Hallo Thomas,
Es ist Deine Vorstellung, die extremistisch ist…
… und wohl auch krank.
krank ist, wenn Leute sich wegen der Kriegsschuldfrage im Jahre 2002 die Köpfe einschlagen. (Vielleicht können wir uns jetzt wieder auf einen einzigen Thread-Strang konzentrieren. Obwohl ich so langsam wirklich zweifle …)
Dass ich Prahlerei verabscheue, brauche ich wohl nicht unter
Beweis zu stellen, denke ich. Über „Stolz“ habe ich meine
Du hast die gutmenschentümelnde Bescheidenheit, mit der
mancher Deutsche (insbesondere offenbar Du) sein Volk
betrachtet, als Vorbild für die Nationen bezeichnet. Das nenne
ich einen verqueren Umgang mit der Bescheidenheit.
Du kannst es auch gerne „Verzicht“ nennen, obwohl mir darin das Anspruchsdenken zu stark zu sein scheint.
Meinung auch schon mehrfach kund getan, so dass ich nicht die
Absicht habe, das jetzt zu wiederholen. Es reicht wohl der
Hinweis darauf, dass ich „Nationalstolz“ für eine
unberechtigte Vermischung zweier Begriffe halte. Kurz
Diesen Sophismus lasse ich gerne unangetastet.
Nicht jede sprachliche Bedeutungsanalyse ist ein Sophismus. Dass du das so bezeichnen must, ist natürlich klar, weil mit der Anerkennung deine ganze Argumentation zusammenfiele.
außerdem habe ich nie behauptet, etwas für „deutsch“ zu halten
- das muss ich ausdrücklich betonen.
Das verstehe ich nicht. Du hast noch nie behauptet, etwas für
„deutsch“ zu halten. Und habe nicht behauptet, daß Du das
behauptet hättest, sondern mir erschien als
selbstverständlich, daß es Deutschland sei, das Deiner
Einforderung der Tugend der Bescheidenheit von den Nationen
zumindest schon einen Schritt weit entgegengekommen ist.
Das liegt daran, dass du mich nicht verstehen willst, weil du Nationen als Eigenschaftsträger voraussetzt. Das aber ist unstatthaft. Universalia als Realia zu nehmen war schon dem Spätmittelalter suspekt.
Dann darf ich es bitte genauer erläutern:
Die Bescheidenheit in einen überhöhten Rang zu setzen, ist in
Ordnung, solange man keine Verantwortung hat.
Als Botschafter (das bist Du, wenn Du von Ausländern
beobachtet werden könntest) und als Erzieher (das bist Du,
wenn Du von Deutschen beobachtet werden könntest) eines
Volkes, hast Du bereits Verantwortung für ein positives
Selbstwertgefühl, und das natürlich noch viel stärker für die
Familie, wenn Du Vater bist. Hierbei ist die Forderung nach
Bescheidenheit überflüssig, weil sie im geziemenden Maße
bereits durch die höhere ethische Kategorie der Wahrhaftigkeit
abgedeckt ist.
Genau das ist aus meiner Sicht der Fehler, den du immer wieder voraussetzt, ohne diese Behauptung in Frage zu stellen. Ein Selbstwertgefühl können nur einzelne Subjekte habe, nicht aber eine Familie, eine Gruppe oder ein Volk. Das ist einfach Unsinn, weil der Begriff sich auf Individuen bezieht. Wer den Bezug erweitert, hat entweder den Begriff nicht verstanden oder er benutzt ihn unzulässigerweise metaphorisch. Damit passt auch zusammen, dass du meine Behauptung, der Begriff „Nationalstolz“ sei ein Oxymoron, als Sophismus abtust. Nun weiß ich nicht, was dir lieber ist: Unkenntnis (= Ignoranz) oder Unwillen (= Propaganda)?
Jede dieser Emotionen ist ihrer Natur nach nicht bescheiden,
sondern stolz und natürlich höherstehend als diese Kategorien.
Ja, da gebe ich dir recht, denn sie sind eben Emotionen, also keineswegs durchdachte Konzepte. Nur letztere allerdings eignen sich für Verantwortung!
Ganz kurz noch der Zweck von dem ganzen: Förderung
altruistischer Handlungen.
Das scheint mir nun wieder gar nicht zum Bisherigen zu passen, denn dir geht es doch offensichtlich genau um das Gegenteil, um Rechthaberei bei Besitzansprüchen. Und das ist alles andere als Altruismus. Oder - um mal wirklich aktuell zu werden - willst du sagen, wir können den Tschechen bei Hochwasser nur helfen, wenn uns das Land (wieder) gehört?
Herzliche Grüße
Thomas Miller