heine und kafka…
hallo silvia,
liebt gott „zurück“? (okay,
das ist jetzt sehr dünnes eis, ich weiß…)
*upsups* das ist wahrlich seeeeeeehr dünnes Eis, das (bei
dieser Aussage quecksilberartig geschehend *gg*) erhitzten
Gemütern nicht sehr lange standhält *spitzgrins* … Aber das
ist ein komplett anderres Thema, darauf wollen wir hier nicht
eingehen *sehrbestimmtKopfnick* …
stimmt, das wär ne andere diskussion, nicht uninteressant zwar, aber eben nicht hierher gehörend…
Also, das nenn’ ich gut durchdacht, als
„Annäherungsversuch“ mehr als brauchbar *ggg* *fastHutzieh*
ohh, danke…
Na, da darf ich doch auch ins Detail gehen? (Für alle die,
denen’s zu mühsam ist, bitte übergehen *smile*) …
du darfst *g*
aber was ist liebe? ein annäherungsversuch:
liebe ist hingabe, nicht aber ständige absorption.
sagen wir, in meinen augen müssen sich liebe und _temporäre_ absorption nicht widersprechen. wenn allerdings langfristig alles andere außerhalb der eigenen wahrnehmung steht, nimmt die wechselseitige absorption symbiotische züge an. das finde ich ungesund. kurzfristig ist bei mir dieses aufgehen in einem thema, die absolute hingabe an einen anderen menschen aber völlig normal.
kennst du das nicht? du liest heine, zum wiederholten male, war ja in der schule schon pflicht. und plötzlich springt der funke über. du stürzt dich in ihn (bzw. sein werk). du kannst nicht genug kriegen. du bist in düsseldorf und stellst dir vor, dass er hier gelebt hat. an paris denkst du plötzlich auch mit anderen assoziationen. du bekommst lust, seine spuren zu verfolgen. auch wörtlich. dann entdeckst du oppenheims gemälde und findest, dass heine ganz gut ausgesehen hat - haben könnte *schwärmgrins*. du stellst ihn dir vor, wie er wohl gelebt haben mag. du hast einiges gelesen, inzwischen noch mehr. du versuchst, dir vorzustellen, wie seine stimme wohl geklungen haben mag… du liebst die schönheit seiner worte… du liebst seinen witz… und er wird immer plastischer, immer greifbarer - in deiner vorstellung. du hörst, wenn du nicht gerade liest, musik. natürlich heine-vertonungen. nicht nur die schumannschen. du bist fasziniert, begeistert. in gesprächen mit freunden redest du eine woche lang nur von ihm. du „glühst“. und du setzt alles in relation zu ihm, sogar das geburtsjahr deiner tochter (200 jahre nach seinem *g*). und doch: irgendwann „erwachst“ du wieder, irgendwann kühlt das feuer wieder ab. und du merkst - obwohl du das natürlich die ganze zeit wusstest, aber es hatte eben in dem moment keine relevanz - dass es außer heine ja auch noch andere menschen gab, und gibt. auch andere schriftsteller. dann liest du ein bisschen dies und ein bisschen das. findest manches nett und manches doof. und irgendwann entdeckst du kafkas briefe an felice bauer. die packen dich. so ganz anders als das, was du sonst von ihm kennst… und du liest die briefe von vorn bis hinten. zufälligerweise läuft dann in einem programmkino ein film zum thema: briefe an felice. natürlich musst du da rein. und du stellst dir felice vor. und ihn. und ihre liebe. und schon, ja, schon bist du im nächsten „liebestaumel“…
das ist für mich völlige absorption: wenn ein thema dein denken beherrscht. oder ein mensch. nach dieser phase der unbedingten hingabe relativiert sich das verhältnis. das thema (oder der mensch)dominiert nicht mehr allein deine gedanken und gefühle. es gibt wieder platz für anderes. und doch, diese phasen, die du erlebt hast, gehören dir. und du hast sie immer in erinnerung. wenn du das nächste mal irgendwo den namen felice (selten, aber existent *g*) hörst, denkst du an die briefe. und du erinnerst den geruch, der damals, als du die „liebschaft“ mit kafka durchlebtest, in deiner nase war. genauso mit heine… und… und… und du weißt, du liebst diese briefe. und du liebst kafka. und du liebst heine. das ist so, im moment. vielleicht für immer. vielleicht flaut die liebe irgendwann wieder ab. aber das spielt keine rolle, denn du hast sie erlebt. und sie hat dich bereichert.
natürlich sind heine und kafka tot, und grass ist es egal, ob ich ihn liebe oder nicht. das ist natürlich der unterschied zur liebe, die ich für einen neben mir stehenden menschen empfinde. aber: geht es letztlich nicht auch in diesem fall darum, sich berühren zu lassen? und diesen menschen auch berühren zu dürfen und zu können. muss eine liebe ewig gelebt werden? und, vielleicht noch wichtiger: duldet eine solche liebe nicht auch noch andere lieben neben sich. kafka regt sich zum glück nicht darüber auf, dass ich neben ihm auch noch heine liebe. er erwartet ja nichts von mir… 
liebe hat keine dauer (was nicht heißt, dass sie nicht
langandauernd sein kann)
- so kann man’s auch sagen. Liebe ist permanent da, und damit
im wahrsten Sinn des Wortes „dauernd“. … oder?
und: die liebe zu einer person kann viel länger dauern als die real gelebte beziehung.
liebe ist bedingungslos.
- mhm, ist sie - aber nicht im Sinne von „selbstlos“, wie es
oft gesagt wird.
stimmt. menschen sind keine altruisten.
liebe verändert - sie hinterlässt spuren. aber sie will den
anderen nicht verändern.
- das finde ich sehr schön gesagt.
danke 
liebe ist ein gefühl, welches auch im kopf lebt.
- ein großes Sorry, taibaba: Aber wie kann ein Gefühl im Kopf
sein??? Mehr Widerspruch ist doch wirklich nicht möglich
*völligperplexbin* …
nein, das ist überhaupt kein widerspruch. hab ich heine gerochen? gab es da pheromone? nein *g*
für mich persönlich findet die annäherung an einen menschen meist primär geistig statt. und das passiert im kopf. bei mir zumindest *g*. wenn ich das mag, was er sagt und denkt, wenn ich mich von ihm verstanden fühle, wenn es da gewisse übereinstimmungen gibt und dadurch nähe fühlbar wird, kann es sein, dass ich mich in ihn verliebe. in diesem sinne kann ich mich auch in frauen verlieben. und in menschen, die bereits tot sind. das ist mir mit frida kahlo so gegangen (und als kind mit pippi langstrumpf und der roten zora *g). und deswegen kann ich auch nie sagen, dass ich ein bestimmtes „traumbild“ von einem potentiellen partner im kopf hab. physisch gesehen. insofern lebt die liebe auch im kopf. aber ein gefühl ist sie natürlich auch. ein sehr intensives gefühl bisweilen…
„so könnte ein dichter, dachte ich, vollendete liebe dem wasser
vergleichen, sie umgibt das geliebte ganz, schmeichelnd und
weich, ohne es festzuhalten.“
Ohne den Anschein zu erwecken, schnulzig oder sentimental zu
sein: das ist eine wahrhaft treffende Aussage, sehr poetisch
ausgedrückt. Wirklich schön.
ich mag es auch sehr…
Diese Sache ist gegeben. Jeder Mensch IST austauschbar, …
Theoretisch nimmt das Wissen um eine Sache die Angst. Sollte
das da anders sein??
NEIN, für mich ist nicht jeder mensch austauschbar. überhaupt
nicht. er ist sicherlich in seiner funktion austauschbar.
Hm, diese Antwort macht mich doch sehr nachdenklich. Ist es
nicht so, dass wir ALLE (egal, in welchem Verhältnis einer zu
einem anderen steht) eine „Funktion“ für den anderen inne
haben?
und doch sind wir - zumindest in zwischenmenschlichen beziehungen - nicht nur funktionsträger! jeder mensch ist anders. dadurch ist jede beziehung anders. und deswegen sind beziehungen so wertvoll. und deswegen ist es schön, mehrere freunde haben zu dürfen…
Natürlich verändern sich die „Funktionsaufgaben“, und
ein momentaner Partner wird niemals die gleiche Aufgabe für
den anderen haben wie ein neuer Partner. Das bedingt die
ständige Veränderung.
nein, ich seh das auch ganz unfunktional. denn für mich - und sicherlich auch für dich - existieren die menschen auch außerhalb ihrer funktion. es ist deswegen nicht egal, ob du mit veronika oder claudia in urlaub fährst. es ist deswegen nicht egal, ob du mit franz oder marcel vögelst. auch wenn sie ihre jeweilige funktion als urlaubsbegleitung oder sexualpartner vortrefflich erfüllen, wird es einen unterschied für dich machen. weil sie eben nicht nur ihre funktion erfüllen.
Hm, aber ich glaube, ich verstehe, was Du meinst. Die Angst,
für den anderen keine Rolle mehr zu spielen, für ihn im
wahrsten Sinn „bedeutungslos“ zu werden. Das kratzt natürlich
sehr am Ego …
ach weißt du, mir wäre da die variante „indifferenz“ auf jeden fall lieber als die variante „hass und verachtung“
… aber das hat mit unserem thema hier nicht wirklich zu tun, ich musste das nur gerade los werden…
Jetzt trau’ ich mich nimmer weiter zu fragen, obwohl Du in der
Erklärung Deiner Tätigkeit (höchst interssanterweise) eine
sehr bodenständige mit einer sehr luftigen Beschreibung
kombiniert hast … *fasterstauntbin*
Aber is’ ok. Voll ok.
*grins*
nein, es sind zwei völlig verschiedene tätigkeiten, die nichts miteinander zu tun haben, außer vielleicht der tatsache, dass es sich eben immer um menschen handelt, mit denen ich arbeite…
Jaja, aber das hab’ ich doch gesagt … und ich steh’ dazu
*wiederunverschämtseinmuss* *undmichzerwutzl* …
äh… erklärst du mir bitte noch, was zerwutzl bedeutet. im infinitiv wohl „sich zerwutzln“, oder?
Also, damit sehr amüsierte Grüße,
hat das sich zerwutzln was mit lachen zu tun? *g*
liebe grüße
tabaiba