Die Kunst des Schenkens

Hallo,

früher habe ich immer geglaubt, dass man mit Geschenken Freude bringt, seine Sympathie damit ausdrückt - das es eigentlich ein „unkomplizierter Akt“ sei , weil sich der Nehmende über das lieb gemeinte Geschenk freut, der Gebende , weil es ihm gelungen ist, Freude zu bereiten.

Meine Erfahrungen sind aber leider ganz anders.
Inerhalb der Familie ist es oft ein gegenseitiges Hin- und herschenken (Kinder ausgeschlossen - die freuen sich noch ehrlich), dass dadurch den eigentlichen Sinn etwas verliert…

Also habe ich mich an den Spruch besonnen … „denn die Freude die wir geben , kehrt ins eigne Herz zurück.“

Ich schenke also grundsätzlich gerne, mache gern auch Menschen eine Freeude von denen ich eigentlich nichts zurückerwarte…aber doch … das Feedback das ich Freude bereiten konnte.
Doch oft wird sowas missverstanden, man fühlt sich „bedrängt“ oder nimmt es derart danklos hin, dass der Spaß abhanden kommt und wenn mans anspricht , hat man ja doch was für das Gechenk erwartet?

Ich finde das komisch? Für mich wäre ein Dankeschön doch ganz normal?
Warum darf man nicht aus Mitgefühl ein Geschenk machen (wenn jemand schwer erkrankt ist, einen Schicksalsschlag erlitten hat oder gerade finanziell schlecht gestellt ist, als Anerkennung für irgendeine geleistee Tätigkeit oder auch aus Sympathie, aus der bloßen Zuneigung heraus?

Warum werden sogar Sympathiebekundungen als "bedrängend " empfunden?
Wo bleibt da die offene ehrliche Kommunikation?

Was das Schenken betrifft: freilich kann man sich auch anders hilfreich erweisen , aber es gibt Menschen , die eben eingeschränkt sind und das nur begrenzt können und sich dann eben so ausdrücken?

Ist es wirklich normal , dass man Geschenke als bedrängend empfindet oder aber ohne jegliche Dankbarkeit heute eher was "manipulatives " in sich tragen?

Erwarte ich zu viel , wenn ich ich schon erwarten würde , ein Feedback zu bekommen.
Viele Grüße

Teddy 64

Hallo Teddy,

ich sehe das Verschenken genauso wie du und freue mich generell darüber, wenn mir jemand etwas schenkt. Dabei merke ich mir aber auch, wer mich bedacht hat und eventuell wie (also in welcher Höhe).
Das behalte ich im Hinterkopf(versuche es), um zu gegebenem Anlass etwas zurückgeben zu können. Also nicht nur, um zu zeigen, dass ich an die Person gedacht habe, sondern auch, dass ich daran gedacht habe, dass sie mal großzügig, etc. an mich gedacht hat.
Generell muss ich dir leider zustimmen. Das Verschenken ist heute nicht mehr der Vorgang, den wir noch kennengelernt haben. Selbst wenn ich mitbekommen, dass Menschen etwas geschenkt bekommen, weil man ihnen unter die Arme greifen will, meckern sie daran herum. Ich sage ihnen dann, dass man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut.
Schau dir doch mal die Geschenkkultur auf Kindergeburtstagen an.
Da wird fast nur noch Geld verschenkt, um nichts falsch zu machen.
Man muss sich nicht mal mehr die Mühe machen und über das Geburtstagskind nachdenken, was es gebrauchen könnte.
Viele sind mitlerweile sehr empfindlich.
Der hohe Bildungsgrad entfernt uns immer weiter voneinander.
Jeder will beachtet werden und betrachtet sich als den Mittelpunkt der Erde. Dabei sieht man uns von „oben“ gar nicht.

Gruß numbat
[MOD: Überflüssiges Vollzitat entfernt]

Hallo Teddy64,

ja, du hast Recht, Schenken ist eine Kunst.

Warum passiert es manchmal, dass der Beschenkte sich nicht freut? Sicherlich gibt es verschiedene Gründe, sowohl persönliche als auch kulturelle. Folgende fallen mir ein:

  1. Der Beschenkte kann mit dem Geschenk nichts anfangen, vielleicht, weil er es potthässlich findet oder es einfach überhaupt nicht gebrauchen kann.
    Beispiele: X bekommt ein Kleidungsstück, dass sie nie im Leben am Körper herumtragen möchte.
    Y bekommt einen Käsehobel, obwohl er schon drei in der Küchenschublade hat und noch nie einen benutzt hat.
    Z bekommt eine gusseiserne Bratpfanne, obwohl sie körperlich schwach ist und sie gar nicht anheben kann.

Beim Fall Z verstehst du vielleicht, dass das Geschenk sogar traurig machen kann, der Schenkende ist ja nicht auf Z eingegangen.

Wie soll der Beschenkte in so einem Fall reagieren?
a) falsch sein und lächelnd danken?
b) sich bedanken und das Geschenk zurückgeben, weil er nichts mit anfangen kann?
c) sich bedanken und sich irgendeine Verwendung ausdenken (Ich kann die Bratpfanne leider nicht anheben, aber sie macht sich sicher gut als Blumentopf für meine Küchenkräuter)?
d) müffeln?

Ich fürchte, vielen ist die Situation so peinlich, dass sie zu Antwort d) greifen, um ihre Scham zu verstecken.

  1. Der Beschenkte weiß, dass er nicht zurückgeben kann. Deswegen ist es ihm unangenehm, etwas anzunehmen.

  2. Der Beschenkte empfindet sich bevormundet oder kritisiert.
    Beispiel: A hat seine erste Freundin und bekommt von seinen Eltern Kondome geschenkt.
    B bekommt Seife geschenkt und nimmt es als Anspielung darauf, dass sie neulich etwas verschwitzt war.

  3. Der Beschenkte weiß nicht, ob hinter dem Geschenk eine Erwartung liegt.
    Beispiel: Eine Frau bekommt ein Geschenk von einem Mann. Will er mehr von ihr?
    Ein Journalist bekommt ein Geschenk von jemanden, über den er schreiben soll. Ist das eine Bestechung?

  4. Der Beschenkte hat das Gefühl, dass sich der Schenkende verausgabt.

  5. Der Beschenkte hat das Gefühl, dass er das Geschenk nicht wert ist.
    Beispiel: C tut D leid. Deswegen ist D immer nett zu C. C ist dankbar und schenkt D etwas. Das ist D peinlich, denn sie ist nicht nett zu C, weil sie sie mag, sondern weil sie ihr leid tut.
    E hat F gefragt, ob sie zusammen aus gehen können. F hat keine Lust gehabt und behauptet, sie hätte kein Geld. Daraufhin kommt E mit einem Geldgeschenk.
    G hat ein geringes Selbstwertgefühl. Wenn sie etwas geschenkt bekommt, hat sie immer das Gefühl, das Geschenk nicht zu verdienen.

  6. Der Beschenkte ist materiell so verwöhnt, dass er sich über Geschenke nicht mehr freuen kann. Vermutlich ist er mit Liebe alles andere als verwöhnt.

Soweit erstmal mit Beipsielen. Natürlich finde ich auch, dass man sich bedanken soll. Ich persönlich finde nicht, dass man falsch sein soll, ich weiß, dass andere das für höflich halten. Ich hingegen finde, dass man erklären soll, wenn man ein Geschenk nicht gut findet.

Hoffe, diese Antwort hilft dir.

Die Kunst des Dankens
Hast du gemerkt, dass du bisher noch keinen Dank für deine Antwort bekommen hast? Das wäre doch das mindeste bei so einem Thread, oder?