierende Einfälle. Das bevorstehende Eingreifen
der Sowietunion wurde konsequent nicht erwogen.

Der Luftwaffe fehlten absolut jegliche sinnvolle Einsatzbefehle. Die Flugzeuge wurden meistens am Boden zerstört.

Etliches hab’ich dabei nicht einmal erwähnt.

Die französischen Truppen waren demoralisiert, demotiviert und innerlich zerrissen.

Konkrete Einsatzpläne gab es nicht.

Sarkastisch könnte man sagen, der Plan habe darinnen bestanden, in den Festungen der Maginot-Linie den Niedergang von Innen und von Außen tapfer und stoisch abzuwarten.

Den Grad an Défaitismus innerhalb der „Grande Armee“ kann man sich heute kaum vorstellen.

Auch wurde auf jeden diplomatischen Druck zur Abschreckung der sowietischen Intervention verzichtet.

Die britische Armee befand sich erts seit einigen Monaten in zögerlichem Aufbau, nach den verhängnisvollen Appeasement-Jahren. Man verließ sich zumächst für die Anfangszeit auf die Franzosen, welche gemeinhin damals als „stärkste Armee der Welt“ (zu unrecht) galten.

abifiz

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