Dilemma

hallo sharon,

Ich mische mich mal ein :wink:

gerne :smile:

Oliver und Du, ihr redet irgendwie aneinander vorbei :wink:

durchaus, ja.

Du gehst immernoch von einem gesunden Menschen aus, der
sterben will, Oliver redet aber davon, daß derjenige krank
ist!

ja. und das bezweifle ich für manche, vorstellbare, fälle…

Das heißt nicht unbedingt, daß jeder der sterben will,
psychisch krank ist - aber mal ehrlich, wieviele psychisch
völlig gesunde wollen schon sterben? Das ist wohl eher die
Ausnahme…

aber genau um diese ausnahmen - so es sie überhaupt gibt - geht es mir. ich hab doch betont, dass ich diese frage theoretisch diskutiere, dass meine gedanken sehr hypothetisch sind…

Die „einfachste“ psychische Störung wäre hier wohl die
Depression. Depression ist leider ein Modewort teilweise und
wird schnell zur Hand genommen, wenn einer mal „down“ ist. Bei
einer echten Depression ist man psychisch krank. So
einige Depressive wollen sich umbringen, geht die depressive
Phase vorbei, sind sie erleichtert und froh, sich eben nicht
umgebracht zu haben und können ihre Gründe im nachhinein
selbst nicht verstehen und nachvollziehen.

Hätte da sie jemand nicht davon abgehalten, Selbstmord zu
begehen, tja…

das ist mir alles klar, aber um solche fälle geht es mir überhaupt nicht…

Bei „schwereren“ Erkrankungen ist es auch so, daß es die Leute
nicht wollen würden, wären sie bei klarem Verstand.
Da ist er wieder, dieser Begriff „klarer Verstand“. Das ist
wirklich nicht einfach zu definieren, erst recht nicht für
einen Laien. So ist ein Dementer, an Alzheimer erkrankter
durchaus bei „klarem Verstand“ - vereinfacht ausgedrückt: in
einigen Momenten oder in einigen Situationen. Aber insgesamt
ist er aber eben nicht bei „klarem Verstand“.
Oder würdest du einen Dementen, der seine Familie erkennen
kann und sich völlig normal mit ihnen unterhalten kann, aber
ansonsten praktisch lebensunfähig ist, als geistig
vollorientiert, diskussionsfähig und mit hohem Intellekt
ausgestattet etc. bezeichnen?

naja, die hohe intelligenz (und erst nicht der intellekt, der hat damit meines erachtens nichts zu tun) darf ja wohl kein kriterium sein. da dürfte so manch einer nicht mehr über sich selbst bestimmen…

Oder ein anderes Beispiel:
Nehmen wir eine Person, die weiße Mäuse an der Wand sieht und
gleichzeitig Selbstmordgedanken hat. Die weißen Mäuse würdest
du klar als Blödsinn abtun, denn sie sind nicht wirklich, die
Selbstmordgedanken aber schon?
Was ist, wenn beides eben durch die Erkrankung hervorgerufen
wird? Was ist, wenn du dir klarmachst, daß nach einer
BEhandlung sowohl die weißen Mäuse als auch der Wunsch der
Selbsttötung verschwindet?

Waren dann die Selbstmordgedanken real?!?

nein, es geht nicht darum, ob die gedanken real sind oder nicht.

wer sagt denn,
dass sie nicht das für SIE richtige tun oder getan haben?

Daran zweifle ich bei einer psychischen Erkrankung.

ja, bei einer psychischen erkrankung. aber es wurden menschen „zwangsbekehrt“, die homosexuell waren, die linkshänder waren, die außerhalb ihres standes geheiratet haben (durch enterbung oder zwangsverzicht auf titel…)… diese menschen waren nicht krank. sie waren nur anders als die mehrheit.

Wir reden hier von einer psychischen Erkrankung.

nein. ich rede eben genau NICHT von einer psychischen erkrankung.

Da ist
etwas im Gehirn nicht in Ordnung, bei einigen wenigen
Erkrankungen findet man sogar körperliche, meßbare Schäden im
Gehirn.
Da hat man keinen freien Willen, wie du ihn kennst! Denn
dieser ist manipuliert durch die Erkrankung!

für all diese fälle gilt meine argumentation ja gar nicht. an diese fälle denke ich nicht.

danke für deinen vermittlungsversuch :smile:

viele grüße
tabaiba

Hi!

Wünscht ein völlig Gesunder seinen Tod, dann führt er den meist anders aus:

  1. er läßt sein Vorhaben nicht erkennen (redet nicht darüber etc)
  2. er wählt eine Methode, die keinen Rückweg/Rettung ermöglicht

„Hilfeschrei“-Suizidversuche und Versuche von psychisch Kranken sind typischerweise anders:

  • stehen auf einer vielbefahrenen Brücke/bekanntes Hochhaus mitten in der Stadt
  • Tabletten(-packungen) liegen meist neben ihnen
  • vorher wird noch jemand angerufen/man verabredet sich
    etc. etc.

Psychisch Kranke wollen keinen Suizid und die „Hilfeschrei“-Typen auch nicht.
Sorry, aber diese Personen lasse ICH zumindest nicht sterben! Und so wird es auch „offiziell“ sprich von der Gesetzgebung gesehen.

Es gibt nur einen Suizidfall, den ich gelten lasse und diesen auch aus vollster Überzeugung:
Verkürzung des Lebens bei unheilbar Kranken, die sowieso nicht mehr lange zu leben haben (!) und dies unter Qualen.

Aber das ist wohl ein anderes Thema…

ja. aber was legt fest, ob ein mensch psychisch krank ist?

Ganz einfach: wenn er nicht gesund ist *g*
Nach der Weltgesundheitsdefinition (WHO) 1946:
„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“

ich meine das nicht provozierend. es ist sicherlich auch
(fast?) immer so, dass hinter einem derartigen verhalten
irgendwelche tieferen probleme lauern.

Ganz genau. Wenn es nicht Krankheit ist, dann eben schwere Probleme.
Oberflächlich betrachtet, hilft es dem Selbstmörder, sich auf diese Weise von dem Problem zu befreien.
Was ist aber, wenn es andere Wege gibt, mit den Problemen umzugehen (wie es praktisch immer der Fall ist), nur derjenige kennt diese Möglichkeit einfach nicht?
Dumm sterben lassen ist mir eine zu einfache und bequeme Lösung…

okay, wenn du also selbstmord machen möchtest, bist du so
lebensbedrohlich erkrankt, dass du nicht mehr für selbst
entscheiden kannst? andere gründe außer psychische krankheiten
sind als motiv für suizid nicht vorstellbar?

lebensbedrohlich erkrankte fallen aber sehr oft in Depressionen - und dies ist eine Krankheit.

Gruß,
Sharon

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Hi,

ich habe Dir ein Beispiel für einen Menschen gezeigt, den man zwangseinweisen könnte. Solche Menschen sind davon betroffen, nicht die, die Du meinst. Ich dachte, das Fallbeispiel zeigt es Dir besser, wo der Unterschied liegt. Vielleicht hat Malte mehr Glück.

espresso und einmal haare
wuscheln gefällig?

Espresso, nein danke. Haare? Hmm. Ich habe lockiges Haar.

Tschüß!

Oliver

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.

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locken
uuund nochmal hallo,

ich habe Dir ein Beispiel für einen Menschen gezeigt, den man
zwangseinweisen könnte. Solche Menschen sind davon betroffen,
nicht die, die Du meinst.

okay! dann sag mir doch bitte nur noch, ob solche menschen, die ich meine, sich unter den augen von psychiatern oder sonstigen „spezialisten“ ungehindert das leben (oder eben ihr recht auf nicht-leben) nehmen dürfen. so nach dem motto:

ich möchte den zeitpunkt meines todes gerne selbst bestimmen. jetzt, wo es mir am besten geht, möchte ich gerne abtreten. ich möchte glücklich ins jenseits (oder ins nichts, oder ins nächste leben oder…) hinübertreten.

Ich dachte, das Fallbeispiel zeigt
es Dir besser, wo der Unterschied liegt. Vielleicht hat Malte
mehr Glück.

ich mag malte auch. ich wünsch ihm alles glück der welt :smile:)

espresso und einmal haare
wuscheln gefällig?

Espresso, nein danke. Haare? Hmm. Ich habe lockiges Haar.

gülden? :smile:

wawuschel
tabaiba

okay! dann sag mir doch bitte nur noch, ob solche menschen,
die ich meine, sich unter den augen von psychiatern oder
sonstigen „spezialisten“ ungehindert das leben (oder eben ihr
recht auf nicht-leben) nehmen dürfen.

Ja, wenn ich meine, daß dieser Mensch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, dann sehe ich keinen Anlaß zu einer Zwangseinweisung. Solche Situationen sind IMHO nicht nur rein hypothetisch, sondern können real sein, wenn man an Menschen denkt, die an einer schweren nicht-psychiatrischen Krankheit (z.B. Krebs) leiden und sich das letzte Siechtum ersparen möchten.

ich mag malte auch. ich wünsch ihm alles glück der welt :smile:)

Huch!? Ich wollte eigentlich nicht von meinen innersten Gefühlen für Malte sprechen. :wink:

Espresso, nein danke. Haare? Hmm. Ich habe lockiges Haar.

gülden? :smile:

Ja, dunkelgülden. :wink:

wawuschel

Danke. Tut gut. :smile:

Oliver

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Hallo,

Wünscht ein völlig Gesunder seinen Tod, dann führt er den meist anders aus:

das legt nahe, daß beim Gesunden selten innerliche Widersprüche bei der Entscheidungsfindung auftreten bzw. das er sie schnell bereinigt. Nur scheint mir das bereits bei bedeutend weniger folgenreichen Entscheidungen nicht gegeben (z.B. beendete Partnerschaft).

Gruss
Enno

okay! dann sag mir doch bitte nur noch, ob solche menschen,
die ich meine, sich unter den augen von psychiatern oder
sonstigen „spezialisten“ ungehindert das leben (oder eben ihr
recht auf nicht-leben) nehmen dürfen.

Ja, wenn ich meine, daß dieser Mensch im Vollbesitz seiner
geistigen Kräfte ist, dann sehe ich keinen Anlaß zu einer
Zwangseinweisung. Solche Situationen sind IMHO nicht nur rein
hypothetisch, sondern können real sein, wenn man an Menschen
denkt, die an einer schweren nicht-psychiatrischen Krankheit
(z.B. Krebs) leiden und sich das letzte Siechtum ersparen
möchten.

ja. die gibt es natürlich auch. und in diesen fällen ist wohl das allgemeine verständnis für den sterbewunsch ausgeprägter.

für den anderen fall kann ich mir, trotz deiner affirmation, nicht wirklich vorstellen, dass jemand, der gesund ist und sich trotzdem umbringen möchte, dies tun darf, wenn andere menschen (ärzte, psychologen, priester…) zugegen sind.

in diesem fall greift doch dein oben zitiertes argument der „selbstgefährdung“. deshalb gehe ich davon aus, dass von anwesenden menschen eingegriffen würde - schon allein, um das postulat der „nicht unterlassenen hilfeleistung“ zu erfüllen.

allerdings - und da beißt sich die katze wieder in den schwanz - greift dieses argument nur dann, wenn man den tod als gefährdung betrachtet, wenn man davon ausgeht, dass jeder mensch solange zu leben hat, bis gott oder die körperliche vergänglichkeit oder das schicksal oder was auch immer den tod herbeiführt…

schwierig, ich seh schon.

Huch!? Ich wollte eigentlich nicht von meinen innersten
Gefühlen für Malte sprechen. :wink:

ach mach ruhig, man soll doch gefühlen ausdruck verleihen, oder nicht? *g*

Danke. Tut gut. :smile:

bitte :smile:

müüüde grüße
tabaiba

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Hi! :wink:

Du gehst immernoch von einem gesunden Menschen aus, der
sterben will, Oliver redet aber davon, daß derjenige krank
ist!

ja. und das bezweifle ich für manche, vorstellbare, fälle…
das ist mir alles klar, aber um solche fälle geht es mir
überhaupt nicht…

Ich wollte Olivers Gedankengang etwas klarer darstellen und hab mich in dem Posting nur auf die psychisch kranken bezogen :wink:

naja, die hohe intelligenz (und erst nicht der intellekt, der
hat damit meines erachtens nichts zu tun) darf ja wohl kein
kriterium sein. da dürfte so manch einer nicht mehr über sich
selbst bestimmen…

Ok, das habe ich wohl etwas blöde beschrieben, aber ich denke, dir ist klar, was ich meinte :wink:

Waren dann die Selbstmordgedanken real?!?

nein, es geht nicht darum, ob die gedanken real sind oder
nicht.

Doch, darum geht es eigentlich schon!
Erweitern wir das Wort „real“ mit „wirklich gewünscht“ (bei gesunden eben). Es geht um die zentrale Frage: ist der Suizid WIRKLICH sein freier Wille und Wunsch?

Ich bin der Ansicht, wie viele andere auch:

  • fast immer: nein
  • im Zweifel (auch dem geringsten) IMMER: nein

Denn (ich wiederhole mich *g*): ist es wirklich gewünscht bei nicht-vorliegen einer Erkrankung oder Problemen, dann kannst du den Selbstmord nicht verhindern, was auch immer du tust.

Daraus folgt der Schluß:
wenn du es verhindern kannst, weil zb. derjenige vorher darüber redet oder gar gerade dabei ist sich zu gefährden, dann ist es nicht wirklich gewollt!
Und wenn du es also verhindern KANNST, dann solltest du es auch tun!

Vielleicht kann man sich ja auf folgendes einigen:
Der/besser die ersten Suizidversuche sollten IMMER verhindert werden. Dann geht man dem Grund nach und versucht, daß Problem zu lösen. Da das oft eine langwierige Aufgabe ist, sollte man auch ev. folgende Suizidversuche verhindern, bis das Problem gelöst ist.

Ist das Problem absolut nicht zu lösen und/oder der Betroffene dennoch der Meinung, sich trotzdem umbringen zu müssen, könnte man ihm den freien Willen lassen.
(Hab ich das grad wirklcih geschrieben?! *autsch*)

Es ist halt eine heikle Situation, weil eben erstmal Erkrankungen sicher (!) ausgeschlossen werden müssen, ebenso Manipulationen !!!(denk mal an Erbschaften oder „Fertigmachen“/Mobbing) und es muß schon ohne Zweifel sicher sein, daß es derjenige wirklcih wünscht,
aber diese Vorgehensweise würde ich schon eher akzeptieren, als einen Selbstmörder einfach tun lassen bzw. sterben lassen…

wer sagt denn,
dass sie nicht das für SIE richtige tun oder getan haben?

Daran zweifle ich bei einer psychischen Erkrankung.

ja, bei einer psychischen erkrankung. aber es wurden menschen
„zwangsbekehrt“, die homosexuell waren, die linkshänder waren,
die außerhalb ihres standes geheiratet haben (durch enterbung
oder zwangsverzicht auf titel…)… diese menschen waren
nicht krank. sie waren nur anders als die mehrheit.

Ehrlich gesagt zweifle ich an der Vergleichbarkeit, denn diese beschriebenen Fälle haben nicht die gleiche Konsequenz (hier: Tod).

Wir reden hier von einer psychischen Erkrankung.

nein. ich rede eben genau NICHT von einer psychischen
erkrankung.

Ok, dann lassen wir die mal außen vor :wink:

danke für deinen vermittlungsversuch :smile:

aber immer wieder doch gerne :wink:

Gruß,
Sharon

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Hi Enno!

das legt nahe, daß beim Gesunden selten innerliche
Widersprüche bei der Entscheidungsfindung auftreten bzw. das
er sie schnell bereinigt. Nur scheint mir das bereits bei
bedeutend weniger folgenreichen Entscheidungen nicht gegeben
(z.B. beendete Partnerschaft).

Ich versteh leider nicht ganz, was du sagen willst…?

Ich vermute mal, daß du auf die „Kurzschluß“-Situationen anspielst?
Wenn nicht, kannst du das dann bitte anders formulieren? :wink:

Nun, aber gerade da sollte man doch davon ausgehen, daß der Tod nicht wirklich gewünscht ist, sondern eher Ausdruck der starken inneren Anspannung und/oder momentanen Nicht-sehen-könnens eines Auswegs oder ähnliches.
Und genau das kann man doch angehen durch Hilfestellung beim Lösen des Problems…

Gruß,
Sharon

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Hallo,

Ich versteh leider nicht ganz, was du sagen willst…?

ganz einfach - Du charakterisierst den „völlig gesunden Suizidanwärter“ als jmd., der seinen Suizid konsequent entschlossen und völlig zielgerichtet durchführt. Ich frage mich an dieser Stelle, ob eine Person nicht „völlig gesund“ sein kann und in Anbetracht dieser entgültigen Entscheidung dennoch ins „zaudern“ gerät - der Überlebenswille vs. dem Wille zum Sterben. Also ob nicht ein Teil der „Hilfeschrei“ Suizidversuche auch von „völlig Gesunden“ praktiziert wird. Mir scheint das alles andere als abwegig.

Gruss
Enno

Hallo Tabaiba,

die Idee, „das Fest zu verlassen, wenn es am schönsten ist“, halte ich für romantisiert und realitätsfern.
Ich kannte einen Menschen sehr gut, der sich umgebracht hat, das habe ich vor zwei Jahren sehr nah miterlebt. Einen weiteren kenne ich ziemlich gut, der einen Selbstmordversuch hinter sich hat. Zwei weitere, die sich umgebracht haben, kannte ich nicht so gut. Das sind vier Menschen, von denen ich genug weiß, um sagen zu können:
Bei keinem von ihnen war es eine autonome und bei klarem Verstand gefällte Entscheidung. Bei dreien von ihnen bin ich mir sicher, daß sie depressiv waren und von ihrem subjektiven Empfinden her nicht weiter wußten, beim vierten vermute ich es.

Der Wiener Psychiater Erwin Ringel untersuchte kurz nach dem zweiten Weltkrieg einige hundert Menschen, die einen Selbstmordversuch überlebt hatten und extrahierte einige Hinweiszeichen für die Gefahr eines möglicherweise bevorstehenden Selbstmords (präsuizidales Syndrom):

  • Einengung des Denkens und Fühlens, alternative Möglichkeiten werden nicht mehr gesehen.
  • Gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression
  • Selbstmordphantasien
    (Erwin Ringel, Selbstmord - Appell an die anderen, ISBN 3-579-05068-0 Buch anschauen)
    Auch damit möchte ich sagen, daß ich den autonomen, klar überlegten und vielleicht auch noch aus einer Position der Stärke gewählten Freitod für ein unrealistisches Konstrukt halte.

wo hört das den-anderen-ernst-nehmen, ihn nach seinen wünschen
leben (oder eben auch nicht) lassen auf, wo fängt die pflicht
zur hilfeleistung an? was ist eigentlich hilfe in diesem
zusammenhang?

Den anderen ernst nehmen ist, denke ich, nicht nur seine unmittelbar erkennbaren Äußerungen zur Kenntnis zur nehmen und zu „respektieren“, sondern auch die darunterliegende „Tiefe“, seine Vorgeschichte, zu ahnen und vielleicht zu erfragen. Und helfen ist nicht nur den Betreffenden von der Ausführung abzuhalten, dazu gehört auch, ihn in seiner Krise (und auch längere Zeit danach) noch weiter zu begleiten oder wenigstens weiter zu vermitteln an andere, die ihn begleiten können und wollen. Was schon ziemlich viel Engagement voraussetzt.

ist es wirklich so, dass für jeden gesunden menschen die lust
am leben - oder zumindest der überlebenswille - so ausgeprägt
sein muss, dass er alle - objektiv oder subjektiv
wahrnehmbaren - widrigkeiten in kauf nimmt? ist es wirklich
so, dass, wenn ein mensch diesen willen zum überlebenskRampf
nicht hat, er psychisch krank ist und die pathologischen (oder
pathologisierten?) wünsche und bedürfnisse dieses menschen
nicht zählen, sie übergangen werden dürfen zu seinem „wohl“,
sei es mit einer zwangseinweisung?

Zwangseinweisung mag ein notwendiger erster Schritt sein, ist aber sicher zuwenig an Hilfe, zumal die Behandlung der Patienten nach einem Suizidversuch in den Psychiatrien oft wirklich unzureichend ist.

für mich ist das irgendwie gar nicht so klar. natürlich: wenn
ich mit diesem thema persönlich konfrontiert würde, würde ich
sicherlich auch alles daran setzen, diesen menschen am leben
zu erhalten. aber darf man das wirklich? geht man dabei nicht
immer viel zu sehr von sich aus? warum muss man denn unbedingt
leben wollen? ob das eigene leben das höchste gut ist, muss
doch jeder für sich selbst entscheiden dürfen, oder nicht?

Selbstbestimmung, Mündigkeit, Eigenverantwortung usw., es wäre wohl eine eigene (sicher schwierige) Diskussion wert, diese Begriffe kritisch zu untersuchen und eventuell zurechtzurücken. Ich sehe das teilweise als Reaktion auf die Enge früherer Verhältnisse (Familie, Kirche…). Ich behaupte, daß wir mehr miteinander zusammenhängen, als viele das in unserer so auf Individualität bedachten Welt sehen oder auch wahrhaben möchten. So daß wir auch in einem gewissen Maß füreinander zuständig sind.

Liebe Grüße,

I.

Hi Enno!

Danke für die Erklärung, bin wohl selbst nicht ganz bei „klarem Verstand“ *gg*

ganz einfach - Du charakterisierst den „völlig gesunden
Suizidanwärter“ als jmd., der seinen Suizid konsequent
entschlossen und völlig zielgerichtet durchführt.

Nicht ganz.
Ich meinte nicht, daß ein völlig gesunder stets konsequent entschlossen sein muß, sondern daß beides zutrifft: völlig gesund UND unwiderruflich entschlossen.

Es wird sogar noch komplizierter:
Eine zielgerichtete Durchführung, die keinen Rückweg ermöglicht, unterstelle ich nur demjenigen, auf den beides zutrifft (gesund+entschlossen). Denn wer dazu unwiderruflich entschlossen ist, wird sich damit auseinandersetzen/es so planen, daß es eben keinen Rückweg/Rettung gibt.

Eben weil er absolut entschlossen ist, wird er keine Rettung dulden - also wird er es bis ins Detail planen.

Klingt jetzt ziemlich kompliziert, ich weiß aber nicht, wie ich es besser erklären soll…

Jemand, der zwar „völlig gesund“ ist, aber NICHT absolut entschlossen, würde so nicht vorgehen, also z.b. nicht so zielgerichtet. Darunter fällt z.b. die Kurzschlußhandlung. Ist derjenige nicht absolut entschlossen, liegt ein Problem vor, das gelöst werden kann und sollte.
Aber dann ist derjenige laut der WHO-Definition eben nciht „völlig“ gesund („psychisches und soziales Wohlbefinden“).

Somit kann die Durchführung (vorher geplant, überlegt und anschließend „erfolgreich“) NUR dann so sein, wenn beides zutrifft: gesund + unwiderruflich entschlossen und das führt dann zum zielgerichten Ausführen.

Oje, klingt das kompliziert - versteht das eigentlich irgendwer? :wink:

Ich frage
mich an dieser Stelle, ob eine Person nicht „völlig gesund“
sein kann und in Anbetracht dieser entgültigen Entscheidung
dennoch ins „zaudern“ gerät -

Siehe oben.
Dann ist sie eben NICHT völlig entschlossen und dann zweifle ich auch an der ernsthaften Absicht!

der Überlebenswille vs. dem
Wille zum Sterben.

Interessanter Aspekt.
Der biologische (zwanghafte) Überlebenswille spielt sicher auch eine Rolle, doch wird dieser bei ernsthaften Suizidversuchen (gesund + entschlossen) miteinbezogen:

Es wird nämlich so geplant, daß man auch selbst aus der Suizidsituation nicht mehr herauskommt. Typisches Beispiel: Sprung vom Hochhaus: Selbst wenn man es sich „unterwegs“ noch anders überlegt, ein zurück gibt es nicht mehr. Ein nicht ganz ernsthafter Versuch würde eher so aussehen:
erstmal lange herumstehen (es werden Leute auf einen aufmerksam) und ein nicht ganz so hohes Haus wählen…

Die Frage wäre hier: inwieweit spielt der biolog. Überlebenswille eine Rolle, wenn man am Rand des Daches steht?

Ich würde zwar sagen, daß jemand der es wirklich will, diesen mit Sicherheit überwinden kann (entweder direkt springen oder sich anders helfen, zb. vorher betäuben mit Alkohol/Tabletten etc.) - aber für diese Aussage kann ich nicht wirklich meine Hand ins Feuer legen… :wink:

Also ob nicht ein Teil der „Hilfeschrei“
Suizidversuche auch von „völlig Gesunden“ praktiziert wird.
Mir scheint das alles andere als abwegig.

Mir schon :wink:

Gruß,
Sharon

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Hallo,

Oje, klingt das kompliziert - versteht das eigentlich irgendwer? :wink:

danke - das beseitigt meinen Einwand.

Ich würde zwar sagen, daß jemand der es wirklich will, diesen
mit Sicherheit überwinden kann (entweder direkt springen oder
sich anders helfen, zb. vorher betäuben mit Alkohol/Tabletten
etc.) - aber für diese Aussage kann ich nicht wirklich meine
Hand ins Feuer legen… :wink:

Oder halt alternative Suizidformen wählen, wenn z.B. extreme Höhenangst vorliegt. Zugegebnermaßen reichlich bizarre Vorstellung, daß jmd. aus diesem Grund nicht springt aber vermutlich denkbar - Angst hat keine rationale Komponente.
Bei der restlichen Diskussion enthalte ich mich, bis die Wogen sich wieder geglättet haben :wink:.

Gruss
Enno

Sehr gut!
Anders als mit Humor kann man das hier wohl den Pseudohumanisten, die unter dem Deckmantel „das Beste“ für Patienten (für sie: falsch verstandene, durch Krankheit und Störung geadelte und von der intoleranten Gesellschaft unterdrückten Menschen, die eigentlich einen Evolutionssprung darstellen, besonders kreativ oder tiefgründig, visionär, prophetisch, etc. sind - aber doch nicht etwa psychisch gestört oder medizinisch erkrankt!) zu wollen, auftreten und doch nur Vorurteile und 5%-Wissen vom Stammtisch besitzen, beizukommen. Das Ergebnis solchen gefährlichen Denkens findet man aktuell noch im Sozialwissenschaftsbrett, in dem jemand Pädophilie als ausschließlich kulturell definiertes Randgruppenphänomen beschreibt (!) (http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarticl…).

Stern!
Viele Grüße,
Der Captain

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warum muss man denn unbedingt
leben wollen? ob das eigene leben das höchste gut ist, muss
doch jeder für sich selbst entscheiden dürfen, oder nicht?

es *kann* vorkommen, daß sich jemand aus freien stücken und aus rationaler überlegung das leben nimmt. ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber nehmen wir es an. sollte der fall eintreten, d.h. du kriegst mit, daß jemand dieses vorhat, dann besteht aber immer noch ein zweifel, daß dieser mensch eben doch *nicht* bei verstand ist, einen hilferuf aussendet oder krank ist. wegen diesem zweifel, wegen der kleinsten gefahr, daß du am tod eines menschen schuld sein könntest (unterlassene hilfeleistung), mußt du es verhindern.

solange er eine todesart
wählt, die keinen anderen menschen gefährdet.

wer behauptet, aus rationaler überlegung und freien stücken sich umbringen zu wollen, der muß sich den verdacht gefallen lassen, eben doch nicht ganz bei verstand zu sein. und so einem menschen gebe ich auch nicht den vertrauensvorschuß, bei seinem vorhaben rücksicht auf andere zu nehmen. es besteht also auch hier wiederum die gefahr, daß er andere tötet oder gefährdet, da er halt nicht bei verstand ist. wegen dieser gefahr: zwangseinweisung.

die lebensgefahr anderer wiegt schwerer als das selbstbestimmungsrecht von selbstmördern.

gruß
datafox

Ja, aber das sind doch…
Hi Taba,

Definiere „klaren Verstandes“.

  • sich der konsequenzen seines tuns bewusst sein, auch der
    irreversibilität (in diesem leben *g*) seiner intendierten
    handlung, so sie von erfolg gekrönt ist

  • glücklich

zweiteres gehört zwar nicht in die engere definition von
„klarem verstand“. aber in diesem zusammenhang ist der aspekt
des persönlichen glücksgefühls wohl wichtig. ich meine nämlich
nicht die menschen, die sich darüber bewusst sind, dass sie
depressionen haben und krank sind, und keinen anderen ausweg
sehen.

ich habe eher so die vorstellung von „das fest verlassen, wenn
es am schönsten ist“, und zwar, wenn es wirklich als schön
empfunden wird, von innen heraus, ganz ohne drogen.

verstehst du, was ich meine?

…die allerwenigsten! Ich verstehe, was Du meinst, doch ich glaube, Du wirst mir von dieser Sorte nicht allzu viele Menschen zeigen können.

Und diese Sorte suizidaler Menschen wird ihren Suizid a) nicht ankündigen und b) erfolgreich beenden. Dafür sorgen sie.

Deshalb hat das mit der aktuellen Diskussion hier im Brett nichts zu tun und gehörte vielleicht eher in „Philosophie“, denn hier bleibt nur die Frage, ob deren Suizid moralisch-ethisch gerechtfertigt ist oder nicht. Ich meine „er ist es nicht“, aber diese Diskussion ist nicht entscheidbar und potentiell endlos, weil doch sehr vom persönlichen Weltbild abhängig. :smile:

Gruß,

Malte.

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Hallo,

… aber diese Diskussion ist nicht entscheidbar und
potentiell endlos, weil doch sehr vom persönlichen Weltbild abhängig. :smile:

ja ich meine jetzt auch, daß ein anderes Brett evtl. geeigneter gewesen wäre - eins wo die Fragestellung weniger dogmatisch betrachtet wird. Unabhängig davon, ob ein Konsenz erzielt wird, sind evtl. die unterschiedlichen Betrachtungsweisen befruchtend.

Gruss
Enno

Es besteht lediglich die Möglichkeit als solches, aber nicht das Recht. Aus spiritueller Sicht hat der Mensch hier einen Auftrag zu erfüllen, wenn er sich dem entzieht, hat das ganz schlimme karmische Folgen und das unabhängig davon, ob er das weiß oder nicht.

mfg
rolf

Hallo,
gibt es Glaubensrichtungen, die dem Freitod „lockerer“ gegenüberstehen ?

Gruss
Enno