hallo silvia,
Das ist gut … wenn Du schon den Vorschlag machst … wie
definierst Du Liebe?
es ist gar nicht so einfach, das in konkrete worte zu fassen. für mich hat liebe jedenfalls nicht unbedingt mit sexualität zu tun, wobei natürlich - wenn die beteiligten personen der jeweiligen sexuellen orientierung entsprechen - die geistige und emotionale nähe auch schnell das bedürfnis nach physischer nähe entstehen lässt.
zusätzlich zur partnerschaftlichen liebe gibt es liebe (nicht immer, aber durchaus vorkommend) zwischen freunden oder freundinnen, und natürlich die zwischen eltern und kindern, zwischen geschwistern.
es gibt auch die liebe zu einem thema, zu einem buch, zu einer idee (zu gott, z.b.). das bedeutet, dass liebe nicht zwangsläufig etwas reziprokes sein muss. liebt ein buch „zurück“? liebt musik „zurück“? liebt gott „zurück“? (okay, das ist jetzt sehr dünnes eis, ich weiß…)
aber was ist liebe? ein annäherungsversuch:
liebe ist hingabe, nicht aber ständige absorption.
liebe ist verständnis und faszination.
liebe hat keine dauer (was nicht heißt, dass sie nicht langandauernd sein kann)
liebe ist bedingungslos.
liebe verändert - sie hinterlässt spuren. aber sie will den anderen nicht verändern.
liebe ist ein gefühl, welches auch im kopf lebt.
kürzlich bin ich wieder über ein zitat von kreuder gestolpert (aus der gesellschaft vom dachboden). es gefällt mir sehr sehr gut und trifft meines erachtens das wesen der liebe: „so könnte ein dichter, dachte ich, vollendete liebe dem wasser vergleichen, sie umgibt das geliebte ganz, schmeichelnd und weich, ohne es festzuhalten.“
Mangelndes Vertrauen einerseits und fehlender Selbstwert
andererseits.
die sich häufig wechselseitig bedingen…
*malsehrscharfnachdenkemuss* … das muss ich mir noch
überlegen …
tu das 
Wie könnte Eifersucht noch begründet werden?
vielleicht in einer grundsätzlichen angst vor
veränderungen …
Das würde bedeuten, dass Menschen, die ohne Veränderungen
nicht sein können (in dem Sinn, dass sie diese aktiv, willig,
permanent … herbeiführen) nicht eifersüchtig wären?
okay, ich hab mich wohl etwas unklar ausgedrückt. ich meinte die veränderungen im leben, die man sich nicht selbst aussucht. natürlich wird sich zunächst keiner darüber freuen, wenn ihm in der arbeit gekündigt wird oder wenn er von seinem partner verlassen wird. aber manche menschen können solche veränderungen besser hinnehmen und damit umgehen, andere verzweifeln darüber völlig. und manche können alleine den gedanken nicht ertragen, in eine andere abteilung versetzt zu werden … oder die vorstellung, dass sich die form ihrer beziehung verändern könnte, weil es da vielleicht plötzlich noch eine andere person gibt, für die sich der partner interessiert.
Diese Sache ist gegeben. Jeder Mensch IST austauschbar, …
Theoretisch nimmt das Wissen um eine Sache die Angst. Sollte
das da anders sein??
NEIN, für mich ist nicht jeder mensch austauschbar. überhaupt nicht. er ist sicherlich in seiner funktion austauschbar. ich kann, wenn ich mich heute von meinem partner trenne, nächstes jahr natürlich wieder einen anderen partner haben. das ist klar. aber die beziehung wird anders sein, als die, die ich mit meinem jetzigen partner habe. nicht besser oder schlechter, aber anders. genauso verhält es sich mit freundschaften. einzig mit eltern ist es anders. der neue partner deiner mutter kann ein toller mensch sein, er wird niemals dein vater werden…und er sollte dies auch nicht versuchen.
und natürlich in dem anspruch, für einen menschen die ständige
hauptrolle im leben spielen zu wollen
Perfekt 
Das wäre nämlich meine nächste Frage gewesen, die ich irgend
jemandem gestellt hätte. Das wäre der dritte für mich mögliche
Grund, auf den ich in der letzten Stunde gekommen bin. Dabei
bin ich aber wieder an die zweitmögliche Ursache gelangt:
Warum will man ständig die wichtigste Person im Leben des
Partners sein? Ist das nicht auch mangelnder Selbstwert?
mag sein, ja. das kann eine große rolle spielen.
aber es kann auch an einer ganz anderen struktur liegen. menschen, die eher dem nestbauer-typus entsprechen, haben wahrscheinlich größere probleme mit eifersucht, als menschen, die nicht so viel wert auf definitionen legen und für die veränderung bewusster bestandteil des lebens ist.
und natürlich spielen dabei auch tradierte werte eine große rolle. wir sind doch - auch hierzulande - meist mit dem idealbild einer monogamen, dauerhaften (bis dass der tod und so…) partnerschaft aufgewachsen. in vielen anderen ländern ist dieses ideal noch viel deutlicher. ein mann, dessen frau den anspruch hat, auch andere männer lieben zu „dürfen“ (bei anderen frauen ist das, solange keine sexuelle komponente dazu kommt, ja meist unproblematisch), zählt als „waschlappen“, der seine frau nicht zufriedenstellen kann. eine frau, die sich mit anderen männern einlässt, wird ganz schnell zur hure. sich von diesen bildern zu befreien, ist leider nicht für jeden menschen so einfach.
Aja, nochwas: Als Beruf führst Du an „Minderheiten
vorbereiten“?? *mirjeglicheFantasiedazufehlt* … Vorbereiten
worauf?
diese formulierung passt auf meine beiden tätigkeitsschwerpunkte 
also:
die einen darauf vorbereiten, sich hierzulande in allgemeinverständlicher form artikulieren zu können… (zumindest an der sprachlichen oberfläche *g*)
und die anderen darauf vorbereiten, selbständig zu essen, sich an- und auszuziehen, sich in gewohnter umgebung zu orientieren … um dann auch mal den ein oder anderen schritt hinaus in unbekannte regionen wagen zu können. nicht jeder mensch schafft das problemlos.
(sogar nicht-behinderte…)
Ich will Dir nicht zu nahe treten, aber ich denke, wenn Du
darauf nicht angesprochen werden wolltest, hättest Du’ nicht
so geschrieben. Drum frage ich ganz unverschämt …
nur zu… 
wobei: das ist schon echt heftig unverschämt *ggg*
herzliche grüße
tabaiba