Dialekt Frage

Hallo!
Ich habe wieder mal eine weltbewegende Frage:
Herrschaftszeiten? Herr, schau aufd’ Seitn? Wo ist der Ursprung, wo kommt das her?
Bin Deutschmuttersprachler mit Matura (Abi) auch in Deutsch, aber deutsches Sprache schweres Sprache

Danke und Grüße i.V., Kudo

Irgendwo in den Weiten des Internets habe ich diesen Textbaustein gefunden:

Synonym-Details zu ‚(ja) Herrschaftszeiten (noch einmal)!‘

Der Ausruf „Herrschaftszeiten“ hat nichts mit Herrschaftszeit zu tun sondern heisst „Herr schau auf’d Seitn“ was bedeutet dass der Herrgott weg sehen soll. Also „Herr schau auf die Seite“.

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Ich würde eher tippen, dass es zu jenen Wörtern gehört, die mit “Herr…” beginnen und dann vom eigentlich gemeinten (lästerlichen) Fluch, der eigentlich “Herrgottsakr…” lautet, ablenken sollen.

weidag

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  • da bin ich nicht sicher: Die vielen anderen Verballhornungen liegen in der Lautung doch viel näher beim Original:

„Heilandzack“
„Herrdigsocka“
„Sackzementnoamol“
„Herrgottsechser“
usw.

Von daher täte ich dem „Herrschaftszeiten“ schon eine andere Deutung zubilligen, sowas wie die von @Joerg_Zabel gegebene.

Andererseits gibt es auch eine Menge nicht mehr gut nachvollziehbare ziemlich weitläufige Verballhornungen wie z.B. (damit grüß ich jetzt explizit nicht!) Pfiagottomsechse, bei dem ich bis heute nicht herausgebrungen habe, was am Aveläuten um Sechse Despektierliches sein sollte… Das würde wieder dafür sprechen, dass es um eine weitere Ableitung von dem zentralen Fluch Herrgott-Sakrament geht.

Pfiagott!

MM

Wenn ich das soeben lese, fällt mir spontan “Goet Nacht um Sechse” ein. Ich kenne es seit Kundheitstagen (1950er, Oberschwaben/Schussental). Bedeutung: “Oh, das sieht nicht gut aus. Unheil/Ungemach droht …”

weidag

Ich find solche Redewendungen ur spannend :blush: Ich hab die Erklärung mit „Herr, schau auf d’ Seit“ auch schon öfter gehört, wusste aber gar nicht, dass das wohl eher eine volksetymologische Deutung ist und gar nicht eindeutig belegt werden kann. Gerade im Dialekt verändern sich Ausdrücke ja über Generationen so stark, dass die ursprüngliche Bedeutung oft gar nicht mehr nachvollziehbar ist. Falls jemand dazu eine sprachwissenschaftliche Quelle kennt, würde mich das wirklich interessieren.