Oberflächlichkeit, Intoleranz und Unterstellungen
Beim Rest werden wir auf keinen Konsens kommen. Müssen wir meinetwegen auch nicht. Ansonsten will ich noch ein paar Mißverständnisse ausräumen.
Um eine Partnerschaft zu schließen, kann man einfach nicht die
äußerliche Attraktivität außen vor lassen. Es steht jedem zu,
sich da jemand zu suchen, der ins eigene Raster paßt (und
Gottseidank gibt es verschiedene Geschmäcker). Ich kann aber
da eher Kompromisse machen als bei Charaktereigenschaften. Na,
jeder muß seine Prioritäten selbst setzen.
was hat das mit partnerschaften zu tun? meinen mann habe ich
kennengelernt, da sah ich aus wie vom truck überfahren. es
geht um das allgemeine wohlbefinden und nicht um die aussicht
auf einen aufriß. das allerschlimmste was man zu hören bekommt
ist „naja, heiraten wirst du wohl trotzdem!“
Das sollte nur heißen, daß ich persönlich zwar nicht meine Umwelt nach ihrem BMI oder ihrer Optik beurteile, für eine Partnerschaft aber trotzdem zu einem gewissen Teil die Attraktivität eine Rolle spielt. Die wenigsten von uns wollen etwas wie eine „Josefsehe“ führen. Ansonsten ist für mich eine Partnerschaft etwas anderes als ein Aufriß.
Wenn ich aber Freundschaften schließe, dann ist es mir
wirklich schnurzpiepeegal, wie meine Freunde aussehen.
mir auch. aber es gibt nicht nur freunde sondern menschen mit
blicken. und nicht zu vergessen vorgesetzte.
Dann ist es einfach schade, wenn diese nicht in der Lage sind, die Qualitäten eines Menschen hinter der Fassade zu berücksichtigen. Eine Kollegin von mir war zwar die Dickste in der Truppe, hat aber die wenigsten Krankentage (fünf Tage in sechs Jahren), macht ihre Arbeit tipptopp und springt immer ein, wenn ein anderer mit seinem Platz absäuft. Und eine wildfremde Person mit angeekeltem Blick anzuglotzen, nur weil sie dick ist, ist unterste Schublade. Dann sollte nicht nur der Dicke für sich selbst abnehmen, weil er sich dann gesünder fühlt oder sich besser gefällt, sondern auch der Glotzer an seiner Kinderstube arbeiten.
Sollen
sie meinethalben drei Zentner wiegen oder Akne haben oder
sonstwas, da sind mir Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Humor
etc. echt wichtiger. Oberflächlichkeit ist eher was, worauf
ich gut verzichten kann.
richtig. aber nicht jede beziehung ist die einer freundschaft.
Und nicht jede Freundschaft ist eine Beziehung. Ich habe einige Freunde, die optisch nicht dem Schönheitsideal des beginnenden 21. Jhd. entsprechen. Aber ihre Freundschaft möchte ich für nichts auf der Welt missen.
Außerdem ist für die meisten von uns angeblich Toleranz
gegenüber Menschen anderer Hautfarbe, Religionen etc.
selbstverständlich.
also DAS ist jetzt wirklich ein latent rassistischer kommentar
könnte man zumindest behaupten! du vergleichst einen
körperlichen makel mit einer anderen hautfarbe oder andere
religion? meinst du damit, daß es ein makel ist schwarz zu
sein oder jude zu sein? das ist ja allerhand.
Nach den vielen Deiner Beiträge, die ich in w-w-w schon gelesen habe, wundert mich dieses Umdrehen von Spieß und Wort wirklich nicht. Diesen Projektionsschuh ziehe ich mir nicht an. Für Dich persönlich die Erläuterung, die manch anderer nicht braucht:
Für mich sind Dinge wie andere Hautfarbe, andere Religion usw. kein Makel, sondern eine Eigenschaft, ein Glaube, eine Weltanschauung etc. Manches kann ich nicht teilen, manches muß ich nicht teilen, manches will ich nicht teilen. Und? So wie ich all das akzeptiere und toleriere, z. T. wegen der Vielfalt als bereichernd für meine Umwelt finde, erwarte ich die gleiche Einstellung auch für mich. Das dürfte an sich wohl kein Diskussionsthema sein. Fortsetzung nach Deinem nächsten Zitat.
Wenn das bei der Leibesfülle aber aufhört
es hört auf bei einem äußeren eindruck, der auf ungesunde
„unnormale“ lebensweise und/oder krankheit zurückschließen
läßt. dicken sollte man helfen anstatt ihnen einzureden daß
die welt sie gefälligst akzeptieren muß.
Genau das ist der Punkt: der äußere Eindruck! Wenn ich jemand kenne und weiß, daß er mit seinem Zustand nicht zufrieden ist, dann versuche ich natürlich zu helfen. Wenn ich aber jemand bei McDonalds sehe, kann ich seine Unzufriedenheit gar nicht beurteilen und weiß nicht, ob derjenige sich helfen lassen will oder kann. Wer sagt mir denn, ob er seine Figur als Makel empfindet, nur weil ich das tue? Vielleicht gefällt derjenige sich selbst so oder sagt sich: Okay, lieber dick und mit Genuß leben als ständig fasten oder auf meine Lieblingsgerichte verzichten. Manchen Männern z.B. können Frauen gar nicht üppig genug sein. Ihn/sie zu missionieren steht mir einfach nicht zu. Also toleriere ich nicht nur die Dinge von oben wie Hautfarbe, Religion usw., sondern auch äußerliche Eigenschaften, die ich selbst als Makel empfinden mag. Mir meinen Teil zu denken, behalte ich mir vor, aber ich habe nicht das Recht, diejenigen per Blick oder Wort zu verletzen.
ich wünschte man
hätte mir dies so ins gesicht gesagt als ich 16 war.
stattdessen das übliche „ist ja nicht so schlimm“…
Ich wage mir nicht vorzustellen, wenn ein Fremder das wirklich getan hätte. Aber vielleicht wußten Deine Freunde und Familie selbst nicht, was man da tun kann und wollten Dir mit dem nicht-schlimm signalisieren, daß Du ihnen trotzdem nichts weniger wert bist. Ich würde das genauso in einem solchen Fall tun.
Gruß
mowei