Hallo Haploid,
der Umbau des Sozialsystems ist nicht so einfach, es gibt
verschiedene Dinge zu berücksichtigen:
Meiner Meinung nach wird es deshalb nicht einfach, weil immer irgendeine Lobby was dagegen hat (klar, es geht um viel Geld).
„es wird viel zu viel Geld für
unnötige Mittelchen ausgegeben und für die ernsten Fälle
bleibt zu wenig übrig“
-Definition der ernsten Fälle?
Ein Teil der unnötigen Mittelchen wurde ja zum Glück schon abgeschafft (wenn man sich mal anschaut, was in den 80ern noch alles so bezahlt wurde), ich bin mir aber sicher, dass es immer noch genügend davon gibt.
Ernste Fälle sind für mich auf jeden Fall diejenigen, die zu starken finanziellen Problemen beim Patienten führen können oder z.B. Medikamente, die regelmäßig genommen werden müssen, nicht aber die typischen 10 - 20 € - Medikamente, die man evtl. einmal braucht (z.B. wegen einer Grippe).
„Eigenbeteiligung auch bei gesetzl. Versicherten“
-für welche Leistungen?
analog zur privaten Krankenversicherung, bei der es oftmals 1. Selbstbeteiligung und 2. Beitragsrückerstattung gibt. Also ein Ansporn, etwas sparsam zu bleiben (trotzdem sollte Zahnvorsorge und Gesundheits-Check sowie Impfung kostenlos bleiben, da präventiv).
„jeder Versicherte sollte eine Kopie der Arztrechnung
erhalten“
-meine absolute Zustimmung!
so mancher würde in Ohnmacht fallen, wenn er erkennen müsste, dass ein einfach Zahnarztbesuch (Prophylaxe + Zahnsteinentfernung) schnell mal > 100€ kosten kann.
„Unfälle aus Extremsportarten sollten nicht durch die
Solidargemeinschaft bezahlt werden, sondern müssten separat
versichert werden“
-meine Zustimmung, da ich selbst keine dieser Sportarten
ausübe, aber würdest Du einen Skifahrer in einer Lawine
ersticken lassen, weil er nicht genügend versichert ist?
Nein, natürlich nicht, aber wie wäre es mit einer saftigen Kostenbeteiligung ? Denk mal an die Privathaftpflicht, dort müssen Surfbretter, Pferde, Hunde, Aquarien usw. auch separat versichert werden. Warum nicht auch bei der Krankenversicherung ?
Übrigens sollte das auch für Spätfolgen einer Brustvergrösserung gelten.
„gleiches gilt für’s Rauchen und Alkohol (da nicht
nachprüfbar, empfehle ich hier eine allgemeine Abgabe über den
Verkaufspreis, die ausdrücklich der Krankenversicherung
zukommen sollte)“
-da ich selbst rauche, würde ich Das ungerecht finden.
Die hohen Steuern, die von Staats wegen, auf Tabak erhoben
werden, könnten doch einfach an die Krankenkassen umgeleitet
werden.
Wäre z.B. eine Möglichkeit, wobei ich immer noch Luft für weitere Erhöhungen sehe (aber lieber kleine Schritte, als gar keine, daher wäre eine Umleitung schon mal sehr gut).
-ein Viertel Rotwein am Tag, gilt als Gesundheitsfördernd,
allerdings bin ich für eine Anhebung der Steuern, für die
harten Alkoholika z.B. Whisky, Rum etc…
wobei der Rotweinkonsum etlicher Leute höher ist als nur das berühmte 1/4. Abgesehen von der positiven Wirkung auf Herz usw. hat der kontinuirliche Alkoholkonsum trotzdem negative Auswirkungen auf die Leber.
-was mir auch stinkt, dass durch die öffentliche Hand, der
Tabakkonsum gefördert wird, z.B. durch grossflächige
Werbeplakate an Bushaltestellen und S-Bahnhöfen (auch vor
Schulen).
Sollte meiner Meinung nach abgeschafft werden, ebenso wie Zigarettenautomaten. Ausserdem wäre ich dafür, dass Zigaretten auch in Deutschland wie in der Schweiz einzeln (Stück für Stück) am Kiosk gekauft werden können, dann kommt der Zugzwang bzgl. Päckchen leerrauchen nicht so zum Zuge.
„kein Rennen von Facharzt zu Facharzt, mehr Koordination
durch Hausarzt (damit gibt’s auch weniger mehrfaches Röntgen
usw.)“
-solange es noch unfähige und nicht fortbildungswillige
Hausärzte gibt, empfinde ich es als lebensnotwendige
Errungenschaft, auch Fachärzte direkt aufsuchen zu können.
Wobei es bei einigen Leuten da einen richtigen Tourismus von Facharzt zu Facharzt gibt, nur weil jeder Arzt etwas sagt, was die betroffenen nicht hören wollen.
-ich habe auch in einer allgemeinärztlichen Praxis gearbeitet,
die Hausärzte gehen auf alle Wünsche der Patienten ein, um sie
nicht als Kunden zu verlieren (z.B. Krankschreibung wegen
nervlicher Belastung, weil die Kunden gerade keine Lust mehr
auf ihren Arbeitsplatz haben).
Das ist oftmals ein arbeitsrechtliches Problem, wobei ich hier vorschlagen würde, "Dauer-"patienten zum Amtsarzt zu schicken.
Zuerst versuchen sie aber, die vermeintlichen Krankheiten,
unter der eigenen Regie zu therapieren und da ist das Problem,
es fehlt ein Gütezertifikat für Ärzte, sie müssten gezwungen
sein, ihre Fort-/Weiterbildungen in bestimmten Zeiträumen, zu
belegen und damit ihre Befähigung zur Behandlung von kranken
Menschen zu beweisen - Piloten werden doch auch engmaschig
kontrolliert.
Wobei ich fairerweise dafür wäre, dass diese Weiterbildung entsprechend auch finanziell anerkannt wird (bzgl. Problem von z.T. mangelhaften Vergütungen von Krankenkassen)
„Umstellung der Krankenhaus-Entlohnung von Krankentagen auf
Behandlungserfolg (damit Abbau von Kapazitäten)“
-Behandlungserfolg bei Mammakarcinom im Endstadium? da gibt es
keinen mehr.
Aber bei der Frage, ob Weissheitszähne unbedingt stationär behandelt werden müssen oder wie lange Fälle mit Knochenbrüchen u.ä. im Krankenhaus bleiben müssen.
Für Patienten im „Endstadium“ muß natürlich eine getrennte Regelung gefunden werden.
Thema Pflichtjahr:
Meine Mutter war im 2.Weltkrieg dienstverpflichtet.
Möchtest Du von Jemand umsorgt werden, der jeden Tag nur an
das Ende seines Pflichteinsatzes denkt?
Ist da heute nicht bei Zivis sowieso schon so ? Ich meine ja auch nicht den Einsatz direkt am „Kunden“, aber es gibt so viele Jobs, die heute auch von Pflegepersonal gemacht wird und wo man garantiert keine Ausbildung braucht (z.B. für den Einkauf bei häuslicher Pfelge).
Ausserdem sehe ich Pflichtjahr nicht nur in Bezug auf Pflege, sondern auch in Bezug auf Umweltschutz, Säuberung der Städte usw.
Zukunft der Solidargemeinschaft:
Da ich auch noch nicht jenseits der 50 bin, wird mich das
Problem der fehlenden Solidargemeinschaft in den nächsten
Jahren, auch persönlich betreffen.
Da ich mit meinen 31 Jahren so ziemlich einer der letzten starken Jahrgänge bin, werde ich voll in die Versorgungslücke fallen.
Es bleibt:
-finanzielle Eigenvorsorge
wichtig, wird von vielen Leuten nicht gesehen.
-Schonung der eigenen Resourcen, im Hinblick auf eine etwaige
Arbeitstätigkeit im hohen Alter.
Schonung bzgl. Nervenkostüm und Körper ja. Aber nicht in Bezug auf Engagement / Eigeninitiative und „am Ball bleiben“, besondern beim letzten Punkt endet es oft mit Arbeitslosigkeit ab >50J. (wenn mein Chef nicht am 01.08. in Rente gehen würde, dann hätte er mit seinen 60 Jahren mangels EDV- und Englischkenntnisse ein massives Problem bei der Jobsuche).
Grüsse
Sven