Hallo Paul,
Kein Mensch würde die Behauptung, wir lebten in der besten
aller möglichen Welten auch nur eine Sekunde Beachtung
schenken (es sei um, als letztem Ausweg am Glauben festhalten
zu können).
natürlich in keinster Weise bestreiten, lediglich, dass dies
allzu viel mit Leibniz zu tun hätte.
Ich verstehe nicht, was Du meinst.
Du hast es tatsächlich anders aufgefasst als es von mir gemeint war.
Ich wollte in keinster Weise zeigen, dass Leibniz mit seiner Theodizee Recht gehäbt hätte oder gar Recht haben m ü s s e, sondern lediglich, dass man seine Theodizee nicht dort einreihen kann, wo Arndt sie eingereiht hat, nämlich in Deine These aus:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
These: Gott - allgütig & allmächtig - existiert.
Folgerung: Es gibt kein (unnötiges) Leid in der Welt, d.h. die
Welt enthält soviel Glück und sowenig Leid, wie überhaupt
möglich.
… weil Leibniz’ Gottes-Begriff nicht das „allgütig und allmächtig“ beinhaltet
In Leibniz’ Theodizee geht es darum zu zeigen, dass kein „nicht-notwendiges“ Leid bzw. Übel in der Welt enthalten ist, das heißt: jedes Übel sei erklärbar und notwendig, weshalb wir uns eben in einer maximal vollkommenen Welt befänden, in der „besten aller Welten“.
Es geht Leibniz also nicht darum das Übel zu leugnen um die Existenz Gottes zu beweisen (vgl. z.B. Boethius: „Malum nihil est“), sondern darum zu zeigen, dass alles Übel nicht grundlos bzw. „funktionslos“ ist; so macht etwa der Schmerz es erst aus, dass die Schmerzlosigkeit als angenehm empfunden werden kann, etc.
Leibniz geht davon aus, dass Gott sich nicht über die Gesetze
der Logik hinwegsetzen kann, richtig.
Jein;
schon Ja, aber nicht, weil die Logik irgendwie „höherwertiger“ als Gott wäre, sondern weil sie „in Gott“ ist; sie ist also nicht etwa eine Beschränkung der Macht Gottes, sondern sie ist in gewisser Weise Gott.
Dann muss unsere Welt nicht die beste aller (logisch)möglichen
und (logisch) unmöglichen sein (was immer das heißen soll),
sondern *nur* die beste aller (logisch) möglichen Welten
damit dieser Satz Sinn ergibt, müsste man wohl tatsächlich voraussetzen, dass die Logik „über“ Gott stehe, dass also wie auch immer Gott gezwungen gewesen wäre, sich bei der Wahl für die bestmögliche Welt an die Logik zu halten, dass man aber, nähme man diesen Zwang weg (z.B. indem man erklärt, die Annahme dieses Zwanges wäre falsch), dann eine Welt denken könne, die noch besser als die logisch-bestmögliche Welt wäre.
dies wäre meines Erachtens eine falsche Interpretation Leibniz’.
Man könnte noch einwenden, dass Leibniz nicht den Beweis
erbracht zu haben glaubt, dass unsere Welt tatsächlich die
beste ist - sondern nur zeigen wollte, das wir nicht sicher
sein können, dass unsere Welt nicht die beste ist. Meinst Du
das?
Nein
Das macht die Sache nicht weniger absurd: Ich kann mir prima
(kohärent) eine bessere Welt vorstellen.
Abgesehen davon, dass ich die Erkenntniskraft solcher umfassenden Gedankenexperimente als sehr gering einschätze, bin ich mir gar nicht sicher, ob man das könnte (womit erst mal überhaupt nichts gerechtfertigt ist; aber das nur by the way).
… Wohl kaum, damit sagt man nur in anderen
Worten, dass man aufhört zu rechtfertigen oder argumentieren.
Ich selbst wollte in diesem Thread ja auch gar nicht argumentieren, sondern nur darauf hinweisen, dass natürlich mit den Leibniz-Worten von der besten aller Welten tatsächlich alles mögliche gerechtfertigt wird, dass man aber, will man sich an Leibniz selbst halten, zuerst bedenken muss, welchen Gottes-Begriff dieser hat, und das ist dezidiert nicht so einfach der allgütige, allmächtige Gott der jüdisch-christlichen Tradition.
(mit Spinoza könnte ich die Problematik viel besser angehen, bei Leibniz kenne ich mich leider vergleichsweise wenig aus)
Viele Grüße
franz