streitet euch nicht wegen mir!
Ich glaube wir haben uns schon wieder versöhnt
Ohne Nachzudenken wirken meine Artikel möglicherweise unverständlich.
Ich hatte allerdings bei dieser Stundenplanregelung die
gleiche Idee wie Anja… Wie soll sie das durchführen, wenn
sie noch nichtmals für normale Dinge den Hintern hoch kriegt!?
Anja hat IMO dann Recht, wenn es sich um eine mittlere bis schwere Depression handelt, gegen die man nicht selber ankämpfen kann. Da ich die Sache zunächst mal so einschätze, daß Deine Freundin nicht krank ist, sondern sie die Einsamkeit krank macht, und weil ich aus Erfahrung weiß, daß depressiv verstimmte Menschen unter gewissen Umständen Halt durch Rythmus und Routine bekommen, halte ich es zumindest für einen Versuch wert.
Wenn ein Mensch depressiv verstimmt ist, kann sich das unter Umständen so äußern, daß er wenige bis gar keine Ideen hat, was er mit seinem Alltag anfangen kann. Jede Idee ist zudem lästig, führt nicht zum Glück und wird nicht umgesetzt. Er läßt sich total hängen. Dein Betreff war ja auch „Durchhänger“ und nicht „Schwere Depression“.
Der Mensch, der dies in sich erkennt und den Mut hat, gegen seine Antriebslosigkeit anzukämpfen, hat also die Chance, sich das, was ihn stört, hier: die Einsamkeit, zu nutze zu machen.
Es ist in dieser Situation oft einfacher, Pflichten zu erfüllen als abzuwägen. Jede Entscheidung fällt schwer. Spontane Entscheidungen sind nahezu unmöglich.
Der detaillierte Tagesplan kann Halt bieten, weil man sich nicht mehr entscheiden muß. Er läßt aber gleichzeitig die Freiheit, daß man sich jederzeit entscheiden kann. Es ist also kein Zwang.
Je detaillierter er ist, desto leichter fällt es, ihn zu befolgen, aber das ist auch typabhängig. Manch einem reicht der Tagesordnungspunkt „7.20 uhr Frühstück“, andere nehmen es etwas genauer und schreiben „7.20 uhr Brot mit Butter beschmieren, Marmelade“ auf den Zettel.
Die Depressionszustände können schwanken, in einer positiveren Phase kann man sich Gedanken machen, mit welchen Dingen man sich gerne auseinandersetzen möchte (Kunst, Sport, Lesen, Spazieren, Postkarten schreiben, Urlaubsplanung…) und sich selber für alle möglichen Betätigungsfelder ein „Kursprogramm“ aufstellen. Konkret: 14 bis 16 Uhr Modellieren, 16-16.45 Spazieren gehen, 16.45-17.30 Rückengymnastik, wenn das zu schwer fällt Musik hören (aber erst versuchen!). u.s.w.
Der Plan kann im Laufe der Wochen dynamisch wachsen. Man erlebt Dinge, die Spaß machen und nimmt sie in den Plan auf. Vielleicht ist zwei Stunden Töpfern&Modellieren zu kurz, weil man hinterher so lange aufräumen muß, oder es ist zu lang, weil man nicht so viel Geduld aufbringt. Dann nicht resignieren sondern den Plan anpassen.
Das hört sich für Menschen, die sich gerne verzetteln, ziemlich affig an. Aber es besteht Hoffnung, daß man mehr vom Leben hat, wenn man sich an diese Zeiten hält und auch mal wieder erlebt, daß man gerne weiter machen würde, aber die Zeit um ist, und aufhören „muß“.
Zeitmanagement wird ja immer nur für Leute angepriesen, die zu viel um die Ohren haben. Aber auch Leuten, die zu viel Langeweile haben bzw. die zu viel Einsamkeit ausgesetzt sind, tut IMO Zeitmanagement gut. Deine Freundin muß sich dann natürlich mal ein paar Projekte ausdenken, vielleicht aufwendige Geschenke basteln für ihre deutschen Freunde oder einen Basar in der Nähe.
Mir nahe stehende Menschen in Canada haben immer Pläne, was dem Depressiven schon über viele depressive Phasen hinweggeholfen hat. Zudem filmen sie immer, was sich so tut, und schicken die Cassetten dann nach Deutschland. Solche Videoaufnahmen kosten nicht viel Zeit und sind spontan. Vielleicht schenkt ihr Mann ihr mal eine Videocamera?
Wenn sie wieder weg ist, schick ihr regelmäßig eine Postkarte. Sie freut sich sicherlich darüber, doch ihre Depressionen halten sie möglicherweise auch davon ab, die Freude mit Dir zu teilen. Nimm das dann nicht persönlich, meint
AndyM