Eine Frage an alle Gläubigen

Hallo Paul,

ganz kurz:

Der Zug von Leibniz ist - um es freundlich zu sagen - sehr,
sehr verwegen, oder weniger euphemistisch: unfassbar dreister
Unsinn (trotzdem ist Leibniz natürlich ein sehr kluger Kopf).

Man muss sich bei Leibniz’ Aussage vor Augen halten, welchen Gottesbegriff dieser hat.

Grob gesagt war der Sinn der Theodizee der, zu zeigen, weshalb an der Existenz (und Güte) Gottes nicht gezweifelt werden müsse, obwohl die Welt nicht bestmöglich sei.

Der Weg Leibniz’ war nun nicht unbedingt „dreister Unsinn“, sondern eher der Versuch, nicht die Realität und ihre Fehler zu leugnen, sondern diese in den Gottesbegriff selbst hineinzutragen;

Leibniz’ Gott kann nicht aus freier Verfügung die Welt erschaffen, er kann nur aus möglichen Welten (die alle mit Schlechtem behaftet sind) die bestmögliche auswählen.

Leibniz’ Theodizee rechtfertigt also nicht unbedingt Existenz und Güte eines Gottes, so wie ihn die jüdisch-christliche Tradition sich vorstellt, sondern bestenfalls die eines Gottes, wie ihn die zeitgenössische Wissenschaft/Philosophie in ihren Denksystemen gebrauchte.

(wobei freilich bereits vor Leibniz Spinoza viel radikaler war und „Gott“ all diejenigen Attribute viel umfassender absprach, welche der Gott der jüdisch-christlichen Tradition besaß: Allmacht, Allwissenheit, freie Wahl, etc.)

so gesehen würde ich also das:

Kein Mensch würde die Behauptung, wir lebten in der besten
aller möglichen Welten auch nur eine Sekunde Beachtung
schenken (es sei um, als letztem Ausweg am Glauben festhalten
zu können).

natürlich in keinster Weise bestreiten, lediglich, dass dies allzu viel mit Leibniz zu tun hätte.

Viele Grüße
franz

Klar, der mit dem besten aller Kekse …
:wink:

… der aber völlig anders darauf gekommen als durch Umkehrung
von Pauls Thesen.

Danke für die Aufklärung!
Kannst Du noch kurz umreissen, wie der Gedankengang von Leibnitz war?

Kant war derjenige, der (abgesehen vom frühen Kant) den
Gottesbeweis als solchen für sinnlos gehalten hat.

Aha. Da hab ich mich mal wieder mit profundem Viertelwissen geoutet…

Gruß,
Arndt

Hallo Paul!

(Der Zug von Leibniz ist - um es freundlich zu sagen - sehr,
sehr verwegen, oder weniger euphemistisch: unfassbar dreister
Unsinn (trotzdem ist Leibniz natürlich ein sehr kluger Kopf).
Kein Mensch würde die Behauptung, wir lebten in der besten
aller möglichen Welten auch nur eine Sekunde Beachtung
schenken (es sei um, als letztem Ausweg am Glauben festhalten
zu können).

Naja, ein paar Sekunden würd ich schon drüber nachdenken. Wir werden es aber wohl nicht endgültig entscheiden können. Intuitiv sieht deise Welt jedenfalls nicht nach der Idealen aus.
Wichtiger scheint mir aber die Frage, wie allmächtig denn ein Gott ist, der sich an irgendwelche Regeln halten muss bei der Erschaffung der Welt.
Wäre Gott völlig frei, könnte er nicht nur die Gesetze der Logik anders definieren und damit jegliche Kausalzusammenhänge anders gestalten sondern auch dafür sorgen, dass wir ganz andere Zustände als jetzt als Leid oder Glück empfinden… Wir können die Möglichkeiten nur erahnen, weil wir eben in dieser Welt leben. Und damit sind wir auf einer höheren Ebene wieder bei dem „wir können es eben nicht verstehen“.
Offenbar müssen wir uns mit der Beschränktheit der menschlichen Geistes abfinden. Offenbar bezieht sich die Gottesebenbildlichkeit darauf sicher nicht.

Gruß,
Arndt

Hallo Arndt,

Klar, der mit dem besten aller Kekse …
:wink:

:wink:

Kannst Du noch kurz umreissen, wie der Gedankengang von
Leibnitz war?

Das habe ich (zufällig!) zur gleichen Zeit an Paul geschrieben;
Leibniz würde hier vielleicht von „prästabilisierter Harmonie“ sprechen :wink:

Kant war derjenige, der (abgesehen vom frühen Kant) den
Gottesbeweis als solchen für sinnlos gehalten hat.

Aha. Da hab ich mich mal wieder mit profundem Viertelwissen
geoutet…

Das macht doch nix, zu Leibniz habe ich selbst bestenfalls ein Drittelwissen…

Viele Grüße
franz

@ Franz & Arndt

Kein Mensch würde die Behauptung, wir lebten in der besten
aller möglichen Welten auch nur eine Sekunde Beachtung
schenken (es sei um, als letztem Ausweg am Glauben festhalten
zu können).

natürlich in keinster Weise bestreiten, lediglich, dass dies
allzu viel mit Leibniz zu tun hätte.

Ich verstehe nicht, was Du meinst.
Leibniz geht davon aus, dass Gott sich nicht über die Gesetze der Logik hinwegsetzen kann, richtig.

Dann muss unsere Welt nicht die beste aller (logisch)möglichen und (logisch) unmöglichen sein (was immer das heißen soll), sondern *nur* die beste aller (logisch) möglichen Welten (soll heißen, ich kann mir nicht kohärent eine Welt vorstellen, die auch nur einen Deut besser ist als unsere). Sind wir wieder da wo wir waren.

Man könnte noch einwenden, dass Leibniz nicht den Beweis erbracht zu haben glaubt, dass unsere Welt tatsächlich die beste ist - sondern nur zeigen wollte, das wir nicht sicher sein können, dass unsere Welt nicht die beste ist. Meinst Du das?

Das macht die Sache nicht weniger absurd: Ich kann mir prima (kohärent) eine bessere Welt vorstellen. Und hier gilt wieder: Würde gilt m.e genauso: Würde man diese (abgeschwächte) Behauptung im mindesten ernstnehmen, es sei denn, als letzten Ausweg … .

Hier (& bei allen Varianten wie ‚Gottes Wege sind unergründlich‘, ‚Vielleicht verstehen wir es einfach nicht‘ etc) handelt es sich nicht um ein Argument, sondern einfach um die Aufkündigung des argumentativen Diskurses.
Jedem noch so starken mathematischen (oder empirischen) Beweis, könnte man in analoger Weise begnen: „Ja ich sehe den Beweis. Aber ist es nicht möglich, dass wir etwas übersehen oder uns irren?“. Wäre das ein Argument oder eine Rechtfertigung? Wohl kaum, damit sagt man nur in anderen Worten, dass man aufhört zu rechtfertigen oder argumentieren).

Gruss Paul

Hallo Paul,

Kein Mensch würde die Behauptung, wir lebten in der besten
aller möglichen Welten auch nur eine Sekunde Beachtung
schenken (es sei um, als letztem Ausweg am Glauben festhalten
zu können).

natürlich in keinster Weise bestreiten, lediglich, dass dies
allzu viel mit Leibniz zu tun hätte.

Ich verstehe nicht, was Du meinst.

Du hast es tatsächlich anders aufgefasst als es von mir gemeint war.

Ich wollte in keinster Weise zeigen, dass Leibniz mit seiner Theodizee Recht gehäbt hätte oder gar Recht haben m ü s s e, sondern lediglich, dass man seine Theodizee nicht dort einreihen kann, wo Arndt sie eingereiht hat, nämlich in Deine These aus:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

These: Gott - allgütig & allmächtig - existiert.
Folgerung: Es gibt kein (unnötiges) Leid in der Welt, d.h. die
Welt enthält soviel Glück und sowenig Leid, wie überhaupt
möglich.

… weil Leibniz’ Gottes-Begriff nicht das „allgütig und allmächtig“ beinhaltet

In Leibniz’ Theodizee geht es darum zu zeigen, dass kein „nicht-notwendiges“ Leid bzw. Übel in der Welt enthalten ist, das heißt: jedes Übel sei erklärbar und notwendig, weshalb wir uns eben in einer maximal vollkommenen Welt befänden, in der „besten aller Welten“.

Es geht Leibniz also nicht darum das Übel zu leugnen um die Existenz Gottes zu beweisen (vgl. z.B. Boethius: „Malum nihil est“), sondern darum zu zeigen, dass alles Übel nicht grundlos bzw. „funktionslos“ ist; so macht etwa der Schmerz es erst aus, dass die Schmerzlosigkeit als angenehm empfunden werden kann, etc.

Leibniz geht davon aus, dass Gott sich nicht über die Gesetze
der Logik hinwegsetzen kann, richtig.

Jein;
schon Ja, aber nicht, weil die Logik irgendwie „höherwertiger“ als Gott wäre, sondern weil sie „in Gott“ ist; sie ist also nicht etwa eine Beschränkung der Macht Gottes, sondern sie ist in gewisser Weise Gott.

Dann muss unsere Welt nicht die beste aller (logisch)möglichen
und (logisch) unmöglichen sein (was immer das heißen soll),
sondern *nur* die beste aller (logisch) möglichen Welten

damit dieser Satz Sinn ergibt, müsste man wohl tatsächlich voraussetzen, dass die Logik „über“ Gott stehe, dass also wie auch immer Gott gezwungen gewesen wäre, sich bei der Wahl für die bestmögliche Welt an die Logik zu halten, dass man aber, nähme man diesen Zwang weg (z.B. indem man erklärt, die Annahme dieses Zwanges wäre falsch), dann eine Welt denken könne, die noch besser als die logisch-bestmögliche Welt wäre.

dies wäre meines Erachtens eine falsche Interpretation Leibniz’.

Man könnte noch einwenden, dass Leibniz nicht den Beweis
erbracht zu haben glaubt, dass unsere Welt tatsächlich die
beste ist - sondern nur zeigen wollte, das wir nicht sicher
sein können, dass unsere Welt nicht die beste ist. Meinst Du
das?

Nein

Das macht die Sache nicht weniger absurd: Ich kann mir prima
(kohärent) eine bessere Welt vorstellen.

Abgesehen davon, dass ich die Erkenntniskraft solcher umfassenden Gedankenexperimente als sehr gering einschätze, bin ich mir gar nicht sicher, ob man das könnte (womit erst mal überhaupt nichts gerechtfertigt ist; aber das nur by the way).

… Wohl kaum, damit sagt man nur in anderen
Worten, dass man aufhört zu rechtfertigen oder argumentieren.

Ich selbst wollte in diesem Thread ja auch gar nicht argumentieren, sondern nur darauf hinweisen, dass natürlich mit den Leibniz-Worten von der besten aller Welten tatsächlich alles mögliche gerechtfertigt wird, dass man aber, will man sich an Leibniz selbst halten, zuerst bedenken muss, welchen Gottes-Begriff dieser hat, und das ist dezidiert nicht so einfach der allgütige, allmächtige Gott der jüdisch-christlichen Tradition.

(mit Spinoza könnte ich die Problematik viel besser angehen, bei Leibniz kenne ich mich leider vergleichsweise wenig aus)

Viele Grüße
franz

Zunächst möchte ich anmerken, daß ich noch vor wenigen Jahren Deine Frage fast genauso gestellt hätte. Die Fragestellung hat mich lange beschäftigt, und ich bin zu folgenden Ergebnissen gekommen:

  • über 90 % des Leids tun sich die Menschen gegenseitig an, weniger als 10 % des Leids kommt von Naturkatastrophen

  • mehr als 50 % des Leids, das von Naturkatastrophen kommt, könnte verhindert werden, wenn die Menschen nicht damit beschäftigt wären, sich gegenseitig Leid anzutun

  • Gottes Schöpfung ist ein großartiges Angebot mit einer Fülle von guten Möglichkeiten. Die Schöpfung bis weit in die Pflanzenwelt hinein ist schön, rein und friedlich. Aber bereits in der Tierwelt zeichnet sich deutlich das Wirken eines unsagbar häßlichen, gemeinen und geisteskranken Gegenspielers ab. Dieser Gegenspieler ist nicht von Gott geschöpft. Dieser Gegenspieler untersteht nicht der Allmacht Gottes. An wessen Sieg man glaubt, ist die entscheidende Glaubensfrage. Die Einzelsiege des Häßlichen und Bösen sind zahlreich und schmerzlich. Aber im Ganzen gesehen setzt sich vielfach häufiger das Gute durch, was aber vorherige Opfer nicht ungeschehen macht. Es gibt zahlreiche und verläßliche Belege dafür, daß auch in der Tierwelt und unter den Menschen das Gute präsent ist und obsiegt. Dies ist eine ausreichende Basis für den Glauben an einen Gesamtsieg Gottes.

  • wer zutiefst auf Gott vertraut, dem wird selbst in ausweglosen Situationen mit einer Quote Hilfe zuteil, die Vernunftmenschen ratlos macht, weil durch eingeübtes Gottvertrauen der Verstand besser funktioniert und somit weit überdurchschnittliche Aktionen zur Selbstrettung möglich werden, negative Selbstblockierung entfällt, Macht des positiven Denkens greift („Hilfst du dir selbst, so hilft dir Gott“). Außerdem kann Gelassenheit und Gottvertrauen in gefährlichen Situationen zusätzliche Hilfe aktivieren, z. B. wenn jemand wild herumschreit, wird jemand in der Nähe vielleicht abgeschreckt zu helfen, wer aber trotz Gefahr besonnen wirkt, zieht vielleicht mögliche Retter sogar an. Die spezifische Aura einer gefährlichen Situation kann möglicherweise sogar auf Tiere oder Gegenstände wirken und zeitweise physikalische Sondergesetze in Kraft setzen

  • wer trotz Gottvertrauen einen kleinen oder mittleren Schaden erleidet, wird möglichweise dadurch vor größerem Schaden bewahrt. Auch ist es wahrscheinlich, daß seine Opfer die irdischen Kräfte des Guten aktivieren. Wer trotz Gottvertrauen einen großen Schaden erleidet, den nimmt Gott an seine Seite. Die sofortige Wiedergeburt der Seele in einem anderen Lebewesen ist wahrscheinlich, abgesehen von einer späteren Entschädigung.

  • Die gegenwärtige Zivilisation wird vom Kampf der beiden Mächte geprägt. Ein sehr lange dauerndes friedliches Reich von Pflanzen, Tieren und Menschen wird irgendwann nach der Passage eines Nadelöhrs entstehen. In diesem Friedensreich werden 99 % der heutigen Gegebenheiten nicht vorhanden sein. Es werden aber der Geist und die technischen Möglichkeiten vorhanden sein, Gottes Angebote umfassend wahrzunehmen.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

liebes blümchen

Die Schöpfung bis weit in die
Pflanzenwelt hinein ist schön, rein und friedlich. Aber
bereits in der Tierwelt zeichnet sich deutlich das Wirken
eines unsagbar häßlichen, gemeinen und geisteskranken
Gegenspielers ab.

…nur, weil es blutig zugeht?
die reine, schöne und friedliche pflanzenwelt kämpft um ihr überleben
mangels stimmbegabung tatsächlich still.
aber es gibt insektenfressende pflanzen, tödliches gift absondernde
sowie landerobernde imperialistisch konditionierte grünzeuge.

wo ist hier was friedlich, schön oder rein, wenn nicht in der
romantischen vorstellung?

e.c.

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Wie „rechtfertigt“ jemand seinen Glauben an Gott (falls sein
Gott dem Bild des „Allmächtigen“ von dem man im
Religionsunterricht bzw. in der Konfirmationszeit, etc. immer
hört, entspricht) angesichts der ganzen Tragödien die auf der
Welt geschehen?

Die Fragestellung ist falsch.
Gerade WEIL es diese ganzen Tragödien gibt, gibt es Religionen. Ein Mensch, der glaubt, hat Hoffnung bis zuletzt ("die Hoffnung stirbt zuletzt). Ein Mensch, der nicht glaubt, ist hoffnungslos.

Es steht jedem frei zu glauben oder nicht - also Hoffnung zu haben oder hoffnungslos zu sein.

Gruß, Infotalk

Hi,

Die Fragestellung ist falsch.

ist sie nicht. Wie kommst Du dazu, dem Fragesteller seine Fragen zu diktieren? Und wie kann eine Frage „falsch“ sein? Welche Definition von falsch und richtig verwendest Du, und warum?

Gerade WEIL es diese ganzen Tragödien gibt, gibt es
Religionen. Ein Mensch, der glaubt, hat Hoffnung bis zuletzt
("die Hoffnung stirbt zuletzt). Ein Mensch, der nicht glaubt,
ist hoffnungslos.

Es gibt in der Welt nicht nur schwarz und weiss, es gibt auch noch was dazwischen. Und wie Du den Schluss hinbekommst, dass ein Mensch ohne religiösen Glauben hoffnungslos sein soll, das kann ich nun wieder gar nicht nachvollziehen.

Gruss,

Herb

Hallo Herb,

wir können da glaub ich ewig drüber diskutieren, aber woher
soll jemand, der den Tod nicht kennt, wissen was dieses „mußt
du des Todes sterben“ bedeutet?

der Einwand ist berechtigt.
Aber: wissen wir heute, was es bedeutet?
Nein.
Wir wissen, was es für die Hinterbliebenen bedeutet. Aber wir können uns keine Vorstellung machen, was es für den Verstorbenen persönllich bedeutet.
Außer, wir akzeptieren die Erklärungen, die uns die Bibel liefert.

Und ich bin mir sicher, dass Gott Adam und Eva das auch erklärt haben wird, auch wenn es nicht extra in der Bibel angeführt wird.

Wie stehst Du zum Konzept der Sippenhaft?

Sippenhaft, so wie wir sie definieren ist falsch.
Das lehnt aber auch die Bibel ab.
Die Väter sollen nicht für die Kinder noch die Kinder für die Väter sterben, sondern ein jeder soll für seine Sünde sterben.“ (5.Mose 24,16)

Allerdings müssen wir mit den Folgen leben, die unsere Vorfahren an unserer Umwelt verschuldet haben. Und manch einer lebt nicht mehr „im Land seiner Väter“, weil eben ein Vorfahre dieses Land verlassen musste.

Gruss Harald

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Hallo

Also hier meine Frage

Wie „rechtfertigt“ jemand seinen Glauben an Gott (falls sein
Gott dem Bild des „Allmächtigen“ von dem man im
Religionsunterricht bzw. in der Konfirmationszeit, etc. immer
hört, entspricht) angesichts der ganzen Tragödien die auf der
Welt geschehen? Leute sterben an Krebs, an Aids und
hinterlassen Kinder die deswegen unglaublich trauern. Andere
Leute müssen mit Behinderungen leben. Kriege, etc.

Findest Du die Liebe eines Kindes an seinen vater daneben, nur weil ein anderes kind einem Dritten was schlechtes tut? Anders gesagt, willst Du Gott für die schlechten entscheidungen der Menschen verantwortlich machen?

Wie gesagt vielleicht versteh ich das einfach nicht und ich
will niemandem meine Haltung aufzwingen, ich schließ nicht mal
aus, dass es ein Leben nach dem Tod bzw. andere Dimensionen
etc. gibt. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es
einen allmächtigen/guten Gott gibt, der zulässt dass die
ganzen schlimmen Dinge passieren die nun mal passieren. Das
würde für mich bedeuten, dass wenn es einen Gott gibt, dieser
entweder nicht allmächtig ist (wenn man an das Böse als
Gegenkraft glaubt, wärs auch wiederum plausibel, aber dann
wäre Gott auch nicht unbedingt allmächtig) oder nicht absolut
gutmütig ist und jedem verzeiht. Das versteh ich auch nicht.

Gott hat dem Menschen die freie entscheidung gegeben. Du kannst ja wohl nicht erwarten, dass man zwar selbstständig sein will, ohne Gott und dann aber wenn was schiefgeht, den gleichen gott verantwortlich machen will.
Wenn Dein Kind volljährig wird, kannst du ihm sagen, was es alles tun soll und was nicht. Du weisst vieleicht was gut für ihn ist und was gerecht ist 8der himmlische vater weiss es bestimmt). Wenn dann das Kind Deine hilfe völlig ablehnt und sich nicht daran hält, bist Du akls Vater ja auch nichtz schuld, oder? Vieleicht wolltest du auch bei gewissen Sachen eingreifen und das Kind Dir als Vater sogar mal gesagt, lass mich, will selber. Dann kam es schlecht raus.

Es war im Religionsunterricht immer vom Vergeben, etc. die
Rede,

ja, für alle die IHN anerkennen, dh seine „kinder“ sein wollen. Jeder hat die Wahl.

aber andererseits gibt es in der Bibel (oder täusch ich
mich da) auch Stellen in denen vom Gottes Zorn die Rede ist.

ja, wei Du vieleicht als vater auch mal zurecht zornig wurdest

Schöne Grüße
Beat

Hai, Harald,

Das ist, als wenn Du farbenblind wärst und ich Dir die „Wahl“
zwischen Rot und Grün gebe - wobei Rot Dein schmerzhaftes Ende
bedeutet…

das trifft so nicht zu.

dem Tage, da du von ihm issest, mußt du des Todes
sterben.
" (Gen.2,8-17)

OK - es ist schon ein paar Tage her, daß ich das gelesen habe, aber, wie Herb schon anmerkte, war der Tod ja im Paradies nicht existent. Adam und Eva konnten also gar nicht wissen, was Gott damit eigentlich meint…
Also Korrektur meiner Analogie: „Wählst Du Rot, wirst Du grfmblpmf…“

Wo siehst Du eine Falle?
Es war ein Baum, von dem sie nicht essen sollten.
Und Eva wusste , welcher Baum das war.

Wenn Gott sagt, dass sie nicht davon essen sollen, dann ist es
doch völlig egal, warum!

…tun, was Gott sagt, ist gut, nicht tun, was Gott sagt, ist böse - wenn man den Unterschied zwischen gut und böse nicht kennt, ist beides gleichwertig…

Gott sagt, dass wir nicht ehebrechen sollen.
Über das warum kann man tagelang diskutieren.
Tatsache bleibt, dass Ehebruch eine Übertretung des Gebotes
Gottes darstellt.

Das ist nicht vergleichbar, weil dieses Gebot ja erst nach der Erkenntnis kam - es gibt also schon einen Unterschied zwischen artig-sein und unartig-sein. Und damit haben wir jetzt die Möglichkeit zu entscheiden.

Ganz im Gegenteil. Er wollte sie davor bewahren, mit dem Bösen
in Verbindung zu kommen. Sie hätten so glücklich und zufrieden
bis in Ewigkeit im Garten Eden leben können.

Aber in Unkenntnis…
Und ganz offensichtlich waren sie neugierig - und woher hatten sie die Neugier? Eben, von Gott. Was wieder ein „G’schmäckle“ hat - er hat dem Menschen eine Neigung gegeben, die Mensch aber nicht ausleben sollte…

Für diese Erkenntnis haben sie aber einen hohen Preis bezahlt.
Und was hat es gebracht?

Erkenntnis?! Die Möglichkeit, sich tatsächlich zu entscheiden?!

Das hat Gott aber gesagt:
…mußt du des Todes sterben.“ (Gen.2,17)

Ja: „…wirst Du grfmblpmf…“

Wieder falsch:
"Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit
hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle
Buße tun.
" (Apg.17,30)

Eben: „…über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen…“ Hallo??
Woher kam denn die Unwissenheit, über die er ach so großzügig hinwegsieht?
Um wieder meine Analogie herbeizuzerren: ich verzeih Dir, daß Du zwischen Rot und Grün nicht unterscheiden konntest, aber Du musst trotzdem dafür büßen, daß Du Rot wähltest…

Gott straft nicht für Dinge, von denen Du nicht wußtest, dass
sie falsch sind.

Aber Adam und Eva wussten ja gar nicht, was „falsch“ ist, was es überhaupt bedeutet, etwas „falsch“ zu machen, weil sie den Unterschied zwischen falsch und richtig nicht kannten, ja, nicht einmal von einem Unterschied wussten…

Er straft für jene Dinge, die Du trotzdem tust.

Mich nicht… *fg*

Aber, wie auch immer; Du, als Gott-Gläubiger, wirst diese Passage immer anders sehen, als ich (so als nicht-Gläubige). Ich kann nicht wirklich verstehen, wie man die „Falle“, die in dieser Situation steckt, nicht sehen kann - Du kannst wahrscheinlich nicht wirklich verstehen, wo ich da eine Falle sehe.
Wir könnten darüber einen Endlos-Thread spinnen und wären am Ende wohl auch nicht näher, als jetzt. So laß uns denn weiterhin gemeinsam verwundert übereinander den Kopf schütteln…

freundlichen Gruß
Sibylle

Hi Harald,

Hallo Herb,

wir können da glaub ich ewig drüber diskutieren, aber woher
soll jemand, der den Tod nicht kennt, wissen was dieses „mußt
du des Todes sterben“ bedeutet?

der Einwand ist berechtigt.
Aber: wissen wir heute, was es bedeutet?
Nein.
Wir wissen, was es für die Hinterbliebenen bedeutet. Aber wir
können uns keine Vorstellung machen, was es für den
Verstorbenen persönllich bedeutet.

hm, darüber lässt sich streiten. Sterben bedeutet, dass das Leben erstmal vorbei ist. Keine Süssigkeiten mehr naschen, kein Sex, kein Kino, nix. Zumindest nicht so wie wir es kennen. Und da keiner weiss ob es sowas wie ein leben nach dem Tod gibt gehe ich erstmal davon aus, dass der Tod endgültig ist (ich weiss, meine Annahme der Endgültigkeit ist für Dich nicht akzeptabel, aber auch dann gilt der Rest).
Jeder von uns kann sich da sein eigenes Bild machen, und genau darum gehts. Wenn Du einem Menschen heute mit der Todesstrafe drohst, dann weiss er was das bedeutet. Die Todesstrafe wird nicht umsonst als die ultimative Strafe bezeichnet.

Aber wie soll jemand die Todesstrafe einschätzen, wenn er mit dem Begriff Tod nichts anfangen kann?

Deinen Einwand, dass man auch heute nicht weiss, ob der Tod nun das Ende ist oder nicht, lasse ich so also nicht gelten.

Und ich bin mir sicher, dass Gott Adam und Eva das auch
erklärt haben wird, auch wenn es nicht extra in der Bibel
angeführt wird.

Das schliesst Du aus Deinem Vertrauen in Gott, aber nur mal angenommen dem wäre nicht so?

Wie stehst Du zum Konzept der Sippenhaft?

Sippenhaft, so wie wir sie definieren ist falsch.
Das lehnt aber auch die Bibel ab.
"Die Väter sollen nicht für die Kinder noch die Kinder für
die Väter sterben, sondern ein jeder soll für seine Sünde
sterben.
" (5.Mose 24,16)

Allerdings müssen wir mit den Folgen leben, die unsere
Vorfahren an unserer Umwelt verschuldet haben. Und manch einer
lebt nicht mehr „im Land seiner Väter“, weil eben ein Vorfahre
dieses Land verlassen musste.

Geschickt ausgewichen, da muss ich ein wenig drüber nachdenken. Solange geht der Punkt an Dich :wink:

Viele Grüsse,

Herb

und sind damit kräftig auf die Nase gefallen

so unterschiedlich kann man ein und dieselbe geschichte verstehen! nach deiner lesart wäre sie also besser ausgegangen, wenn nichts passiert wäre. ist das wirklich das bessere ende?

die berühmte paradiesgeschichte ist nichts anderes als eine kurzfassung der geschichte der menschwerdung - der sprung vom tier zum menschen, als aus tierischem verhalten menschliches handeln wurde. der ungehorsam ist es nämlich, der den menschen zum menschen macht. würde der mensch nicht bewußt falsch handeln können, dann würde er überhaupt nicht handeln sondern sich wie ein tier instinktgetrieben verhalten. der ungehorsam - bzw. der freie wille - ist die bediungung für das vorhandensein von moral.

ob man moral jetzt philosophisch über werte definiert oder in religiösen bildern von geboten und verboten ist jacke wie hose. die paradiesgeschichte zeigt in jedem fall deutlich, was den menschen ausmacht: nein zu sagen zu einer sache, die einem als gut definiert wurde. das „auf die nase fallen“ ist natürlich teil des spiels, denn aus ungehorsam folgt verantwortlichkeit und aus verantwortlichkeit folgen sanktionen.

gruß
dataf0x

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Hallo Herb,

Und ich bin mir sicher, dass Gott Adam und Eva das auch
erklärt haben wird, auch wenn es nicht extra in der Bibel
angeführt wird.

Das schliesst Du aus Deinem Vertrauen in Gott, aber nur mal
angenommen dem wäre nicht so?

dann müsste sich Gott im Laufe der Zeit(?) verändert haben.

Gott der HERR tut nichts, er offenbare denn seinen Ratschluß den Propheten, seinen Knechten.“ (Amos 3,7)

Gruss Harald

Hi Harald,

dann müsste sich Gott im Laufe der Zeit(?) verändert haben.

das verstehe ich jetzt nicht.

"Gott der HERR tut nichts, er offenbare denn seinen
Ratschluß den Propheten, seinen Knechten.
" (Amos 3,7)

Hm, vielsagender kann man es ja fast nicht hinschreiben :wink: Aber mit der Ausdrucksweise in der Bibel hab ich so meinen Schwierigkeiten…

Grüsse,

Herb

Hallo!
Das nenn ich mal eine profunde Analyse der Paradiesgeschichte!

würde der mensch nicht bewußt falsch
handeln können, dann würde er überhaupt nicht handeln sondern
sich wie ein tier instinktgetrieben verhalten. der ungehorsam

  • bzw. der freie wille - ist die bediungung für das
    vorhandensein von moral.
    (…) die paradiesgeschichte zeigt in jedem fall deutlich, was
    den menschen ausmacht: nein zu sagen zu einer sache, die einem
    als gut definiert wurde. das „auf die nase fallen“ ist
    natürlich teil des spiels, denn aus ungehorsam folgt
    verantwortlichkeit und aus verantwortlichkeit folgen
    sanktionen.

Dafür von mir ein besonders gern gegebenes Sternchen!
Christian

Servus!
Vielleicht lässt sich deine Verwirrung lösen, indem ich Dir einen hier schon oft gegebenen Hinweis gebe: Sieh die Geschichte mit Paradies und so nicht als Geschichte oder Roman, als streng logische Abfolge von Ereignissen, sondern als Parabel. Deshalb wurde diese „zweite Schöpfungsgeschichte“ auch erst geschrieben (im Unterschied zur ersten, die mow Volksgut darstellt).
Oder wirfst du Äsop vor, dass Tiere doch in Wirklichkeit gar nicht sprechen können? Oder Lessing bzw. Bocaccio, dass das ganz Drumherum der Ringparabel historisch gar nicht stimmt?
Dann wirf Gott auch nicht vor, Adam mit etwas gedroht zu haben, was er nicht kennt - das ist in diesem Zusammenhang kindisch. Jeder Mensch kennt den Tod bzw. die Angst davor und wird ihn nach Kräften vermeiden.

VG
Christian

Dann wirf Gott auch nicht vor, Adam mit etwas gedroht zu
haben, was er nicht kennt - das ist in diesem Zusammenhang
kindisch. Jeder Mensch kennt den Tod bzw. die Angst davor und
wird ihn nach Kräften vermeiden.

sicher ist das ein logischer fehler. aber ich finde, die drohung mit dem tod ist gar nicht das ausschlaggebende.

der überwitz an dieser geschichte ist, daß am ende die beiden protagonisten mit dingen „bestraft“ werden, die wir nicht nur als normal in unserem leben sondern auch noch als positiv und wichtig erachten: kinder zu haben und den lebensunterhalt zu bestreiten (auch witzig dabei die geschlechterverteilung - jeder wird sich da wiedererkennen :wink:. das klingt meiner meinung nach nach einer proformastrafe, die nur kommt, um sich nicht lächerlich zu machen und das spiel nicht zu offensichtlich zu machen. mit „spiel“ meine ich sowas wie den initiationslauf einer software, die man erstmal anrennen läßt, damit die richtigen parameter gesetzt werden. die sgn. „sünde“ ist doch der aufhänger dieser ganzen geschichte. wenn sie ausbliebe, wären wir nicht was wir sind. das soll doch damit ausgedrückt werden.

gruß
dataf0x