Hallo Branden,
vielen Dank für Deine kompetente Beantwortung meiner Frage.
Ich habe im
ürbigen das Beispiel mit dem HYSTERISCHEN und HISTRIONISCGHEN
gewählt, weil dieses mir besonders auffiel und ich mich
freute, als ich dann sah, dass es anderen, „größeren“ Männern
auch auffiel, wie z.B. Kernberg. Da fühlt man sich dann doch
nicht so alleine plötzlich.
Zumal es einem wie Kernberg ja auch gar nicht so leicht auffällt, weil etwa dessen Konzeption des „strukturellen Interviews“ ja immerhin noch recht weitgehend an der Struktur psychiatrisch-deskriptiver Nosologie ausgerichtet ist 
Es kommt sogar
häufig vor, dass der Patient sagt: Bitte sagen Sie mir die
Diagnose, sagen ie mir, was ich bin, was mit mir ist. Häufig
wollen sie auch eine Art „Zusammenfassung“ der Ergebnisse am
Ende einer Behandlung; so, als glaubten sie ihren eigenen
Empfndungen mmer noch nicht so sehr wie den Worten des
Analytikers. Natürlich hat das lalles mit Übertragung und
Gegenübertragung zu tun (an dieser Stelle empfehle ich gern
mal das schöne Buch von KARK KÖNIGmit gleichlautendem Titel.
Moderner als die alten Bücher von den anderen dazu).
Ok, dass die „Zusammenfassung“ Teil der Analyse ist, weiß ich; ich wollte fragen, inwieweit der klassifizierende „Stempel“, den ICD und DSM bieten, in der Auswirkung eventuell über eine „Zusammenfassung“ nach psychoanalytischen, dynamischen, Gesichtspunkten hinausgeht; z.B. Negativierung der Ü, weil der Analytiker als "Handlanger der Gesundheitsmaschinerie angesehen wird; oder auch Gratifikation, damit sekundärer Krankheitsgewinn, weil man nun quasi-zertifiziert „anders als die anderen“ ist (was ja einige Patienten wollen), was Psychoanalyse selbst ja nicht bieten kann/will, weil dynamisch betrachtet die Grenzen von Krankheit und Gesundheit fließend sind.
- Besonders würde mich etwas interessieren, was Dir
vielleicht auf den ersten Blick etwas sonderbar erscheinen
wird, aber inwieweit würdest Du die Diagnostizierung gemäß ICD
oder DSM, gerade weil sie objektiv-deskriptiv-„distanziert“
ist, der Reflektion der Gegenübertragung aussetzen, oder ist
dieser Vorgang wirklich so dermaßen mechanisch, dass er der GÜ
enthoben ist?
Besser als wenn die Gegenübertragung nur noch mechanisch ist
. Kommt auch noch 
Nun, das klingt sehr theoretisch, was Du in Deiner letzten
Frage aufwirfst. Ich fürchte, ich verstehe da nicht ganz, was
Du meinst. Da fällt mir ein, dass Du ja Lacan-Anhänger bist
(Vika?), und die sind ja oft sehr theoretisch innerhalb der
Psychoanalyse, oder?
Ja stimmt; wobei ich weniger direkt Lacan-Anhänger bin, sondern Lacan über Althusser und Derrida verstehe; nur by the way
Aber das ist schon okay. Ich kann Dir
die letzte Frage trotzdem nicht beantworten, wiegesagt, ich
weiß nicht so recht, was Du damit meinst.
Ich nehme eine einzelne Teilfrage daraus: lassen die ICD- und DSM-Kriterien so viel Spielraum, dass man die „Diagnose“ falsch stellen kann und dies nicht als bloßer „Fehler“ sondern eben als Effekt von (Analytiker-Ü oder) GÜ zu werten ist (natürlich meine ich damit nicht die extremen Fälle!), die „objektiven“ Kriterien eben sogar wegen ihrer „Objektivität“ zum Spielplatz der GÜ werden?
Viele Grüße
franz