Dressurreiten

Hallo Gemeinde,

ich bin vorhin beim Zappen beim Dressurreiten hängengeblieben.
Ich habe mir das Ganze eine halbe Stunde angeschaut und mir hat sich der Sinn dieses „Sportes“ nicht erschlossen. Ich kenne mich mit Pferden nicht besonders gut aus, aber das hat meiner Meinung nach nichts mit Sport zu tun. Keinen dieser Schritte würde ein Pferd freiwillig gehen. Vom Galopp vielleicht abgesehen, aber selbst hierbei wurde genau darauf geachtet, wo die Hufe hintreten. Ist das nicht schon Tierquälerei?
Vielleicht kann mich ja ein Experte aufklären, worin der Reiz dieses Sportes besteht.

Viele Grüße

Ordnazo

Keinen dieser Schritte würde ein Pferd freiwillig gehen. Vom :Galopp vielleicht abgesehen, aber selbst hierbei wurde genau :darauf geachtet, wo die Hufe hintreten. Ist das nicht schon
Tierquälerei?
Vielleicht kann mich ja ein Experte aufklären, worin der Reiz
dieses Sportes besteht.

Hallo,

Experte für das Dressurreiten bin ich wahrhaftig nicht. Nur Pferdeliebhaber. Leider ist es zutreffend, daß viele Dinge in der Reiterei am Rande der Tierqualerei liegen oder den Tatbestand sogar erfüllen. Pferde werden vielerorts auch außerhalb des Leistungssports als Sportgerät angesehen und behandelt. Beim Blick in manchen Reitstall und beim Umgang mancher Freizeitreiter mit ihren Pferden kommt mir das Kotzen. Von einigen Military-Veranstaltungen will ich lieber gar nicht reden. Man kann Tiere wegsperren und einmal pro Woche für eine Stunde aus dem Stall holen, man kann Hindernisse anreiten, daß das Tier keine andere Möglichkeit mehr hat, als zu springen, weil es aus Erfahrung weiß, daß sonst Schmerz droht. Das sind aber keine Methoden, mit denen ein Dressurreiter Erfolg haben kann. Wer sich den Bewegungsablauf von Fohlen ansieht, erkennt manches aus der Dressurreiterei wieder. Aber eigentlich wird umgekehrt ein Schuh daraus. Natürlich macht kein Pferd den kompletten Bewegungsablauf der Dressur von alleine. Aber „unfreiwillig“ ist der falsche Ausdruck. Da wird niemand etwas mit Zwang. Es funktioniert nur mit einem ausgeglichenen Pferd, das seine natürlichen Freiräume hat. Dann mit Geduld und Übung. Wobei Letzteres nur in Portionen Sinn macht, die das Tier freiwillig und gerne macht. In der Dressur kann man bei Reiter und Pferd von einer Einheit reden. Das Pferd hat nur Schenkeldruck, Reitergewicht und Stimme zur Unterstützung. Der Rest kommt tatsächlich vom Tier. Bis es so weit ist, vergehen viele Jahre. 10 bis 15 Jahre, oft auch älter, ist ein gutes Dressurpferd. Dafür ist niemals ein malträtiertes Pferd mit gebrochenem Willen brauchbar. Wenn das Tier einen schlechten Tag und einfach keine Lust hat, kann sich der Dressurreiter auf den Kopf stellen. Es wird dann nichts. Ein gutes Dressurpferd hat neben dauerndem Kontakt zu seinem Reiter reichlich Kontakt mit Artgenossen, hat seine Freiheit und wird vom Feinsten betreut.

Langes Einsperren, dunkle und zu enge Ställe, zu wenig Bewegung und Alleinsein sind quälerisch. Sprünge, wenn das Pferd nicht sieht, wohin es springt, sind nicht in Ordnung. Bis zur Erschöpfung hetzen, Nervenschnitte zum Ignorieren von Schädigungen, Abbinden der Hoden (in früheren Westernfilmen sehr beliebt), feste, zu starre oder zu hohe Hindernisse…die Liste der Grausamkeiten dummer oder ignoranter Reiter ist beliebig lang. Dressurreiterei gehört nicht dazu.

Gruß
Wolfgang

Danke schön für diese ausführliche Antwort.

Ordnazo

Filmpferde, Quälerei->Frage
Hallo Wolfgang,

vielleicht weisst Du wozu…

Abbinden der Hoden (in früheren Westernfilmen
sehr beliebt),

denn das ‚gut‘ sein sollte??
Das Tier muss doch vollkommen unter Schmerzen stehen,und dann noch nach der Pfeife der Filmemacher tanzen?

unglaublich…
Nicole

Das Tier muss doch vollkommen unter Schmerzen stehen…

Hallo Nicole,

die Schmerzen waren ja gerade der Sinn der Übung. Das Tier versucht verzweifelt, den schmerzhaften Strick loszuwerden und geht vorne und hinten hoch, bockt wild, schlägt aus. Das sind dann die Szenen, in denen der Filmheld angeblich ein Pferd zureitet.

Mindestens in Deutschland sind solche Methoden inzwischen verboten. Aber anderweitig? Für das johlende und zahlende Publikum wird mit Tieren buchstäblich alles gemacht.

Gruß
Wolfgang

Ist Reitsport Sport?
Ich frage mich jedesmal wieder, was Reitsportarten eigentlich z.B. bei Olympia verloren haben.
Meiner Meinung nach: gar nichts!
Reitsport ist für mich genausowenig/viel eine Sportart wie Motor"sport". Die körperliche Belastung und Konzentration des Fahrers/Reiters sind absolut vergleichbar (im Motorsport vielleicht sogar noch größer…) und die eigentliche „Leistung“ bringt in beiden Fällen kein Mensch.
Selbst Wolfgang schreibt ja:
„Das Pferd hat nur Schenkeldruck, Reitergewicht und Stimme zur Unterstützung. Der Rest kommt tatsächlich vom Tier…“
Meiner Meinung nach gehören z.B. zu Olympia nur Sportarten, in denen sich theoretisch Rekorde aufstellen lassen, und zwar allein durch menschliche Leistung.
Alles andere sind vielleicht auch Sportarten/Hobbies (ausser den o.a. Beispielen…), haben dort aber m.E. nichts verloren.
Oder sollte man aufgrund des ja sicherlich gegebenen Zuschauerinteresses nicht auch Autorennen als Olympische Disziplin mit aufnehmen…?

Gruß

Markus

Hallo Markus,

stelle bitte die Frage noch einmal, nachdem Du einige Zeit auf einem Pferd gesessen hast. Nicht gleich im Anschluß daran, sondern wenn Du wieder gerade gehen kannst.
Stelle die Frage von mir aus auch, nachdem Du mit einer passionierten Reiterin eine heiße Nacht verbracht hast und erleben durftest, was passiert, wenn Deine Gespielin Dich ihre Schenkelkräfte spüren ließ…natürlich berichtest Du erst, sobald Du wieder nach Luft jappsen kannst…

Ein trainierter Reiter hat kein Fett am Leib. Das sind Muskeln und Sehnen, sonst nichts. Das ganze gepaart mit Körperbeherrschung. Doch, es ist Sport, allerdings ein Sport, der beinahe in jedem Lebensalter betrieben werden kann. Das hängt damit zusammen, daß keine kurzzeitige Leistungsspitze abverlangt wird wie etwa beim 100 m-Lauf oder bei den Sprung- oder Wurfdisziplinen.

Natürlich gibt es Grenzfälle bei der Frage, ob eine Betätigung als Sport im Sinne von Körperertüchtigung anzusehen ist. Manches ist überwiegend Kommerz und Show, letztlich eine Marketingveranstaltung der beteiligten Firmen, wie etwa beim Automobilsport in vielen Schattierungen. Wo will man die Grenze ziehen und wozu auch? Wenn der Arzt zu sportlicher Betätigung rät, wird die Frage aktuell. Dann meint er sicher nicht Schachspielen und auch nicht, im Trainingsanzug auf der Stadiontribüne zu sitzen. Dann meint er auch keine Schulung des Reaktionsvermögens, dann meint er Bewegung unter Kreislaufbelastung und Einbeziehung möglichst vieler Muskelgruppen.

Automobilsport, insbesondere Formel1 o. ä. hat einen anderen Hintergrund. Es sind Veranstaltungen, mit denen viel Geld umgesetzt wird. Automibilfirmen nutzen den Irrglauben breiter Schichten, es hätte auch nur entfernt etwas mit Autofahren oder Produktqualität bestimmter Marken zu tun. Und sie nutzen den Autospleen vieler Leute. Mal abgesehen vom Umweltbewußtsein: Lasse die Leute doch im Glauben, einer Körperertüchtigungsveranstaltung zuzusehen.

Gruß
Wolfgang

Kann ich so nicht stehen lassen…
Hi Wolfgang!
Zum einen widersprichst Du Dir selber, wenn Du in Deinem vorigen Posting noch schreibst, daß das Pferd die meiste Arbeit macht, zum anderen hab ich mal vor einigen Jahren in einer Talkshow im dritten eine Multi-Goldmedaliien-Gewinneren (Dressur) beobachtet, die dort eine Fluppe nach der anderen geraucht hat. Beim besten willen, wer sich sowas erlauben kann, der treibt in meinen Augen keinen Sport.
Was die körperlichen Querelen angeht (bin Radrennsportler…), so kann ich auch sagen: Setz Dich mal für eine halbe Stunde, ach was, für 10 Minuten in ein Vergnügungs-Kart auf einer der ettlichen Kartbahnen. Wenn Du das hinter Dir hast, stelle Dir einen Fromel-1-Fahrzeug vor, welches ebenfalls keine Servolenkung hat, in dem Du anderthalb Stunden sitzt. Nach einer Stunde Kartfahren würdest Du anschließend kein Bier mehr stemmen können. Daher: Durchaus vergleichbar.
Und was den Kommerz angeht, so bewegt er sich im Reitsport zwar in kleineren Dimensionen als im Motorsport, aber denk nur an die Pferderennen. Wenn da kein Kommerz hinterhängt, weiß ich auch nicht.

Wie gesagt, ich hab nichts gegens Reiten, und auch nichts gegen Motorsport, aber beides gehört eher in die Rubrik „Hobby“, als denn „Sport“.

Gruß Markus

Motorsport off topic
Hi!

den Autospleen vieler Leute. Mal abgesehen vom
Umweltbewußtsein: Lasse die Leute doch im Glauben, einer
Körperertüchtigungsveranstaltung zuzusehen.

Fahr doch einfach mal 2 Stunden am Stück in einem Cart auf Zeit! Und dann sage mir anschließend, dass Du körperlich unbeansprucht bist :wink:

Ich kann nicht für’s Reiten sprechen, aber es muss doch einen Grund haben, dass zum Beispiel Formel-1-Fahrer eine enormes Fitnessprogramm absolvieren. Beim Mercedes - Zweisitzer gibt es eine Vorrichtung, die den Kopf des Beifahrers bei Bremsmanövern abfängt um Halsverletzungen zu vermeiden. H.H.Frentzen hatte vor einigen Jahren mal seinen Helm am Chassis angekettet, damit er die Fliehkräfte seines Kopfes besser unter Kontrolle hatte (war nach einem Unfall, glaube ich).

Grüße
Guido