Adoption
Hi Abraham,
ich weiß nicht, ob es was bringt, aber ich werde mal versuchen, dir das eine oder andere Motiv zu erklären.
Ich denke, der Beitrag, in dem Angst als Beweggrund genannt wurde, zeigt schon einen ganz wichtigen Aspekt. Viele Frauen reagieren auf eine ungewollte Schwangerschaft (manchmal sogar auf eine gewollte) mit Angst und Panik. Aufgrund der damit verbundenen Belastungen (es sind eindeutig welche) ist das auch verständlich, finde ich.
An dieser Stelle ist übrigens niemandem gedient, wenn man diese Gefühle nicht respektiert und (mit falsch verstandenem christlichem Weltbild) der Frau vorwirft, sie hätte die „falschen Gefühle“ angesichts der Freuden der Mutterschaft.
Die Frau muß in dieser Situation, innerhalb relativ kurzer Zeit eine Entscheidung treffen. Und entscheiden muß sie am Ende alleine, egal was der Partner, die Kirche, die Verwandtschaft etc. dazu sagen.
Und manche Frauen kommen zu dem Schluß, daß sie das Kind nicht wollen. Das Kind nicht zu wollen ist auch ihr gutes Recht. Man kann eine Frau höchstens dazu zwingen ein Kind zu bekommen, aber ganz sicher nicht dazu, das Kind auch zu wollen. Auch das ist eine Tatsache, die von sog. Abtreibungsgegnern oft übersehen wird. Die Mutterschaft wird als etwas so heiliges betrachtet, daß die Gefühle von Frauen, die sie nicht postiv wahrnehmen und sich nicht auf das Kind freuen, oft einfach ignoriert werden (z.B. indem man nur die armen Hascherl sieht, die aus sozialen Gründen keinen anderen Ausweg wissen). Dies hat auch zur Folge, daß die vorhandenen Hilfsangebote (die sehr wohl wichtig sind!) nur einem Ausschnitt der Schwangeren nützen. Nämlich denen, die das Kind eigentlich wollen, sich aber tatsächlich in einer sozialen Notlage befinden.
Abtreibungsbefuerworter behaupten immer wieder das abtreibende
Frauen wichtige Gruende zur Abtreibung haben und sich diese
Entscheidung nicht leicht machen, ja sogar in die Verzweiflung
getrieben werden.
Nein, das behaupte ich nicht. Dieses Bild trifft zwar auf viele Frauen zu, aber nicht auf alle. Manche wollen einfach kein Kind (halte ich sehr wohl für einen wichtigen Grund). Und hier ist anzumerken, daß die vorhandenen Hilfsangebote noch lange nicht ausreichen, um soziale Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch zu beseitigen. Dazu würde z.B. auch gehören, entsprechende Betreuungsangebote auszubauen, die es einer alleinerziehenden Mutter, erleichtern, weiter in ihrem Beruf tätig zu sein und sich den Lebensunterhalt selbst zu verdienen anstatt auf Sozialhilfe angewiesen zu sein (entwürdigend!).
Aber Rabenmütter, die neben den Kindern auch noch eigene (z.B. berufliche) Interessen haben, passen ja auch nicht in das Weltbild vieler christlicher Fundamentalisten.
Natürlich wäre die Adoption sicherlich für viele eine echte Möglichkeit. Ich könnte mir schon denken, daß ein Teil (vielleicht sogar ein größerer Teil) der Frauen, die das Kind nicht wollen, bereit wäre, die Schwangerschaft durchzustehen und das Kind anschließend zur Adoption freizugeben.
Da gibt es allerdings auch wieder schwerwiegende soziale Hindernisse, die nicht ganz separat vom christlichen Weltbild betrachtet werden können. Eine Schwangerschaft läßt sich ja irgendwann nicht mehr verbergen. Das heißt, die Verwandtschaft, der Arbeitgeber etc. erfahren was los ist. Und sie erfahren auch, daß das Kind zur Adoption freigegeben wird. Und da ist die Frau dann wieder untendurch (Rabenmutter hoch drei!). Tut sie es aus sozialen Gründen, wird man sie vielleicht ein wenig bedauern (und trotzdem über sie herziehen). Macht sie es aber, weil sie einfach kein Kind will, begeht sie damit einen unverzeihlichen Verstoß gegen die ungeschriebene Sozialordung. Sie schlachtet eine „heilige Kuh“, indem sie sich offen gegen die Mutterschaft entscheidet (und damit gegen ihren angeblich hauptsächlichen Lebenszweck).
Eine Abtreibung ist dagegen viel unauffälliger. Man vermeidet es damit offen die Gefühle einer Gesellschaft zu verletzen, die die „Vater-Mutter-Kind-Familie“ zu ihrem „heiligen Stützpfeiler“ erkoren hat.
Und das geht auch auf das christliche Weltbild zurück. Ich will hier weder das christliche Weltbild, noch die Familie grundsätzlich angreifen. Nur denke, ich, daß es im Sinne der Sache schon sinnvoll ist, auch auf problematische Aspekte hinzuweisen. Wichtig ist es meiner Meinung nach, sich ehrlich mit der emotionalen Realität von ungewollt schwangeren Frauen auseinanderzusetzen. Vielleicht könnte es schon helfen, wenn es allgemein akzeptiert würde, daß eine Frau das Recht hat, kein Kind zu wollen (und damit auch zur Adoption freizugeben).
Viele Grüsse,
Nina