Deutschland ist kinderfeindlich

Bald wird es mir lästig. Gerade habe ich in der Zeitung gelesen, dass der Außenminister Fischer bei der Eröffnung des UN-Weltkindergipfels in Berlin darauf hinwies, dass 1,1 Mio. Kinder von Sozialhilfe leben, und dies eines der Indizien für die kinderfeindlichkeit unseres Landes ist.
Was mich nun daran stört?

  • Es gibt soviel ärmere Länder auf der Erde, die ich als kinderfreundlicher empfinde als wir es sind. Materialismus ist für mich schon lange kein Maßstab dafür, ob unsere Kinder es gut haben bei uns in unserer Gesellschaft - in unserer Gemeinschaft.
    Soviele Kinder in der Klasse meiner Tochter sind den ganzen Nachmittag im Hord. Kinder wohlhabender Doppelverdiener, reich an Spielzeug, Fahrzeug, Unterhaltungselektronik, die ihren Reichtum nur am Wochenende nutzen können, wenn Zeit dafür ist.
  • Dank unserer Angebote können Kinder Kenntnisse und Erfahrungen sammeln wie noch nie, mit all dem dazugehörigen Stress.
    Mir tun manche Kinder leid, die vor lauter Nachmittagsaktivitäten (Musik, Sport, Tanz…) und den dazu gehörigen Auftritten keine Zeit für gegenseitige Besuche bei Klassenkameraden haben. Was ich befürchte ist, dass unsere Kinder zu egozentrischen Schlauköpfen mutieren, auf dem sozialen-emotionalen Gebiet so intelligent, wie ein Reptil.
  • Und noch etwas nervt mich. Wir reden uns zu Kinderfeinden. Aber das sind wir nicht. Ich kann jetzt nur von meinem Umfeld reden, wo ich sehr engagierte Eltern erlebe, die für ihre Kinder nur das Beste wollen. Ja mehr noch, die Kinder sollen es besser haben als sie es gehabt haben - naja, ehrlich gesagt, gehöre ich auch dazu.
    So wie ich momentan unsere deutsche Gesellschaft erlebe, möchte ich sie nicht als ausgesprochen kinderfeindlich gezeichnen. Unsere Schwierigkeiten, und daraus entstehenden Nachteile für unsere Kinder, sind so vielschichtig und subtil, dass die Schublade meines Erachtens nach nicht die Aufschrift „Kinderfeindlichkeit“ verdient.
    Aber wie soll man es sonst nennen?
    Nichtsdestoweniger gibt es an der Tatsache, dass soviele Kinder von Sozialhilfe leben müssen nichts Gutes zu finden. Aber das ist ein anderes Problem.
    Wie seht Ihr das?

Viele Grüße
Claudia

Hi Claudia!

  • Es gibt soviel ärmere Länder auf der Erde, die ich als
    kinderfreundlicher empfinde als wir es sind. Materialismus ist
    für mich schon lange kein Maßstab dafür, ob unsere Kinder es
    gut haben bei uns in unserer Gesellschaft - in unserer
    Gemeinschaft.

Du hast den Zusammenhang schon erwähnt. Ärmere Länder!!! Deutschland ist aber ein außerordentlich reiches Land!

Soviele Kinder in der Klasse meiner Tochter sind den ganzen
Nachmittag im Hord. Kinder wohlhabender Doppelverdiener, reich
an Spielzeug, Fahrzeug, Unterhaltungselektronik, die ihren
Reichtum nur am Wochenende nutzen können, wenn Zeit dafür ist.

  • Dank unserer Angebote können Kinder Kenntnisse und
    Erfahrungen sammeln wie noch nie, mit all dem dazugehörigen
    Stress.

Dieses Problem kenne ich!

  • Und noch etwas nervt mich. Wir reden uns zu Kinderfeinden.
    Aber das sind wir nicht. Ich kann jetzt nur von meinem Umfeld
    reden, wo ich sehr engagierte Eltern erlebe, die für ihre
    Kinder nur das Beste wollen. Ja mehr noch, die Kinder sollen
    es besser haben als sie es gehabt haben - naja, ehrlich
    gesagt, gehöre ich auch dazu.

Ich denke mal, dass die meisten Eltern da genauso denken wie Du.

So wie ich momentan unsere deutsche Gesellschaft erlebe,
möchte ich sie nicht als ausgesprochen kinderfeindlich
gezeichnen. Unsere Schwierigkeiten, und daraus entstehenden
Nachteile für unsere Kinder, sind so vielschichtig und subtil,
dass die Schublade meines Erachtens nach nicht die Aufschrift
„Kinderfeindlichkeit“ verdient.
Aber wie soll man es sonst nennen?

Richtig. Wie sonst?
Wenn ich hier im Brett „RECHT“ sehe, wie jemand fragt, was er dagegen tun kann, wenn ein Kinderspielplatz neben seinem Haus gebaut werden soll - und auch noch große Zustimmung erntet?

Wenn ich sehe (in meiner Heimatstadt), dass fast sämtliche Spielplätze verrotten, auf denen es noch Metallgerüste gibt, an denen der Lack gefährlich scharfkantig abblättert, der Rost durchkommt, und es niemanden zu interessieren scheint?

Wenn ich sehe, dass ein großer Teil der Eltern zu zweit arbeiten gehn müssen, weil sie sich sonst kein vernünftiges Leben (ich meine keinen großartigen Luxus) leisten können. Es müssen teilweise horrende Kindergartenbeiträge gezahlt werden, die Schulbücher sind auch nicht gerade billig, und vom Staat gibt es sagenhafte 270,-DM im Monat.

Wenn ich sehe, dass in Anbetracht des mangelden Jugendangebots ein „Spielplatz“ weggerissen wird, auf dem die Jugendlichen sich getroffen haben. Es war den Anwohnern zu laut!

Wenn ich sehe, dass eine Mutter angepflaumt wird, weil ihr Sohn gegen einen Baum piselt (er musste halt so dringend) - und jeden vierten Tag latsche ich in einen Hundehaufen!

Wenn ich sehe, dass eine Mutter mit Kinderwagen gebeten wird, ein Restaurant zu verlassen, weil dieser Kinderwagen völlig störend ist?

Wie sonst soll ich unser Land - besser: Unsere Gesellschaft - nennen, wenn nicht KINDERFEINDLICH???

Nichtsdestoweniger gibt es an der Tatsache, dass soviele
Kinder von Sozialhilfe leben müssen nichts Gutes zu finden.
Aber das ist ein anderes Problem.

Ist es das?

Liebe Grüße
Guido

Hallo Claudia!

Es ist nicht das Land sondern die Menschen, die das Land ausmachen. Die Deutschen sind kinderfeindlich! Doch wenn man glaubt, dass nur solche Menschen, die selbst keine Kinder haben, kinderfeindlich sind, der irrt.
Ich kenne einige Menschen, die selber Kinder haben, aber die Kinder anderer Leute als störend empfinden. Traurig aber wahr.

Gruß

Suse

Störende Kinder…
Hi Suse!

Es ist nicht das Land sondern die Menschen, die das Land
ausmachen. Die Deutschen sind kinderfeindlich! Doch wenn man
glaubt, dass nur solche Menschen, die selbst keine Kinder
haben, kinderfeindlich sind, der irrt.
Ich kenne einige Menschen, die selber Kinder haben, aber die
Kinder anderer Leute als störend empfinden. Traurig aber wahr.

Das sind dann meist die Eltern, die Ihre Kinder in 27 Vereinen anmelden…

Grüße
Guido, etwas traurig, dass es solche Diskussionen überhaupt gibt…

Hallo Suse,

da kann ich Dir nur zustimmen. Ich hab mal das Vergnügen mit der Mutter von fünf Monate alten Zwillingen gehabt, die mir die Ohren volljammerte, weil sie nicht weiß, wie sie die Kinder betreuen soll, wenn sie nachmittags aus der Schule kommen (!!! Die Jungs waren fünf MONATE alt!!!). Auf meine Antwort, daß man sich doch sicher in der Nachbarschaft mal beim „Kinderhüten“ abwechseln könne, meinte sie, naja, man will sich ja nun auch nicht mit den Kindern anderer Leute belasten…

Armes Deutschland.

Sylvia (die zum Glück auch andere Eltern kennt)

Hallo Claudia,

  • Es gibt soviel ärmere Länder auf der Erde, die ich als
    kinderfreundlicher empfinde als wir es sind. Materialismus ist
    für mich schon lange kein Maßstab dafür, ob unsere Kinder es
    gut haben bei uns in unserer Gesellschaft - in unserer
    Gemeinschaft.

Da ich momentan noch nicht weiß, was meine Kinder die nächsten Monate essen werden, danke ich Dir für Dein Posting. Ich werde es ihnen dann zum lesen geben, damit sie lernen, daß Materialismus nicht alles ist.

Soviele Kinder in der Klasse meiner Tochter sind den ganzen
Nachmittag im Hord. Kinder wohlhabender Doppelverdiener, reich
an Spielzeug, Fahrzeug, Unterhaltungselektronik, die ihren
Reichtum nur am Wochenende nutzen können, wenn Zeit dafür ist.

Ich wäre über eine vernünftige Nachmittagsbetreuung meines Sohnes sehr dankbar. Wie definierst Du eigentlcih „wohlhabende Doppelverdiener“?

Mir tun manche Kinder leid, die vor lauter
Nachmittagsaktivitäten (Musik, Sport, Tanz…) und den dazu
gehörigen Auftritten keine Zeit für gegenseitige Besuche bei
Klassenkameraden haben.

Ich werde meinem Sohn ausrichten, daß er ein priviligiertes Kind ist, welches von keinen Vereinen oder Urlaubsreisen von seiner natürlichen sozialen Entwicklung abgehalten wird.
Leider sehen das die Klassenlehrer meines Sohnes anders.

  • Und noch etwas nervt mich. Wir reden uns zu Kinderfeinden.
    Aber das sind wir nicht. Ich kann jetzt nur von meinem Umfeld
    reden, wo ich sehr engagierte Eltern erlebe, die für ihre
    Kinder nur das Beste wollen. Ja mehr noch, die Kinder sollen
    es besser haben als sie es gehabt haben - naja, ehrlich
    gesagt, gehöre ich auch dazu.

Achja. Ich denke mal, daß die Eltern die nicht das beste für ihr Kind wollen eher die Ausnahmen sind.
Das wollen doch alle Eltern.

So wie ich momentan unsere deutsche Gesellschaft erlebe,
möchte ich sie nicht als ausgesprochen kinderfeindlich
gezeichnen. Unsere Schwierigkeiten, und daraus entstehenden
Nachteile für unsere Kinder, sind so vielschichtig und subtil,
dass die Schublade meines Erachtens nach nicht die Aufschrift
„Kinderfeindlichkeit“ verdient.
Aber wie soll man es sonst nennen?

Mehr als "kinderfeindlcih fällt mir auch nicht ein, weil
es mangelt an Kinderbetreuungsmöglichkeiten, an spielplätzen, an kindgerechten Einrichtungen bei behörden etc…

Nichtsdestoweniger gibt es an der Tatsache, dass soviele
Kinder von Sozialhilfe leben müssen nichts Gutes zu finden.

Wenn alle mal nachrechnen würden, würden viele feststellen, daß sie von Sozialhilfe besser leben können, als durch ihre eigene Arbeit.
Die Gründe für die Sozialhilfe für Kinder sind aber vielschichtig und ein großer Teil davon liegt im Verschulden des Staates durch verfehlte Familienpolitik, die Familie nämlich als Ehe definiert.

MfG
Undine

Soviele Kinder in der Klasse meiner Tochter sind den ganzen
Nachmittag im Hord.

Tolle Gemeinde, in der Du lebst. Hier in München sind die Alleinerziehenden froh, wenn sie ihre Kinder im Hort unterbringen.

Mir tun manche Kinder leid, die vor lauter
Nachmittagsaktivitäten (Musik, Sport, Tanz…) und den dazu
gehörigen Auftritten keine Zeit für gegenseitige Besuche bei
Klassenkameraden haben.

Das sind aber nicht die Hort-Kinder. Die treffen nämlich nicht nur Klassen- sondern Schulkameraden im weiteren Sinne im Hort jeden Nachmittag. Und - ein gut geführter Hort ist bestimmt nicht die schlechteste Nachmittags-Alternative.

Was ich befürchte ist, dass unsere
Kinder zu egozentrischen Schlauköpfen mutieren, auf dem
sozialen-emotionalen Gebiet so intelligent, wie ein Reptil.

Das schauen sie leicht auch mal eher egozentrisch reagierenden Eltern ab. Sozialverantwortung hat meine Tochter z.B. nicht zuletzt im Hort gelernt.

  • Und noch etwas nervt mich. Wir reden uns zu Kinderfeinden.
    Aber das sind wir nicht.

Dann setz’ Dich mal in einen Zug - samstags - und reagiere auf eine Familie mit drei Buben im Alter ca. zwischen 9 un 5 Jahren, aber bitte kinderfreundlich. Es ist zwar nicht leicht, aber macht Spaß. Ich habe das selber zwar gerade letzten Samstag im Zug nach Lindau ausprobiert, aber es gab auch deutlcih weniger freundliche Reaktionen, sogar von meinem Mitfahrer.

Nichtsdestoweniger gibt es an der Tatsache, dass soviele
Kinder von Sozialhilfe leben müssen nichts Gutes zu finden.
Aber das ist ein anderes Problem.

Nein, das ist genau das Problem, daß - wie schon unte gesagt wurde - Familie hierzulande mit Ehe gleichgesetzt wird. Und es ist definitiv keine kinderfreundliche Steuerpolitik, wenn sich ein(e) nicht berufstätige® Ehefra/-mann besser rentiert als Kinder.

Viele Grüße, Karin

Hallo Claudia,

  • Es gibt soviel ärmere Länder auf der Erde, die ich als
    kinderfreundlicher empfinde als wir es sind. Materialismus ist
    für mich schon lange kein Maßstab dafür, ob unsere Kinder es
    gut haben bei uns in unserer Gesellschaft - in unserer
    Gemeinschaft.

Du sprichst mir aus der Seele…warum setzen nur so viele Menschen diesen Maßstab ?
Wenn wir hier eine Antwort hätten, eine wirklich gute, emotionale und sachliche Antwort, könnten wir eventuell auch etwas im Denken vieler Menschen verändern.

Soviele Kinder in der Klasse meiner Tochter sind den ganzen
Nachmittag im Hord. Kinder wohlhabender Doppelverdiener, reich
an Spielzeug, Fahrzeug, Unterhaltungselektronik, die ihren
Reichtum nur am Wochenende nutzen können, wenn Zeit dafür ist.

Das ist traurig…und ein Zeichen für das schlechte Gewissen der Eltern, die hinter ihrem Erfolg herrennen und ihre Kinder aus den Augen verlieren.

  • Dank unserer Angebote können Kinder Kenntnisse und
    Erfahrungen sammeln wie noch nie, mit all dem dazugehörigen
    Stress.
    Mir tun manche Kinder leid, die vor lauter
    Nachmittagsaktivitäten (Musik, Sport, Tanz…) und den dazu
    gehörigen Auftritten keine Zeit für gegenseitige Besuche bei
    Klassenkameraden haben. Was ich befürchte ist, dass unsere
    Kinder zu egozentrischen Schlauköpfen mutieren, auf dem
    sozialen-emotionalen Gebiet so intelligent, wie ein Reptil.

Puh…es ist hart, aber wahr…woher sollen denn die Kids die emotionale Intelligenz nehmen, wenn sie nicht wenigstens ein kleines bißchen vorgelebt wird ?

  • Und noch etwas nervt mich. Wir reden uns zu Kinderfeinden.
    Aber das sind wir nicht. Ich kann jetzt nur von meinem Umfeld
    reden, wo ich sehr engagierte Eltern erlebe, die für ihre
    Kinder nur das Beste wollen. Ja mehr noch, die Kinder sollen
    es besser haben als sie es gehabt haben - naja, ehrlich
    gesagt, gehöre ich auch dazu.

Viele meinen aber leider auch damit den Materialismus…natürlich ist es auch schön, wenn die Kids in einer finanziell sorgenfreien Umgebung aufwachsen…aber wenn es eben nicht so ist, dann ist es keineswegs schlecht.
Ich erlebe oft gerade die Kinder, die unter weniger guten finanziellen Bedingungen aufwachsen als die, die ich sehr viel „verträglicher“ finde, mit denen ich besser umgehen, mich besser unterhalten kann.
Es ist auffällig, wie viel Gewalt unter noch relativ kleinen Kindern besteht…oft sind das die Kinder reicher Eltern oder aber die Kinder, in deren Familien es weder Geld noch Emotionen gibt.

Liebe Grüße,
Vanessa

Hallo Claudia,

ein Statement dazu möchte ich auch abgeben.

Eigentlich interessiert mich nicht, ob Deutschland kinderfeinlich ist oder nicht, sondern eher, ob meine nähere Umgebung es ist (vielleicht auch noch die Regierung, die die Rahmenbedingungen schafft).

Aber es gibt Fälle, die man (wahrscheinlich und hoffentlich) nur in Deutschland findet: Eine Frau hat 6 Kinder und 3 Hunde. Nun soll sie unter Betreuung gestellt werden (früher hieß das entmündigt). Auf die Drohung, ihr die Kinder zu entziehen, antwortet sie nur: die Kinder könnt ihr haben, nur lasst mit die Hunde.

Ohne weiteren Kommentar
grüßt

Thomas Miller

hortkinder…auch an claudia!
guten tag karin und claudia,

vielleicht greife ich nicht gerade das ursprüngliche thema auf, welches ja ohnehin hinlänglich regelmäßig diskutiert wird, bin aber mit karin einer meinung was das thema hort angeht und poste daher zustimmend unter ihren artikel.

Soviele Kinder in der Klasse meiner Tochter sind den ganzen
Nachmittag im Hord.

öhm, entschuldige mal. meine tochter geht auch in den hort. was soll ich denn deiner meinung nach tun? sozialhilfe empfangen? mich von den wohlhabenden doppelverdienern auch finanzieren lassen? ich bin ganz froh, daß ich einen job habe und - ja - ich verdiene ganz gut. mein kind hat auch allerhand spielzeug, ein fahrrad und auch unterhaltungselektronik. das ist zivilisation, völlig normal. nichts hindert jana daran, den hort mal nicht zu besuchen und sich mit ihren klassenkameraden zu treffen, wenn die eltern sich einig sind. hort ist doch kein zwang! im hort wird meine tochter sehr gut gefördert. ich selbst komme ursprünglich aus der ehemaligen ddr. bei uns war das völlig normal. nie habe ich darunter gelitten, im hort gewesen zu sein, im gegenteil! der freundeskreis erweitert sich doch. erkläre mir doch bitte mal, warum es besser ist, wenn dein kind nach dem unterricht mit klassenkameraden spielt, anstatt mit hortkindern (die -wie von karin bereits erwähnt- ja auch oft klassenkameraden sind).

nach dem hort haben wir (jana und ich) doch auch noch zeit, was gemeinsam zu machen, auch am wochenende etc. du meinst doch nicht wirklich, daß du dein kind von der zeit, wenn es aus der schule kommt bis bettzeit förderst, mit ihm spielst?! tag für tag, außer, wenn es eben mal mit den klassenkameraden zusammen ist, die nicht den bösen, bösen hort besuchen? falls ja: das arme kind! ich könnte jetzt noch zum thema stress seiern, aber ich glaube, ich hol mich erst einmal wieder runter. ich und kinderfeindlich :o)!

gruß

diana

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Hallo Karin, folgendes stösst mir bei Deinem Beitrag etwas sauer auf:

Nein, das ist genau das Problem, daß - wie schon unte gesagt
wurde - Familie hierzulande mit Ehe gleichgesetzt wird. Und es
ist definitiv keine kinderfreundliche Steuerpolitik, wenn sich
ein(e) nicht berufstätige® Ehefra/-mann besser rentiert als
Kinder.

>>> Wer sagt denn, dass sich Kinder rentieren müssen??? Merkwürdige Auffassung, man kann das doch nicht am Geld festmachen! Dieser Satz repräsentiert aber irgendwie das Typische unserer „kinderfeindlichen“ Gesellschaft: ALLES muss sich eben „rentieren“, sogar die Kinder! Du wetterst gegen Kinderfeindlichkeit, wendest aber hier die gleiche materielle Denkensweise an, die Du in unserer Gesellschaft anprangerst. Ziemlich widersprüchlich, oder? Bist aber nicht die Einzige die so denkt…

Es ist eben so, dass man wenn man Kinder hat, sich sicherlich finanziell etwas einschränken muss.
Damit mich keiner falsch versteht: Armut wegen Kinder - das darf es nicht geben und da muss man noch vieles tun!
Aber viele Eltern klagen, obwohl sie mehr als genug Geld verdienen und jeden Monat wegen der Kinder nur einige 100DM weniger anlegen können. Und dann höre ich eben oft diesen Satz „Der Staat muss mehr tun, damit ich finanziell keine Mark schlechter dastehe als ohne Kinder“. Muss der Staat das wirklich??? Nö, muss er nicht!
Muss man Kinder „rentabel“ machen, wie ein Spekulationsobjekt??? Steueranreize, um in ein Kind zu investiern??? Find ich sehr einseitig diese Denkensweise, also wirklich…

Echte Not (nicht nur finanzielle) muss bekämpft werden und die Hilfen vom Staat verstärkt werden, aber man kann nicht alle Mehrkosten 100%ig ausgleichen.

MfG
Werner

Hallo,
ich möchte zur Kinderfeindlichkeit der Deutschen nur anmerken, dass ich selbige besonders spüre, weil ich im Ausland lebe und nur noch einmal im Jahr nach Deutschland komme. Da trifft es mich immer wie ein Schlag ins Gesicht, wenn ich die feindlichen deutschen Gesichter sehe, wohingegen meine beiden Süßen jedem, aber auch jedem Spanier ein Lächeln entlocken.
Diese Grundhaltung ist denke ich völlig unabhängig von materiellen Umständen. In Spanien gehen die Kinder über alles, bei armen genauso wie bei reichen Familien. Und Kindergeld gibts da nicht mal 30 DM …
Ein freundlicher Gruß aus dem Süden,
Cosima

Hi,
Claudia,
ich weiß aus meiner Arbeit mit Kindern /Privatunterr.Musik/,
daß die Gesellschaft nicht Kinderfeindlich ist, sondern wütend auf das System, was den Kindern aufgrund der allgemeinen Einkommensstagnation keine großen Spielräume zur Entfaltung der Begabungen gibt, es wird gestöhnt seit Jahren, das z.B: die staatl. Musikschulen abzocken und Knebelverträge anbieten, bei 2 bis 3 Kindern oder mehr in der Family bleibt kein geld mehr übrig für musische Bildung und Sport, und hier sollte der Hebel angesetzt werden um solche sozialen Schieflagen auszugleichen, das ist, was ich täglich erlebe.
Tschüß

Hallo. absolut richtig, der Kommentar, die Gesellschaft z.B. um mich herum mit Musikausbildung unter den Kindern, ist diese Art Gesellschaft unwahrscheinlich kinderfreundlich, wenn ich z.B: Privatunter. auf einem Instrument gebe, sitzen sehr häufig andere Kinder mit dabei und sind äußerst begeistert über die Musik, aber dann kommen die Klagen, ja ich möchte ja auch gern ein Inst. lernen, aber wir sind 3 oder 4 Kinder zu Hause, einer hat schon Unterr. oder auch 2 , für mich ist kein Geld mehr da für den Unterr., können Sie das günstig machen,? ,weil die Musikschulen ganz schön abzocken, dann macht man es aus ssozialer Sicht für n drittel oder halben Preis.
Tschüß

Hi, hier hast du auch in gewisser Weise recht. Wenn ich zu Leuten komme, und Instrumental Unterr. mache , und sehe , wie manche Kinder einen regelrechten Terminkalender haben, o gottogott, da werden Begabungen, die die Kinder äußerst positiv beeinflussen können ,total niedergedrückt, echt schade .
Tschüß

DAS meine ich
Hi!

Mein Kind muss nicht nur Klavier spielen, es muss auch Fussball, Tennis, Schach, Querflöte, Gesang, Mathematik, …, …, …

Gruß
Guido

Diese Grundhaltung ist denke ich völlig unabhängig von
materiellen Umständen. In Spanien gehen die Kinder über alles,
bei armen genauso wie bei reichen Familien. Und Kindergeld
gibts da nicht mal 30 DM …

>>> Eben! Hier bei uns wird zu materialistisch gedacht, das gipfelt dann darin, dass ein Kind sich steuerlich „rentieren“ muss. Grauenhaft! Das sind übrigens auch Aussagen, die ich von einigen Eltern (nicht Kinderlosen) gehört habe!
siehe auch meine andere Antwort weiter unten…

MfG
Werner

Hortkinder
Hallo Diana,

kein Zweifel, der Hort ist eine gute Lösung zur Betreuung von Kinder. Was mich nur ein wenig nachdenklich macht, ist dass es die Regel zu sein scheint Kinder im Hort zu haben und beide Elternteile gehen arbeiten.
Ich gebe da die Nachteile für die Kinder im allgemeinen zu Bedenken. Stichhaltige Gründe Kinder im Hort zu haben gibt es viele: Vater verdient zu wenig, beide Elternteile wollen auf ihre Berufstätigkeit nicht verzichten, Elternteil ist allein erziehend…
Für meine Tochter bedeutet das, dass es beinahe mühsam ist mal ein Kind zum Spielen ins Kinderzimmer zu bekommen.
Ich denke an meine Kindheit, wo ich meistens draußen auf der Straße gespielt habe. Es waren immer Kinder unterwegs mit denen man sich zusammen gefunden hat, manchmal waren wir ein ganzen Pulk, so dass wir sogar Völkerball spielen konnten. Auf jeden Fall war Nachbarschaftlichkeit anders als sie es heute bei mir in der Straße ist.
Das ist ein Lebensstil der Kinder, dem ich skeptisch gegenüberstehe.
Bitte nicht mißverstehen. Die Horte sind die unvergleichlich bessere Methode Kinder zu betreuen, als Kinder mit Schlüssel um den Hals den Nachmittag alleine zu Hause.
viele Grüße
Claudia

ist jetzt ein bißchen komisch, wenn ich mir selber antworte, aber mir ist noch etwas eingefallen, als ich so die verschiedenen Antworten las.
Das wir Deutschen kinderfeindlich sind, dafür gibt es viele Indizien. Über die eine oder andere Gegebenheit rege ich mich genauso auf (genervte Mitreisenden - wie bekomme ich meine wilde Bande ruhig, genervte Nachbarn - wie bekomme ich meine Kinder auf der Spielstraße ruhig…usw.) Aber das sind Details, die nur einen Spalt zwischen den Fronten treibt. Das Klagen darüber, dass wir kinderfeindlich sind, gibt es schon so lange, und keine Änderung unseres Verhaltens in Sicht.
Ich denke, dass Kinder in unseren Lebensidealen keine eigene Rolle spielen. Damit meine ich, dass wir nicht an die Zukunft denken: wie sind unsere Kinder als Erwachsene.
Der zunehmende von niemanden aufgehaltene Autoverkehr macht das Spielen selbst in Spielstraßen zu einer Zitterpartie (ich habe unter den Rasern auch Van-Fahrerinnen mit Kindersitzen gesehen!). Für soviele Familien scheint es keine Gesetze im Familienleben zu geben, was halt die Lehrer beklagen, die bei ihrer Horde Gesetze einführen müssen, um geordnet lehren zu können. Haben Kinder noch Raum ihre Phantasien auszuprobieren? Wenn ich in den Spielzeugladen gehe, habe ich manchmal den Eindruck, dass die Hersteller zu sehr ihre Träume als Kinderträume verwirklichen wollen, alles festgelegt, viel Plastik, viel zu bunt und schrill.
In unserem Erwachsenenleben kommen Kinder hauptsächlich auf der Versorgungsschiene vor. Das war wohl schon immer so (ich habe mal ein Buch über das Leben von Kinder im Mittelalter gelesen…). Aber die Lebensräume der Kinder hat sich zu Gunsten uns Erwachsenen verringert. Sie werden immer irgendwo hingebracht und verwahrt. Kaum ist eine Oma um die Ecke, die man spontan besuchen kann, Straßen sind gefährlich, Spielplätze müssen bewacht werden, hier ein Kurs dort eine Nachhilfe, schnell mal zum Freund 10km weiter gefahren…
Nach wie vor möchte ich uns nicht als kinderfeindlich bezeichnen. Wir machen uns schon Gedanken über unsere Kinder. Aber meines Erachtens sind diese Gedanken zu kurzfristig, nach unserem Erwachsenenverständnis und zu oberflächlich gehalten.
Ich würde mir wünschen, dass wir Deutschen aufhören uns gegenseitig zu diskreditieren. Besser die Energie Motivation aufbringen, also etwas ändern wollen.
Ich kann verstehen, wenn Hausinhaber an Spielplätzen sich vor Lärmbelästigung fürchten, das gilt auch für die alten Leute im Zug. Aber deswegen sollten wir den anderen nicht klein machen, sondern miteinander reden und Kompromisse finden. Klar, klappt nicht immer - aber immer öfter!
In unserer Straße regt sich eine alte Frau immer über meine Inliner fahrenden Mädchen auf. Sie hat Angst um ihren weißen Zaun. Aber man hat mit ihr reden können. Nun regt sie sich kaum noch auf - ein bißchen gönne ich ihrem Blutdruck. :wink:
viele Grüße
Claudia

hallo claudia,

Ich gebe da die Nachteile für die Kinder im allgemeinen zu
Bedenken.

welche nachteile? was ist der unterschied zwischen dem, was deine tochter tut und dem, was meine tochter im hort tut? Beide spielen mit kindern. ich sehe da echt keinen. früher war alles anders…hm. leider ist nunmal die wirtschaftliche situation in diesem land heute nicht mehr die gleiche. „dieses vater auf der arbeit, mutter schmeißt den haushalt und erzieht die kinder“ - gedöhns ist doch nun wirklich überholt. so muß man sich halt arrangieren. was hätte mein kind -mal als anderen denkansatz- denn auch von einer unzufriedenen mutter, die wegen sozialhilfe „pfennigfuchsen“ muß, die einfach nicht erfüllt ist in ihrem dasein als „nur“ mutter? meine tochter ist jetzt 9 1/2 jahre alt. sie führt doch schon ein eigenleben (ja - natürlich habe ich sie daheim betreut, als sie ein baby war). wenn ich heutzutage mit ihr daheim bin: fast immer ihr zimmer besucht bzw. sie ist draußen zum spielen. mal ehrlich: meine käme nur auf den trichter, irgendwie mit mir was zu machen, wenn kein anderes kind da ist. und das trotz unterhaltungselektronik ;o).

bitte jetzt nicht mißverstehen und vorab sorry für die prise sarkasmus:

Für meine Tochter bedeutet das, dass es beinahe mühsam ist mal
ein Kind zum Spielen ins Kinderzimmer zu bekommen.

wie alt ist sie denn? gib` sie doch mal schnupperweise in den hort (wenn du das große glück hast, überhaupt einen platz zu bekommen). vielleicht gefällt es ihr da ja besser, als mit „muttern“ alleine zu hause ;o)?!

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