Hallo.
Ich weiß nicht, woher diese Illusion kommt, daß eine
engagierte Lehrerin eine 20 oder 25 (oder auch 30) Schüler
starke Klasse nicht so unterrichten kann, daß keiner unter die
Räder kommt.Geht das wirklich? Angeblich geht das immer nicht, wenn ich
das mal bei den Lehrern anspreche.
Hier kann ich nur aus der Vergangenheit sprechen: Bei uns ging es damals (1989-1990,1991-1993). Wir waren in der Grundschule über 30 Leute in der Klasse und mit hoher Dichte von guten Schülern. Fast ein Drittel (Hälfte Jungs, Hälfte Mädels) waren richtig gut. Auf der anderen Seite gab es aber auch eine Behinderte in der Klasse und ein Grüppchen Leute, die halt nicht ganz so gut waren.
Die Lehrerin hat immer Mittel und Wege gefunden, die besseren Schüler geistig zu beschäftigen, konnte sich dann also um den Rest kümmern.
Das hängt natürlich auch mit dem eher disziplinierteren Unterricht des anderen Systems zusammen, daß die Elternschaft dahinter stand, daß der Lehrer automatisch über hohe Autorität verfügte, daß Leistung ERWÜNSCHT war und gefördert wurde.
Wenn man sich das momentan ansieht, haben die Lehrer recht, die sagen, es ginge in größeren Klassen nicht so (Benehmen und Einstellung der Schüler spielen erheblich mithinein).
Es ist eher das Problem, daß die Lehrer in ihre Methodik
regelrecht reingezwängt werden.Von wem?
Oft von ihrer Ausbildung her, siehe Referendariate.
Wenn man so manche Referendare
über ihre Referendariate hört, kann einem übel werden.Das würde mich interessieren. Kannst du mal konkreter werden?
Vorab: Natürlich gibt es genügend Referendare, die ein gutes Referendariat hatten. Aber viele haben eben auch regelrechte Psychoterrorgeschichten auf Lager.
Das Kollegium stichelt und verweigert Hilfe, der Rektor steht nicht hinter dem Referendar, der Betreuer duldert nur Unterricht nach seinen Vorstellungen, wer widerspricht, wird gleich als „nicht kritikfähig“ vermerkt, Bewertung ist oft sehr subjektiv, …
Wenn ich es kürzlich nicht bei meinem Flurnachbarn hier im Wohnheim erlebt hätte, würde ich wahrscheinlich immer leise an diesen Horrorgeschichten zweifeln, aber er hat genauso eine Tortur gerade hinter sich gebracht und mit Einblicke gewährt.
Das geht sogar soweit, daß einige Referendare trotz erfolgreichen Bestehens das Handtuch werfen vor Frust und Einschüchterung, andere sind noch Jahre danach in ernster psychischer Behandlung.
Abner wie gesagt, nicht überdramatisieren - es gibt auch genauso gute Gegendarstellungen und andere Erfahrungen.
Man muß dem Lehrer wieder Möglichkeiten einräumen, die
schlaueren Schüler in einer Klasse konstruktiv zu
beschäftigen, damit er sich den schwächeren widmen kann.Das hat aber doch zur Folge, dass schwächere Schüler deutlich
mehr Zuwendung bekommen als schlauere. Und da sich die meisten
Menschen über Zuwendung freuen, werden sie doch infolgedessen
lieber schwache Schüler sein wollen als starke. - Oder?
Also ich halte diese Kette für übertrieben. Das klingt eher danach, daß die Kinder so emotional erkaltet sind, daß sie sich wie ein Einsiedler im Wald unglaublich nach zwischenmenschlicher Wärme und Beachtung sehnen.
Beachtung sicherlich - ich sprach aber nicht davon, daß der Lehrer die guten schüler vernachlässigt, wenn er sich hier und da (wenn es hängt), um die schlechteren kümmern muß.
Es ist ja auch so, daß ein auf diese Weise handelnder Lehrer die besseren Kinder sowieso anders einbindet. Die durften schon seit jeher dann zentralere Rollen spielen, wie einen Diskussionskreis „moderieren“, gezielte Vorträge halten etc. etc…
Das geht auch im Frontalunterricht - erfordert aber vielmehr
eine Einstellung zu Schule, in der Bildung etwas zählt und
Leistung nicht per Dekret verpöhnt oder mit Anwiderung
ertragne wird.
Hier sind die Eltern gefragt.Was sollen die denn machen?
Ein Klima in den Köpfen der Kinder etablieren, daß Leistung nichs Negatives ist.
- Angenommen, man erfährt irgendeine Sache vom Schüler (also
von seinem Kind), die man mit dessen Lehrer besprechen möchte,
und macht also mit demselben einen Termin. Wer vormittags
arbeitet, muss sich Urlaub nehmen, denn Termine beim Lehrer
bekommt man meistens nur vormittags.- Der Lehrer stellt dann bei diesem Termin die Sache ganz
anders dar als der Schüler. Man geht dann also nach Hause und
sagt später zu seinem Kind: Das siehst du wahrscheinlich nicht
richtig, der Lehrer hat mir dies und jenes erzählt. -
Daraufhin wiederum erfährt man vom Schüler Dinge, die einen
endgültig davon überzeugen, dass der Lehrer wohl doch was
übersehen hat und der Schüler recht hat.- Wenn man nun aber wieder mit der gleichen Sache beim
gleichen Lehrer vorsprechen möchte, dann wird man meistens
ganz schön schief (als lästig) angesehen. Und selbst wenn das
nicht der Fall ist oder dies einen noch nicht abschreckt:
Entweder man geht nicht arbeiten oder man nimmt sich wieder
einen halben Tag Urlaub dafür.
Das halte ich für übertrieben - skizziere doch einmal bitte einen konkreten Fall, bei dem sowas vorgekommen sein soll.
Ich sage es gleich vorab - pauschalisiere bitte nicht die Lehrer wegen der schwarzen Schafe. Es gab schon immer Lehrer, die hier und da einen auf dem Kieker hatten oder dergleichen. An sowas braucht man sich im allgemeinen gar nicht erst aufziehen, das ist selbstverständlich.
So wie Du aber schreibst, zielst Du auf die Gesamtheit der Lehrer ab.
Übrigens wäre mir das neu, daß Lehrer nur tagsüber zugänglich sind.
Du kannst auch erst einmal versuchen, solche Dinge telephonisch (auch per Anruf auf privat) zu klären, oder vielleicht einen Termin samstags oder dergleichen zu ergattern.
Sarkastisch könnte ich ja sagen: Schon da hätte Sonnabendunterricht Vorteile, weil die Eltern Zeit hätten und der Lehrer vor Ort wäre.
Schade, daß das abgeschafft wurde.
Das finde ich ein bisschen unfair gegenüber den Eltern, denn
jeder wünscht doch für sein Kind das beste, und dass es später
wenigstens eine Chance auf eine Lehrstelle bekommt.
Ich finde das gar nicht unfair. Diese Wünsche können die Eltern gerne haben wollen, sollten sie auch. Doch die Realität und Logik gebietet oft andere Töne, als dieses Auftrumpfen und aus purem Ego das eigene Kind als Statussymbol zu instrumentalisieren.
Die Diskussion hat sich sofort erledigt, wenn dann die ganzen Konsorten wieder auf die Realschule zurückmüssen; ich kann mir für das Kind und für die Eltern nichts Peinlicheres vorstellen.
Nein, warum nicht lieber erst Realschule und dann - mit 16 und einem viel gereifteren Charakter als im Vgl. zu 10 - über die Oberstufe nachdenken.
Nicht das Gymnasium hält alle Optionen für später offen, sondern die *Durchlässigkeit* des Systems hält alle Optionen offen.
Du kennst die wissenschaftliche Untersuchung von dem Professor
(ich glaube Block) aus Essen, nach der sich die Bewertung
(„Grundschulempfehlung“) durch die Lehrer als sehr
unzuverlässig - unzuverlässiger als die Einschätzung der
Eltern - herausgestellt hat?
Das mein ich nicht. Auf meinen Grundschulzeugnissen gab es ab Klasse 1 Zensuren, Kopfzensuren und eine verbale Einschätzung -
wenn ich ehrlich bin, gelten die heute noch bei mir (was ich sehr erstaunlich finde).
Mit den verbalen Einschätzungen meine ich nicht, daß nun Empfehlungen oder sonst etwas erteilt werden, sondern daß das Verhalten, das Wissen, der Charakter und die Einstellung des Schülers über ein halbes/ ganzes Schuljahr hinweg niedergeschrieben wird - natürlich die Essenz des ganzen, keine detaillierte Abhandlung.
MfG
