Guten Morgen, Martin,
das ist gut beobachtet und schön dargestellt.
Manchmal sind die Schwaben, die hier für Süddeutsche allgemein stehen mögen, denn in Bayern oder Baden, Hessen und der Pfalz lässt sich das auch beobachten, wirklich oft nur zu ganz geringen Zugeständnissen an Norddeutsche bereit sind.
Es bleibt meiner Beobachtung nach nichts anderes, als festzustellen: Schriftdeutsch gesprochern mit den kleinen regionalen norddeutschen Phonetikfehlern - also: Wo kommst du wech? Von wechen, der falsche Wech! Am Freitag kommt Füsch auf den Tüsch! Über einen s-pitzen S-tein s-tolpern auf der S-traße. uwdDm - , die verhindern, dass es sich wirklich um reines Hochdeutsch handelt, das es ja auch gar nicht gibt, klingt für einen biederen Schwaben nahezu unerträglich arrogant, was auch der Inhalt sein mag.
Da mag der tiefsitzende Minderwertigkeitskomplex der Schwäbelnden Schuld sein, der es selbst mir schwer machte und noch macht, ernst zu bleiben, wenn Schäuble und Teufel und Öttinger und Döhring oder früher Kiesinger oder Gerstenmaier oder Kinkel vor der Kamera sprachen. Wobei ich nicht sagen kann, ob spontane Reden, die mit Suevismen gespickt waren oder vorbereitete Reden, die in dem Ton gehalten wurden, den sich die Herren als Hochdeutsch vorstellten, mich mehr zum Erröten oder Lachen brachten.
Bis die Ostfriesen diese Rolle der Deppen der Nation übernahmen, war in deutschen Theaterstücken, du weißt schon, diese Boulevardkommödien, der Depp vom Dienst, nein im Stück ein schwäbisch sprechender Neureicher oder Hygieneprofessor.
Bei solchen Nord-Süddeutsch-Diskussionen kommt es darauf an, dass man seine angeborene ironische Distanz zum anderen so nett verpackt, dass dieser sich nicht herausgefordert oder gekränkt fühlt.
Mir gelingt das nicht immer.
Gruß Fritz