Moinsen,
Nur das Problem war: noch nie habe irgendwo in meinem ganzen
Leben soviele emotionale, intelligente Menschen auf einem
Haufen gesehen! - die sollen krank sein?
ALlein Empfindsamkeit und Intelligenz reicht lange nicht aus.
Man muß auch mit dem Empfundenen und Erkannten umgehen können.
Soziale Kompetenz also - meist scheitert es daran, und dann
nützt das auch nix mehr, dann ist und wird man krank.
den größten Teil dieser Aussage verstehe ich nicht. Könntest
du das vielleicht nochmal anders beschreiben?
Gern. Matze bezieht sich darauf, daß erhöhte Intelligenz und/oder Empfindsamkeit offensichtlich ein entscheidendes Merkmal jener vermeintlich Kranken seien.
Ich verstehe ihn so, als seien bei dieser Sorte „Kranker“ alle übermäßig sensitiv, und sei die „Krankheit“ auch gerade darin bedingt.
Ich sage: Nein, das reicht nicht, um „krank“ zu sein.
Ich sage: Zu dieser Sorte „Krankheit“ gehört unbedingt dazu, daß der Betroffene aus diesem evtl. „Anderssein“ in einen Konflikt mit seiner Umwelt gerät, sei es, daß er mit ihr direkt nicht mehr klarkommt oder aber mit sich selbst in solchem Maße nicht mehr klarkommt, daß ihn das im täglichen sozialen Miteinander beeinträchtigt.
Grund: Wenn er damit klarkäme, wäre er nicht krank. Es bestünde keinerlei Leidensdruck, keinerlei Konflikt.
Aber mit der Sozialkompetenz muss ich dir widersprechen. Ich
bin nicht der Meinung, dass psychisch kranke Menschen weniger
haben als andere. Keineswegs…
Mit „Sozialkompetenz“ meine ich hier die Fähigkeit, im Zusammenleben mit den Menschen um Dich herum - wie auch immer die sind - gut zurechtzukommen. Kann sein, daß ich das Wort damit nicht ganz korrekt verwende.
Unter „gut zurechtkommen“ verstehe ich sicher nicht, wenn jemand bei jeder Begegnung denkt „Mein Gott, was für eine tumbe Nuß!“. Nein, damit meine ich genau das Hinnehmen jener von Oliver erwähnte Widersprüche, das Anwenden von Werkzeugen wie kleinen Intrigen oder Lügen etc. pp. All das, was Matze bemängelt. Oder aber, und das ist die zweite Möglichkeit, gut „zurechtzukommen“, das Akzeptieren der Tatsache, daß die überwältigende Mehrheit nunmal so ist und man sich irgendwie damit arrangieren muß (und kann!) ohne zu leiden.
Es laufen - ums plakativ zu sagen- soviele Deppen auf der Welt
rum, und keiner kommt auf die Idee diese als krank zu
bezeichnen.
Wäre das wichtig? Würde das einen Unterschied machen? Welche
Konsequenzen würde wer daraus ziehen?
Ja, das wäre wichtig für die „Kranken“. Weil es sie zu etwas
„richtigem“ machen würde.
Wer will denn das entscheiden bitte? Krankheit ist ziemlich gut definiert, nämlich als Abwesenheit von Gesundheit, und Gesundheit liest sich als „Körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden“ (gem. WHO). Darauf hat man sich nunmal geeinigt, und wem das nicht gefällt, nunja, der darf ja gerne Begriffe umdeuten, aber dann muß er das zum einen deutlich machen und zum anderen damit leben, daß andere ihm nicht folgen.
Menschen kommen nicht wegen übermäßiger
Empfindsamkeit in die Klapse, und auch nicht wegen eines
Mangels derselben. Sie kommen dorthin, weil sie mit ihrem
Umfeld nicht klarkommen
Ich denke, du täuscht dich hier.
Vielleicht nehmen eben grade empfindsame Menschen denn ganzen
Schwachsinn in unserer Gesellschaft wahr. Und verzwifeln
daran…
Und genau das „daran verzweifeln“ ist es, was sie krank macht! An genau diesem Punkt ist die Abzweigung vom Weg der Gesunden ins Tal der Kranken.
Es fällt mir um diese Uhrzeit ein wenig schwer, die richtigen Worte zu finden, man möge mir verzeihen 
Gruß,
Malte.
PS: Ich glaube, der größte Fehler, den man in dieser Sache machen kann, ist zu werten. In dem Moment, in dem man sich selbst über die „vermeintlich gesunden, eigentlich aber kranken Deppen“ stellt und auf sie herabsieht, verliert man genau das, was einen scheinbar über sie erhebt und gesellt sich durch diese Hintertür wieder zu ihnen, quasi als Einäugiger unter den Blinden. Matzes Postings - es ist ja nicht das erste dieser Art - lesen sich für mich immer recht deutlich so…