hallo oliver,
das ist genau der punkt, auf den es auch mir ankommt. ist das
denn immer und wirklich so?
Es ist so vorgeschrieben:
- Psychische Erkrankung.
- Selbst- oder Fremdgefährdung.
- Verweigert notwendige Behandlung.
Menschen müssen psychisch krank sein, sonst darf man sie nicht
zwangseinweisen.
ja. aber was legt fest, ob ein mensch psychisch krank ist? zu einer derartigen diagnose gehört doch auch das verhalten. wenn also ein mensch, egal, ob er dabei lustig und ausgeglichen wirkt (ist unwahrscheinlich, aber stell dir das einfach vor), auf der brücke steht und sich anschickt, zu springen, wird ihm dies als hinweis auf einen psychischen „defekt“ ausgelegt, aufgrund dessen er dann „eingewiesen“ werden darf. ist das nicht so? und hier ist der zirkelschluss, den enno meinte und den auch ich in all diesen argumentationen sehe…
Daß E.S. das, was ich ihm unten beschrieben
habe, mir so umdreht, als ob aufgrund der Selbstgefährdung
automatisch die psychische Krankheit angenommen wird, ist
absolut falsch und beleidigt nicht nur meinen, sondern auch
seinen Verstand.
woran wird denn im akutfall eine psychische krankheit festgemacht? wenn ich mich heute aus purem spaß in die fußgängerzone stellen würde und mir die adern aufschneiden würde, wär doch bestimmt gleich die „rettung“ da, nicht? könnte ich dem personal dann ganz ruhig und normal erklären, dass er mir gut geht und ich einfach mal lust hatte, an mir rumzuschneiden? sicher doch nicht. da wär doch bestimmt recht schnell ne diagnose da…
ich meine das nicht provozierend. es ist sicherlich auch (fast?) immer so, dass hinter einem derartigen verhalten irgendwelche tieferen probleme lauern. und es ist ja auch richtig, menschen in krisensituationen zu helfen. aber wir drehen uns schon längst im kreis…
diese aussage geht doch davon aus,
dass das leben als das höchste gut betrachtet werden muss. und
dies würde ich nicht grundsätzlich so sehen. das hängt doch
von religiösen und philosophischen einstellungen ab.
Wenn Du so lebensbedrohlich erkrankt bist, daß Du nicht mehr
für Dich selbst entscheiden kannst, bist Du froh, wenn kein
Philosophie-Seminar bei wer-weiss-was darüber abgehalten wird,
ob man Dir helfen darf oder nicht. Ich bin mir sehr sicher.
okay, wenn du also selbstmord machen möchtest, bist du so lebensbedrohlich erkrankt, dass du nicht mehr für selbst entscheiden kannst? andere gründe außer psychische krankheiten sind als motiv für suizid nicht vorstellbar?
das ist doch ein großer unterschied. für mich selbst erhebe
ich den anspruch auf eigene entscheidung.
Ja, aber diese Leute können nicht mehr für sich selbst
entscheiden. Wenn sie es könnten, dann hättest Du Recht. Aber
sie können nicht. Sie sind so schwer krank, daß sie es nicht
können. Kannst Du Dir das nicht vorstellen? Denk mal an
Demenzkranke. Oder an „Wahnsinnige“.
klar, aber ich meine ja die nicht kranken. und ich sehe, dass sich für dich (und wohl für die meisten) seelische gesundheit und suizid ausschließen. und genau diese kategorische ausschlusshaltung möchte ich hinterfragen.
wie gesagt, wenn es sich um einen freund oder angehörigen
handeln würde, wenn emotionen berührt werden, sieht das thema
auch für mich ganz schnell wieder ganz anders aus… das
ändert aber nichts an meinem grundsätzlcihen problem damit…
Darum geht´s mir nicht. Abgesehen davon muß ein Arzt von
solchen Überlegungen Abstand nehmen.
naja, gerade ein arzt muss sich doch überlegen, ob sein gegenüber ein patient ist, der krank ist, oder einfach ein mensch, der nicht mehr leben möchte. im ersten fall ist dieser mensch behandlungsbedürftig, im zweiten nicht. im ersten fall muss man ihn von seinem suizidvorhaben abbringen und ihn heilen. im zweiten fall müsste man seinen wunsch respektieren.
nein, der fall, den ich hier konstruiere, ist mit sich selbst
im reinen. er ist vielleicht einfach ein kühler rechner, der
kosten und nutzen abwägt und der keinen tieferen sinn im leben
sieht. ein materialist? ein nihilist?
Der ist dann nicht psychisch krank und wird nicht
zwangseingewiesen.
wird er auch im falle des durch andere vereitelten suizids nicht zwangseingewiesen? genau darum gehts!!!
gibt es das denn nicht? ist das leben und die eigene existenz
nicht eigentlich völlig arbiträr? ist man krank, wenn man das
so sieht? wo hört denn eine gewisse geisteshaltung auf und wo
fängt krankheit an?
Das ist ein interessantes Thema, führt aber jetzt zu weit.
das ist genau DAS thema. das ist das thema, welches meinem problem zugrunde liegt. NUR darum geht es mir.
Ein
Aspekt ist Leiden.
sehr subjektiv, nicht? wie misst man das denn? woran macht man das fest? gibt es andererseits nicht menschen, die ziemlich „gestört“ sind, aber gar nicht oder nur selten wahrnehmen, dass sie leiden?
Ein anderer ist psychosoziale
Beeinträchtigung. Aber das müßte man genauer diskutieren, was
ich jetzt hier nicht möchte.
gut, musst du ja nicht. danke trotzdem für deine ausführungen.
viele grüße
tabaiba