Moin moin,
Nein. Ich versuche vom Komplexen zum Komplexen im bildlicher
Ansichtsweise zu gehen.
Erscheint mir aber unnötig kompliziert 
Etwas kompliziertes ist deshalb kompliziert, weil man es nicht
verstanden hat. Dinge mögen komplex, aber nicht mehr
kompliziert sein, sobald man deren Zusammenhänge verstanden hat.
Diese Weisheit spielt für’s Grundprinzip keine Rolle.
Und ob diese „Weisheit“ eine Rolle spielt. Wenn ich ein Phänomen
untersuche, sollte ich nicht wirre und abstruse Erklärungsmodelle
entwerfen. Die Erfahrung zeigt, daß sich immer wieder kleinere
„Packete“ von Regeln finden lassen die das Phänomen erklären.
Das Problem liegt allerdings darin, daß diese Regeln sehr schnell
ein komplexes System erzeugen und man nicht mehr weiß, wo vorne
und hinten ist.
Als simples Beispiel: Mehrere Roboter innerhalb eines abgesteckten
Spielfeldes; jeder wurde programmiert drei Steine/Holzklötzchen/o.ä.
aufzusammeln und zu einem Haufen zu schieben. Regelsatz ungefähr
- Suche Objekt,
- suche weiteres Objekt bis Anzahl=3.
- Lege Objekte gemeinsam ab.
Die Roboter hatten keinerlei Möglichkeit miteinander zu kommunizieren.
Endergebnis war, daß alle Roboter (scheinbar) gemeinsam alle
Steinchen auf einen Haufen gelegt haben. Von außen sah es
während des Vorgangs so aus, als würden die Roboter miteinander
arbeiten. Allerdings findest du dieses „scheinbare“ Verhalten
nirgendwo in ihren Grundregeln. Der Weg vom simplen und nichtssagenden
Regelsatz zum „komplizierten“ interaktiven Ameisenhaufen ist nicht
weit…
Oder möchtest Du von Dir behaupten, dass Du das Leben komplett
verstanden hättest?
In keinster Weise. Aber ich habe schon oft genug, persönlich als
auch durch die Geschichten über tausende Entdeckungen, Erfindungen
und Begebenheiten der Technik/Forschung erlebt, daß die „wirrsten
und kompliziertesten“ Phänomene sich am Ende durch einige
wenige Grundregeln erklären ließen die im Grunde seeeehr simpel
waren. Allerdings sind die Folgen dieser Grundregeln sehr bald
so unübersichtlich, daß jeder unbedarfte Beobachter das Gefühl
hat, etwas unglaublich kompliziertes geht da von statten.
Daher werde ich grundsätzlich sehr vorsichtig, wenn mir einer
erzählt, dieser oder jener Vorgang sei unglaublich kompliziert.
Das zeigt mir in der Regel nur, daß der Vorgang schlicht und
ergreifend nicht verstanden wurde. Sieh dir die Medizin an.
In vielen Bereichen erscheint das Zusammenspiel noch völlig
unverständlich und „kompliziert“. Das liegt wiederum am mangelnden
Verständnis über die starke Abhängigkeit einzelner Faktoren.
Von einem linearen System kann da nicht mehr die Rede sein.
Genau so sehe ich das mit dem Leben als solches. Das Resultat
erscheint uns „unglaublich“, die Grundregeln dürften jedoch
simpel sein, leider noch nicht entdeckt bzw. verstanden.
Eine weitere Frage drängt sich mir hinsichtlich der
Evolutionstheorie auch auf: Was für eine Kraft soll dahinter
stecken?
Z.B. Selbstorganisation aufgrund physikalischer
Grundprinzipien.
Diese Selbstorganisation führt sich natürlicherweise auch
konsequent fort- z.B. in neuronalen Impulsen des Gehirns-
wodurch bewiesen wäre, dass wir keinen freien Willen besitzen,
sondern unsere Entscheidungsfähigkeit (/unser Bewusstsein) auf
zufälligen Anordnungen physikalischer Grundprinzipien beruht.
Genau. Auch wenn das den Moraltheologen nicht schmeckt. Aber
was ich bisher hierzu gelesen und gesehen habe, läßt mich auch
eher davon ausgehen, daß das mit dem „freien“ Willen nicht so weit
her ist.
Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als in Europa die Einflußnahme
durch die Kirche gebrochen wurde. Man stelle sich die Möglichkeit
der freien Forschung und Meinungsbildung vor, ohne als Ketzer
oder Hexe verbrannt worden zu sein.
Nun darf man aber auch nicht vergessen, dass die moralischen
Grundwerte auch durch die Kirche zu rechtfertigen sind…-
sehr viel Böses wurde seitens der Kirche veranstaltet. Aber
unsere Kultur basiert auf der Bibel.
Alles was bisher passierte, führte zu dem was und wer wir heute
sind. Allerdings war dein Punkt ja der der Entwicklungsgeschwindigkeit,
und hier hat die Kirche massiv gebremst. Denn freie Forschung hätte
uns vllt. schon vor 300 Jahren auf den Mond fliegen lassen. Das ist
nur eine Möglichkeit was hätte passieren können wenn…
Wir liegen eh alle im Tank 
Auch eine Möglichkeit.
Da grundsätzlich alles Denken auf dem Dogma unserer Existenz
beruht. Wer weiß es schon? Vielleicht sind wir wirklich im
Tank…- die „Theorie der Existenz des Lebens“ kann niemand
beweisen, da subjektiv grundsätzlich unbeweisbar. Der einzige
Beweis, der funktioniert, ist eine objektive Instanz. Wo wir
wieder bei Gott wären 
Wieso wieder bei Gott? Es zeigt nur die begrenzte Vorstellungskraft,
daß wir am Ende immer einen Gott basteln müssen. Das ist ja genau
das, was ich meine. Wenn etwas sehr kompliziert erscheint basteln
wir uns am Ende halt einen Gott, weil wir irgendwie mit der Lösung
des Problems nicht weiterkommen. Diese zwangsläufige Sackgasse ist
ein Zeichen unseres begrenzten Erkenntnisstandes, aber kein Beweis
für irgendeine überirdische Instanz.
Grüße, René