Hallo Carlos,
Aber folgende Punkte unterscheidet Deutschland von viele
anderen Ländern.
1.) Eine recht frühe Einteilung der Schüler in Kategorien
2.) Der Anteil der Kinder, die schon im Kindergarten oder
Vorschule mit der Bildung beginnen, ist relativ gering.
Ich würde noch einen dritten, imho den wichtigsten Grund mit
anführen: Die fehlende individuelle Betreuung der Schüler.
Imho wäre das der einzige Weg aus der Misere. Nachdem ich
gelesen hatte, dass in Schweden Schüler, die Schulprobleme
haben, individuell unterrichtet, für sie individuelle
Lehrpläne erstellt werden, wurde mir klar, woran es
Deutschland mangelt.
Das ist doch doch nur eins: übertriebener Unfug.
Individuelle Betreuung ist nicht der heilige Gral und dient meistens nur dazu, zu versuchen, den Frontalunterricht anzugreifen.
Ich weiß nicht, woher diese Illusion kommt, daß eine engagierte Lehrerin eine 20 oder 25 (oder auch 30) Schüler starke Klasse nicht so unterrichten kann, daß keiner unter die Räder kommt.
Es ist eher das Problem, daß die Lehrer in ihre Methodik regelrecht reingezwängt werden. Wenn man so manche Referendare über ihre Referendariate hört, kann einem übel werden.
Man muß dem Lehrer wieder Möglichkeiten einräumen, die schlaueren Schüler in einer Klasse konstruktiv zu beschäftigen, damit er sich den schwächeren widmen kann.
Das geht auch im Frontalunterricht - erfordert aber vielmehr
eine Einstellung zu Schule, in der Bildung etwas zählt und Leistung nicht per Dekret verpöhnt oder mit Anwiderung ertragne wird.
Hier sind die Eltern gefragt.
Daraus folgt dann, daß die Lehrer auch genug in der Hinterhand zu einem Thema haben müssen, um etwaige schnelle Leute sinnvoll beschäftigen zu können - also nicht Beschftigungstheorie-Beschäftigungstherapie, sondern die entspr. Schüler sollen auch einen Wissensgewinn einstreichen.
Gerade in der Grundschule kann das sehr gut funktionieren, weil hier eine Lehrerin die zentrale Bezugsperson in vielen Fächern ist. Sprich, zumeist die Klassenlehrerin, die dann Deutsch in den 4 Unterteilungen (Oder gibt es das heute nicht mehr?), Mathematik, Heimatkunde, … erteilt.
Damit ist ein hohes Maß an Kontinuität gegeben - auch in Sachen Zensuren, Kopfzensuren, verbalen Bewertungen beim Zeugnis.
Das finde ich nicht. Ich finde sogar, dass die Kinder gerade
eben Nutznießer einer solchen Einteilung sind, weil der
Unterricht dadurch ihrem Lernniveau angepasst erfolgt.
Nein, das ist ein pures Gerücht, daß es hilft, Kinder per Frühselektion schon in jungem Alter auf eine Schiene zu schicken.
Frühselektion funktioniert nur in einer relativ statischen Umgebung und Enwticklung - doch wann gab es in der Geschichte wirklich einmal mehrere Jahrhunderte, wo die Gesellschaft wirklich statisch gewesen ist? Richtig - maximal das Mittelalter. Toll!
Frühselektion fordert bereits sehr zeitig extrem konkrete Vorstellungen, wie es später einmal weitergehen soll. Das war schon früher oftmals ein Problem - heute ist es eine Katastrophe; schau Dich unter Jugendlichem um, wie unkonkret deren Lebenspläne oftmals sind, und das dann schon im Alter von 17 oder 18.
Frühselektion übersieht auch die charakterliche Entwicklung eines Kindes. Man selektiert ein Schema, BEVOR sich die Persönlichkeit in die entscheidenden Entwicklungsphasen begibt.
Das Leistungsargument ist einfach nicht gegeben, denn es liegt AM LEHRER, wie Schüler ihrem Lernniveau angepaßt sind. Man kann ein ziemlich hohes Mittel auch an einer normalen 10klassigen Schule fahren, ohne das schwächere Schüler baden gehen oder stärkere allzusehr unterfordert werden.
Pure Illusion zu glauben, ein Kind mit etwas solideren Lernleistungen kann nur aufs Gymnasium, weil sonst „Verschwendung“, „mangelnde Förderung“ anstehen et cetera.
Zu einem Kind gehört immer die Reife, die es in den Zustand versetzt, Dinge überblicken zu können. Ein 10jähriger überblickt gar nichts - auch wenn das einige immer vehement bestreiten und sich einreden, das 10jährige Kind sei ein voll entfaltetes, mit vollen Rechten ausgestattetes, vollwertiges und vollständig sich selbst bewußt handelndes Mitglied der Gesellschaft ist. Ganz das Gegenteil ist der Fall.
Eine wesentlich gesünderes Modell ist eine 10klassige, allgemeinbildende Standardschule mit relativ hohem Niveau, und dann ,wenn man 14 oder 16 ist, aus hauptsächlich eigenem Antrieb die gymnasiale Oberstufe bis zum Abitur in Klasse 12.
Dann würde man nämlich auch sicherstellen, daß an der Einheitsschule auch breit in der Schülerschaft gewisse praktische Belange abgedeckt werden. Der reine Theoretiker ist heute so verloren wie der reine Praktiker - die nächsten Jahre werden das zum Theoretiker hin verschieben, jedoch kann es auch da in den seltensten Fällen der Fachidiot sein, den man anstrebt.
Es spielen natürlich auch infrastrukturelle Dinge hinein.
Ich hatte 1989 einen Schulweg von weniger als einer Minute in einem DORF.
Nach der Umgestaltung in das Westsystem waren es dann schon fast 3 Kilometer bis zur Mittelschule (10 Minuten Bus). Laufen: 25 Minuten (Nachbardorf).
Inzwischen werden aber mehr und mehr Schulen geschlossen, zusammengelegt usw. - natürlich werden dann die Anfahrtswege plötzlich von Belang. Dazu kommt dann auch noch, durch die verschiedenen Schultypen, kann es durchaus sein, daß man 2 Grundschulen vor der Nase hat, die nächste Realschule oder das nächste Gymnasium dann 10 oder 15 Kilometer weg ist.
Durch die Zusammenlegung ergeben sich dann auch noch Dinge wie zu hohe Auslastung - das also Schulen an die 100% Grenze oder darüber gebracht werden. Das plustert sich alles mehr und mehr auf - mit jedem weiteren Parameter wird die Sache weniger beherrschbar.
Hieran muß dringend gearbeitet werden.
Das Problem ist eher, dass dieses System mittlerweile ins
Lächerliche gezogen wurde. Alle Eltern, die „etwas von sich
halten“, wollen ihr Kind aufs Gymnasium durchboxen, selbst
wenn es vom Lernstand her gar nicht dort hingehört. Und die
Hauptschulen verkommen zu einem Sammelsurium gescheiterter
Existenzen. So war dieses System aber nicht konzipiert.
Wie es konzipiert war, ist relativ irrelevant - man hätte VORHERSEHEN MÜSSEN, daß es zu solchen Entartungen zwangsweise kommen MUSS.
Wenn sich eine Gruppe engagierter Politiker 1975 mit klarem Kopf in den Alten Ländern zusammengefunden hätte, um zu überlegen, wo diese ganzen neuen propagierten Werte einst hinführen, hätte man das Problem gar nicht.
Es gäbe bis heute kein Kurssystem (das eigentlich nur mehr Verwirrung und Lücken schafft, als geringfügige Spezialisierung nach den Neigungen zu sichern).
Es gäbe bis heute noch nicht, diese militante Mentalität, die Du richtig angesprochen hast, von wegen „MEIN Kind - hach - MEIN Kind MUSS doch aufs Gymnasium…“.
Es würde schon reichen, wenn der Zugang zum Gymnasium mit einem notwendigen Zensurendurchschnitt, einem kleinen Eingangstest und - vor allem - einer gewichtigen ausführlichen verbalen Bewertung des Lehrers gesteuert werden würde.
Das Ironische ist ja, daß das System soviele Abiturienten produziert, die dann gar nicht studieren, obwohl vergleichsweise sowieso weniger Abiturienten hinten rauskommen in Deutschland.
Deswegen finde ich, dass die Durchlässigkeit (in beide
Richtungen) stark erhöht werden sollte.
Besser wäre es, die Frühselektion abzuschaffen. Durchlässigkeit kann eigentlich nur stark vorhanden sein, oder eben mangelhaft (und damit defacto nicht existent sein).
Man führe sich bspw. vor Augen, daß es in Bayern (!) keinen geregelten Zugang zum Abitur für Realschüler gibt.
Solche Modelle sind jetzt erst in der Testphase (FOS13) - ein Skandal in meinen Augen.
Man stelle sich den intelligenten, engagierten Realschüler vor, der dann auf die Fachoberschule verwiesen wird, weil einfach keine Möglichkeit besteht, das Abitur regulär auch von der Realschule kommend zu erwerben.
Unglaublich, daß es so etwas im Jahre 2006 in Deutschland noch gibt - naja, sofern man Bayern zu Deutschland hinzuzählt.

MfG