Meine Empfehlung: LaTeX
Hallo,
endlich jemand, der sich Gedanken zum Werkzeug macht, bevor der Nagel halb eingeschlagen krumm ist 
kann mir jemand einen Tipp geben, womit ich die Diplomarbeit
schreiben soll?
„Schreiben soll“ ist sicherlich eine unglückliche Formulierung, letzlich ist es Deine Entscheidung.
Ich kann jedoch nur dringend empfehlen, ein LaTeX-System in die nähere Wahl zu nehmen.
Gründe:
-
LaTeX ist ausgereifte und stabile Software, die auf TeX aufbaut. TeX ist übrigens ein Programm, welches man mit Fug und Recht als frei(!) von Bugs bezeichnen kann.
-
LaTeX nimmt die Routinearbeiten wie Textformatierung, Seitennumereierung, Literaturverweise, Fußnoten, Inhalts- und Abbildungsverzeichnisse, Silbentrennung, sinnvolle Plazierung von Tabellen und Bildern und so fort ab und erzielt dabei hervorragende Ergebnisse (was ja nicht selbstverstäbdlich ist).
-
LaTeX ist auf einer Vielzahl von Betriebssystemen verfügbar.
-
LaTeX erzeugt Dateien, die auf jedem Rechner gleich aussehen. Die PDF-Dateien haben einen aufklappbaren Navigationsbaum, Thumbnails von den einzelnen Seiten und klickbare Links im Text zum Beispiel bei Seiten- oder Abbildungsverweisen.
-
LaTeX erzeugt im Gegensatz zu anderen üblichen Textverarbeitung ein typographische ausgesprochen schönes Textbild. Einfach mal drei Textseiten mit Word und LaTeX schreibenm, ausdrucken, nebeneinanderhalten und staunen (sonst kann man sich das als jemand, der bislang andere Textverarbeitungen genutzt hat einfach nicht vorstellen).
-
LaTeX hat ein Dateiformat, welches auch in 30 Jahren noch lesbar sein wir. LaTeX ist etabliert. LaTeX kennt keine wild herumspringenden Abbildungen, keine defekten Seitennumerierungen. LaTeX macht einfach nur das, was es soll.
-
LaTeX hat hervorragende Unterstützung auch für komplexe Formeln.
-
LaTeX hat mit BibTeX eine hervorragende Literaturdatenbank.
-
LaTeX hat für veröffentliceungen in internationalen Journals einen ganzen Berg beigefügte Zitierstiele, neue lassen sich ebenfalls erstellen.
-
LaTeX hat mit jurabib auch speziell ein Paket für die Anforderungen von Juristen (nur, weil das hier auch anders klang …)
-
LaTeX-Quelldateien sind reine Text-Dateien udn daher automatisiert zu verarbeiten (Austauschen bestimmter Begriffe oder Formatierungen)
-
LaTeX ist freie und quelloffene Software, nicht nach den Interessen des Herstellers entwickelt, sondern nach den Interessen des Anwenders.
Ich bin sicher, nicht vollständig die wichtigen Punkte genannt zu haben, aber das ist sicher schon ein Anfang.
LaTeX ist jedoch nur ein Teil des Systems, nämlich derjenige, der aus Quell-Dateien das fertige Fokument macht. Die Quell-dateien könnte man im Prinzip mit NOTECRAP.EXE bearbeiten, das ist aber sehr umständlich: es gibt Editoren, die da viel Hilfe anbieten.
Unter Window. gibt es MikTeX (das kenne ich nicht, soll aber eine bekannte Oberfläche bieten).
Unter praktisch allen auf Arbeitsrechnern vorhadenen Betriebssystemen läuft (X)Emacs, ebenfalls Freie Software. Die Bedienung ist erst unegwohnt, mit AucTeX und RefTeX hat man jedoch eine Arbeitsumgebung, die keine Wünsche übrig läßt. Gigantisch, wirklich.
Unter LaTeX wirst Du ersteinmal lesen müssen (es gibt eine sehr gute deutssprachige Anleitung im Netz, URL habe ich offline gerade nicht parat). Wenn Du das Prinzip, wie man mit LaTeX schreibt, verstanden hast (es hat in der Tat Ähnlichkeiten mit dem Schreiben von HTML), kannst Du sehr effektiv arbeiten und bekommst Arbeitsergebnisse in extrem hoher Qualität.
Wenn Du Fragen hast (oder zu einzelnen Punkten ein Beispiel haben willst, z. B. als PDF-Datei), kannst Du Dich gerne melden.
Nebenher: Will mir jemand helfen, das Beispiel mit der schönen Typographie zu veranschaulichen? Dann schickt sie/er mir einen mit Word geschriebenen Text (drei bis vier Seiten), den ich in LaTeX setze und als PDF ausgebe (ich werde keine Tricks im Feintuning machen: es wird ganz plump die KOMA-Script-Klasse mit 12pt Schrift im Haupttext).
Ich würde gerne dieses und ein mit Word erstelltes PDF mit dem gleichen Text zur verfügung stellen, um deutlich zu machen, wie gute und schlechte Typographie aussieht. Die Dinger werden zum allgefälligen Vergleich und zur allgemeinen Illustration auf meine Homepage hochgeladen). Um das klarzustellen: es geht nicht darum, wilde Texteffekte zu erstellen, sondern eindach nur drei bis vier seiten schönen und gut lesbaren Text zu erzeugen.
Freiwillige, irgendwo?
Gruß,
Sebastian