Hallo
Das Bildungssystem in D ist nun mal nicht wie in anderen
Ländern als Erziehungsanstalt gedacht, sondern die Eltern
*sollen* ja möglichst viel Freiheit in ihrer Erziehung haben.
Irgendwie ja, aber irgendwie auch wieder nicht. Es ist in Deutschland nicht eindeutig.
Wenn die Eltern ihre Kinder erziehen wollen, dann muss ja wenigstens einer von beiden anwesend sein, und zwar ein wenig länger als die ersten beiden Lebensjahre des Kindes, und auch ein wenig mehr als nur abends ab 17:30 oder so.
Das ist aber nicht vorgesehen, jedenfall nicht für Leute, die dadurch eventuell Probleme kriegen könnten. Es „sollen“ beide Eltern und auch alleinerziehende Mütter berufstätig sein, das hat Priorität. - Ich denke nicht, dass sie es wirklich sollen; aber wenn man es laut aussprechen würde, dass irgendeiner der Eltern die Kinder zu wertvollen Mitgliedern der Gemeinschaft erziehen „soll“, könnten ja diese Eltern auf die Idee kommen, daraus evtl. erhöhte Rentenansprüche oder überhaupt irgendwelche Ansprüche abzuleiten.
Es wird zwar immer wieder das Argument gebracht, man wolle nicht - wie damals im 3. Reich - die Hausfrau propagieren, aber das kommt mir sehr unglaubwürdig vor; erstens werden Autobahnen ja schließlich trotz Hitler noch bedenkenlos gebaut. Und zweitens gibt es in Deutschland eigentlich vielerorts noch keine Alternative zur Hausfrau.
Natürlich, wer sich in einer gut abgesicherten Lebenssituation befindet, macht sowieso das, was er für richtig hält. Aber Menschen, die keine gute Absicherung haben - seien sie nun gebildet oder unbegildet - müssen sich weitgehend an das halten, was der Staat für sie vorsieht, und das ist arbeiten gehen oder wenigstens ganztags Arbeit suchen.
Einen großen Teil der Bildungsmisere sehe ich hier. Die Hausfrau wurde abgeschafft, aber es gibt auch keine Alternative dazu (weitgehend).
Ansonsten - um mal eben kurz noch auf deine eigentliche Frage einzugehen - halte ich eine individuelle Förderung natürlich in der Regel für besser als eine Massenbetreuung, insofern gebe ich dir recht.
Viele Grüße
Thea
Wenn sie die Erziehung verkorksen, dann wäre es zwar schön,
wenn ein Lehrer oder ein „Erzieher“ im weitesten Sinne das
wieder geradebiegt.
Das in der Schule zu erledigen hätte aber den Effekt, dass
*alle* Kinder erzogen werden, auch die, die aus „gutem
Elternhaus“, und damit den Nachteil, dass auch diese Erziehung
in der Schule wieder relativiert würde.
Ich meine, dass eine Erziehungsanstalt für schlechte oder gar
nicht erzogene Kinder besser ist, als eine verkorkste Familie,
dass eine Anstalt aber tausendmal schlechter ist als eine
„gute“ Familie.
Was meint Ihr als Schulexperten dazu?
Nick