Die Power aus der niedrigen Umderehungszahl

Hallo zusammen,

mir liegt ne frage schwer im bauch…

also…ich hab einen *omniallwissenden* nachbarn…der gerne über motoren redet…
letztens erzählte er mir das dieselmotoren ihre leistung aus der niedrigen umdrehungszahl holen…und ich hab ihn angeguckt wie ein spaten…

da ich kein von motoren hab…und mich die situation abfuckt…werde ich nu ein teil meiner freizeit in motoren & co widmen…

kann mir vielleicht jemand (möglichst simpel) erklären warum ein dieselmotor aus einer niedrigeren umdrehungszahl so viel leistung bring??

danke für eure mühe im vorraus

asi

Hallo Du,

letztens erzählte er mir das dieselmotoren ihre leistung aus
der niedrigen umdrehungszahl holen…und ich hab ihn angeguckt
wie ein spaten…
kann mir vielleicht jemand (möglichst simpel) erklären warum
ein dieselmotor aus einer niedrigeren umdrehungszahl so viel
leistung bring??

Dein Freund meinte das richtige und sagte das Falsche:
Der Diesel holt seine Leistung nicht aus der tiefen Drehzahl, seine volle Leistung entfaltet er - wie der Benzinmotor ebenfalls - bei (verhältnismäßig) hoher Drehzahl (zw. 3500 und 4500 U/min - je nach Motor).
Diesel entfalten ihr maximales Drehmoment lediglich wesentlich früher als ein Benziner - das macht den Dieselmotor in niedrigen Drehzahlen sehr zugstark und dynamisch.
Die Begrenzung der Drehzahl des Diesels liegt an der Bauart:
Der Einspritzdruck eines Dieselmotors beträgt 2000 bar (zum Vergleich: Ein Benziner spritzt mit 2,5 bar bis maximal 10 bar (Direkteinspritzung) ein). Dadurch sind die Zeitfenster, die der Dieselmotor zum Öffnen der Düsennadel hat sehr gering, die Nadel muss aber voll kontrolliert schwingen. Je höher die Drehzahl steigt, desto weniger Zeit hat die Einspritzanlage, um den Zeitraum und den Einspritzvorgang zu bemessen - dies erklärt die Limitierung der Drehzahl.
Das erhalten des frühzeitigen Drehmoments ist durch mehrere Faktoren bedingt, ich bezweifle, alle zu kennen, doch einige zähle ich auf:

Der Diesel regelt im Gegensatz zum Benziner sein Kraftstoff-Luft-Gemisch nur über die Kraftstoffzufuhr, er zieht und verdichtet immer die gleiche Menge Luft, der Benzinmotor ist auf ein präzises Einhalten des Kraftstoff-Luft-Gemisches angewiesen. Das Drehmoment hängt im wesentlichen von der Luftmenge bzw. dem Luftdurchsatz im Motor ab.

Da das Drehmoment sich aus der Kolbenkraft und dem Kurbelradius bildet, hat der Diesel einen großen Vorteil, denn bei niedrigen Drehzahlen ist seine Kraft (die Kraft der im Motor stattfindenden Explosion) wesentlich stärker (die Kompression des Diesels ist ja viiiiiiieeeel höher als die eines Benzinmotors…Diesel bis zu 70 bar, Benziner 9-11 bar).

kann mir vielleicht jemand (möglichst simpel) erklären warum
ein dieselmotor aus einer niedrigeren umdrehungszahl so viel
leistung bring??

Ich hoffe, dass diese Erklärung geholfen hat.

Lieben Gruß, Daniel

Hallo!

kann mir vielleicht jemand :frowning:möglichst simpel) erklären :warum ein dieselmotor aus :einer niedrigeren :umdrehungszahl so viel
leistung bring??

Die Motorleistung P errechnet sich aus P= M * n mit dem Drehmoment M und der Drehzahl n. Dabei ist das Drehmoment seinerseits wieder von der Drehzahl abhängig. Ein Dieselmotor hat sein höchstes Drehmoment schon bei niedriger Motordrehzahl. Außerdem ist das vom Dieselmotor erzeugte Drehmoment ohnehin höher als beim Ottomotor. Ein Ottomotor hat niedriges Drehmoment und bringt seine Leistung über hohe Drehzahl.

Gruß
Wolfgang

Hi,

hat sein höchstes Drehmoment schon bei niedriger
Motordrehzahl. Außerdem ist das vom Dieselmotor erzeugte
Drehmoment ohnehin höher als beim Ottomotor. Ein Ottomotor hat

Das liegt aber nur daran, daß Du hier Äpfel (Dieselmotoren mit Turbo) mit Birnen (Benzin Saugmotoren) vergleichst.
Turbobenzinmotoren haben ein ähnliches Drehmoment wie Turbodiesel.

Liebe Grüße,

Max

kleine Korrektur
Hallo Wolfgang!

Ich korrigiere Dich nur ungern:wink:, aber:

Die Motorleistung P errechnet sich aus P= M * n mit dem
Drehmoment M und der Drehzahl n.

ist nicht ganz korrekt: P= 2*Pi*M*n… Winkelgeschwindigkeit nicht Drehzahl heißt die Devise:wink:

Korinthige Grüße
Jürgen

Hallo Jürgen!

Die Motorleistung P errechnet sich aus P= M * n mit dem
Drehmoment M und der Drehzahl n.

ist nicht ganz korrekt: P= 2*Pi*M*n… Winkelgeschwindigkeit
nicht Drehzahl heißt die Devise:wink:

Genau diesen Einwand hab ich vorher geradezu gerochen :smile:. Aber ich ließ für den Fragesteller entbehrlich erscheinende Feinheiten bewußt weg. Wollte ich auf Umdrehungen pro Minute hinaus, fehlte nicht nur 2 Pi, sondern 2 Pi/60.

Ebenso korinthigen Gruß zurück
Wolfgang

Huhu,

Das liegt aber nur daran, daß Du hier Äpfel (Dieselmotoren mit
Turbo) mit Birnen (Benzin Saugmotoren) vergleichst.
Turbobenzinmotoren haben ein ähnliches Drehmoment wie
Turbodiesel.

Hoffe die Betonung liegt auf „ähnlich“…(im weiten Sinne).
Denn Saugdiesel sind vom Drehmoment ihren Benzinkollegen ebenfalls stark überlegen. (Einspritz-Benziner stehen im Vergleich auch nicht besser da als Saug-Benziner).

Gruß,
Daniel

Hallo Du,

Da das Drehmoment sich aus der Kolbenkraft und dem
Kurbelradius bildet, hat der Diesel einen großen Vorteil, denn
bei niedrigen Drehzahlen ist seine Kraft (die Kraft der im
Motor stattfindenden Explosion) wesentlich stärker (die
Kompression des Diesels ist ja viiiiiiieeeel höher als die
eines Benzinmotors…Diesel bis zu 70 bar, Benziner 9-11 bar).

Kleine Korrektur: In einem Motor explodiert nichts. Der Treibstoff wird verbrannt.

Und ein Grund, warum ein Dieselmotor ein höheres Drehmoment hat, ist seine gleichmässigere Verbennung die mehr Kraft auf den Kolben gibt. Durch die Selbstentzündung wird das Diesel-Luftgemisch an mehreren Stellen gleichzeitig entzündet, was ein höheres Drehmoment in niedrigen Drehzahlen zur Folge hat. Im Gegensatz dazu wird im Ottomotor das Kraftstoffgemisch nur an einer Stelle entzündet.

Und natürlich schöne Grüsse
von mir.
Hatte ich ganz vergessen

Hallo Daniel,

ebenfalls stark überlegen. (Einspritz-Benziner stehen im
Vergleich auch nicht besser da als Saug-Benziner).

Ein Einpritz Benziner ist ein Saugbenziner.
Ein 2 Liter Turbobenziner kommt mühelos auf die 250-300Nm, die ein 2Liter Turbodiesel hat.

Liebe Grüße,

Max

Hi,

hinaus, fehlte nicht nur 2 Pi, sondern 2 Pi/60.

habe gerade ein Ladung getrocknete Rosinen gegessen, die ich unbedingt anal entsorgen muss.
Die 60 ergibt sich nur dann, wenn Du die Drehzahl in U/min angibst, bei U/sec entfällt sie, ist mithin keine physikalische Notwendigkeit.

Liebe Grüße,

Max

Oh, es mag durchaus sein, dass ich mich da nicht ganz richtig ausgedrückt habe…
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich von dem Thema bis zum Lesen der Frage keine Ahnung hatte… habe dann einfach etwas gegoogelt und gesucht, weil keiner bisher geschrieben hatte und mich das Thema interessierte… insofern sind (hoffentlich nur kleine) Ungereimtheiten nicht ganz auszuschließen.
Lerne aber gerne dazu, danke für die Korrektur.

Lieben Gruß,
Daniel

Hallo Max…

dann haue ich jetzt mal meinen blöden Mechaniker, der hat mir diesen Floh ins Ohr gesetzt (ich selbst bin froh, dass ich weiß, was mein Motor macht, wenn er Geräusche nach drehen des Zündschlüssels von sich gibt)…
Es folgt ein *Sorry* für meinen sinnfreien :wink: Einwand.

Ein Einpritz Benziner ist ein Saugbenziner.
Ein 2 Liter Turbobenziner kommt mühelos auf die 250-300Nm, die
ein 2Liter Turbodiesel hat.

Lieben Gruß
Daniel

Hallo,
ich kann dazu technisch nichts sagen, bin da genauso Laie wie du und möchte mich erst einmal bei allen , dei geantwortet haben, bedanken.

Ich habe eine A Klasse mit 115 PS gefahren - gähn, irre lahm.
Und eine A Klasse mit 109 Diesel PS. Ich habe gedacht, ich sitze in einem Rennwagen, die Beschleunigung war einfach enorm, manch BMW Fahrer guckte blöde.
Aber 2000 Euro mehr dafür?
MFG
Henning

Mal einfach erklärt:
Wenn wir 2 identische Motore mit 2 Ltr. Hubraum vergleichen, einer läuft mit Diesel, der andere mit Benzin: (beide ohne Turbo)

Es wird der Benziner mehr PS haben, weil beim Benzinmotor höhere Drehzahlen möglich sind, und zwar so 6500 bis 7000.
Der Diesel schafft aufgrund der notwendigen hohen Verdichtung und demzufolge grösseren Motorbelastung nur gerade so 5000 Umdrehungen / Minute.
Es wäre theoretisch auch mehr möglich, das würde aber sehr laut werden, und die Motorteneile mechanisch sehr belasten.

Da also eine hohe Drehzahl beim Diesel nicht möglich ist, wird auch die Motorsteuerung so ausgelegt, dass der Dieselmotor bei niedrigen Drehzahlen den optimalen Wirkungsgrad hat. Das geschieht durch die Konstruktion der Nockenwelle, die bei niedrigen Drehzahlen eine gute Füllung des Zylinders mit Luft versorgt.
Im Gegensatz dazu läuft der Benzinmotor optimal bei hohen Drehzahlen, und hat in niedrigen Drehzahlen nicht so die optimale Zylinderfüllung (mit Luft).
Beides, also gut in niedrigen Drehzahlen, und gut bei hohen Drehzahlen geht normalerweise nicht.

Dann ist noch zu bemerken, dass der Diesel einen höheren Heizwert hat als Benzin,
der Dieselmotor effektiver den Kraftstoff ausnutzt.

Weiterhin habe die Saug-Dieselmotore normalerweise einen grösseren Hubraum als die Benziner gleicher Leistung, und sind auch oft Langhuber.
Also kleinere Kolbendurchmesser und einen längeren Kolbenhub.
(das muss jetzt nicht jeder verstehen, hat aber auch etwas mit der Motorcarakteristik zu tun)

Alternativ könnte man auch Benzinmotore bauen, die sich genauso fahren lassen, wie ein Diesel,
das würde aber einen höheren kraftstoffverbrauch bedeuten.

Grüße, Steffen!

Aber isses net so, dass der Turbo-Benziner das maximale Drehmoment später entwickelt (=bei höherer Drehzahl) als der TDI? Weswegen auch beim Benziner höhere Leistungen möglich sind…

Ciao - JENS

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi,

Aber isses net so, dass der Turbo-Benziner das maximale
Drehmoment später entwickelt (=bei höherer Drehzahl) als der
TDI? Weswegen auch beim Benziner höhere Leistungen möglich
sind…

Zunächst mal gibt es nicht nur TDis…
Benzinmotoren haben natürlich meist ein insgesamt höheres Drahzahlniveau.
Die Maximalleistung beim Benziner liegt typischerweise bei etwa 6000 U/min, beim Diesel bei etwa 4000 U/min.
Entsprechend liegt auch das maximale Drehmoment beim Benziner höher.
Bei Benzinsaugern bei etwa 4000, bei Turbodieseln bei knapp unter 2000.
Bei Turbobenzinern ist das maximale Drehmoment aber dann auch wieder niedriger, nämlich bei etwa 2500-3000 U/min, also wie die Maximalleistung auch wieder rund 50% höher als beim Turbodiesel.

Liebe Grüße,

Max

Hallo Steffen!

Dann ist noch zu bemerken, dass der Diesel einen höheren
Heizwert hat als Benzin…

Aha!? Der Unterschied des Heizwerts von Diesel und Bezin ist kaum der Rede wert. Der Heizwert von leichtem Heizöl/Dieselkraftstoff liegt um und bei 40 MJ/kg, während der Heizwert von Benzin im Mittel mit 42 MJ/kg etwas größer ist.

der Dieselmotor effektiver den Kraftstoff ausnutzt.

Ja. Der Wirkungsgrad eines Dieselmotors ist deutlich höher als der eines Ottomotors.

Gruß
Wolfgang

Hi Wolfgang,

kaum der Rede wert. Der Heizwert von leichtem
Heizöl/Dieselkraftstoff liegt um und bei 40 MJ/kg, während der
Heizwert von Benzin im Mittel mit 42 MJ/kg etwas größer ist.

kannst Du mal sagen, woher Du die Zahlen hast?
Meien Informationen gehen von größeren Unterschieden aus.
Nämlich 9,86 kWh/l für Diesel, und 8,77 kWh/l für Benzin.
Oder manchmal auch 1,2l Benzin ~ 1 Liter Diesel.
Unterschiede von 12-20% also.

Liebe Grüße,

Max

Hallo,

ich habe alles gelesen. Nur, wie könnt ihr mir folgendes erklären. Ich bin jahrzehntelang Benziner gefahren. Jetzt einen Citroen XM 2,5 TD -ohne i. Als ich bei meiner Probefahrt meinem Händler eine „schlechtere“ Beschleunigung/weniger Kraftentfaltung des Diesels im Bereich unter ca. 1800 U/min als beim Benziner erwähnte, sagte er, man müsse halt beim Diesel öfters schalten. Selbst nach mehreren Jahren mit dem Diesel passiert es mir noch öfters, dass ich beim Anfahren nochmals kurz die Kupplung etwas drücken muss, damit ich die gewünschte Beschleunigung bekomme.

Gruß
Otto