Eigennamen übersetzen?

Hallo,
wer bestimmt wie Namen der Bundesländer, Städte, Berge usw. übersetzt werden? Ich denke das sind Eigennamen? Warum heißt denn Sachsen Saxony und München Munich? Normalerweise dürften solche Sachen doch nur in der Landessprache bestehen, oder?
grüße mifune

Moin, moin Mifune,

Natürlich sind die von Dir angeführten Begriffe Eigennamen und die werden in der Regel auch nicht übersetzt, sondern allenfalls nach den Lautregeln der eigenen Sprache ausgesprochen: So sagen die Schotten Edinboro oder Edinbro, wir sprechen es Edinburg aus.

So weit, so gut.

Nun gibt es aber auch Städte, die so bedeutend sind, daß sie auch für Angehörige anderer Völker wichtig sind: Hamburg heißt aus italienisch Hamburgo, Stuttgart Stoccarda. Es hängt also von der Bedeutung und der Wichtigkeit der Lokalitäten ab - ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Engländer oder Spanier auf die Idee kämen, Zaberfeld, Michelbach, Kleingartach oder Sieningsen in ihrer Sprache zu adaptieren.

Hilft das erstmal?

Gruß - Rolf

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Hallo mifune,
das bestimmt die Sprache, in die übersetzt wird. Bei der Übersetzung ins Deutsche ist’s doch genauso. Wir sagen doch auch Neapel, Venedig oder Rom, wenn wir von Napoli, Venezia oder Roma sprechen.
Grüße, Peter

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Servus Mifune,

Ich glaube, dafür gibt es keine allgemeine Regel. Illustrierend ein paar unsystematische Brocken zum Thema:

An Cologne/Köln, Ratisbonne/Regensburg, Aix-la-Chapelle/Aachen, Trèves/Trier erkennt man z.B., dass diese römischen Namen älter sind als die Reichsteilung nach Charlemagne.

Systematisch per Dekret eingedeutschte Namen gabs wohl während der versuchten deutschen Osterweiterung während des zweiten Weltkriegs. Nach dem Muster von ohnehin z.B. im Sudetengau, in Mähren, in Schlesien zweisprachig vorhandenen Namen wurde da meines Wissens etliches an Deutschtum auch artifiziell geschaffen.

Ein meines Wissens nie vor dem II. Weltkrieg in dieser Form vorhandener Name - weil es in Lothringen keine Mischbesiedelung, sondern bloß rein deutsche Dörfer gab, zu denen Nancy halt nicht gehört - war Nanzig. Das ist der einzige mir bekannte, der wohl im Sinn Deiner Frage tatsächlich per Bestimmung verordnet worden ist.

Wo Leute mit verschiedenen Sprachen an einem Ort wohnen, braucht es keine besonderen Bestimmungen, damit sich zwei Namen einbürgern: Für Timisoara ist Temeschwar noch einleuchtend, und Cluj/Klausenburg kann man auch noch ahnen, so wie Sighisoara/Schässburg. Aber bei Sibiu/Hermannstadt würde mans eigentlich nicht glauben…

Innerhalb Deutschlands gibts viele Ortsnamen, die wohl im 17./18. Jahrhundert ihre Schriftform erhalten haben, die hie und da sehr vom lokal üblichen Namen abweicht. Hier liegt die Bestimmung in der Hand des Kartographen oder des Amtsschreibers. Ich denke an Aschebesch/Aschaffenburg; Merchedool/Mergentheim; Hoidna/Heidenheim; Bembara/Biberach…

Und abschließend noch einer, von dem ich nicht weiß, ob er ins Reich der Legende gehört: Montjoie wurde angeblich auf Beschluss des Magistrats zum heutigen Monschau, weil die Leute um keinen Preis Belgier werden müssen wollten…

Schöne Grüße

MM

Siebenbürgische Ergänzung
Hallo Martin,
nur eine kleine Ergänzung zu deiner ausführlichen Antwort.

Wo Leute mit verschiedenen Sprachen an einem Ort wohnen,
braucht es keine besonderen Bestimmungen, damit sich zwei
Namen einbürgern: Für Timisoara ist Temeschwar noch
einleuchtend, und Cluj/Klausenburg kann man auch noch ahnen,
so wie Sighisoara/Schässburg. Aber bei Sibiu/Hermannstadt
würde mans eigentlich nicht glauben…

Diese Namen erklären sich fast alle durch die ungarische Form, die zur rumänischen Seite hin lautlich verändert und zur deutschen auch teilweise übersetzt wurden (ung. vár heißt Burg ):

Timiş oara kommt von Temes vár , was ins Deutsche mit Temesch burg übersetzt wird. Ebenso

Sighiş oara , das von Seges vár kommt --> auf deutsch Schäß burg.

Cluj ist verkürzt aus Kolozs vár --> deutsch Klausen burg.

Bei Hermannstadt lautet die ungarische Form Nagy szeben , d.h. Groß- Szeben , von dem sich wiederum nur die zweite Hälfte im Rumänischen erhalten hat: Sibiu.
Welches der ältere Name ist, läßt sich schwer sagen. Eine mit dem Flußnamen Szeben (ung.) / Cibin (rum.) / Zibin (dt.) zusammenhängende Bezeichnung Cibinium (oder ähnlich) wird urkundlich zuerst 1191 erwähnt. Kurze Zeit später, nämlich um 1223, ist der Name Villa Hermanni belegt.

Grüße
Michael

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Genau, Japan heißt auch Nippon und Deutschland Allemangne oder Germany. Jede Sprache hat ihre Ursprünge, die heutzutage am ehesten von Anglizismen abgelöst werden, wenn sie nicht beibehalten werden.

Munich kommt dazu, dass sich Native Speakers schwer mit der Aussprache des Namens tun. Ä,Ö,Ü sind für sie schwer.

Wobei Sachsen wohl „Sexsen“ ausgesprochern würde, wenn es kein „a“ an zweiter Stelle und ein „y“ an letzter hätte.
Bayern würde wohl „Bey-earn“ (Bucht-verdienen) ausgesprochen, da behilft man sich aufgrund von Missverständnissen eben mit dem alten „Bavaria“.

Schönes Wochenende,

Hilmar

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Hallo,Mifune!

Eigentlich teile ich deiner Meinung: Ich denke genauso!

Ich persönlich finde scheußlich, daß aus Moskva (so die Ausprache) Moskau, Moscow oder gar Moscú wird. Ich finde schrecklich, daß aus Aachen „Aquisgrán“(1) wird und aus Regensburg „Ratisbona“ (1); Mecklenburg-Vorpommern heisst bei uns „Mecklenburgo-Vorpomerania“ (!!!)London „Londres“ zu nennen ist auch schrecklich; usw, usf.

Bzgl physische Lagen, frage ich mich auch folgendes:

  • Warum ist aus dem BODENsee der „Lago Constanza“?
  • Warum heisst zB Niederösterreich „Baja Austria“ wenn dieses Land im Norden des Landes liegt UND sehr hohe Berge hat???

Und das alles nur um in europa zu bleiben!!..

Es gibt sooooo vieles auf den Gebiet!
Und ja ich denke auch so: Schrecklich.

Auf der anderen Seite, kennt Du vermutlich Menschen, die nur ihre Muttersprache kennen (und nur eine). Wie sollen sie dann komplizierte Namen aussprechen?? In Spanien kenne ich viele Menschen, die aufgrunddessen unfähig sind „Wolfgang“ richtig auszusprechen. Und von „Schwarzenegger“ ganz zu schweigen… ;o)))

Ich bin sehr, sehr gespannt auf die WM in Deutschland und die Ausprache des jeweiligen Moderators ;o)) *hihihihi*

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena
(1) In diesem Fall hat es eine historische Berechtigung.

Hi Rolf!

ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Engländer oder Spanier auf
die Idee kämen, Zaberfeld, Michelbach, Kleingartach oder
Sieningsen in ihrer Sprache zu adaptieren.

Ich auch nicht! Und ich für mein teil werde es auch nicht tun ;o)))
Jedenfalls denke ich, es ist so, weil diese Namen eben von keinem spanier (oder verhältnismäßig sehr wenig) ausgesprochen weden muß. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit…
Schöne belustigste Grüße aus/desde Nuremberg!
Helena

Servus Helena,

  • Warum ist aus dem BODENsee der „Lago Constanza“?

Den Namen Bodensee hat er von der ältesten namentlich bekannten Siedlung an seinen Ufern, nämlich Bodman (frühere Kaiserpfalz).

Die Namen „de constantia“, „de constance“ etc. beziehen sich auf die im Hochmittelalter und seither wichtigste Stadt Konstanz.

Und die Römer nannten ihn nach dem für sie wichtigsten Ort Bregenz (am Fuss der von ihnen benutzten Alpenpässe) Lacus Brigantinus.

Seinen einfachsten und universellen Namen trägt er an Ort und Stelle: Bis etwa 50 Kilometer nördlich heißt er einfach „Der See“.

Schöne Grüße

MM

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Servus,

an dieser Stelle ist es angebracht, einmal wieder auf die eher kleinen württembergischen Orte Perouse, Pinache, Kleinvillars etc. aufmerksam zu machen.

Die übrigens betreffend den Übergang von Ortsnamen in andere Sprachen zeigen, dass dieser im 18. Jahrhundert nach schriftlicher Fixierung nicht mehr ohne weiteres stattfand.

Schöne Grüße

MM

Servus Martin!
Vielen dank für Deinen sehr interessanten Artikel. Dafür hast du ein Sternchen von mir erhalten.
Ja, klar. Es ist mir durchaus bewußt, daß die Namen meistens einen historischen Hintergrund haben. Und dass in manchen Ländern Städten, Nationen, Seen, Flüssen (1), sogar Bergen eben so genannt werden wie es für die offizielle Sprache einfacher ist.
Mir ist es irgendwie ein Dorn im Auge, daß grundsätzlich alles übersetzt weden muß. Daß am Bodensee eine Staddt gibt, die im lateinischen Sprachraum dem See einen Namen gibt, mag durchaus verständlich sein. Daß katalanische (und galizische und baskische) Orten und Ortschaften zwei Namen haben, mag irgendwie einleuchtend sein. aber noch einen dritten oder gar vierten???

Wie gesagt es ist alles eine rhetorische Frage, denn die Antwort habe ich mir sowieso (auch hier) schon gegeben. aber trotzdem „ennoying“ (2) Oder wie hies es nochmals… auf Deutsch? ;o)))

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena
(1) Warum um Gottes (und wohl Deutsches) Willen sind die Flüsse, je nach Lust und Laune des XXXs weiblich oder männlich??? *XZ

Nun gibt es aber auch Städte, die so bedeutend sind, daß sie
auch für Angehörige anderer Völker wichtig sind: Hamburg heißt
aus italienisch Hamburgo, Stuttgart Stoccarda.

Hallo!

…und München heißt Monaco…bis ich das mal begriffen habe…
*immernochverwirrtsei*

Grüße
Sonja

Niederösterreich
Hallo,

  • Warum heisst zB Niederösterreich „Baja Austria“ wenn dieses
    Land im Norden des Landes liegt UND sehr hohe Berge hat???

Sehr hohe Berge? Naja… Aber der Name bezieht sich nicht auf Nordlage oder Seehöhe, sondern auf den Fluss Enns, der Teil der Grenze zwischen Ober- und Niederösterreich bildet. Ober- und Niederösterreich sind aus den Namen der früheren Erzherzogtümer „Österreich ob der Enns“ und „Österreich unter der Enns“ entstanden.

lg

Kim

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Unter-, Ober-, Hoch- (ot)

  • Warum heisst zB Niederösterreich „Baja Austria“ wenn dieses
    Land im Norden des Landes liegt UND sehr hohe Berge hat???

Hallo,
der höchste Berg Niederösterreichs ist der Schneeberg mit 2076m, was für österreichische Verhältnisse ein besserer Hügel ist :wink:
„Nieder-“ hat hier nichts mit der Seehöhe zu tun. Diese wird meist mit „Unter-“, „Ober-“ und (seltener) „Hoch-“ ausgedrückt. So gibt es in Tirol z.B. die Gemeinden Unterperfuss (594m Seehöhe) und entsprechend Oberperfuss (812m). Oder Untertilliach (1235m) und Obertilliach (1450m). Oder Untergurgl auf 1793m Seehöhe (für „Unter-“ auch für Tiroler Verhältnisse nicht übel) und Obergurgl auf 1800m-1930m, und dann gibts noch Hochgurgl auf 2150m.
Grüße, Peter

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Hallo Helena,

ich glaube, über diese schweifenden Wege nähern wir uns dem Kern der Chose - der in der Diskussion ja auch schon angesprochen worden ist:

Mir ist es irgendwie ein Dorn im Auge, daß grundsätzlich alles
übersetzt werden muß.

Ich glaube nicht, dass es sich bei Eigennamen in verschiedenen Sprachen um „absichtliche“ Übersetzungen handelt, sondern um erfreuliche Erinnerungsstücke aus Zeiten vor der Erfindung der „Nation“ als etwas angeblich Naturgegebenem. Es geht dabei eher um Orte, die für verschiedene Leute, die verschiedene Sprachen sprechen, gleichermaßen bedeutend waren. Ich finde übrigens, dass man in Deiner früheren Heimat ziemlich gut sehen kann, wie Sprachen, Grenzen und Nationen ganz verschieden voneinander abgegrenzt sind. Für mich als Außenstehenden und sehr schlecht Spanisch Könnenden ist Català schriftlich vom Französischen aus viel leichter verständlich als Spanisch - dennoch erlebe ich Banyuls als „irgendwie“ französisch, und glaube - lo siento - in Barcelona doch auch ein wenig Hispanidad zu spüren. Übergänge: Wenn ich jetzt ein Stück weiter unterwegs bin und jemand mir den Weg nach Carcasuno erklärt, kommt mir das französische Carcassonne auf Rathaus und Gendarmérie beschränkt vor, wo halt die Versailler sitzen. Und noch ein großes Stück weiter in der gleichen Richtung komme ich nach Massilia/Marseille, der Mutter aller Häfen, das ganz selbstverständlich seine zwei Namen trägt, weil ihm in den letzten 2.500 Jahren eine Nation allein nie gereicht hat. Kurzer Sinn: Dass eine Nation, eine Sprache und eine Kultur präzise und ohne Übergang mit einer Staatsgrenze aufhört, ist eine moderne und ziemlich künstliche Erfindung. Zu Zeiten der Festlegung der heutigen Sprachen war Europa (freilich bloß für eine kleinere Zahl von Menschen) viel weniger be-grenzt als heute.

Und um dem ganzen wieder ein Augenzwinkern zurückzugeben:

Warum um Gottes (und wohl Deutsches) Willen sind die
Flüsse, je nach Lust und Laune des XXXs weiblich oder
männlich?

Das lässt sich im Fall der beiden Großen, Rhein und Donau, ganz einfach erklären:

Der Rhein: Kohle, Stahl, Chemie; preussische Provinz; ein bei Oberwesel stahliger, bei Eltville „bitzelnder“ Riesling; Ort des ersten Pogroms der Christenheit, Ort, an dem jahrhundertelang Deutsche und Franzosen ungefähr einmal pro Generation übereinander herfielen; Ort der deutschesten aller gotischen Baudenkmäler; der in Schaffhausen, noch bevor er ein richtiger Strom wird, mit viel Getöse zeigen muss, wer er ist etc. etc.: Der kann bloß Maskulinum sein.

Die Duna: Gerste, Kartoffeln, Obst, Kukuruz, Tomaten; habsburger Land; ein sanfter Blaufränkisch/Kékfrankos; Ort blühenden Rokokos, ein Himmel voller Geigen, wenn man mag auch Zithern usw., Weide für tanzende Schimmel. Die schon von der Quelle an den Rhein so fürsorglich ernährt, dass ihr selber kaum Wasser genug bleibt; die sich sanft und ohne bedeutendes Gefälle nur mit Geduld und Zähigkeit an drei Stellen durch mehr oder weniger bedeutende Gebirge mittendurchgegraben hat - sollte die ein Maskulinum sein??

Achjaübrigens: Im „deutschen Versailles“ Schloss Schwetzingen, gebaut zu einer Zeit, wo die ständigen Kabbeleien mit den Türken noch ziemlich aktuell waren, ist der Rhein als Ernährer und die Donau als die Kriegerische dargestellt - aber sollte man deswegen diese schöne Erklärung für die Genera der beiden Flüsse einfach verwerfen?

Schöne Grüße

MM

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Ortsnamen-Logik (Erweiterung)
Hola Helena, servus Peter und grüezi alle anderen,

daß Ortsnamen nicht immer logisch sein müssen, zeigt das Beispiel zweier Orte in Nicaragua.

Hier gibt es ein San Juan del Sur und ein San Juan del Norte. So weit, so gut.
Beide Orte liegen nun allerdings an der Südgrenze Nicaraguas auf fast demselben Breitengrad , und zwar S.J. del Sur an der West küste und S.J. del Norte an der Ost küste!

Und um ganz genau zu sein, liegt SJ del Sur sogar etwas nördlicher als SJ del Norte !!

Soviel zum Thema Logik bei Ortsnamen…

Saludos
Michael

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Werden denn alle deutsche Ortsnamen übersetzt? Ich wohn in einem kleinen Kaff nahmens Leubnitz. findet man das so oder übersetzt auf ausländischen Landkarten?

Hallo Christoph,

systematisch übersetzt wird man das kaum auf einer fremden Landkarte finden - aber „Lubnice“, das in PL real existiert, wäre doch eigentlich ganz passend, oder?

Im Ursprung ohnehin eine slawische Namensbildung, und vom Vogtland aus ists ja auch nicht mehr so furchtbar weit in die Wendei mit dem ins deutsche „Bautzen“ übersetzten Budysin… Ich hoffe, die auf diesem Weg schnöde liegengelassenen Kern-Sachsen steinigen mich nicht für das „nicht furchtbar weit“.

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin!
Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort!!!

ich glaube, über diese schweifenden Wege nähern wir uns dem
Kern der Chose - der in der Diskussion ja auch schon
angesprochen worden ist:

Dafür sind ja Diskussionen schließlich da!! :o)))

Mir ist es irgendwie ein Dorn im Auge, daß grundsätzlich alles
übersetzt werden muß.

Ich glaube nicht, dass es sich bei Eigennamen in verschiedenen
Sprachen um „absichtliche“ Übersetzungen handelt, sondern um
erfreuliche Erinnerungsstücke aus Zeiten vor der Erfindung der
„Nation“ als etwas angeblich Naturgegebenem.

Ich glaube, in vielen Fällen hast du, mit dieser Behauptung, recht. Doch in den meisten ist es nicht so: zB London, „Londres“ (warum??); „der Rhein“, Rin; Teneriffa, Tenerif E ; „Rheinland-Pfalz“ Renania-Palatinado; „Kärnten“, Corintia;…

Es geht dabei
eher um Orte, die für verschiedene Leute, die verschiedene
Sprachen sprechen, gleichermaßen bedeutend waren.

Ja, aber es fragt sich dabei wie lange es dauert bis alle Gesprächsteilnehmer sich bewußt sind, daß sie über ein einziges Ort, Land oder Fluß reden! (Ich erinnere mich noch sehr gut daran als ich mal in Italien eine Fahrkarte nach München kaufen wollte. Ich will hier gar nicht beschreiben, was alles gesprochen wurde, bis dem Mann am Telefon und mir klar wurde, daß „Monaco“ nicht nur „Monaco“ ist -wo Karolin, Stefanie & Co. leben- sondern auch die bayerische Landeshauptstadt!!!)

Ich finde
übrigens, dass man in Deiner früheren Heimat

Nana. Nix früher: Meine Heimat ist Spanien und ich bin spanierin. Hier ist es höchstens meine „Wahlheimat“, was man bei uns mit „Tierra chica“ übersetzen könnten… ;o))

ziemlich gut
sehen kann, wie Sprachen, Grenzen und Nationen ganz
verschieden voneinander abgegrenzt sind.

Ja stimmt. Bei uns kann man das ziemlich genau sehen (aber nicht ganz, denn in Grenzgebiete werden ebenfalls beide Sprachen verwendet)

Für mich als
Außenstehenden und sehr schlecht Spanisch Könnenden ist Català
schriftlich vom Französischen aus viel leichter verständlich
als Spanisch

Ich als Katalanierin habe immer behauptet, daß Katalanisch, sowohl von Ausprache, Grammatik und wortschaft, dem Französischen ähnlicher ist wie dem spanisch, zB.

  • dennoch erlebe ich Banyuls als „irgendwie“
    französisch,

Banyuls ist tatsächlich ein Ortschaft in südfrankreich. Meinst du vielleicht Banyoles??? Das ist, in der Tat, katalanisch. Auf spansich schreibt sich „Bañolas“, gilt aber als veraltert und falsch.

und glaube - lo siento - in Barcelona doch auch
ein wenig Hispanidad zu spüren.

Ja, natürlich! Das spürt man! Vorallem wenn man aus dem deutschsprachigen Raum kommt! Und ausgerechnet in Barcelona (wie in den großen Städten der Welt) sind auch viele „Zugeroaste“, die das Leben einer Stadt, eines Landes, sehr einprägen…

Übergänge: Wenn ich jetzt ein
Stück weiter unterwegs bin und jemand mir den Weg nach
Carcasuno erklärt, kommt mir das französische Carcassonne auf

Als französische Stdt, soll es auch!!! ;o))

Und noch ein großes Stück weiter in der gleichen
Richtung komme ich nach Massilia/Marseille, der Mutter aller
Häfen, das ganz selbstverständlich seine zwei Namen trägt,
weil ihm in den letzten 2.500 Jahren eine Nation allein nie
gereicht hat.

Ja, bei uns als „Marsella“ bekannt. (nicht zu verwechseln mit „Marbella“!)

Kurzer Sinn: Dass eine Nation, eine Sprache und
eine Kultur präzise und ohne Übergang mit einer Staatsgrenze
aufhört, ist eine moderne und ziemlich künstliche Erfindung.
Zu Zeiten der Festlegung der heutigen Sprachen war Europa
(freilich bloß für eine kleinere Zahl von Menschen) viel
weniger be-grenzt als heute.

Ja, da sind wir uns einig.

Warum um Gottes (und wohl Deutsches) Willen sind die
Flüsse, je nach Lust und Laune des XXXs weiblich oder
männlich?

Das lässt sich im Fall der beiden Großen, Rhein und Donau,
ganz einfach erklären:

Der Rhein: Kohle, Stahl, Chemie; preussische Provinz; ein bei
Oberwesel stahliger, bei Eltville „bitzelnder“ Riesling; Ort
des ersten Pogroms der Christenheit, Ort, an dem
jahrhundertelang Deutsche und Franzosen ungefähr einmal pro
Generation übereinander herfielen; Ort der deutschesten aller
gotischen Baudenkmäler; der in Schaffhausen, noch bevor er ein
richtiger Strom wird, mit viel Getöse zeigen muss, wer er ist
etc. etc.: Der kann bloß Maskulinum sein.

Und nun erkläre mir dann doch mal, wie du das Geschlechts einen Flusses erahnen kannst, wenn du von ebensolchen noch nie gehört hast???

Die Duna: Gerste, Kartoffeln, Obst, Kukuruz, Tomaten;
habsburger Land; ein sanfter Blaufränkisch/Kékfrankos; Ort
blühenden Rokokos, ein Himmel voller Geigen, wenn man mag auch
Zithern usw., Weide für tanzende Schimmel. Die schon von der
Quelle an den Rhein so fürsorglich ernährt, dass ihr selber
kaum Wasser genug bleibt; die sich sanft und ohne bedeutendes
Gefälle nur mit Geduld und Zähigkeit an drei Stellen durch
mehr oder weniger bedeutende Gebirge mittendurchgegraben hat -
sollte die ein Maskulinum sein??

Warum nicht???

Achjaübrigens: Im „deutschen Versailles“ Schloss Schwetzingen,
gebaut zu einer Zeit, wo die ständigen Kabbeleien mit den
Türken noch ziemlich aktuell waren, ist der Rhein als Ernährer
und die Donau als die Kriegerische dargestellt - aber sollte
man deswegen diese schöne Erklärung für die Genera der beiden
Flüsse einfach verwerfen?

Nanan. Des ned. Aber die Frage bleibt noch offen: Wie erknnt man an einen Flußname dessen Geschlecht???

Schöne Grüße

Dir auch schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hallo, Peter!
Deienr Ausführung in aller Ehre, aber ich finde eigentlich nicht in Ordnung, daß grundsätzlich alles was aus der Erdkunde kommt, übersetzt wird.
Das was du sagst, ist durchaus nachvollziehbar, ändert aber nichts an meine Einstellung.
Im übrigen in Spanien haben wir „Villaarriba“ udn „Villaabajo“ -sagt uns zumindest die Werbung! ;o)))
Schöne Grüße und vielen Dank für Deine Erklärung!
Helena