Ein harmloses Beispiel

Hallo,

auf der Suche nach Informationen über technische Möglichkeiten und Dienstleistungen stoße ich häufig auf eine Mischung aus Anglizismen und Trivialbezeichnungen, die es schwer macht, Kernaussagen zu erkennen. Das Ganze garniert mit nirgends erklärten Abkürzungen. Ich bin keineswegs ein sprachlicher Purist, bin durchaus mehrsprachig, besitze einen technischen Hochschulabschluß und trotzdem vergeht mir die Lust, mich durch solch ein Kauderwelsch zu quälen. Eigentlich - so dachte ich bisher - möchten die Werbetexter verkaufsfördernd tätig sein. Mein Eindruck ist aber eher, daß hier Barrieren aufgebaut werden, ungewollt natürlich. Wer eine kurze und dennoch erschöpfende Information sucht und mit solchen an eitle Selbstdarstellung erinnernde Texte abgespeist wird, kann nur verärgert reagieren. Hier ein kleines Beispiel von T-online:
„Die innovative Zugangstechnologie T-DSL ist die ideale
Ergänzung für Ihren T-Net oder T-ISDN Anschluss. Denn T-DSL
erschließt Ihnen als High-Speed-Zugang ins Internet neue
Online-Welten und das mit einer Übertragungsgeschwindigkeit
von bis zu 768 kbit/s downstream und 128 kbit/s upstream“.
Gibt es noch mehr Leute, die Lustlosigkeit beim Anblick derartiger Texte spüren?

Gruß
Wolfgang

Gibt es noch mehr Leute, die Lustlosigkeit beim Anblick
derartiger Texte spüren?

Ja, im Verein für Deutsche Sprache.

http://www.vwds.de/

Gruß,
Andreas

Andreas, besten Dank für den Hinweis.
Dann ist ja doch noch nicht Hopfen und Malz verloren. Die Leute von http://www.vwds.de/ sprechen mir aus der Seele. Die Internetadresse sollte Pflichtlektüre für sämtliche Werbefritzen werden. Aber nicht nur für die. Es gibt inzwischen einige Unarten, die ach so internationale Firmen mit ihren Lieferanten zelebrieren. Zwei (sehr große) deutsche Firmen schickten mir plötzlich ihren Schriftverkehr in englischer Sprache. Wohlgemerkt, Firmen hier am Ort, ein paar Kilometer Luftlinie entfernt. Man kann sich schon in der Muttersprache über die Interpretation von Feinheiten trefflich streiten. Ohne Not fremdsprachlich abgefasst, fährt sowas beinahe zwangsläufig an die Wand. Nachdem ich mich weigerte, diesen Unfug zu bearbeiten, bekam ich heraus, daß auch andere Lieferanten bockig geworden sind. Seitdem spricht und schreibt man in beiden Firmen wieder Deutsch.

Gruß
Wolfgang

Ich lebe seit 1962 im Ausland (engl.sprechenden Laendern)

und wundere mich was da mit der deutschen Sprache vorgeht.
Bald wird niemand mehr Englisch lernen muessen in der
Schule, da unsere schoene Sprache immer mehr zu Englisch
wird. Man hat den Eindruck von der Ferne, dass jeder
schon perfekt Enlisch spricht. Ich habe mal gelesen,dass
es in Frankreich verboten wurde engl. statt franz. Woertern
zu verwenden, da sich dort auch dieses Problem einschlei-
chen will. Nur so weiter Wolfgang!
mfG
Elisa

R

Hallo Wolfgang,

hier ein lustiges Beispiel:

früher hat die Telekom auf den Telefonrechnungen für den Tarifbereich Ferngespräch die Bezeichnung „German Call“ benutzt.
Viele ältere Menschen haben reklamiert und beanstandet, sie hätten nie ein Gespräch mit einem Herrn German Call geführt und wollen deshalb den Posten nicht bezahlen.

Auch auf Tarif-Übersichten für Handys gibt es Bezeichnungen wie
„Roaming-Tarif“ usw., die keiner versteht.

Ich störe mich auch sehr an diesen Unsitten.

Grüße aus Augsburg

Stefan

Hi!

Nun hackt mal nicht immer alle auf den „Werbefritzen“ rum!

Die versuchen doch auch nur, zielgruppenorientiert zu kommunizieren.

Daß dies zweifelsfrei desöfteren in die Hose geht, steht auf einem anderen Blatt.

Prinzipiell gilt jedoch: die Werbung kommuniziert und stellt zur Schau, was der Großteil der Bevölkerung hören/sehen/fühlen will.

Es bleibt der kleine Trost, nicht so zu sein wie die Masse, Wenn einem die eine oder andere Werbebotschaft verschlossen bleibt oder sauer aufstößt…

Gruß,

Mathias

Hallo,
nur kurz zu deiner Antwort, in der du schreibst, dass in Frankreich englische Worte verboten sind. Ich wohne in Frankreich und ganz so ist es noch nicht. Aber sobald ein englisches Wort z.B. in einer Werbung benutzt wird, muss dieses Wort uebersetzt werden. Also mit Sternchen am engl. Wort und dann in einer Ecke die dementsprechenende Uebersetzung. Ich finde es eine sehr gute Idee, vor allem, da mir aufgefallen ist, dass seitdem doch die engl. Worte bei der Werbung zurueckgehen.
Bis dann
Kerstin

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

ehrlich gesagt überfällt mich die Lustlosigkeit eher bei den endlosen Beschwerden über Anglizismen oder das Beispiel von Urgrossvater, der die Werbung nicht mehr versteht.

Gerade im gegebenen Fall richtet sich der Artikel an eine bestimmte Zielgruppe von Internet-Benutzern, die höchstwahrscheinlich sehr wohl in der Lage sind, den Text zu entschlüsseln. Genausogut könnte ich mich über Mediziner und Pharmazeuten aufregen, weil ich deren lateinische Spezialausdrücke nicht verstehe.

Rein spasseshalber habe ich den Text mal in eine „deutsche“ Form ohne Abkürzungen gebracht:

Die neue Ideen verwirklichende Zugangstechnologie Telekom-Digitale Unterzeichner Linie ist die ideale Ergänzung für ihren Telekom-Netz oder Telekom-Eingeschlossene Dienstleistungen Digitalnetzwerk Anschluss. Denn Telekom-Digitale Unterzeichner Linie erschliesst Ihnen als Hochgeschwindigkeitszugang ins Internet neue Angschlossen-Sein-Welten und das mit einer Übertragungsrate von bis zu 768 1000fach-kleinste-Computerdateneinheit-pro-Sekunde abwärts und 128 1000fach-kleinste-Computerdateneinheit-pro-Sekunde aufwärts.

Klingt reichlich bescheuert und erhellt die Sache keineswegs.

Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Anglizismen bzw. deren katastrophale Eindeutschung in der Werbeindustrie, die völlig sinnlos sind - z. B. die berüchtigten Zerealien der „Kinder“-Artikel. Es ist sicher auch nicht einzusehen, warum die kleinste Genossenschaftsbank im hinterletzten Kuhkaff Werbesprüche loslässt, als wären sie die grössten Global Player.

Allerdings sollten wir uns doch verinnerlichen, dass Sprache etwas dynamisches ist; dass die meisten von uns durchaus in der Lage sind, eine oder mehrere Fremdsprachen zu verstehen; dass es für viele Anglizismen, gerade im technischen Bereich, keine sinnvollen Eindeutschungen gibt; dass Anglizsmen oftmals etwas ausdrücken, das man im Deutschen nur mit langatmigen Satzkonstruktionen darstellen kann.

Gruss
Peter

das ist die loi toubon (gesetz toubon, das einige witzbolde natürlich sofort mit „law allgood“ übersetzt haben…)

das besagt ausser den englischen ausdrücken, muss auch gesondert wert auf musik gelegt werden und die radiosender müssen einen gewissen prozentsatz französischer musik spielen. ich habe gemerkt, dass dadurch die französischen chansons wieder zu ansehen gelangen, was ich gut finde.

was ich übertrieben finde ist dass viele anglizismen dann gewaltsam ins französische übersetzt werden und es ausdrücke wie „disque mou“ und „dique dur“ gibt, der marketingmensch zum homme du mercantilisme oder sowas wird… zum ablachen, es hält sich eh kaum einer dran.

ich wohne ich in der französischen schweiz, da ist es zwar ähnlich mit den englischen ausdrücken aber wir haben noch das problem, dass in der werbung auch noch das deutsche berücksichtigt werden muss, was manchmal zu werbungen führt, die total daneben gehen, denn der deutsche und der französichen humor oder die bildliche sprache sind nun mal nicht gleich. also gibt es bei uns dann und wann werbungen, die ganz auf englisch sind…

so viel zum thema.
schönen tag.
fred

Nun ja, wenn man sich folgende Passage durchliest (Ausschnitt einer Laudatio für den Sprachpanscher des Jahres 1999), kommt mir der Verdacht, daß deren Sprache auch ein wenig gebläht daherkommt.

Gandalf

Durch die unkritische Anpassung
an das moderne pseudokosmopolitische Imponiergehabe, mit dem viele Deutsche sich
heutzutage den Anschein von Weltläufigkeit zu geben suchen, hat die Deutsche Telekom
eine Spitzenstellung an Illoyalität gegenüber unserer Sprache eingenommen.

Das ist so lange OK, wie sich Form und Inhalt die Waage halten. Was mir allerdings immer wieder auffällt ist, daß bei Aussagen mit wenig bis keinem Inhalt ein übermäßiger Wert auf die Form (was meist Denglisch meint) gelegt wird.
„Irgendwie müssen wir den Mist ja verkaufen“

Gibt es noch mehr Leute, die Lustlosigkeit beim Anblick
derartiger Texte spüren?

Hallo, Wolfgang, nicht nur Dir geht Denglisch gegen den Strich, auch ein ganzer Verein befaßt sich mit dem Kampf gegen diese immer mehr um sich greifende Unsitte, die wohl vor allem leitende Angestellte und die gesamte Werbewirtschaft erfaßt zu haben scheint:
http://www.vwds.de/vds/r_denglisch.htm
Ich führe derweile einen einsamen Kampf zur Rettung des Genitiv (z.B. „die Aussage des Lotsens“ wie heute morgen im Rundfunk zu hören war. Und ich war trotz der falschen Wesfall-Bildung schon froh, dass nicht gesagt wurde „dem Lotsen seine Aussage“ oder „die Aussage von dem Lotsen“).
Eine weitere Front habe ich vor ein paar Tagen gegen das dummerhaftige Verwenden von Hauptwörtern eröffnet. (z.B. „mein Name ist …“ statt „ich heiße …“)
Deutsch ist eine ausdrucksstarke Sprache, die einen solch großen Umfang hat, dass es nicht nötig ist alles darin aufzunehmen, nur weil es im Augenblick angesagt ist.
Grüße
Eckard.
(der nur an dieser Stelle ein wenig deutschtümelt :smile:

Ei, Gandalf,
Du weißt doch sicher, dass man, um Gehör zu finden, sich in einer Laudatio einer besonders gehobenen Sprache befleißigen muß. Nur, dass halt „Sprachkenntnis“ seit langem immer wieder mit „Bildung“ verwechselt wird, führt dann zu solchen albernen, sich selbst widersprechenden Ausrutschern.
In der Regel wirkt es doch ein wenig lächerlich, wenn man unnötigerweise gute, griffige und treffende deutsche Ausdrücke durch abgelutschte Fremdwörter ersetzt.
Grüße
Eckard.

Is ja schon was dran, oder?
Und das folgende ist etwasälter, aber immer noch gut. Soll Deutsch dann so aussehen?

Winzigweich (Microsoft)

Den meisten von uns ist klar, daß das englische Wort Computer vom Verb compute (rechnen, schätzen) kommt, daß ein Computer also ein Rechner oder Schätzer ist. Aber noch immer gibt es viele Zeitgenossen, die vielleicht gerade erst anfangen, sich mit diesem komplexen Thema etwas näher zu befassen. Dieser Artikel soll all jenen helfen, die nicht mit einem Spielbuben (Game Boy) aufgewachsen sind und die nicht schon von Kind auf all diese verwirrenden Begriffe wie eine Muttersprache auf natürlichem Wege erlernen konnten.

Mutterbrett und Riesenbiss

Beginnen wir vielleicht mit den einfachen Dingen, die wir sehen, anfassen und damit auch noch begreifen können. Alle Bausteine eines Schätzers werden als Hartware (hardware) bezeichnet. Es ist sehr wichtig, daß man bei der Auswahl der Hartware sorgsam ist, denn nur auf guter Hartware kann die Weichware (software) richtig schnell laufen. Bei der Hartware ist das Mutterbrett (motherboard) von besonderer Bedeutung. Das Mutterbrett soll unter anderem mit einem Schnitzelsatz (chip set) von Intel ausgerüstet sein.
Damit auch anspruchsvolle Weichware gut läuft, müssen mindestens 16 Riesenbiss (megabyte) Erinnerung (memory) eingebaut sein. Natürlich gehört neben dem 3 1/2-Zoll-Schlappscheibentreiber (floppy disk drive) auch ein Dichtscheiben-Lese-nur-Erinnerung (CD-ROM: Compact-Disc-Read-Only-Memory) zur Grundausrüstung. Eine Hartscheibe (harddisk) mit zwei Gigantischbiss (gigabyte) dürfte für die nächsten zwei bis drei Jahre ausreichend Platz für Weichware und Daten bieten. Wenn wir unseren persönlichen Schätzer (PC) auch zum Spielen benutzen wollen, sollten wir uns neben der Maus auch noch einen Freudenstock (joystick) und ein gutes Schallbrett (soundboard) anschaffen.
Winzigweich und Kraftpunkt
So, damit sind nun die optimalen Grundlagen für Einbau und Betrieb der Weichware geschaffen! Damit die Weichware auf unserer Hartware überhaupt laufen kann, braucht es ein Betriebssystem. Es empfiehlt sich heute, ein solches mit einem graphischen Benutzer- Zwischengesicht (graphical user interface) zu installieren. Besonders weit verbreitet sind die Systeme Winzigweich- Fenster 3.1 (Microsoft Windows 3.1) und das neuere Fenster 95 des gleichen Herstellers. Für Leute, die mit ihrem Schätzer anspruchsvolle Arbeiten erledigen wollen, gibt es unter Fenster 95 das berühmte Büro fachmännisch 95 (Office professional 95). Dieses Erzeugnis besteht aus den neuesten Ausgaben der Weichwaren Wort, Übertreff, Kraftpunkt und Zugriff (Word, Excel, Powerpoint und Access). Damit stehen dem Benutzer alle wichtigen Funktionen wie Wortveredelung (word processing), Ausbreitblatt (spreadsheet), Präsentationsgrafik und Datenstützpunkt-Behandlung (database management) zur Verfügung.

Aufsteller und Einsetzer

Wer selbst gerne Anwendungen entwickelt, kann dies unter Fenster beispielsweise mit dem modernen Sichtbar Grundlegend (visual basic) tun. Natürlich gibt es vor dem Gebrauch auch gewisse Hindernisse zu überwinden. Die Weichware muß zuerst via Aufsteller (setup) oder Einsetzer (install) auf der Hartscheibe eingerichtet werden. Das kann sehr viel Zeit brauchen,
wenn sie ursprünglich auf Schlappscheiben geliefert wurde. Das Einrichten ab Dichtscheibe ist sehr viel angenehmer und schneller. Leider stellen aber auch hier die Aufsteller oft Fragen, die von vielen unverständlichen Begriffen nur so wimmeln. Aber die wollen wir uns ein andermal vornehmen .

Gibt es noch mehr Leute, die Lustlosigkeit beim Anblick
derartiger Texte spüren?

Ja, im Verein für Deutsche Sprache.

http://www.vwds.de/

vwds? Verein wür Deutsche Sprache.
ja, man hat’s nich immer leicht.

Solche „Übersetzungen“ kommen vielleicht heraus, wenn Du Programme der Firma Winzigweich benutzt.
Wenn aber ein Mensch die Übersetzung macht, der für nur 5 Groschen Verstand im Hirn hat, kommen gut les- und verstehbare Fassungen heraus.

Meine Meinung ist immer noch (sie wird sogar immer mehr bestärkt), daß dann viel Wert auf Wortbombastik gelegt wird, wenn der Inhalt von zweifelhafter Güte ist. Selbst im Computerbereich ist es problemlos möglich weitestgehend deutsche (m.E. besser verständliche) Ausdrücke zu verwenden. Eigennahmen (z.B. MicroSoft) und Abkürzungsneuworte (z.B. RAM, ROM etc.) sind meiner Meinung nach problemlos so verwendbar. Aber ein Download (Perfektform: ich habe ein Programm gedownloaded - Schüttel) kann man ohne Informationsverlust und Sprachverbiegung als „Herunterladen“ (Perfektform: ich habe ein Programm heruntergeladen) übersetzen.

Gandalf

Aber ein Download (Perfektform: ich habe ein Programm
gedownloaded - Schüttel) kann man ohne Informationsverlust und
Sprachverbiegung als „Herunterladen“ (Perfektform: ich habe
ein Programm heruntergeladen) übersetzen.

Wie „heruntergeladen“ schon zeigt, ist das Perfekt von „downloaden“ (wenn man es denn benutzen will…) richtig „downgeloaded“…

Aber sonst stimme ich Dir voll zu!

Gruß, Kubi

VWDS

vwds? Verein wür Deutsche Sprache.
ja, man hat’s nich immer leicht.

Der Verein hieß früher „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“. Das klang aber so rückwärtsgewand. Das die Website www.vds.de schon vergeben ist, blieb es im Internet bei vwds.

Andreas

Wie „heruntergeladen“ schon zeigt, ist das Perfekt von
„downloaden“ (wenn man es denn benutzen will…) richtig
„downgeloaded“…

Das war ein Vertipper (sichrausred :wink: )

Gandalf

ch seh schon, wir sind einer Meinung! (ot)
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