Diagnose unzutreffend

Ich war gerade erst in einer psychosomatischen Klinik, weil ich eine Traumatherapie von meinem Psychiater vorgeschlagen bekommen hatte und diese stationär durchführen wollte. Nun hatte ich dort keinerlei Vorgespräch etc. und kam auf eine Station für Frauen mit Persönlichkeitsstörungen - Typ Borderline.
In den Therapien ging es hauptsächlich darum negative Empfindungen nicht zuzulassen und um den Umgang mit Gefühlen. Damit hatte ich allerdings nie Schwierigkeiten. Nach etwa zwei Wochen hatte ich ein Gespräch mit meiner Therapeutin dort, die mir sagte, dass ich 5 von 9 Kriterien, die für eine „Borderline-Störung“ sprechen erfüllen würde.
Nachdem ich mir das ansah, stellte ich fest, dass ich diese Symptome zwar aufweisen konnte, jedoch ausschließlich in sozialer Isolation (in der ich bereits seit 7 Jahren fast ausschließlich lebe). Immer, wenn diese soziale Isolation aussetzte, ich z.B. einen Job hatte, in dem ich mich wohl fühlte, hatte ich außer den Depressionen keinerlei Symptome.
Aus diesem Grund habe ich die Therapie dann abgebrochen, weil ich eine Traumatherapie erwartet hatte und nicht weiter verdrängen wollte.
Die Therapeutin sagte dann, sie würde mir im Entlassungsbericht die Diagnose geben, mit der ich hergekommen sei. Zu Hause angekommen öffnete ich den Brief und stellte zu meinem Entsetzen fest, dass sie mir die Diagnose Persönlichkeitsstörung - Typ Borderline gegeben hatte und mich zudem als nicht arbeitsfähig einstufte.
Ich finde mich in dem Krankheitsbild allerdings nicht und außer mir sehen das alle Menschen die mich kennen auch so.
Was kann ich nun tun um diesen Stempel loszuwerden?
Mit dieser Diagnose kann und will ich nicht leben, denn das ist nicht meine Krankheit.

Hi Blackfarah,

ohne tiefer einzusteigen, würde ich sagen, dass eine Diagnose „Borderline“ (heisst jetzt übrigens inzwischen anders, der Begriff Borderline ist veraltet) nur aus dem Zutreffen von 5 der 9 Kriterien zu stellen, unkorrekt ist.

Es gibt doch einen Psychologischen Dienst, wo man sich beschweren kann über falsche Diagnosen / Behandlungen?!

Gruß
WB

Hi Blackfarah,

ohne tiefer einzusteigen, würde ich sagen, dass eine Diagnose
„Borderline“ (heisst jetzt übrigens inzwischen anders, der
Begriff Borderline ist veraltet) nur aus dem Zutreffen von 5
der 9 Kriterien zu stellen, unkorrekt ist.

Es gibt doch einen Psychologischen Dienst, wo man sich
beschweren kann über falsche Diagnosen / Behandlungen?!

Klingt vielversprechend, ich werde da auf jeden Fall mal nachhaken. Danke!

Fast alles unzutreffend
Hi Wadlbeisser

„Borderline“ (heisst jetzt übrigens inzwischen anders, der
Begriff Borderline ist veraltet)

Ach was - was du nicht sagst. Und wie heißt das jetzt deiner Meinung nach?
:Es gibt doch einen Psychologischen Dienst, wo man sich

beschweren kann über falsche Diagnosen / Behandlungen?!

Erstens interessiert keinen Psychiater, was en Psychologischer Denst dazu meint, zweitens kann man sich über Diagnosen zwar bschweren, aber das interessiert keinen, weil Diagnosen die jeweiligen Arbeitshypothesen des behandelnden Arztes darstellen und keinen Anspruch auf endgültige Wahrheit besitzen.
Drittens - und das is jetzt eher an die Ursprungs-Posterin/Fragestellerin gerichtet- habe ich das deutliche Gefühl, dass das Schlagwort „Traumatherapie“ hier viel sinnloser ist als die Diagnose „Borderline-Pers.“
Gruß,
Branden

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Drittens - und das is jetzt eher an die
Ursprungs-Posterin/Fragestellerin gerichtet- habe ich das
deutliche Gefühl, dass das Schlagwort „Traumatherapie“ hier
viel sinnloser ist als die Diagnose „Borderline-Pers.“
Gruß,
Branden

Das hätte ich schon gern näher erläutert.
Die „Ursprungs-Posterin“

Hi Blackfarah,

Ich finde mich in dem Krankheitsbild allerdings nicht und
außer mir sehen das alle Menschen die mich kennen auch so.

ich bin jetzt leicht irritiert, da du vor einigen Wochen im Chat, bzw. deiner Vika noch stehen hattest, dass du dich mit Borderline auskennst.

Aber diese Borderlinediagnosen scheinen wohl eine ähnliche ‚Modediagnose‘ zu sein, wie damals MCD (Minimale Cerebrale Dysfunktion)/Teilleistungsstörungen, die dann durch ADS und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit(hyperaktivitäts)syndrom) abgelöst wurde.

alles, was sich nicht so richtig einordnen lässt, oder einer intensiven Differentialdiagnostik bedarf, wird halt Mal in einen Topf geschmissen.

So wiw ich gelesen habe, war die Diagnose/Begriff Borderline lange Jahre umstritten, bzw, zumindest deren Diagnostik/Definition. Andererseits kenne ich den Begriff bereits seit meiner Ausbildung (1983-86).

Bei meinen Recherchen und Beschäftigung mit diesem Thema habe ich auch viele Parallelen zu einer depressiven Verhaltensweise festgestellt, ebenso zu der dependenten Persönlichkeit und einige mehr. auch Alkoholiker neigen anscheinend zu ähnlichen Reaktionen.

Schwierig bei Borderlinern und Persönlichkeitsstörungen generell scheint zu sein, dass deren Eigenwahrnehmung wohl stark von der Fremdwahrnehmung abweichen. Aber wenn dein Umfeld auch der Meinung ist, dass du falsch diagnostiziert bist, ist das zumindest ein Ansatzpunkt für dich, dich tatsächlich von dieser Diagnose zu distanzieren.

Stöbere doch einfach im Netz, erforsche dich selbst, die verschiedenen Therapieformen, schreibe deine Erlebnisweisen auf und suche dir einen Therapeuten/Therapieform, der/die für dich richtig erscheint.

Hier einige nur grob ‚geprüfte‘ Selbsttestseiten:
http://www.psychotherapiepraxis.at/surveys/test_bord…
http://www.beratung-therapie.de/home/index_intellige…

Und diese Seite finde ich recht informativ:
http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/…
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/

Zum thema Depressive Erlebniswelten hat mir dies gefallen:
http://209.85.135.104/search?q=cache:qLS3yETxsbIJ:ww…
http://www.depri.ch/page-515-62.html

Gruß Marion

Hallo blackfarth,

ich bin keine „Fachfrau“ :smile:

Was ist denn für Dich an der Diagnose „Borderline“ so schrecklich? Du sagst selbst, dass Du fast 7 Jahre lang
in sozialer Isolation gelebt hast.

Psychotherapie hast Du auch gemacht? Aus welchem Grund wurde Dir die Klinik empfohlen?

Du sagst, Deine Freunde sehen Dich ganz anders. Welche Erklärung haben denn Deine Freunde, dass Du so lange in sozialer Isolation gelebt hast? Welche Erklärung hast Du selbst dafür?

Ich habe keine Ahnung, ob Du Borderliner bist oder nicht.

Mich würde aber interessieren, was Du Dir von der Traumatherapie erwartet hättest?

Welche Erklärung hast Du selbst dafür, warum Du sieben Jahre lang in sozialer Isolation gelebt hast?

Liebe Grüße
usch

Psychotherapie hast Du auch gemacht? Aus welchem Grund wurde
Dir die Klinik empfohlen?

Die Klinik wurde mir von meinem Psychiater empfohlen, weil sie angeblich eine recht gute tiefenpsychologische Behandlung anbietet. Von der hab ich leider nichts mitbekommen, da das Krankheitsbild auf das ich behandelt wurde rein verhaltenspsychologisch angegangen wird.

Du sagst, Deine Freunde sehen Dich ganz anders. Welche
Erklärung haben denn Deine Freunde, dass Du so lange in
sozialer Isolation gelebt hast? Welche Erklärung hast Du
selbst dafür?

Die soziale Isolation ist ein Ergebnis aus dem Umstand, dass ich damals umgezogen bin, einen kleinen Sohn habe und mein Mann sehr viel unterwegs ist. Freunde habe ich dadurch eigentlich keine mehr. Und ich hatte auch leider kaum eine Chance mir einen neuen Freundeskreis aufzubauen.

Mich würde aber interessieren, was Du Dir von der
Traumatherapie erwartet hättest?

Ich habe diverse Traumata und war lange Zeit nicht in der Lage diese anzugehen. Ich bin nun endlich bereit dafür. Da ich weiß, dass eine solche Traumatherapie sehr hart sein kann, habe ich mich für einen stationären Aufenthalt entschieden. Ein Jahr lang habe ich mich innerlich darauf vorbereitet und hatte die Hoffnung, dass ich nach der Therapie endlich damit umgehen kann und meine Depressionen sich bessern.

Welche Erklärung hast Du selbst dafür, warum Du sieben Jahre
lang in sozialer Isolation gelebt hast?

siehe oben

Hallo Blackfarah

Das hätte ich schon gern näher erläutert.
Die „Ursprungs-Posterin“

Der Terminus „Traumatherapie“ gerät zunehmend in ein populistisches Fahrwasser.
Der Wunsch, alles (auch Persönlichkeitsstörungen) seien auf ein einziges Trauma oder mehrere Traumata zurück zu führen, ist zwar verständlich, aber unrealistisch.
Neurosen, Psychosomatosen und Persönlichkeitsstörungen, also das, was wir Therapeuten meistens behandeln, sind nicht oder höchst selten auf einzelne Ereignisse im Sinne von Traumata zurück zu führen. Ene Neurose oder eine Persönlichkeitsstörung wachsen üner lange Jahre in der Kindheit. Dabei können bestimmte Haltungen von den Erziehungspersonen maßgeblich den Charakter des späteren Patienten beeinflussen, kaum aber ein traumatisches Ereignis.
Gruß,
Branden

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Hallo WB,

ohne tiefer einzusteigen, würde ich sagen, dass eine Diagnose
„Borderline“ (heisst jetzt übrigens inzwischen anders, der
Begriff Borderline ist veraltet) nur aus dem Zutreffen von 5
der 9 Kriterien zu stellen, unkorrekt ist.

nein, es müssen tatsächlich „nur“ 5 der 9 Kriterien erfüllt sein. Es können aber auch mehr vorliegen.

Grüße

Hallo,

Ich finde mich in dem Krankheitsbild allerdings nicht und
außer mir sehen das alle Menschen die mich kennen auch so.
Was kann ich nun tun um diesen Stempel loszuwerden?
Mit dieser Diagnose kann und will ich nicht leben, denn das
ist nicht meine Krankheit.

Als Nichtpsychologe naiv gefragt: Wie würde denn
Dein Lebensumfeld und Dein Alltag konkret aussehen
müssen, um *gar keine* Symptomatik zu zeigen?

Oder hast Du das noch nicht herausbekommen?

Grüße

CMБ

Hallo Branden,

mir wurde gesagt (von einem Psychotherapeuten) und ich habe es gelesen, dass die BPS „neuerdings“ als komplexe posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet wird,
weil über 2/3 der Patienten mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung traumatische Erfahrungen in ihrer Kindheit gehabt hätten.

Gruß
WB

Hallo aiwendi,

natürlich sind die Kriterien dieser 9-Punkte-Tabelle so festgelegt, dass mindestens 5 zutreffen müssen, um von einer BPS sprechen zu können.

Aber eben „können“!
Überall steht zu lesen dass einzelne Punkte dieser Tabelle auch bei anderen Krankheitsbildern erscheinen können (z.B. Depression) und deshalb eine genaue Abklärung erforderlich ist.

Mein Psychotherapeut hatte mir z.B. auch dringend davon abgeraten, einfach nur solche Tabellen anzukreuzen und daraus dann schon „ein Urteil zu fällen“.

Gruß
WB

Das muss man differenzieren
Hallo Wadl

mir wurde gesagt (von einem Psychotherapeuten) und ich habe es
gelesen, dass die BPS „neuerdings“ als komplexe
posttraumatische Belastungsstörung
bezeichnet wird,
weil über 2/3 der Patienten mit einer emotional instabilen
Persönlichkeitsstörung
traumatische Erfahrungen in ihrer
Kindheit gehabt hätten.

Die PBS (PostTraumatische Belastungsstörung) hat so gut wie nichts mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung zu tun. Das sind zwei gänzlich veschiedenen Diagnosen. So ungefähr wie grippaler Infekt und Herzinfarkt.
Wie der Name schon sagt, ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung zur Gruppe der Persönlichkeitsstörungen zu rechnen. Die emotional insabile Persönlichkeitsstörung ist wiederum eine andere Diagnose aus dem Spektrum der Persönlichkeitsstörungen.
Gruß,
Branden

Hallo,

auf WDR5 hab ich mal ne Sendung gehört: da haben 20 Zahnarztpatienten
20 grundverschiedene Diagnosen und Behandlungen vorgeschlagen
bekommen.
Wohl bemerkt: beim Zahnarzt! Was meinst du wohl, wie viele Diagnosen
du hast, wenn du bei 20 Psychiatern warst ? :wink:

Take it easy und gewöhn dir ab beim Psychoarzt über Diagnosen
zu reden. Das mögen die nämlich überhaupt nicht. Such weiter nach der
Ursache und behandel dich selbst :smile:.

So, ich mach mir jetzt noch ne Zink-Spritze und geh dann ins Bett,

Bis dann,

O.

Hallo,

Mein Psychotherapeut hatte mir z.B. auch dringend davon
abgeraten, einfach nur solche Tabellen anzukreuzen und daraus
dann schon „ein Urteil zu fällen“.

das sage ich ja selbst immer, und auch in Deinen anderen Punkten stimme ich Dir zu. Dennoch sind es eben mindestens 5 von 9, die ausreichend sind. Du hättest in Deinem Erstposting vieleicht etwas ausführlicher schreiben sollen, was Du meintest.

Grüße

Hallo,

Was meinst du wohl, wie viele Diagnosen
du hast, wenn du bei 20 Psychiatern warst ? :wink:

das war mal früher so. Heute sind schon deutliche bessere Übereinstimmungen bei der Diagnosefindung als früher möglich.

Such weiter nach der Ursache und behandel dich selbst :smile:.

Davon kann man nur abraten, wenn man weiß, womit sich Patienten selbst behandeln und zu welchen Folgen das führt.

Grüße

1 „Gefällt mir“

Hallo Blackfarah,

Nichts für ungut, aber kurz und hart gesagt, sind gerade „Borderliner“ dafür bekannt, dass sie jegliche Therapie über kurz oder lang abbrechen, weil sie die Diagnose nicht anerkennen.

Ich finde mich in dem Krankheitsbild allerdings nicht und
außer mir sehen das alle Menschen die mich kennen auch so.

Wer kennt Dich? Nach sieben Jahren sozialer Isolation?

Gruß, Nemo.

Was für eine Diskussion hier!
Also, das Ding ist, dass ich mehrere Traumata zu bewältigen habe, die mir sehr zusetzen.
Da wäre z.B. Ablehnung durch die Eltern (seit meiner Geburt) und damit einhergehende Erniedrigungen und Gewalthandlungen, die sich durch meine gesamte Kindheit und Jugend hindurchzogen.
Außerdem noch sexueller Missbrauch durch meinen Onkel, den ich nach vielen vielen Jahren zum ersten Mal bereit bin anzugehen.
Dann wäre da noch der Suizid meines Lebensgefährten, den ich mit eigenen Augen mitansehen musste und der mich auch sehr stark beschäftigt und zum Teil auch meine Verhaltensweisen stark beeinflusst.

So, nun wisst ihr worum es geht. Zumindest grob.

Ich leide daher seit Jahren an Depressionen. Diese Borderline-Diagnostik kann ich mir nicht wirklich erklären, denn ich hatte in dieser Klinik keinerlei Vorgespräch und wurde - wie viele, deren Krankheitsbild nicht eindeutig ist - in die Borderline-Schublade gesteckt.

Ich bin von meinem Psychiater in eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie empfohlen worden und musste feststellen, dass ich in der Klinik, in der ich aufgenommen wurde, nicht die erwartete Behandlung erfuhr. Meine Therapieziele, mit denen ich in die Klinik ging, nämlich Traumabehandlung, lösten sich in Luft auf, nachdem meine Therapeutin mir sagte, dass ich damit erst gar nicht anfangen bräuchte, das würde dort nicht behandelt.
Was soll ich, als Traumapatientin, denn auf eine Station für Borderliner? Darum habe ich abgebrochen.
Selbst mein Psychiater, den ich heute aufsuchte, gab mir Recht und empfahl mir nun eine andere Klinik.

@RSNemo, die Menschen, die sagten, dass ich nicht in dieses Krankheitsbild passe, sind zum Teil „Borderliner“ aus der Klinik, in der ich war, außerdem kennen mich doch ein paar Menschen, ich lebe ja nicht komplett in sozialer Isolation, aber eben vorwiegend.
Wie ich schon schrieb, sehe ich ein, dass ich diverse Symptome an mir auch bemerkt habe, doch eben nur in Phasen längerer sozialer Isolation.
Ich bin (bis auf die Depressionen) symptomfrei, wenn ich nicht sozial isoliert leben muss. In der Klinik wies ich im Übrigen keinerlei Symptomatik auf.
Und nur, weil ich mich mit der Diagnose nicht abfinden mag, heißt es doch nicht, dass ich automatisch in das Bild passe. Oder?

Liebe Farah

Ich kann Dir leider keinen Rat geben da ich kein „Fachmann“ bin. Ich würde Dr Oliver Walter mal eine Email schreiben und ihn fragen.

Er wird Dir sicherlich einen fachlichen Rat geben können.

Vorausgesetzt er hat Zeit, es wäre anmaßend von mir über seine Zeit zu verfügen.

Er ist aber der kompetenteste und hilfsbereiteste Fachmann den ich hier kenne.

Liebe Grüße
Siân