Dilemma

hallo an alle,

ich bin schon so oft über diese frage gestolpert, nun auch wieder hier:

wo hört das den-anderen-ernst-nehmen, ihn nach seinen wünschen leben (oder eben auch nicht) lassen auf, wo fängt die pflicht zur hilfeleistung an? was ist eigentlich hilfe in diesem zusammenhang?

ist es wirklich so, dass für jeden gesunden menschen die lust am leben - oder zumindest der überlebenswille - so ausgeprägt sein muss, dass er alle - objektiv oder subjektiv wahrnehmbaren - widrigkeiten in kauf nimmt? ist es wirklich so, dass, wenn ein mensch diesen willen zum überlebenskRampf nicht hat, er psychisch krank ist und die pathologischen (oder pathologisierten?) wünsche und bedürfnisse dieses menschen nicht zählen, sie übergangen werden dürfen zu seinem „wohl“, sei es mit einer zwangseinweisung?

für mich ist das irgendwie gar nicht so klar. natürlich: wenn ich mit diesem thema persönlich konfrontiert würde, würde ich sicherlich auch alles daran setzen, diesen menschen am leben zu erhalten. aber darf man das wirklich? geht man dabei nicht immer viel zu sehr von sich aus? warum muss man denn unbedingt leben wollen? ob das eigene leben das höchste gut ist, muss doch jeder für sich selbst entscheiden dürfen, oder nicht?

bevor mich hier irgendjemand falsch versteht: ich habe keine suizidgedanken und hatte sie auch nie. ich lebe grundsätzlich sehr gern. aber ich hasse jede form der bevormundung. und ich sehe eigentlich nicht ein, warum ein mensch - so er denn klaren verstandes ist - nicht selbst darüber bestimmen darf, ob er leben oder sterben möchte - solange er eine todesart wählt, die keinen anderen menschen gefährdet.

ich bin gespannt auf eure meinungen. leider hab ich im moment nur selten zugang zum netz und kann nicht so schnell auf evt. antworten reagieren.

nachdenkliche grüße
tabaiba

Hallo,
lassen wir rechtliche Aspekte außen vor - die „Einstellung“ des Staats bzgl. Suizid ist in Deutschland ziemlich klar. Ich sehe das ebenso kritisch wie Du - warum soll sich jmd. nicht „im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte“ den Tod wünschen ? Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen würde, wenn ich mit so einer Situation konfrontiert würde, mir ist es bisher „indirekt“ erspart geblieben. „Indirekt“, da ich bis dato im Bekanntenkreis drei solche Fälle hatte (den letzten Anfang des Jahres) und ich es nie verstanden habe die nachträglich erkennbaren Anzeichen richtig zu deuten.

Gruss
Enno

Hallo,

aber ich hasse jede form der bevormundung. und ich
sehe eigentlich nicht ein, warum ein mensch - so er denn
klaren verstandes ist -

das ist der Punkt, auf den es ankommt. Die Menschen, die zwangseingewiesen werden, sind nicht bei „klarem Verstand“ und würden, wenn sie nicht psychisch krank wären, anders handeln, nämlich sich nicht selbst das Leben nehmen bzw. andere körperlich verletzen. Sie haben sehr oft Defekte in ihrem Gehirn, die sie so handeln lassen. Ihr Wille ist nicht frei, sondern sie sind die Sklaven ihrer Krankheit. Die Vorstellung, daß sie nur ein wenig anders sind und daß man sie doch in Ruhe lassen müßte, damit sie mit sich selbst ins Reine kommen, ist zwar romantisch, aber wirklich naiv.

O.W.

Hmm,
das klingt doch ganz erheblich nach einem Zirkelschluß bzw. nach einer Definition des „klaren Verstands“ die per se den Suizid ausschließt.

Gruss
Enno

hallo oliver,

das ist der Punkt, auf den es ankommt. Die Menschen, die
zwangseingewiesen werden, sind nicht bei „klarem Verstand“

das ist genau der punkt, auf den es auch mir ankommt. ist das denn immer und wirklich so? diese aussage geht doch davon aus, dass das leben als das höchste gut betrachtet werden muss. und dies würde ich nicht grundsätzlich so sehen. das hängt doch von religiösen und philosophischen einstellungen ab.

würden, wenn sie nicht psychisch krank wären, anders handeln,

das ist die frage…

nämlich sich nicht selbst das Leben nehmen bzw. andere
körperlich verletzen.

das ist doch ein großer unterschied. für mich selbst erhebe ich den anspruch auf eigene entscheidung. andere darf ich dabei nicht verletzen. dass natürlich fast jeder mensch in soziale zusammenhänge eingebunden ist und angehörigen durch seinen freitod schmerzen und schuldgefühle zufügen würde, ist eine andere sache. doch würde ich die verantwortung eines menschen - theoretisch - niemals so weit gehen lassen, aus „rücksicht“ auf andere leben zu müssen…

wie gesagt, wenn es sich um einen freund oder angehörigen handeln würde, wenn emotionen berührt werden, sieht das thema auch für mich ganz schnell wieder ganz anders aus… das ändert aber nichts an meinem grundsätzlcihen problem damit…

Sie haben sehr oft Defekte in ihrem
Gehirn, die sie so handeln lassen.

gut, dies ist dann wohl ein wirklich pathologischer fall. aber das ist doch sicherlihc nicht immer so, oder?

Ihr Wille ist nicht frei,
sondern sie sind die Sklaven ihrer Krankheit. Die Vorstellung,
daß sie nur ein wenig anders sind und daß man sie doch in Ruhe
lassen müßte, damit sie mit sich selbst ins Reine kommen,

nein, der fall, den ich hier konstruiere, ist mit sich selbst im reinen. er ist vielleicht einfach ein kühler rechner, der kosten und nutzen abwägt und der keinen tieferen sinn im leben sieht. ein materialist? ein nihilist?

gibt es das denn nicht? ist das leben und die eigene existenz nicht eigentlich völlig arbiträr? ist man krank, wenn man das so sieht? wo hört denn eine gewisse geisteshaltung auf und wo fängt krankheit an?

interessiert
tabaiba

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Hallo,

das klingt doch ganz erheblich nach einem Zirkelschluß bzw.
nach einer Definition des „klaren Verstands“ die per se den
Suizid ausschließt.

Nein, absolut falsch. Da Du aber mir sowieso nicht glauben würdest, schenke ich mir die Erläuterung. Besorg Dir ein Psychiatrie-Buch und lies selbst nach, was man einen „klaren Verstand“ nennt und was nicht.

O.W.

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Was soll das ?
Hallo,
ich stelle Dir eine sachliche Frage und Du reagierst in dieser Form. Wenn ich hier nur zum „trollen“ oder „stänkern“ wäre, würde meine Postings eine andere „Qualität“ haben. Die Antwort auf diese Frage, würde ungeachtet ob Du _mir_ antworten willst, der Fragestellerin sicherlich dienlich sein.

Gruss
Enno

hi enno,

Hmm,
das klingt doch ganz erheblich nach einem Zirkelschluß bzw.
nach einer Definition des „klaren Verstands“ die per se den
Suizid ausschließt.

ja, das sehe ich auch so. das ist auch genau das problem, das ich damit hab. auf welcher grundlage beschließen menschen, dass andere menschen gerne leben MÜSSEN?

viele grüße
tabaiba

hallo oliver,

Nein, absolut falsch. Da Du aber mir sowieso nicht glauben
würdest, schenke ich mir die Erläuterung. Besorg Dir ein
Psychiatrie-Buch und lies selbst nach, was man einen „klaren
Verstand“ nennt und was nicht.

hm, das klingt recht agressiv in meinen ohren… warum?

viele grüße
tabaiba

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hallo enno,

lassen wir rechtliche Aspekte außen vor - die „Einstellung“
des Staats bzgl. Suizid ist in Deutschland ziemlich klar. Ich
sehe das ebenso kritisch wie Du - warum soll sich jmd. nicht
„im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte“ den Tod wünschen ? Ich
weiß nicht, wie ich damit umgehen würde, wenn ich mit so einer
Situation konfrontiert würde, mir ist es bisher „indirekt“
erspart geblieben. „Indirekt“, da ich bis dato im
Bekanntenkreis drei solche Fälle hatte (den letzten Anfang des
Jahres) und ich es nie verstanden habe die nachträglich
erkennbaren Anzeichen richtig zu deuten.

hm, ja, das thema ändert seine qualität ganz schnell, wenn es um (vermeintliche?) eigene verantwortung und schuldgefühle geht, wenn persönliche bekannte betroffen sind, wenn an emotionen gerührt wird…

liebe grüße
tabaiba

Hallo,

hm, das klingt recht agressiv in meinen ohren… warum?

weil ich genervt bin, daß jemand, der wirklich intelligent genug ist, meinen Text besser zu lesen oder sich darüber richtig zu informieren, mir mit so einem „Einwand“ kommt.

Was hier in diesem Board seit einigen Tagen wieder abgeht, ist schlimm. Vorurteile über Vorurteile. Die bösen Ärzte als Folterknechte und Todesboten, die ihre Patienten nur quälen oder ihnen die Freiheit wegnehmen wollen. Das spukt vielen in den Köpfen herum. Daß E.S. ihnen auch noch Futter gibt, ist sehr schlimm.

So macht w-w-w absolut keinen Spaß.

Gruß,

Oliver Walter

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Hallo tabaiba,

das ist genau der punkt, auf den es auch mir ankommt. ist das
denn immer und wirklich so?

Es ist so vorgeschrieben:

  1. Psychische Erkrankung.
  2. Selbst- oder Fremdgefährdung.
  3. Verweigert notwendige Behandlung.

Menschen müssen psychisch krank sein, sonst darf man sie nicht zwangseinweisen. Daß E.S. das, was ich ihm unten beschrieben habe, mir so umdreht, als ob aufgrund der Selbstgefährdung automatisch die psychische Krankheit angenommen wird, ist absolut falsch und beleidigt nicht nur meinen, sondern auch seinen Verstand.

Ob das wirklich so ist? Na ja, Menschen machen Fehler.

diese aussage geht doch davon aus,
dass das leben als das höchste gut betrachtet werden muss. und
dies würde ich nicht grundsätzlich so sehen. das hängt doch
von religiösen und philosophischen einstellungen ab.

Wenn Du so lebensbedrohlich erkrankt bist, daß Du nicht mehr für Dich selbst entscheiden kannst, bist Du froh, wenn kein Philosophie-Seminar bei wer-weiss-was darüber abgehalten wird, ob man Dir helfen darf oder nicht. Ich bin mir sehr sicher.

das ist doch ein großer unterschied. für mich selbst erhebe
ich den anspruch auf eigene entscheidung.

Ja, aber diese Leute können nicht mehr für sich selbst entscheiden. Wenn sie es könnten, dann hättest Du Recht. Aber sie können nicht. Sie sind so schwer krank, daß sie es nicht können. Kannst Du Dir das nicht vorstellen? Denk mal an Demenzkranke. Oder an „Wahnsinnige“.

wie gesagt, wenn es sich um einen freund oder angehörigen
handeln würde, wenn emotionen berührt werden, sieht das thema
auch für mich ganz schnell wieder ganz anders aus… das
ändert aber nichts an meinem grundsätzlcihen problem damit…

Darum geht´s mir nicht. Abgesehen davon muß ein Arzt von solchen Überlegungen Abstand nehmen.

Sie haben sehr oft Defekte in ihrem
Gehirn, die sie so handeln lassen.

gut, dies ist dann wohl ein wirklich pathologischer fall. aber
das ist doch sicherlihc nicht immer so, oder?

Doch, bei psychisch Erkrankten, bei denen so etwas notwendig wird, ist dies so.

nein, der fall, den ich hier konstruiere, ist mit sich selbst
im reinen. er ist vielleicht einfach ein kühler rechner, der
kosten und nutzen abwägt und der keinen tieferen sinn im leben
sieht. ein materialist? ein nihilist?

Der ist dann nicht psychisch krank und wird nicht zwangseingewiesen.

gibt es das denn nicht? ist das leben und die eigene existenz
nicht eigentlich völlig arbiträr? ist man krank, wenn man das
so sieht? wo hört denn eine gewisse geisteshaltung auf und wo
fängt krankheit an?

Das ist ein interessantes Thema, führt aber jetzt zu weit. Ein Aspekt ist Leiden. Ein anderer ist psychosoziale Beeinträchtigung. Aber das müßte man genauer diskutieren, was ich jetzt hier nicht möchte.

Beste Grüße,

Oliver Walter

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moooooment
moin,

weil ich genervt bin, daß jemand, der wirklich intelligent
genug ist, meinen Text besser zu lesen oder sich darüber
richtig zu informieren, mir mit so einem „Einwand“ kommt.

intelligente menschen dürfen deine worte also nicht hinterfragen? ich halte mich im übrigen auch nicht für völlig blöd, und ich sehe in ennos „einwand“ durchaus sinn…

Was hier in diesem Board seit einigen Tagen wieder abgeht, ist
schlimm. Vorurteile über Vorurteile.

du scheinst solche fragen, gedanken, problemstellungen, meinungen (es sind bei weitem nicht nur vorurteile) ja sehr persönlich zu nehmen.

meine frage ist übrigens eine theoretische. sie hat mit vorurteilen nichts zu tun! ich beziehe mich überhaupt nicht auf die zustände in einrichtungen oder auf die ärzte im allgemeinen oder besonderen.

Die bösen Ärzte als
Folterknechte und Todesboten, die ihre Patienten nur quälen
oder ihnen die Freiheit wegnehmen wollen.

schwachsinn!
ich persönlich, und das hab ich wohl mehrfach gesagt, würde sicherlich auch die „weißkittel“ rufen, wenn es für einen anderen menschen nötig wäre. und ich würde wohl schon darauf vertrauen, dass sie wissen, was sie machen.

dennoch bleibt meine frage und mein problem bestehen. wenn ich nämlich mich selbst in einer solchen situation vorstelle, würd ich schon einen ziemlichen hals kriegen, wenn ich von irgendwem, ob arzt oder sonstwem - zu meinem eigenen „wohl“ (wer weiß denn, was mein wohl ist?) bevormundet würde. was geht das denn die anderen an, wie und ob und wie lange ich MEIN LEBEN leben will???

es gibt viele dinge, die menschen machen oder gemacht haben, für die sie von anderen nicht verstanden wurden, für verrückt erklärt wurden, verachtet wurden. und dennoch: wer sagt denn, dass sie nicht das für SIE richtige tun oder getan haben? sobald man ein tabu bricht, und der freiwillige tod ist ein tabu, wird man entweder ausgestoßen oder man wird „opfer“ von „bekehrungsversuchen“.

verstehst du mein problem eigentlich?

So macht w-w-w absolut keinen Spaß.

wie? wenn man dir nicht nach dem mund redet, macht’s keinen spaß? hä?

viele grüße
tabaiba

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hallo oliver,

das ist genau der punkt, auf den es auch mir ankommt. ist das
denn immer und wirklich so?

Es ist so vorgeschrieben:

  1. Psychische Erkrankung.
  2. Selbst- oder Fremdgefährdung.
  3. Verweigert notwendige Behandlung.

Menschen müssen psychisch krank sein, sonst darf man sie nicht
zwangseinweisen.

ja. aber was legt fest, ob ein mensch psychisch krank ist? zu einer derartigen diagnose gehört doch auch das verhalten. wenn also ein mensch, egal, ob er dabei lustig und ausgeglichen wirkt (ist unwahrscheinlich, aber stell dir das einfach vor), auf der brücke steht und sich anschickt, zu springen, wird ihm dies als hinweis auf einen psychischen „defekt“ ausgelegt, aufgrund dessen er dann „eingewiesen“ werden darf. ist das nicht so? und hier ist der zirkelschluss, den enno meinte und den auch ich in all diesen argumentationen sehe…

Daß E.S. das, was ich ihm unten beschrieben
habe, mir so umdreht, als ob aufgrund der Selbstgefährdung
automatisch die psychische Krankheit angenommen wird, ist
absolut falsch und beleidigt nicht nur meinen, sondern auch
seinen Verstand.

woran wird denn im akutfall eine psychische krankheit festgemacht? wenn ich mich heute aus purem spaß in die fußgängerzone stellen würde und mir die adern aufschneiden würde, wär doch bestimmt gleich die „rettung“ da, nicht? könnte ich dem personal dann ganz ruhig und normal erklären, dass er mir gut geht und ich einfach mal lust hatte, an mir rumzuschneiden? sicher doch nicht. da wär doch bestimmt recht schnell ne diagnose da…

ich meine das nicht provozierend. es ist sicherlich auch (fast?) immer so, dass hinter einem derartigen verhalten irgendwelche tieferen probleme lauern. und es ist ja auch richtig, menschen in krisensituationen zu helfen. aber wir drehen uns schon längst im kreis…

diese aussage geht doch davon aus,
dass das leben als das höchste gut betrachtet werden muss. und
dies würde ich nicht grundsätzlich so sehen. das hängt doch
von religiösen und philosophischen einstellungen ab.

Wenn Du so lebensbedrohlich erkrankt bist, daß Du nicht mehr
für Dich selbst entscheiden kannst, bist Du froh, wenn kein
Philosophie-Seminar bei wer-weiss-was darüber abgehalten wird,
ob man Dir helfen darf oder nicht. Ich bin mir sehr sicher.

okay, wenn du also selbstmord machen möchtest, bist du so lebensbedrohlich erkrankt, dass du nicht mehr für selbst entscheiden kannst? andere gründe außer psychische krankheiten sind als motiv für suizid nicht vorstellbar?

das ist doch ein großer unterschied. für mich selbst erhebe
ich den anspruch auf eigene entscheidung.

Ja, aber diese Leute können nicht mehr für sich selbst
entscheiden. Wenn sie es könnten, dann hättest Du Recht. Aber
sie können nicht. Sie sind so schwer krank, daß sie es nicht
können. Kannst Du Dir das nicht vorstellen? Denk mal an
Demenzkranke. Oder an „Wahnsinnige“.

klar, aber ich meine ja die nicht kranken. und ich sehe, dass sich für dich (und wohl für die meisten) seelische gesundheit und suizid ausschließen. und genau diese kategorische ausschlusshaltung möchte ich hinterfragen.

wie gesagt, wenn es sich um einen freund oder angehörigen
handeln würde, wenn emotionen berührt werden, sieht das thema
auch für mich ganz schnell wieder ganz anders aus… das
ändert aber nichts an meinem grundsätzlcihen problem damit…

Darum geht´s mir nicht. Abgesehen davon muß ein Arzt von
solchen Überlegungen Abstand nehmen.

naja, gerade ein arzt muss sich doch überlegen, ob sein gegenüber ein patient ist, der krank ist, oder einfach ein mensch, der nicht mehr leben möchte. im ersten fall ist dieser mensch behandlungsbedürftig, im zweiten nicht. im ersten fall muss man ihn von seinem suizidvorhaben abbringen und ihn heilen. im zweiten fall müsste man seinen wunsch respektieren.

nein, der fall, den ich hier konstruiere, ist mit sich selbst
im reinen. er ist vielleicht einfach ein kühler rechner, der
kosten und nutzen abwägt und der keinen tieferen sinn im leben
sieht. ein materialist? ein nihilist?

Der ist dann nicht psychisch krank und wird nicht
zwangseingewiesen.

wird er auch im falle des durch andere vereitelten suizids nicht zwangseingewiesen? genau darum gehts!!!

gibt es das denn nicht? ist das leben und die eigene existenz
nicht eigentlich völlig arbiträr? ist man krank, wenn man das
so sieht? wo hört denn eine gewisse geisteshaltung auf und wo
fängt krankheit an?

Das ist ein interessantes Thema, führt aber jetzt zu weit.

das ist genau DAS thema. das ist das thema, welches meinem problem zugrunde liegt. NUR darum geht es mir.

Ein
Aspekt ist Leiden.

sehr subjektiv, nicht? wie misst man das denn? woran macht man das fest? gibt es andererseits nicht menschen, die ziemlich „gestört“ sind, aber gar nicht oder nur selten wahrnehmen, dass sie leiden?

Ein anderer ist psychosoziale
Beeinträchtigung. Aber das müßte man genauer diskutieren, was
ich jetzt hier nicht möchte.

gut, musst du ja nicht. danke trotzdem für deine ausführungen.

viele grüße
tabaiba

P: Hey, Tod!
T: Ja.
P: Ich will mich umbringen.
T: Prima.
P: Aber die Ärzte wollen das nicht.
T: Scheiß Ärzte. Was ham sie dieses Mal?
P: Sie meinen, ich sei psychisch krank.
T: Oh, Gott, nicht schon wieder.
P: Doch. Weil ich dauernd Stimmen höre, die mir sagen, daß ich mich umbringen soll.
T: Stimmen?
P: Ja. Die von den Außerirdischen.
T: Außerirdische?
P: Ja, natürlich. Die da!
T: Welche? Wo?
P: Na, da!
T: Äh.
P: Na, und die pflanzen mir dauernd Apparate in den Körper und vertauschen meine Organe.
T: Ja … äh …
P: Und gestern da ging die Ampel auf Rot und da wußte ich, es ist so weit.
T: Was ist so weit?
P: Sie kommen.
T: Wer? Die Außerirdischen?
P: Wer?
T: Na, wer kommt?
P: Kommt springt im Morgen süd.
T: Was?
P: Das bas kas mas tas pas.
T: Bitte?
P: Und dann ist es - die Außerirdischen.
T: Geh zum Arzt. Ich hab Feierabend.

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Hallo,

ich hasse jede form der bevormundung. und ich
sehe eigentlich nicht ein, warum ein mensch - so er denn
klaren verstandes ist - nicht selbst darüber bestimmen darf,
ob er leben oder sterben möchte - solange er eine todesart
wählt, die keinen anderen menschen gefährdet.

Definiere „klaren Verstandes“.

Gruß,

Malte.

klarer Verstand
Hi tabaiba!

Ich mische mich mal ein :wink:

dennoch bleibt meine frage und mein problem bestehen. wenn ich
nämlich mich selbst in einer solchen situation vorstelle, würd
ich schon einen ziemlichen hals kriegen, wenn ich von
irgendwem, ob arzt oder sonstwem - zu meinem eigenen „wohl“
(wer weiß denn, was mein wohl ist?) bevormundet würde. was
geht das denn die anderen an, wie und ob und wie lange ich
MEIN LEBEN leben will???

Oliver und Du, ihr redet irgendwie aneinander vorbei :wink:
Du gehst immernoch von einem gesunden Menschen aus, der sterben will, Oliver redet aber davon, daß derjenige krank ist!

Das heißt nicht unbedingt, daß jeder der sterben will, psychisch krank ist - aber mal ehrlich, wieviele psychisch völlig gesunde wollen schon sterben? Das ist wohl eher die Ausnahme…

Die „einfachste“ psychische Störung wäre hier wohl die Depression. Depression ist leider ein Modewort teilweise und wird schnell zur Hand genommen, wenn einer mal „down“ ist. Bei einer echten Depression ist man psychisch krank. So einige Depressive wollen sich umbringen, geht die depressive Phase vorbei, sind sie erleichtert und froh, sich eben nicht umgebracht zu haben und können ihre Gründe im nachhinein selbst nicht verstehen und nachvollziehen.

Hätte da sie jemand nicht davon abgehalten, Selbstmord zu begehen, tja…

Bei „schwereren“ Erkrankungen ist es auch so, daß es die Leute nicht wollen würden, wären sie bei klarem Verstand.
Da ist er wieder, dieser Begriff „klarer Verstand“. Das ist wirklich nicht einfach zu definieren, erst recht nicht für einen Laien. So ist ein Dementer, an Alzheimer erkrankter durchaus bei „klarem Verstand“ - vereinfacht ausgedrückt: in einigen Momenten oder in einigen Situationen. Aber insgesamt ist er aber eben nicht bei „klarem Verstand“.
Oder würdest du einen Dementen, der seine Familie erkennen kann und sich völlig normal mit ihnen unterhalten kann, aber ansonsten praktisch lebensunfähig ist, als geistig vollorientiert, diskussionsfähig und mit hohem Intellekt ausgestattet etc. bezeichnen?

Oder ein anderes Beispiel:
Nehmen wir eine Person, die weiße Mäuse an der Wand sieht und gleichzeitig Selbstmordgedanken hat. Die weißen Mäuse würdest du klar als Blödsinn abtun, denn sie sind nicht wirklich, die Selbstmordgedanken aber schon?
Was ist, wenn beides eben durch die Erkrankung hervorgerufen wird? Was ist, wenn du dir klarmachst, daß nach einer BEhandlung sowohl die weißen Mäuse als auch der Wunsch der Selbsttötung verschwindet?

Waren dann die Selbstmordgedanken real?!?

wer sagt denn,
dass sie nicht das für SIE richtige tun oder getan haben?

Daran zweifle ich bei einer psychischen Erkrankung.
Nehmen wir ein anderes Beispiel: jemand hat die Wahnvorstellung, daß sein rechter Arm einem Mörder gehört, also nicht sein eigener ist, und ihn umbringen will.
Das richtige für ihn (aus seiner Sicht) wäre, sich den Arm abzuhacken.

Ist er wieder gesund, sieht er dann wie sein Umfeld zuvor, daß das eben nicht das richtige für ihn ist/war.
Und dann kann er froh sein, wenn ihn jemand davon abgehalten hat, sich den Arm zu amputieren.

Also nochmal:
Wir reden hier von einer psychischen Erkrankung. Da ist etwas im Gehirn nicht in Ordnung, bei einigen wenigen Erkrankungen findet man sogar körperliche, meßbare Schäden im Gehirn.
Da hat man keinen freien Willen, wie du ihn kennst! Denn dieser ist manipuliert durch die Erkrankung!

Gruß,
Sharon

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bei allem Knowhow fehlt es an humanitären Idealen
Hallo tabaiba

Über dieses Thema habe ich auch schon einmal nachgedacht. So lange jemand nicht den Eindruck von Lebensbedrohlichkeit erweckt, bleibt er sich selbst überlassen, egal wie mies er sich fühlt (ewig lange Wartezeiten für einen Platz beim Psychotherapeuten). Erst wenn Gefahr in Verzug ist, wird eingegriffen. Und darum kann ich deinen Gedanken dazu gut verstehen:

für mich ist das irgendwie gar nicht so klar. natürlich: wenn
ich mit diesem thema persönlich konfrontiert würde, würde ich
sicherlich auch alles daran setzen, diesen menschen am leben
zu erhalten. aber darf man das wirklich? geht man dabei nicht
immer viel zu sehr von sich aus? warum muss man denn unbedingt
leben wollen? ob das eigene leben das höchste gut ist, muss
doch jeder für sich selbst entscheiden dürfen, oder nicht?

Ich stelle mir vor, dass viele Suizidgefährdete den Wunsch sich umzubringen nicht aus dem Ärmel schütteln, der Wunsch existiert, der ist ernst und ernst zu nehmen - nicht nur im Sinne von den „Kranken“ vom Gegenteil zu überzeugen. Und ich fände es fair, wenn man jemanden schon am Selbstmord hindert, ihm dabei auch zu helfen, dass für ihn sein Lebenserhalt Sinn macht. Ob das auch so geschieht, weiß ich nicht, weil ich darin keine Erfahrungen machen mußte *gottseidank*
Ist das nicht eigenartig, dass man sich umbringen möchte, man wird daran gehindert, weil es dazu die passenden Drogen und das Knowhow gibt, und dann macht das Leben doch Spaß? Wie ernst darf man sich eigentlich dann noch selbst nehmen, wenn es immer andere gibt, die es besser wissen?

wo hört das den-anderen-ernst-nehmen, ihn nach seinen wünschen
leben (oder eben auch nicht) lassen auf, wo fängt die pflicht
zur hilfeleistung an? was ist eigentlich hilfe in diesem
zusammenhang?

Manchmal schüttle ich das unbehagliche Gefühl nicht ab, dass professionelle Hilfe an Menschen nur aus Schwerpunkten besteht, die wegen einer Verliebtheit für bestimmte Spezialgebiete zustande kamen. Doch eigentlich fehlt es in unserer Gesellschaft grundsätzlich an humanitären Idealen, aus denen sinnvolle Hilfsnetze entstehen könnten, so dass z.B. Depressionen schon frühzeitig wahrgenommen und behandelt werden (mein toller Hausarzt, von dem ich sehr viel halte, ist gerade bei solcher Erkrankung überfordert). Wer kränkelt, muss für seine Mobilität selbst sorgen, erst wenn der Tod bedrohlich nahe rückt, wird viel mobilisiert.

viele Grüße
claren

definition
hallo malte,

Definiere „klaren Verstandes“.

  • sich der konsequenzen seines tuns bewusst sein, auch der irreversibilität (in diesem leben *g*) seiner intendierten handlung, so sie von erfolg gekrönt ist

  • glücklich

zweiteres gehört zwar nicht in die engere definition von „klarem verstand“. aber in diesem zusammenhang ist der aspekt des persönlichen glücksgefühls wohl wichtig. ich meine nämlich nicht die menschen, die sich darüber bewusst sind, dass sie depressionen haben und krank sind, und keinen anderen ausweg sehen.

ich habe eher so die vorstellung von „das fest verlassen, wenn es am schönsten ist“, und zwar, wenn es wirklich als schön empfunden wird, von innen heraus, ganz ohne drogen.

verstehst du, was ich meine?

liebe grüße
tabaiba

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ruhig blut, alter…
hi,

warst du bei daniil charms in der lehre, oder bei ionesco? *gg*

aber hey, ich bin nicht krank, mir gehts recht gut, ich freu mich über die heute scheinende sonne und ich hab auch durchaus lust, sie in einigen jahren auch noch zu spüren - dieslebigst!

und trotzdem erlaube ich mir, mir dinge vorzustellen. oder ist das womöglich krank? charms ist übrigens verhungert. ganz real-materiell…

tut mir leid, wenn du dich niedergemacht fühlst! soll ich dich wieder ein wenig aufpäppeln? espresso und einmal haare wuscheln gefällig?

sonnige grüße
tabaiba