Die Kirche entschuldigt sich - wieder

Hi Infotalk!

Vielleicht fehlt Dir ein wenig das Geschichtverständnis. Ich
weiß ja nicht, wann Du zur Schule gegangen bist, und ob im
Geschichtsunterricht auch noch über eine andere Zeit als die
verhängnisvollen „zwölf Jahre“ unterrichet wird.

*Lächel* Du sprichst von 1933 bis 1945, ja? Nein, ein klitzekleines bisschen weiß ich auch über Hatschepsut, Heinrich Kramer (Malleus Maleficarum), Jakob Koller, Red Cloud, und einige(s) andere mehr.

Ich hatte auch das unglaubliche Vergnügen, Cäsars „De bello gallico“ zu übersetzen, weiß mithin also n bisschen was über den „JuJuJulius“.

Im Mittelalter gab es eine Verquickung von Staat und Kirche
und eine gemeinschaftliche Weltanschauung.

Jein.

Was die Kirche verbrochen hat, hat genauso der Staat verbrochen.

Jein, Girolamo Savonarola wurde von der Kirche hingerichtet, nicht vom Staat.

Die Hexenverbrennungen waren z.B. nicht allein eine Angelegenheit
der kirchlichen Obrigkeit, sondern auch der weltlichen.

Das habe ich nicht bestritten. Allerdings war das Gros der Hexenverfolgungen nicht im Mittelalter!
Als Beispiel, der Zauberer-Jackl-Prozess (Ende 17. Jahrhundert) in Salzburg: http://www.museumonline.at/1999/schools/classic/land…
Der Hexenhammer (Malleus Maleficarum)entstand erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts (veröffentlicht 1487). Das Mittelalter war bekanntlich 1492 aus.
http://www.enzyklopaedie.org/Heinrich_Institoris

Ach, im Übrigen: Die Inquisition, auf die ich mich unter anderm bezogen hatte, ging fast außschließlich auf die Kappe der katholischen Kirche. Wenn sich der jetzige Papst also dafür entschuldigt, dann zu Recht.

Daß es eine „direkte“ Nachfolge in der weltlichen Obrigkeit
nicht gibt - da haben wir aber Glück gehabt.

Siehs mal so: Deine/Meine Vorfahren haben vielleicht bei Hexenverbrennungen mitgemacht. Papst Johannes Paul II. ist mit absoluter Sicherheit der direkte Nachfolger der Folterpäpste der Inquisition. Und die hat tatsächlich im Mittelalter stattgefunden.

Sonst müßten wir uns ja dauernd für die Hexenverbrennungen und
ähnliches entschuldigen, so aber können wir das allein dem
Papst überlassen. Das hat schon Komfort für uns!

Und noch was: Das Mittelalter und die Frühe Neuzeit war eine Zeit der Angst. An der Entwicklung dieser Angst der Menschen war das gesamte Christentum maßgeblich mit beteiligt.

Zu guter Letzt noch was: Der päpstliche [italienische] Gesandte war auf seiner Reise durch Süddeutschland entsetzt, weil er alle paar Kilometer an brennenden Scheiterhaufen vorbeigekommen ist. Jaja, der gute Mann hat den Wahnsinn der Hexenverfolgungen erkannt. Diese gehn zum Teil aufs Konto weltlicher Machthaber. Aber: Die Bundesregierung von Deutschland ist kein Nachfolger von diesen absolutistischen [adeligen] Machthabern.

Grüße
Wolkenstein

Hallo Anwar!

Der Islam und das Christentum schon. Bei Hinduismus und
Buddhismus kenne ich mich nicht so aus, Shintoismus (in Japan)
ist eine Religion, die nur wenig absolute Regeln hat und
definitiv keinen Alleinvertretungsanspruch.

Der Buddhismus kennt laut Auskunft von Marion keinen Alleinvertretungsanspruch.

Grüße,
Anwar

auch Grüße
Wolkenstein

aha dann doch eben nicht dasselbe *g*
ich finde es respektlos, sich bei anderen traditionen zu bedienen wie am angerichteten büffet. für mich das exakte gegenteil von toleranz. aber man mag das anders sehen…

grüße
datafox

Hallo Mike,

Ich finde es schön, wenn Leute die Religionen vermischen.

ich finde das fatal.
Es ist etwa so, als ob man Kochrezepte vermischt.
Was da rauskommt ist oft ungenießbar.

Es zeigt, wer wirklich tolerant ist und wer nur selbstgefällig eine
Toleranz heuchelt. Diejenigen, die sowas auf die Palme bringt, sind
nämlich nur Heuchler, da sie das Nebeneinander der Religionen
eigentlich DOCH NICHT haben wollen.

Ein Nebeneinander ist ja OK. Das ist Toleranz.
Aber ein Durcheinander ist Inkonsequenz.

Gruss Harald

Hallo, Ihr Beiden!

Nachdem Ihr Euch im Juden- bzw. Christentum gut auskennt, folgende Bemerkung, eigentlich besser: Frage.

Ich finde es schön, wenn Leute die Religionen vermischen.

ich finde das fatal.
Es ist etwa so, als ob man Kochrezepte vermischt.
Was da rauskommt ist oft ungenießbar.

Ist Christentum - exakt das, was in der Bibel steht - nicht Judentum vermischt mit „was neuem“ (neu bezogen aufs Neue Testament)? Gibts das überhaupt - eine völlig „unvermischte“ Religion?

Es zeigt, wer wirklich tolerant ist und wer nur selbstgefällig eine
Toleranz heuchelt. Diejenigen, die sowas auf die Palme bringt, sind
nämlich nur Heuchler, da sie das Nebeneinander der Religionen
eigentlich DOCH NICHT haben wollen.

Toleranz ist imo, wenn ich Deine Einstellung als solche akzeptier.

Ein Nebeneinander ist ja OK. Das ist Toleranz.
Aber ein Durcheinander ist Inkonsequenz.

Imo auch dann, wenn Du eine Durcheinandereinstellung hast; eben weils Deine Einstellung ist. Das - meine Akzeptanz - heißt aber nicht, dass ich nicht der Meinung sein kann: Deine Einstellung halte ich für Schwachfug; nichts desto trotz darfst Du sie natürlich haben und ich anerkenne sie als „Deine Einstellung“. Deshalb bin ich nicht gezwungen, sie für richtig zu halten. Toleranz hat imo nichts mit „etwas für richtig halten“ zu tun.

Gruss Harald

Grüße aus den seit gestern verregneten Bergen
Wolkenstein

Hallo,

Ist Christentum - exakt das, was in der Bibel steht - nicht
Judentum vermischt mit „was neuem“ (neu bezogen aufs Neue
Testament)? Gibts das überhaupt - eine völlig „unvermischte“
Religion?

„exakt das, was in der Bibel steht“ ist eine Richtung im Judentum, die ursprünglich nichts Neues brachte.

Lediglich die Anwendung der jüdischen Gesetze auf Nichtjuden war vorerst unklar, was dann zum Konzil in Jerusalem führte. (Apg.15)

Hier finden wir eine „Neuerung“. Ist aber in Wirklichkeit nur eine Erneuerung von Richtlinien, die schon seit Noahs Zeiten gültig sind.

Die vielen Dinge/Rituale, die das Christentum heute vom Judentum trennt sind später aus anderen Religionen dazugemischt worden und finden sich nicht im biblischen Urtext.

Das einzig wirklich Trennende (aber das ist gravierend!) ist, dass Christen Jesus für den verheißenen Messias halten, während die Juden noch auf denselben warten.

Grüße aus den seit gestern verregneten Bergen
Wolkenstein

Gruß zurück aus dem ebenfalls verregneten Linz
Harald

Urspünglichkeit von Religionen
Hallo,

„exakt das, was in der Bibel steht“ ist eine Richtung im
Judentum, die ursprünglich nichts Neues brachte.

Wobei man sagen muss, dass auch das Judentum wiederum nur eine Zusammensetzung älterer Religionen ist und nur teilweise neu. Ich finde Datas Ansatz überhaupt nicht nachvollziehbar, keine heute noch real existierende Religion ist „originär“ und „unvermischt“.

Grüße,

Anwar

Ist Christentum - exakt das, was in der Bibel steht - nicht
Judentum vermischt mit „was neuem“ (neu bezogen aufs Neue
Testament)?

ist eher was neues vermischt mit judentum :smile:

Gibts das überhaupt - eine völlig „unvermischte“
Religion?

was ist die älteste noch bestehende? ich denke das dürfte der hinduismus sein?? das müßte das unvermischt sein. ausgestorbene vorläufer und einflüssse zählen ja nur akademisch.

gruß
datafox

Wobei man sagen muss, dass auch das Judentum wiederum nur eine
Zusammensetzung älterer Religionen ist und nur teilweise neu.

aber die gibts nicht mehr. ist also irrelevant im umgang mit „anderen“.
wie ich oben sagte: die älteste noch bestehende religion müßte die unvermischteste sein. wenn ich nicht irre ist das der hinduismus. (abgesehen von kleineren stammeskulten, von denen kein laie jemals gehört hat.)

Ich finde Datas Ansatz überhaupt nicht nachvollziehbar, keine
heute noch real existierende Religion ist „originär“ und
„unvermischt“.

da ist natürlich logisch!

gruß
datafox

Was auch wie…

aha dann doch eben nicht dasselbe *g*
ich finde es respektlos, sich bei anderen traditionen zu
bedienen wie am angerichteten büffet. für mich das exakte
gegenteil von toleranz. aber man mag das anders sehen…

Nuja, aber wer ist da „besser“ als der Rest?
Haben nicht die Christen unter Konstantin sich der heidnischen römischen, gallischen, germanischen, keltischen, nordischen etc… Gottheiten bedient, um eine für alle wohlschmeckende Suppe zu kochen? War nicht auch das Kreuz auf den Friedhöfen nicht eine pagane Erfindung?

Haben denn die Muslime nicht die „tragbaren“ Elemente des Christentums genutzt als eine Basis (von vielen) für ihre Religion?

Benutzt nicht der Bhuddismus auch Elemente des Hinduismus, genauso umgekehrt? Können wir denn da heute noch sagen, was woraus erwachsen ist?

Passen wir nicht heute auch täglich unseren eigenen Glauben an dem an, was wir von unserer Welt erfahren, egal wer uns das gerade serviert? Nicht umsonst gibt’s in der Bibel das weise Sprüchlein „Prüfet alles, behaltet das Gute“.
Na, warum dann nicht am Buffet der Weltreligionen zulangen? (wer ist denn die objektive oberste Instanz, die entscheidet, was „gut“ ist?)

Und dann bleibt halt noch zu sagen, daß man doch als Anhänger einer Religion (für dieses Beispiel Christentum) mit Absolutheitsanspruch, beim Anblick des Hindus mit dem Jesusbildchen, im Herzen die Hoffnung hegen kann, daß Jesus sich ihm offenbart und ihm zeigt, daß er die anderen Bildchen alle wegwerfen kann, nicht wahr?
Was wäre denn besser, dem Hindu mit der Ikone zu sagen er soll
a) eins der beiden Dinger wegwerfen (sich „klar bekennen“), oder
b) ihm ne Moralpredigt halten und ihn zum Christentum konvertieren zu versuchen
c) sich mal bisschen damit beschäftigen, was er da gerade vor sich hat

Ich denke mal, Wege a) oder b) sind klare Zeichen von Intoleranz, oder?

Gruß,
Mike