Kennt jemand Städte oder Länder die durch die Einführung eines
Pfandes sauberer geworden sind oder ist dies eine Annahme der
deutschen Regierung?
Hallo Rudolf,
ja, so ein Land kenne ich und Du auch: Deutschland.
Man kommt durch große Teile z. B. Schleswig-Holsteins mit dem Kanu, ohne den Fuß an Land setzen zu müssen (von Schleusen einmal abgesehen). Während so einer mehrtägigen Fahrt z. B. durch die Holsteinische Schweiz kommt man über größere Seen, folgt Flüssen und Bachläufen teils durch flaches Land, teils durch Dörfer und kleinere Städte. Da kann nicht an jeder Ecke ein Schupo stehen. Da gibt es für das ganze Gebiet wenige Dorfpolizisten und das war’s. Aber in jeder Ecke, in jedem Gebüsch schwimmen die Cola-Dosen und Einwegflaschen. An einigen Stellen sind die Gewässer flächendeckend ohne die kleinste Lücke mit dem Getränkemüll bedeckt.
An noch so versteckten Stellen der Alpen findet man - Getränkemüll! Der Hamburger Stadtpark und die Gegend rund um die Alster sind nach jeder größeren Veranstaltung eine einzige gewaltige Müllhalde. In anderen Städten sieht es mit Sicherheit ebenso aus. Und in all diesem Müll findet sich nicht eine einzige Pfandflasche. Die Beseitigung kostet viel Geld und vieles ist mit irgend vertretbarem Aufwand nicht zu beseitigen. Weil sich keine Pfandflaschen in dem gedankenlos „entsorgten“ Zeug finden, ist die Folgerung nur logisch: Man belegt das, was bisher in die Gegend flog, mit einem Pfand. Dann fliegt es nicht mehr in die Gegend. Jeder trägt seinen Müll wieder nach Hause, weil es dafür bares Geld gibt. Diese Logik ist zwingend einfach.
Das Beispiel mit den Einkaufswagen brachte ich schon. Es war früher eine Pest um jedes Kaufhaus. War irgendwo ein Wehr verstopft, lag ganz sicher ein Einkaufswagen darin. Mit der Pfandeinführung war damit von einer Minute auf die nächste einfach Schluß.
Stelle Dir bitte vor, das Dosen- und Einwegpfand wird eingeführt, die Flußläufe sind nach einmaliger Reinigung endlich frei von dem Zeug und bleiben es auch, in keinem Park, in keinem Gebüsch findet sich der Dreck. Da muß sich doch jeder, der jetzt gegen das Pfand argumentierte (obwohl ich noch kein stichhaltiges Argument hörte, statt dessen wird das Thema gewechselt) reichlich dumm vorkommen- oder nicht?
Es wurden Öko-Bilanzen von Pfand- und Einwegsystemen gegenüber gestellt. Eine Schwäche dieser Rechnerei ist regelmäßig, daß sich das Ergebnis je nach Zielsetzung „hinrechnen“ läßt. Eine weitere Schwäche bei Einweg-Befürwortern war stets, daß man vom Recycling der Einwegverpackungen ausging. Nur wird eben ein großer Teil nicht recycelt, weil er in die Landschaft geworfen wird und von dort nur mit erheblichem Aufwand einsammelbar ist. Dieser erhebliche Aufwand macht letztlich das Einwegsystem untragbar, wobei die Kosten nicht bei der Getränkeindustrie auftauchen, sondern an anderen Stellen der Volkswirtschaft.
Insofern macht ein Pfand auf Einweg-Getränkeverpackungen diese überhaupt erst akzeptabel und im volkswirtschaftlichen Sinn konkurrenzfähig mit dem Mehrwegsystem.
Aus der Einwegverpackung wird durch das Pfand nicht plötzlich eine Mehrwegverpackung. Es bleibt eine Einwegverpackung, bei der das Pfand nur als Anreiz dient, die Verpackung der umweltverträglichen und recourcenschonenden Entsorgung zuzuführen.
Puh, soviel Text mit Argumenten, obwohl beim besten Willen kein einziges Gegenargument erkennbar ist. Etwas weiter oben bemühte sich jemand um Gegenargumente, fand wohl keine, wechselte das Thema und fabulierte plötzlich über Kernkraftwerke…
Gruß
Wolfgang