Moin Simon,
Allerdings fehlt mir ein bedeutender Punkt, es wurde von der
zweiten Schwangerschaftswoche gesprochen, das schon als
eigenständiges Leben zu sehen halte ich für fragwürdig. Zu
diesem Zeitpunkt reden wir immerhin nur von einem Zellklumpen.
Die Definition, wann Leben beginnt und wann es sich um einen Zellklumpen handelt, muss jeder (innerhalb des gesetzlichen Rahmens) für sich selbst treffen. Der Gesetzgeber hat hier lediglich eine relativ willkürliche Grenze gesetzt, um Schwangerschaftsabbrüche zu ermöglichen, die strafrechtlich nicht geahndet werden.
Ich will hier wirklich keine Diskussion darüber anstoßen wann
oder wie ein Fötus als menschliches Leben zu bezeichnen ist,
aber ich kann durchaus verstehen wenn jemand in der
angeführten 2. Schwangerschaftswoche wegen evtl.
schwerwiegender Probleme abtreibt.
Das ist richtig, um diese Diskussion geht es hier tatsächlich nicht. Hier geht es nicht um die allgemeine Frage einer Abtreibung in der 2. Schwangerschaftswoche, sondern um die Frage, in wiefern eine mögliche Behinderung für eine Frau ein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch wäre, die ansonsten eine Schwangerschaft fortführen würde und ob die Entscheidung der Frau für das Kind einen Anlass zur Verurteilung dieser Frau darstellt (wie im Ausgangsposting skizziert).
Dabei geht es nicht
zwangsläufig um eigene Ängste sondern oft auch darum, dass bei
einer schweren Benachteiligung die Chance sehr hoch ist, dass
es das Kind sehr schwer haben würde. Menschen wie Stephen
Hawkins sind ein Vorbild und eine Inspiration, aber sie sind
leider die Ausnahme.
Natürlich, hier habe ich ein Extrem der möglichen Bandbreite gewählt. Ob es ein Kind schwer haben wird, liegt aber nicht unbedingt an den vorhandenen oder nicht vorhandenen Fähigkeiten des Kindes, sondern leider viel häufiger daran, ob dieser Fähigkeiten mit den Erwartungen der eigenen Eltern und der Umwelt übereinstimmen. Ich kenne jede Menge Kinder, die es allein deshalb schwer haben, weil sie den Erwartungen der Eltern nicht gerecht werden.
Eltern lieben ihre Kinder, und mir als
Vater würde es unendlich weh tun mein Kind leiden zu sehen,
auch wenn es insgesamt vielleicht glücklich und mit seinen
Möglichkeiten zufrieden ist.
Wo leidet ein Mensch, der glücklich und mit seinen Möglichkeiten zufrieden ist ? Leiden in deinem Beispiel nicht viel eher die Eltern, weil sie kein perfektes oder gesundes Kind haben ? Darf man einem Menschen das Leben verwehren, weil man sich selbst mögliches Leid ersparen will ?
Das Ganze ist in jedem Fall keine einfache Frage und auch wenn
ich deinen Beitrag wirklich gut nachvollziehen kann klagt er
mir doch zu stark an.
Ich habe nicht vor, irgend jemanden anzuklagen. Ich möchte nur etwas der Vorstellung entgegen setzen, jemand anders habe das Recht dazu zu entscheiden, ob das Leben eines anderen lebenswert sein mag oder nicht, bzw. sogar Menschen zu verurteilen, die sich in dieser Situation für ein Kind aussprechen.
Wer in der 2. Schwangerschaftswoche abtreiben will, der mag das tun. Heutzutage braucht man dazu nicht mal mehr einen besonderen Grund außer dem, dass man sich der Situation nicht gewachsen sieht (warum auch immer). Ich bin die letzte, die eine Frau aufgrund dieser Entscheidungen verurteilen würde, aber ich bin die erste, die sich der Auffassung entgegen stellt, irgend ein anderes Leben wäre nicht lebenswert und somit sei es schon irgendwie ok, es auszulöschen.
Gruß
Marion