Vor einigen Wochen habe ich die Antwort von
Kardinal Ratzinger auf die Frage, wie denn das Verbrennen von
Menschen bei lebendigem Leibe mit dem Evangelium vereinbar
sei, im Fernsehen gehört/gesehen: „Die haben eben das
Evangelium nicht genau genug gelesen“, sagte er mit einem
leichten, vielleicht auch gequälten Lächeln.
Gruß, Stucki
Diesen Ausspruch kann ich nicht beurteilen. Dazu hätte ich das selbst sehen bzw. den ganzen Zusammenhang kennen müssen.
Aber an anderer Stelle hat Kardinal Ratzinger sensible und würdige Worte gefunden, an einer Stelle, wo unser Bundeskanzler weniger als unteres Mittelmaß bewiesen hat.
Schröder hat in Frankreich am 6. Juni 2004 nicht den deutschen Soldatenfriedhof besucht. Noch schäbiger kann man sich kaum benehmen, und noch besser kann keine Ansprache an diesem Soldatenfriedhof sein als die von Kardinal Ratzinger:
Das Ziel der Politik ist Gerechtigkeit
In dieser Stunde verbeugen wir uns in Ehrfurcht vor den Toten des Zweiten Weltkriegs; wir gedenken der vielen jungen Menschen aus unserer Heimat, deren Zukunft und Hoffnung in den blutigen Schlachten des Krieges zerstört wurde. Es muss uns als Deutsche schmerzlich berühren, dass ihr Idealismus und ihr Gehorsam dem Staat gegenüber von einem ungerechten Regime missbraucht wurde. Aber das entehrt diese jungen Menschen nicht, in deren Gewissen nur Gott hineinblicken kann und jeder einzeln mit seinem Weg und seinem Sterben vor Gott steht, in dessen barmherziger Güte wir alle unsere Toten geborgen wissen. Sie haben ganz einfach ihre Pflicht – wenn auch oft unter furchtbarem inneren Ringen, Zweifeln und Fragen – zu tun versucht, aber sie blicken nun uns an und reden zu uns: Und ihr – was werdet ihr tun, damit nicht wieder junge Menschen in solche Kämpfe getrieben werden? Was werdet ihr tun, damit die Welt nicht von neuem durch Hass und Gewalt und Lüge verwüstet wird?
Wenn dies eine Stunde der Trauer und der Gewissenserforschung ist, so ist es zugleich auch die Stunde einer großen Dankbarkeit: Über den Gräbern ist Versöhnung gewachsen. Feinde sind Freunde geworden und reichen sich zum gemeinsamen Weg die Hände. Das Opfer unserer Toten war doch – auch innergeschichtlich gesehen – nicht umsonst. Nach dem Ersten Weltkrieg war Feindschaft und Bitterkeit zwischen den kriegführenden Nationen, besonders zwischen Deutschen und Franzosen geblieben und vergiftete die Seelen. Der Vertrag von Versailles hat ganz bewusst Deutschland demütigen wollen und es mit Lasten beladen, die die Menschen in die Radikalisierung trieben und so der Diktatur die Tür öffneten, ihren betrügerischen Versprechungen auf Wiederherstellung von Freiheit, Ehre und Größe Deutschlands Gehör verschafften. Aug um Auge, Zahn um Zahn – das führt nicht zum Frieden, wir haben es gesehen.
Gottlob hat sich Gleiches nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wiederholt. Die Amerikaner haben mit dem Marshall-Plan uns Deutschen großzügig geholfen, unser Land wiederaufzubauen und haben uns neuen Wohlstand und Freiheit ermöglicht. In der neuen Weltkonstellation mit dem Zusammenbruch der Kolonialreiche und der Konfrontation zwischen Ost und West ist alsbald auch das Bewusstsein erwacht, dass nur ein geeintes Europa im Fortgang der Geschichte eine Stimme haben kann; dass die Nationalismen, die unseren Kontinent zerrissen haben, aufhören und durch eine neue Solidarität abgelöst werden müssen. So ist es nach den Konflikten, die Jahrhunderten ihre blutige Spur eingezeichnet haben, gottlob zu einer immer engeren Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich gekommen. So wächst seit den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts Europa in wachsenden Ringen. Heute stehen wir als Versöhnte und Freunde an den Gräbern, die uns an den unseligen Zwist von damals erinnern.
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Gruß, Infotalk