Hallo Oliver,
Hast du auch Informationen wieviel Prozent der
Zwangseingewiesenen ihr Leben nach der Entlassung als
lebenswert empfinden?Nein, im Moment nicht. Aber ich habe Aussagen darüber, daß
Zwangseinweisungen für die Eingewiesenen ein sehr
einschneidendes und belastendes Erlebnis darstellen. Ich denke
jedoch nicht, daß Zwangseinweisungen die Hauptursache dafür
sind, daß die Eingewiesenen ihr Leben als nicht lebenswert
empfinden.
Das meinte ich auch gar nicht, ich dachte das die Eingewiesenen länger drin bleiben. Wäre interresant zu wissen ob es dann wirklich so aha Erlebnisse von depressiven Patienten gibt, die sich sagen was hab ich nur die ganze Zeit gemacht. Aber die guten Medikamente die ich kenne, brauchen 14 Tage bis sie wirken. So ist es ja eigentlich nur ein Aufschub des Selbstmordes. „Ihr gebt mir keine Chance so zu leben wie ich will, aber umbringen darf ich mich auch nicht, damit ich eurer Gewissen nicht belaste.“ Wäre zumindest die Botschaft die bei mir ankämme.
Also für mich war es wie ein Aufwachen, aber das durch den Schock „Diagnose Gehirntumor“ ausgelöst und als ich dann Antidepressiva genommen habe, war nochmal so ein ähnliches Erlebnis. Die Erkenntnis 10 Jahre wie ein Zombie gelebt zu haben kann schon heftig sein. Ich finde es einfach schade das es so wenig positive Werbung für die Behandlung von Depressionen gibt. Warum macht da die Industrie nichts?
Ich hab ewig auf eine gute Freundin eingeredet und sie versucht zu überzeugen, zum Facharzt zu gehen und sich Antidepressiva verschreiben zu lassen. Ist eben eine Menge Arbeit den schlechten Ruf der Medikamente zu widerlegen und eben nicht den einfachen Weg Einweisen wegen Selbstmorddrohungen zu gehen, aber ich denke es hat sich gelohnt. Ok das geht natürlich nur wenn man jemanden sehr gut kennt.
Gruss Jan